Liverpool gegen Nottingham Forest, Samstag, 29. August, Anfield. Im Spielplan stand 15 Uhr. Angepfiffen wird um 12:30. Wer seinen Flug für den Samstagmorgen gebucht hat, landet, während längst gespielt wird.
Das ist keine Ausnahme. Das ist Standard.
Wenn im Juni die Spieltermine für die neue Saison herauskommen, steht hinter fast jeder Partie dieselbe Zeit: Samstag, 15 Uhr Ortszeit. Das sieht aus wie ein Spielplan. Es ist keiner. Die 15 Uhr ist eine Voreinstellung — ein Platzhalter für alles, worüber noch niemand entschieden hat.
Entschieden wird Monat für Monat, jeweils gut sechs Wochen vorher. Wer im Oktober ins Stadion will, erfährt Ende August, wann tatsächlich angepfiffen wird. Vorher steht überall eine Uhrzeit, die niemand zugesagt hat.
Und dann geht es los. Für die Spieltage zwei bis fünf dieser Saison hat die Liga 23 von 40 Partien aus dem Samstagnachmittag herausgeholt. An einem einzigen Spieltag blieben zwei Spiele stehen. Von zehn.
Das klingt nach Chaos, und für alle, die von weit her anreisen, fühlt es sich auch so an. Dahinter steckt aber ein System — und das ist berechenbarer, als es aussieht.
Warum ein Termin nicht gilt, den alle kennen
Hier raten die meisten falsch. Man vermutet, die Spiele wandern, weil das Fernsehen sie zeigen will. Sie wandern, weil das Fernsehen sie zu dieser Zeit nicht zeigen darf.
Zwischen 14:45 und 17:15 Uhr darf in Großbritannien kein Fußballspiel live übertragen werden. Gespielt wird sehr wohl — gezeigt werden darf es nicht. Zweieinhalb Stunden Sendesperre, jeden Samstag, seit Jahrzehnten. Der Gedanke dahinter ist einer, den jeder Fan unterschreibt: Wer zu Hause nichts sehen kann, geht ins Stadion — auch in das kleine um die Ecke. Die Sperre schützt die unteren Ligen vor den oberen. Eine Regel, um die man England beneiden kann.
Für die britischen Fernsehsender Sky Sports und TNT Sports heißt das: Bei jedem Spiel, das übertragen werden soll, muss der Anstoß verschoben werden. Auf Freitagabend, Samstagmittag, Sonntag oder Montagabend.

Der zweite Grund ist der Europapokal. Englische Clubs spielen international, und zwischen zwei Spielen müssen mindestens zwei freie Tage liegen. Wer donnerstags in der Europa League antritt, darf am Samstag darauf nicht ran. Wer dienstags in der Champions League ran muss, ist am Sonntag davor blockiert. Jede dieser Sperren drückt ein Spiel aus seinem Termin — und weil das Wochenende voll ist, drückt dieses Spiel das nächste. Am Ende ist ein ganzer Spieltag umsortiert, und niemand hat das so geplant.
Der Termin mit dem Sternchen
Ende August werden die Oktober-Termine veröffentlicht. Ab jetzt, könnte man meinen, ist es amtlich. Bei den meisten Spielen stimmt das. Bei manchen nicht.
Brentford gegen Chelsea steht auf Freitag, den 18. September, 20 Uhr. Daneben ein Sternchen, und darunter steht, wann dieser Termin wieder fällt: wenn einer der beiden Clubs die dritte Runde des Ligapokals erreicht und dort gegen einen Champions-League-Teilnehmer gelost wird. Dessen Woche ist durch Europa ohnehin belegt, also muss die Pokalpartie ausweichen — und das Ligaspiel rutscht mit, auf den Samstag.
Ein Tag Unterschied klingt harmlos. Beim Montagsspiel Leeds gegen Newcastle steht dieselbe Bedingung, und dort springt der Anstoß um zwei Tage und siebeneinhalb Stunden nach vorn — von Montag, 20 Uhr auf Samstag, 12:30 Uhr.
Für einen Fan aus Leeds ist das ärgerlich. Für jemanden, der aus Deutschland anreist, ist es die ganze Reise. Und in den gängigen Fußballportalen taucht dieses Sternchen gar nicht erst auf — dort steht ein Datum, als wäre es endgültig.
Wann kann man buchen?
Als Faustregel gilt: Rund sechs Wochen vor dem Spieltag steht die Anstoßzeit, und dann stimmt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch. Wer erst danach den Flug bucht, hat eine belastbare Grundlage. Ganz ausschließen lässt sich eine spätere Änderung trotzdem nie — und dagegen hilft am zuverlässigsten nicht Recherche, sondern die Aufenthaltsdauer. Drei Nächte von Freitag bis Montag decken fast jede Anstoßzeit ab, die ein Spieltag hergibt. Eine Nacht mehr als geplant, dafür ein Wochenende, das in jedem Fall funktioniert — und ein Abend mehr in einer Stadt, für die sich die Reise ohnehin lohnt.
In eigener Sache: Die Weekend Trips GmbH aus Rostock verkauft offizielle Fußballtickets für Heimspiele europäischer Topclubs, auf Wunsch dazu ein Hotel. Die Karten stammen aus den offiziellen Kartenkontingenten für internationale Gäste des Clubs.
Fotos: Rene H. & Canva
