Anzeigetafel im "Grube"

Lost Ground „Grube“: Spurensuche bei Stahl Riesa

Die BSG Stahl Riesa und der F.C. Hansa Rostock. Beide einstigen langjährigen DDR-Oberligisten verbinden zwei besondere Punkte. Zum einen spielten beide Vereine in der Aufstiegsrunde der DDR-Liga am Ende der Saison 1977/78. Während Hansa Rostock souveräner Meister der Liga-Staffel A vor der ASG Vorwärts Stralsund wurde, sicherte sich Stahl Riesa mit zehn Punkten Vorsprung vor der BSG Motor Weimar Rang eins in der Liga-Staffel E.

Stadion der Stahlwerker "Ernst Grube"
Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“

In der Aufstiegsrunde gelang der BSG Stahl Riesa das Kunststück, gleich zweimal mit 3:0 gegen den F.C. Hansa Rostock zu gewinnen. Der einzige Punktverlust war das torlose Remis auswärts bei der ASG Vorwärts Neubrandenburg. Allerdings konnte sich auch Hansa Rostock mit dem zweiten Platz vor Chemie Leipzig, Vorwärts Neubrandenburg und dem FCV Lokomotive Dresden den direkten Wiederaufstieg sichern.

Bahnhof von Riesa
Bahnhof von Riesa

Der zweite besagte Punkt: Der Film „Abseits“ aus der Reihe „Der Staatsanwalt hat das Wort“ aus den frühen 1980er Jahren. Die Hauptprotagonisten sind der 17-jährige Lehrling Thilo und das ebenso jugendliche Mädchen Birke, in das sich Thilo verliebte. Das Ganze spielt sich im Fan-Umfeld der BSG Stahl Riesa ab, und am Ende des Films ist Hansa Rostock zu Gast in Riesa, und in einem Zug kommt es zu einer schweren Bambule zwischen den Fanlagern und zur Auseinandersetzung zwischen Thilo und seinem Rivalen Okko, der sich ebenso in Birke verliebt hatte. Die Randale-Sequenzen im D-Zug wurden legendär – ebenso die Gesänge auf den Rängen des Stadions der Stahlwerker „Ernst Grube“. „Riesa, Riesa, ha ha ha …“ „Hansa, Hansa, ha ha ha …“

Hansa-Fans auf Tour
Hansa-Fans auf Tour

In der Realität spielte die BSG Stahl Riesa insgesamt immerhin 16 Jahre in der DDR-Oberliga und ist in der Ewigen Tabelle auf Rang 17 zu finden. Empor / Hansa Rostock kommt auf 31 Spielzeiten und steht auf Platz elf. 

Zugang zum Ernst-Grube-Stadion
Zugang zum Ernst-Grube-Stadion

Bis 2003 wurde das legendäre Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“, welches am 29. Mai 1955 eröffnet wurde, genutzt. Nachdem der in FC Stahl Riesa 98 umbenannte Verein im Jahr 2003 aufgelöst wurde, gab man die Spielstätte auf, und seitdem liegt „Die Grube“ brach. Die nach der Insolvenz 2003 neu gegründete BSG Stahl Riesa spielt in der Feralpi-Arena, welche 3.500 Plätze hat. 

Programmhefte der BSG Stahl Riesa
Programmhefte der BSG Stahl Riesa

Am 8. Juni 2024 erwachte Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“ noch einmal aus dem Dornröschenschlaf, als die Gruppe „Lost Ground Hop“ noch einmal ein Freundschaftsspiel organisierte und im Vorfeld noch einmal einiges herrichten ließ. Der Platz wurde noch einmal angelegt, doch gesperrt blieb bei dem Spiel, bei dem offiziell 999 Zuschauer anwesend waren, die markante Haupttribüne.

Stadion der Stahlwerker "Ernst Grube"
Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“

Während das Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“ zu DDR-Zeiten wie bereits erwähnt 16 Spielzeiten in der DDR-Oberliga erlebt hatte und 1974/75 mit Rang sechs die Qualifikation für den UEFA-Pokal verpasst wurde, mussten nach dem Fall der Mauer kleinere Brötchen gebacken werden. Spielte man als FC Stahl Riesa von 1991 bis 1993 noch in der NOFV-Oberliga Süd, so folgten anschließend bis zur Jahrtausendwende lange Jahre in der Landesliga Sachsen. 

Haupttribüne vom Ernst-Grube-Stadion
Haupttribüne vom Ernst-Grube-Stadion

Von 2000 bis 2002 folgten noch einmal zwei Spielzeiten in der NOFV-Oberliga, doch führte 2003 eine Insolvenzverfahren zur Auflösung des Vereins. Am 31. März 2003 wurde der Traditionssportverein Stahl Riesa gegründet, der ganz unten in der 2. Kreisklasse (10. Liga) neu starten musste. Innerhalb von zehn Jahren arbeitete sich Stahl Riesa, das seit 2005 seine Heimspiele in der Feralpi-Arena austrägt (zuvor kurze Zeit im Parkstadion des SV Seerhausen), hoch bis in die Sachsenliga (6. Liga). Im März 2012 beschloss die Mitgliederversammlung, wieder das „BSG“ in den Vereinsnamen aufzunehmen. 

Feralpi-Arena in Riesa
Feralpi-Arena in Riesa

2022 rutschte Stahl Riesa für zwei Jahre in die Sachsenklasse ab, doch gelang 2024 die gefeierte Rückkehr in Liga sechs. Jüngst gelang der BSG Stahl Riesa der Einzug in das Halbfinale des Sachsenpokals, doch musste man sich vor großer Kulisse dem FSV Zwickau mit 0:2 geschlagen geben. Apropos: Laut Wikipedia holte die BSG Stahl Riesa am 27. August 2006 den deutschen Rekord der längsten Serie von Pflichtspielen (78) ohne Niederlage.

Im Rahmen einer Spurensuche bei einstigen DDR-Oberligisten, die bereits zu Motor Suhl und Chemie Böhlen führte, wurden auch vor Ort in Riesa zahlreiche Fotos und Videos angefertigt – und wir lassen an dieser Stelle einmal die Bilder sprechen. 

Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“
Stadion der Stahlwerker "Ernst Grube"
Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“
Stadion der Stahlwerker "Ernst Grube"
Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“
Anzeigetafel im "Grube"
Anzeigetafel im „Grube“
Stadion der Stahlwerker "Ernst Grube"
Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“
Stadion der Stahlwerker "Ernst Grube"
Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“
Zugang zum Ernst-Grube-Stadion
Zugang zum Ernst-Grube-Stadion
Programmhefte der BSG Stahl Riesa
Programmhefte der BSG Stahl Riesa

Fotos: Marco Bertram, Hansa-Fans Schwerin

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8 Kommentare zu „Lost Ground „Grube“: Spurensuche bei Stahl Riesa“

  1. In der ruhmreichen Riesaer Fußballgeschichte gab es seit 1903 bis heute nicht einen Spieler, welcher Max Mustermann hieß …!

  2. Rainer Schwurack

    Gegen Stahl Eisenhüttensradt im Jahre 1971 war mein erstes Spiel welches ich bei Stahl Riesa erleben konnte ! Von da an begann meine Leidenschaft für die BSG ,die nie enden wird ! Eigentlich habe ich viele Höhen und Tiefen miterlebt . Am Anfang als Fan Beauftragter und dann viele unvergessliche Jahre als Zeugwart und Mannschaftsleiter . Am schlimmsten war der Niedergang mit der Insolvenz,die wir noch mit allen Mitteln versucht haben bis zuletzt abzuwenden ! Die große Schmach war,das uns nach der Neugründung 2003 als TSV Riesa keiner in Riesa spielen lassen wollte ! Stolz bin ich für immer das ich einer von den 7 ‚ Verrückten“ war die diesen Verein bei Nacht und Nebel neu gegründet haben ! Es waren auch schöne unvergessene Jahre in Seerhausen,die uns dort eine neue Heimat gegeben hatten. Unvergessen auch als 2.Kreisklasse Mannschaft ein Trainingsreise nach Peking/China mit vielen Testspielen .
    Dann der Umbau unserer neuen Heimstatt im Merzdorfer Park mit vielen Fans zu einem Schmuckkästchen ! Dann kam der blanke Hohn,als wir fertig waren bot uns die Stadt das Grube Stadion symbolisch für einen Euro an. Wenn ich den dortigen jetzigen Zustand sehe,kommen mir die Tränen…..

  3. max mustermann

    eine schande…

    schämt euch stadt riesa ‼‼‼ wo spielen jetzt energie cottbus u. wismut aue‼‼‼ u. die hatten 1990 dieselben ausgangsvoraussetzungen wie DIE BSG.

    wolfram köhler war u. IHR seid seit jahren das problem. mit PROFIFUßBALL in Riesa hätte die stadt BUNDESWEIT ein ganz anderes standing u. mehr €€€. gewerbesteuer, umsatzsteuer, körperschaftssteuer…

    ich war ab 1980 spieler DER BSG u. habe bis 1997 in der 1. männermannschaft gespielt. reinhard hauptmann ist bis dato mein garagennachbar u. wir sind FASSUNGSLOS.

    es fehlt halt der politische wille‼‼‼ geld, unternehmen = sponsoren u. wille der bevölkerung sind da. aber schon bald kommen andere politische zeiten🙏🙏🙏.

    das, was hier seit jahren gespielt wird, ist der wucht der damaligen BSG STAHL RIESA unwürdig. ich habe ab 1997 9 jahre in den alten bundesländern studiert u. gearbeitet, fleißig & fristgerecht steuern gezahlt u. natürlich weiterhin auf adäquatem niveau ⚽️ gespielt. stahl riesa war im westen ein name‼

    wenn die stadt riesa ihr denken‼ u. handeln‼‼‼ in dieser sache doch ändern sollte, schreiben sie mir eine e-mail (poyabuj@gmail.com). ich, reinhard hauptmann, klaus schlutt u. wie meine ehemaligen trainer alle heißen, alle ex-spieler der 1. männerschaft u. das volk würden sofort unterstützen.

    ihrer reaktion stehe ich mit großem interesse entgegen.

    diese einlassung geht in die akte ein u. alle angesprochenen personen wurden ob ihr in kenntnis gesetzt. jetzt bin ich mal gespannt, ob u. wie die damen & herren mit akt. politischer verantwortung reagieren, insbes. der OB.

    anm.: ich bin 1 jahr älter als der OB u. war wie er am max-planck-gymnasium. mein abitur 1,1.

  4. Die Spielstätten in Riesa gehören allesamt der Stadt, einzige Ausnahme ist der Loksportplatz im Stadtteil Weida, welcher sich im Besitz des Vereins ESV Lok Riesa befindet.

    Nach der Auflösung des FC Stahl 98 ging ein großer Teil der 1.Mannschaft, die komplette Nachwuchsabteilung und die Spielstätte zum ungeliebten Stadtkonkurrenten SC Riesa.

    Der neugegründete TSV Stahl Riesa war von der Stadtpolitik nicht erwünscht und bekam in Jahnishausen einen Ackerplatz zugewiesen. Da man dort beim besten Willen nicht spielen konnte, mietete man sich letztlich in der Nachbargemeinde Jahnatal beim SV Seerhausen ein. Dort pilgerten dann regelmäßig über 500 Zuschauer zu den Spielen der 2.Kreisklasse hin, während sich die Stadtlieblinge des SC in unserer Grube vor 50 Zuschauern einige Ligen höher abmühten.

    Das konnte den Stadtoberen natürlich nicht verborgen bleiben, man machte die Rolle Rückwärts und bot dem TSV das Stadion Merzdorfer Park an.

    Während das Ernst-Grube-Stadion in der Obhut des SC Riesa vergammelte, wuchs in Merzdorf mit viel ehrenamtlicher Arbeit durch Verein, Sponsoren und Fans ein kleines Schmuckstück heran, welches die heutige Feralpiarena ist.

    Inzwischen ist die Grube tot, Stahl Riesa trägt wieder das legendäre BSG im Namen, die Fußballabteilung des SC gibt es nicht mehr.

    1. max mustermann

      hallo herr tasche, dann unterstützen sie UNS, dass das ERNST-GRUBE-STADION wieder eine zukunft hat: breiten-, schulsport etc.

      vielen dank

  5. Ihr Bericht über die BSG Stahl Riesa hat mir sehr gut gefallen. Ich stamme aus Riesa und arbeitete ab 1972 im Stahlwerk. Kannte dadurch auch viele Spieler von damals, da diese bei uns in der Brigade waren. Ich spielte zu dieser Zeit bei Chemie Riesa. Vielen Dank für diesen Bericht. Von Harald

  6. Werner Junghans

    Dankeschön für diesen interessanten Rückblick. Es ist einfach traurig, was aus dem Verein und dem Stadion geworden ist. Ich war etwa 1963 das erste Mal als Kind im Stadion ( Spiel gegen den damaligen Sportclub Einheit Dresden) und war sofort begeistert. Ich habe viele Spiele in Riesa erlebt und gehe heute (6. Liga) auch noch mit meiner Frau manchmal zum Spiel ( obwohl ich seit vielen Jahren nicht mehr in Sachsen lebe). Und nicht zu vergessen:
    Über den Fussball im Grube- Stadion habe ich viele Freunde von Stahl kennengelernt.

  7. Andreas Sonnenfeld

    Sehr interessanter Rückblick, ich bin Jahrgang 57, hab das Alles miterlebt…selbst ein paar Jahre im Schülerbereich bei Stahl gespielt und natürlich als Zuschauer.
    Deshalb tut es sehr weh, wenn man jetzt am Grube vorbei kommt.
    Man hätte damals alle Kräfte bündeln müssen um das Stadion zu erhalten…aber wie im Kindergarten hat sich der SC und Stahl verhalten, jeder fing dann an sein Süppchen zu kochen…die Spielstätten in Göhlis, in der Pausitzer Delle und dass Stadion im Merzdorf wurden mit vielen ehrenamtlichen Kräften, damaligen ABM Kräften, wieder salonfähig gemacht…das hätte man im Grube fast Alles gehabt…mit entsprechender Infrastruktur, Bahnhof….Parkplätze…und das erwähnten Sie in Ihrem Bericht nicht, es gab sogar ein Spieler Tunnel! Das angrenzende Mehrzweckgebäude war Anfang der 80.zig Jahre gebaut worden…ich war dabei,als Bauarbeiter vom Stahlwerk, für beste Bedingungen für die Fussballer.
    Schade für das schöne “ Grube“, dass dies so runter gekommen ist und in den Gremien der Stadtverantwortlichen niemand da war der sich darum kümmerte….nun wird krankhaft nach Möglichkeiten gesucht, was daraus wird…
    Das hätte anders laufen können !

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