Drei Niederlagen in Folge für den SV Waldhof Mannheim sorgten im Vorfeld des Heimspiels gegen Rot-Weiss Essen für leicht erhöhten Druck. Die Essener reisten indes mit sieben Punkten aus den letzten drei Partien mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen in die Kurpfalz und hatten 1.620 Schlachtenbummler mit dabei.

Diese zeigten zu Spielbeginn im vollbesetzten Stehplatzbereich eine Choreo, welche von Pyrotechnik untermalt wurde. Hinter einem ”Edelfans“-Transparent zeigte man weiß-rote Folienschals, dazu wurde eine Blockfahne mit einem oberkörperfreien RWE-Fan hochgezogen, welcher mit dem Vereinswappen, der Jahreszahl 1907, einem „Essen Asozial“ und „Deutscher Fußball Meister“ tätowiert war – dazu trug er ganz klassisch ein Fischerhut.

Zum Ganzen ging einiges an weiß-rotem Rauch und Shootern hoch, was insgesamt einen sehr hübschen Anblick ergab!

Die heimische OST wartete mit dem gewohnten Zaun- und Schwenkfahnen-Bild auf. Stimmungsmäßig lieferten sich die Heimkurve und die Gästefans lautstarke Duelle mit vielen Schmähgesängen – beiderseits gab es am gestrigen Nachmittag einen sehr guten Auftritt.

In der zweiten Hälfte rissen die Essener immer mal wieder Fackeln an und ließen sich trotz der deutlichen Niederlage nicht unterkriegen.

Die 11.007 Zuschauer sahen einen überraschend deutlich und in der Form vor der Partie definitiv nicht zu erwartenden 6:1-Sieg der Mannheimer, die damit nach drei Niederlagen in Folge wieder ein Erfolgserlebnis verbuchen konnten.

Bereits nach zehn Minuten konnte Felix Lohkemper die Waldhöfer mit 1:0 in Führung bringen. Von der rechten Außenbahn aus wurde der Ball von Lukas Klünter prima hereingebracht, zwei Mitspieler ließen den Ball durch, und am Ende brachte Lohkemper das Spielgerät mit einem flachen Schuss unter.

Ei der Daus! Wirklich Bitteres geschah in der 25. Minute! Wieder kam der SV Waldhof Mannheim über die rechte Seite, dieses Mal war es Kennedy Onyedika Okpala, der den Ball hereinbrachte, und vor dem eigenen Gehäuse drosch RWE-Spieler José-Enrique Rio Alonso zum Entsetzen seiner Mitspieler und der mitgereisten Fans anstatt über die Latte mit Schmackes in die Maschen.

Nach der Pause hatte Rot-Weiss Essen wieder Pech. Der frisch eingewechselte Owusu traf nach einem tollen Spielzug den linken Pfosten, doch hätte der Schiedsrichter den Treffer aufgrund der möglichen Abseitsstellung das Tor eh nicht gegeben.

In der 69. Minute sah Klaus Gjasula nach seinem rustikalen Einsteigen die glatte rote Karte, doch hätte es sicherlich auch die gelbe Karte getan! Rot-Weiss Essen spielte die restlichen 20 Minuten plus Nachspielzeit in Unterzahl und musste weiter nach vorne spielen, um vielleicht noch etwas reißen zu können.
Mannheim hatte nun Raum und wusste diesen zu nutzen. In der 76. Minute zog Nicklas Shipnoski knapp außerhalb des Strafraums ab und traf zum 3:0 für die Gastgeber. Nur vier Minuten später wurde er völlig freistehend angespielt, und überlegt konnte er den Ball zum 4:0 unterbringen.
Einen richtig schönen Treffer zeigten aber auch die Essener in der 85. Minute. Eine prima Hereingabe, eine 1a Weitergabe, und dann machte Marek Janssen das 1:4 aus Sicht der Gäste. Ging noch was für RWE? Nein! Wenig später holte Sascha Voelcke einen Elfmeter für den SV Waldhof heraus, den Shipnoski souverän zum 5:1 verwandeln konnte – seinen Hattrick hatte er somit in trockene Tücher gebracht.
In der 90.+5. Minute war es schließlich Terrence Boyd, der nach langer Hereingabe mit einem Kopfball-Aufsetzer zum 6:1-Endstand vollenden konnte. Kurzum: Eigentor, Pfostenschuss, eine umstrittene rote Karte und ein ebenso fragwürdiger Elfmeter – bei diesem Drittligaspiel lief aus Sicht von Rot-Weiss Essen alles schief. Allerdings nutzten die Mannheimer ihre sich bietenden Möglichkeiten erstaunlich souverän – und das ohne Nervenflattern nach den besagten drei Niederlagen in Folge!

Zu sehen gab es im Spielverlauf auf beiden Seiten noch einige Spruchbänder.
Die Ultras Mannheim forderten den Erhalt eines Jugendtreffs im Stadtteil Feudenheim, sowie wurde zum Besuch der eigenen U21 in der Länderspiel-Pause im Oktober im Rahmen des Jubiläums „100 Jahre Stadion am Alsenweg“ mobilisiert. In jenem Stadion absolvierte der SV Waldhof Mannheim einst in den 80er Jahren einige Bundesligaspiele. Auf der anderen Seite zeigte die „Alte Garde Essen“ die Botschaft „Stabil bleiben, Timmy!“


Bericht: Jochen S. in Zusammenarbeit mit Marco Bertram
Fotos: Jochen S.

Sehr guter Bericht und gute Einschätzung. Gruß aus Essen (Karsten)