Passiv-aktiver Sport-Sonntag: Motorsport und Kreisklasse-Fußball in Szreniawa

Was sich immer lohnt ist ein Ausflug zur Rennstrecke für Motorsport neben dem Flughafen. In der Regel richtet der Automobilklub Wielkopolski Autorennen in vielen Leistungsklassen und Disziplinen sowie Motorradrennen und auch Fahrradrennen an. Fotos von LKW-Rennen liefen mir auch schon über den Weg, aber bisher habe ich noch keine Ansetzung gefunden. Die Anlage selbst hat einen eher rustikalen Charme und steht im Kontrast zu modernen Arenen. So gut wie alle alten Tribünen wurden aber bereits vor ein paar Jahren abgerissen. Für Zuschauer steht nun der Turm und eine steile Stahlrohrtribüne zur Verfügung. Beim Ralley-Cross öffnen sie noch eine weitere auf einem Hügel.

Natürlich gibt es Catering und leckeres Eis. Wem das zu teuer ist, der wird in der Umgebung in einem Supermarkt fündig werden. Abhängig von der Veranstaltung und vom Wetter kommen mal mehr und mal weniger Zuschauer. Zum heutigen Motorradrennen waren im Vergleich zu den Veranstaltungen der vierrädrigen Vertreter relativ wenige Zuschauer. Böse Zungen würden behaupten, dass man das, was man hier geboten bekommt, auch tagtäglich auf polnischen Straßen vorfindet. Und ich muss zugegeben: Schon immer erschien mir die Fahrweise in Polen aggressiver als bei den Deutschen. Drängeln, Drohgebärden und das Durchdrücken des Gaspedals fallen mir mehr auf als bei meinen Landsleuten. In Hoppingheften findet man immer wieder mal Kollegen, die diese These in Berichten untermauern. Das Gedrängel auf dem Turm entfiel jedenfalls somit, was mich auch wiederum freute.

Die Stahlrohrtribüne wurde aber auch zahlreich in Beschlag genommen. Geschützt von Regenschirmen, die natürlich auch Werbung trugen, gingen die Fahrer an den Start. Darunter war auch eine Frau. Nach einer Warm-Up-Runde ging es los. Ganz so laut wie ich es vom Autorennen her kenne, war es nicht. Das kommt mir auch entgegen. Von der Unterhaltung her liegt für mich der Sport auf ähnlicher Ebene. Vielleicht ist der Sport sogar noch etwas spektakulärer, denn es sieht schon heftig aus, wenn die Fahrer in die Kurve gehen. Mit vier Rädern hat man auch noch eine ganz andere Sicherheit als auf zwei Reifen. Dazu noch diese irren Geschwindigkeiten! Das war jedenfalls der Auftakt zum Sonntag, dem letzten sommerlichen Sommertag in diesem Jahr. Die Temperaturen kletterten schon fast in unangenehme Sphären. Da ging es gleich sportlich auf dem See weiter – natürlich ohne Schatten.

Hinter der Stadtgrenze schließt sich die Gemeinde Tarnowo Podgórne an, welche wirtschaftlich ordentlich Power und landschaftlich auch etwas zu bieten hat, wenn man sich mit Wald, See, Feld und Park zufrieden geben vermag. Der Lusowo-See (jezioro lusowskie) hat nicht nur sauberes Wasser zum Baden, sondern bietet auch anderen Interessenten weitere Möglichkeiten (Surfen, Angeln usw.) der Freizeitbeschäftigung. Ich habe den auch mal wandernd umrundet. Für 15 zl pro Person kann man sich ein Tretboot ausleihen. In Zeiten, wo alles immer teurer wird, ist das ein gar nicht so tiefer Griff in die Tasche. Will man den ganzen See sehen, dann muss man schon mehr hinpacken. Ich denke aber, dass der doppelte Preis ausreicht. So groß ist er nicht.

Der Tag war noch nicht zu Ende. Fußball muss sein. Wenn wieder die Zeit gekommen ist, die Erntedankfeste zu veranstalten, dann rollt auch wieder der Ball in der B-Klasa, der untersten Liga. Orły Plewiska hat im ersten Spiel bei Grom Plewiska mit 2-4 verloren und wollte nach der Niederlage im Derby nun Future Puszczykowo zeigen, dass sie es auch besser können.

Die Anstoßzeit in Szreniawa wurde sehr clever gelegt, denn tagsüber war es noch richtig heiß. Aber im späten August um 19:00 ist die Temperatur schon angenehm. Es mussten nicht einmal Trinkpausen gemacht werden. Die Sonne ging langsam über Szreniawa unter, als die Gladiatoren das Feld betraten. Die Adler begannen gleich engagiert, und ein Kopfball in den ersten Sekunden des Spiels landete erst mal nur auf dem Tornetz. Kurz danach machten sie es besser. Mannschaftskapitän Jankowski bekommt an der Ecke des Strafraums einen Pass von links und platziert den Ball unhaltbar in der rechten unteren Ecke des Tors. Die Adler setzten die Gäste dann weiter unter Druck. Erst nach ca. 20 Minuten begannen die ersten zögerlichen Versuche auf das Tor von Orły.

Es folgte ein Phase, in der beide Mannschaften nach vorne spielten. Kurios dann die 35. Minute. Orły greift wieder an. Eine hohe Hereingabe wird per Hinterkopf von einem Spieler Gäste verlängert und landet an der Unterkante der Latte. Im direkten Gegenzug foult der Olejniczak (der Torwart von Orły) den Stürmer der Gäste vor dem Strafraum. Da gab es nur eine Lösung: rote Karte und Platzverweis. Der Freistoß danach brachte nichts. Die Grundlage für ein spannendes Spiel wurde allerdings nun erbracht: Die in Führung liegende Mannschaft muss mit einem Spieler weniger spielen. Bis zur Pause blieb es beim 1-0. Puszczykowo ist zwar technisch stark, aber es fehlt den jungen Spielern der Fußballakademie noch an Durchsetzungsvermögen und Erfahrung.

Vom Licht her war es inzwischen schon recht dunkel. Das erinnerte stark an November/Dezember-Spiele von Blau Weiß 90 auf dem Hauptplatz an der Rathausstraße. Nur eine Bratwurst gibt‘s hier nicht. Einen Imbiss sucht man ja zu 99% auf polnischen Sportplätzen vergeblich. Ein Werbeschild lädt die Zuschauer wenigstens zum Nutzen der Getränkeautomaten ein. Neben kalten und warmen Getränken gibt es auch Snacks. Ich testete für unschlagbare drei zl eine wenig gesüßte Erdbeermilch eines Produzenten aus der Umgebung. Lecker!

In der zweiten Hälfte versuchte Orły nun diese erwähnte Erfahrung auszunutzen, um sich mit einem 2:0 in die Lauerstellung begeben zu können. Es dauerte wieder zirka 20 Minuten, bis Puszczykowo nun selbst wieder drückte. Der Kampf hätte nun etwas intensiver sein können. Auch so wurden die 60 Zuschauer gut unterhalten. Es gab sogar Gesänge von zirka 10 bis 15 Leuten. Was will man in der B-Klasa mehr? Insgesamt kam Puszczykowo dann nur noch selten vor das Tor von Orly. Eine gute Chance vernichtete kurz vor dem ende ein Bein eines Abwehrspielers, nach dem der Torwart schon ausgespielt wurde. Das 2:0 durch einen Handelfmeter in der 86. Minute beendete dann alle Hoffnungen, noch einen Punkt aus Szreniawa mitnehmen zu können.

Bericht & Fotos: Michael

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