Bereits seit 2001 setzt sich das unabhängige, bundesweite Bündnis ProFans, das damals aus dem Vorgänger-Bündnis „Pro 15:30“ hervorgegangen ist, für den Erhalt der Fankultur in den deutschen Fußballstadien ein. Beteiligt sind an der Arbeit zahlreiche Fan- und Ultragruppierungen aus den verschiedensten Ecken des Landes. Um inhaltlich bestmöglich einen Nenner zu finden, wurde 2009 in Hannover ein 8-Punkte-Plan verabschiedet, der als Leitfaden dienen soll. Zudem existieren feste Positionspapiere zu den relevanten fanpolitischen Themen. Offen ist das Bündnis ProFans in der Regel für eine Zusammenarbeit mit anderen fanpolitisch aktiven Organisationen, Gruppen und Aktionsbündnissen. So wird sich regelmäßig mit „Unsere Kurve“, BAFF, „Kein Zwanni für´n Steher“, „Queer Football Fanclubs“, etc. ausgetauscht.
Jüngst die Zusammenarbeit abgelehnt wurde mit dem Forschungsprojekt „SiKomFan“ und der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol). Weshalb, ist in der folgenden Pressemitteilung von ProFans zu lesen:
Das Bündnis ProFans spricht sich schon seit Jahren für einen ehrlichen Dialog auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten im Fußball aus. Diese Kommunikation erfordert einen fairen und verlässlichen Umgang der involvierten Akteure. Im Zuge der Debatte um das Sicherheitskonzept wurden erste Schritte unternommen, die Wegbereiter für einen verlässlicheren Dialog zwischen Fans und Verbänden sein könnten. Genauso gibt es zahlreicheregionale Beispiele, die beweisen, dass Vereine und Fans ehrlich, lösungs- und sachorientiert miteinander reden. Die Ausgestaltung der Dialoge ist dabei vielseitig und in ihrer Form den regionalen Gegebenheiten entsprechend. Aus diesen Gesprächen sind bereits Lösungsansätze und Initiativen wie selbstverwaltete Blöcke, Sonderzüge oder gemeinsame soziale Projekte hervorgegangen.
ProFans sieht daher keine generelle Notwendigkeit für eine weitere Forschungsarbeit im Bereich „Kommunikation“. Viel mehr mangelt es an genereller, ehrlicher und verlässlicher Kommunikationsbereitschaft bei einigen Vereinen, den Verkehrsbetrieben und insbesondere der Politik und Polizei. Anstelle populistischer Statements der Innenpolitiker und Polizeigewerkschafter wäre ein ehrliches Anhören der Fans im Beisein eben jener Scharfmacher ein Schritt hin zu einem erfolgreichen Dialog. „Anstatt
zu allererst einen ehrlichen Dialog auszuprobieren, hängt sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung lieber an ein Forschungsprojekt mit dem kryptischen Namen SiKomFan und macht es zu einem Großprojekt. Die Fans sind es leid als unbekanntes, fremdes Wesen behandelt zu werden und wollen schlicht als Partner wahrgenommen werden“, kritisiert ProFans-Sprecher Alex Schulz.
Bereits aus den genannten Gründen sehen ProFans und die angeschlossenen Gruppen keine Notwendigkeit einer neuerlichen „Fanforschung“. Darüber hinaus sorgen die Projektpartner Cassidian und Deutsche Hochschule der Polizei für schwere Irritationen. Cassidian ist ein Unternehmen der EADS Gruppe, das bisher vor allem als militärischer Ausrüster aufgefallen ist. In der eigenen Präsentation im Rahmen des Projektes wird direkt und ohne Umstand auf die komplette Palette an Überwachungstechniken verwiesen, die der Konzern bereitstellen kann und die ProFans vor allem im Fußballstadion strikt ablehnt. Die Frage nach einer Zusammenarbeit mit einem Partner, der offensichtlich nur am Fan als „Sicherheitsrisiko“ verdienen möchte, beantwortet sich da von selbst.
Die Beteiligung der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt kontraproduktiv und wird ebenfalls abgelehnt. Das Verhältnis zwischen den Fans und der Polizei ist nach etlichen Vorfällen in den letzten Monaten an einen neuen Tiefpunkt gelangt. Insbesondere bei sogenannten „Großlagen“ ist es auf Seiten der Polizei mehrfach zu Verfehlungen gekommen, die nicht aufgeklärt worden sind. „Wir sehen gerade im Verhältnis zwischen Polizei und Fans tieferliegende und schwerwiegendere
Probleme als fehlendes Wissen um mögliche Kommunikationsmöglichkeiten“, fasst Alex Schulz zusammen.
Daher lehnen das Fanbündnis ProFans und seine angeschlossenen Gruppen eine Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt SiKomFan ab.
Foto: turus.net-Archivfotos