VfL Osnabrück - Rot-Weiss Essen 21.02.2026

Rot-Weiss Essen: Gestern kein Abstieg. Morgen Aufstieg? So aber nicht!

„Gegen Osna kann man mal verlieren“, hallte es gestern durch das Kult-Stadion Bremer Brücke. Ja, natürlich kann man das – aber nicht so. Wie schon beim Auswärtsspiel in Aachen war Rot-Weiss Essen teilweise „nur“ anwesend (vor allem in der zweiten Halbzeit). Ja, Osnabrück hatte Schussglück, und RWE die eine oder andere sehr gute Chance auf ein eigenes Tor und scheiterte nur am überragenden Osnabrücker Keeper Lukas Jonsson – und am Rasen. Doch das sind nicht die alleinigen Gründe für die 3:0-Niederlage im Spitzenspiel.

VfL Osnabrück – Rot-Weiss Essen 21.02.2026
VfL Osnabrück – Rot-Weiss Essen 21.02.2026 – RWE Team nach dem Spiel

Lange ging hier kein RWE-Artikel mehr von mir hier online. Der letzte war tatsächlich über das Hinspiel zwischen Essen und Osnabrück (RWE vs. Osnabrück: Weniger reden, mehr tun – wann Uwe?), irgendwie ein Deja Vu.

Was Rot-Weiss Essen in den letzten Monaten auf den Platz bringt, ist oft nicht schön anzusehen und wirkt teilweise, als sei die Mannschaft nicht eingespielt. Kein Wunder bei ständigen Taktikexperimenten und den daraus folgenden Rotationen. Doch der Erfolg gibt dem Trainerteam und den Spielern recht: Die Punkte werden trotzdem eingefahren, man war ungeschlagen seit November und so hat man sich mit 43 Zählern oben festgesetzt. Dennoch sehen nicht nur die Fans die Spielweise äußerst kritisch.

VfL Osnabrück – Rot-Weiss Essen 21.02.2026
VfL Osnabrück – Rot-Weiss Essen 21.02.2026 – Flanke zum 1:0

Ja, man könnte sagen: „Jammern auf hohem Niveau.“ Aber es ist doch anders: Letzte Saison entkam man mit einer grandiosen Rückrunde noch dem Abstieg, nun schnuppert man am Aufstieg in die 2. Liga. Nein, die RWE-Fans fordern diesen nicht, aber die Sehnsucht, nach 19 Jahren wieder zweitklassig zu spielen, ist groß. Wenn man sich schon oben herantastet, darf man auch träumen. Und das hat nichts mit fehlender Demut zu tun, wie Essens Kapitän Michael Schultz im Interview mit dem Reviersport kritisierte und den RWE-Fans riet, besser nur noch Spiele des FC Bayern München zu schauen.

Ja die Worte waren etwas drüber gegenüber Fans, die ihr Team in den vergangenen Jahren – auch in schwierigen Zeiten – bedingungslos unterstützt haben. Es passt jedoch zum Auftreten des Kapitäns in den letzten Wochen. Als die Fans nach dem Schlusspfiff in Aachen vor allem die erste Halbzeit kritisierten, zeigte er sein Unverständnis mit Kopfschütteln in Richtung Gästeblock. Auch gestern war er – wie einige andere Spieler – nicht erfreut über vereinzelte Pfiffe und „Uwe raus“-Rufe. Einer Diskussion stellten sich einzelne Spieler erst, nachdem die Capos die Menge beruhigt hatten. Lobenswert ist es, dass er sich vor die Mannschaft und den Trainer stellt. Doch Kritik sollte möglich sein, ohne dass man sofort scharf zurückschießt. Offensichtlich ist er und das ganze Team derzeit ebenso unzufrieden und „angefressen“.

VfL Osnabrück – Rot-Weiss Essen 21.02.2026
VfL Osnabrück – Rot-Weiss Essen 21.02.2026 – Spieler diskutieren mit den Fans

Nein, die RWE-Fans haben nicht vergessen, aus welchen Tiefen des Ligensystems der Klub wieder aufgestiegen ist. Und es mag widersprüchlich wirken, wenn man während eines sportlichen Höhenflugs Kritik äußert. Vielleicht ist es aber auch ein Warnruf, sich nicht mit dem Erreichten zufriedenzugeben. Ziel sollte es doch sein, so schnell wie möglich aus der wilden 3. Liga nach oben zu verschwinden. Bleibt man zu lange, besteht die Gefahr, schneller als gedacht wieder in die 4. Liga abzurutschen. Ein Beispiel der 1. FC Saarbrücken: Mit dem Aufstieg 2020 aus der Regionalliga war man stets oben dran und spielte in der vergangenen Saison sogar gegen Eintracht Braunschweig um die Aufstiegsrelegation. Und heute kämpft der FCS um den Klassenerhalt in Liga 3. Andere Klubs, die zu lange drin waren (Halle, Zwickau) sind inzwischen verschwunden. Die dritte Liga ist wild und gefährlich.

Noch ist die Saison 2025/2026 nicht entschieden. Noch ist alles möglich. Die Tür zur zweiten Liga ist noch nicht verschlossen. Sollte es klappen, könnten sich die Spieler in Essen unsterblich machen – und ihre Namen würden von einem „Fußballgott“ begleitet durch das Stadion hallen. Aber auch wenn es „nur“ Platz vier oder fünf wird, wird niemand das Team kritisieren, sofern die Leistung auf dem Platz stimmt. Jeder einzelne Spieler besitzt herausragende Qualität – sie muss nur abgerufen werden. Hier ist das Trainerteam gefragt. Und zwar nicht mit einem Einführungskurs in Rhetorik und langen, ausschweifenden Vorträgen, sondern mit einer knallharten, präzisen Analyse und deren konsequenter Umsetzung.

Sicherlich sind auch die Spieler selbst über ihre Leistungen und die Kritik der Fans verärgert. Jetzt gilt es, diesen Ärger als zusätzlichen Schub auf den Platz zu bringen. Zusammenhalt ist das Stichtwort und den aufmunternden Applaus aus dem Gästeblock nach der Aussprache als Motivation mitnehmen. Es geht nur zusammen. Die nächste Chance bietet sich kommende Woche beim F.C. Hansa Rostock. Da ist noch eine Rechnung offen aus dem Spiel vom 26. Oktober 2024.

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3 Kommentare zu „Rot-Weiss Essen: Gestern kein Abstieg. Morgen Aufstieg? So aber nicht!“

  1. Man muss nicht aufsteigen, aber man darf nicht in einen negativen Lauf verfallen, der der kommenden Saison schadet. In der 3. Liga sind schon zuviele Vereine mit hohen Ambitionen runtergegangen.

    Ich denke Uwe Koschinat ist der falsche Trainer. Er kann Klassenerhalt, aber eine Weiterentwicklung nicht. Auch wirkt es so, als ob es intern nicht passt. Beispiel Arslan oder auch andere Kicker.

  2. Ich gebe K.Hoeft vollkommen Recht!!! Ja, RWE hat das Glück, dass in dieser „wilden“ Liga jeder jeden schlagen kann und man weit oben steht, trotz teilweiser überschaubarer Leistungen! Die letzten Spiele waren von einem behäbigen Auftreten geprägt, siehe Aachen, dann Regensburg, jetzt Osnabrück!!! Man liegt 0:2 zurück und man spielt gemütlich „hinten herum“, als wenn man führen würde!!!! Keine Aggressivität, kein Pressing, nur Verwalten… und dann der Kommentar von Schultz… sorry wenn ich weiß, dass ich nicht mehr der schnellste bin, dann rücke ich nicht so weit vor, um es meinem Gegner leicht zu machen, mir „wegzulaufen“… von einem angeblich erfahrenen Spieler kann ich taktisches Verständnis erwarten und keinen Leichtsinn mit späterer Tirade und unpassender Selbstverteidigung!!!! Diese taktischen Mängel rufen dann das Trainerteam auf den Plan! Warum wurde eine stabile Abwehr aus der Vorsaison ohne Not verändert??? 4er Kette, 3er Kette, 4er Kette usw… die einen nennen es Variabilität, ich nenne es Leichtsinn!!! Dann der Angriff: zu lange an Mause festgehalten, Arslan nach und nach demontiert, dafür Safi immer wieder eingesetzt, ein Spieler, dessen einzige Qualifikation Sprinter-Qualität ist, falls er dann auch den Ball mitnimmt… sorry, er sollte zur Leichtathletik wechseln! Immer wieder wechselnde Spieler, ja wir haben viel Qualität auf der Bank, aber eine eingespielte Mannschaft bringt langfristig mehr, als die Spieler durch sporadische Einsätze bei Laune zu halten!!! Fazit: Es fehlt auf dem Platz der sichtbare Wille, aufsteigen zu wollen, das „von Spiel zu Spiel denken“ Gefasel nervt nur noch!! Man nehme sich an Beispiel an Osnabrück und seinem Trainer: wir wollen aufsteigen, Punkt!!!!
    Und das Trainerteam jongliert mit den Spielern ohne eine klare Handschrift zu zeigen, bzw. eine klare Siegermentalität zu vermitteln!!! Es geht in die entscheidende Phase der Liga, jetzt hilt nur noch Mentalität, Stabilität in der Abwehr, Selbstkritik bei den (angeblichen) Führungsspielern und eine Mannschaft, die nach vorne spielt, früh attackiert und dem Gegner permanent auf den Füßen steht (siehe Osnabrück)!!!
    Dann ist noch alles drin, da die anderen Aufstiegsaspiranten auch noch Federn lassen werden!!! Nur der RWE!!!!

  3. Wenn „Schulle“ auch mal auf dem Platz seine Leistung bringen würde, darf er auch kritisieren. Bodenlose Leistungen aktuell. In Aachen und auch gestern. Und ich meine nicht das Gegentor.

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