1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1

Lok Leipzig vs. Schalke 04: Sensation war zum Greifen nahe!

Als am 15. Juni im Fußballmuseum Dortmund die erste Runde des DFB-Pokales der Herren ausgelost wurde, war das Wetter in Leipzig ziemlich bescheiden, es schüttete es Eimern, aber dennoch zauberte es den Anhängern und Verantwortlichen des 1. FC Lok Leipzig einige Freundenstrahlen in das Gesicht. 

Owen Ansah, seinerseits „der schnellste Mann Deutschlands“, bereitete dem ersten deutschen Meister mit viel Fingerspitzengefühl ein knackiges, sowie auch denkbar machbares Los. Als letzte Mannschaft rutschte der FC Schalke 04 mit viel Glück in den Profitopf und konnte mit somit mit viel Humor und Augenzwinkern als das „einfachste“ Los betitelt werden. 

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Auch bereits vor zwei und vier Jahren hatten die Leipziger ziemlich viel Glück, was die Attraktivität ihres Pokalgegners angeht. Während der Corona-Pandemie traf man 2021 auf Bayer 04 Leverkusen, die zumindest sportlich nennenswert sind und rund 500 Gästefans gen Osten brachten. Aufgrund diverser Regeln und Gesetze hätten aber auch der Großteil aller anderen Ultraszenen des Landes auf eine Anreise oder organisierten Support verzichtet. 

2023 folgte ein denkwürdiger Auftritt gegen die Eintracht aus Frankfurt, die Lok zumindest nachhaltig medial geschadet haben dürfte. Der Ergebnis spielte damals eher eine untergeordnete Rolle, da sich mehrere Anhänger der Loksche von ihrer schlechtesten Seite zeigten und die Gäste aus Frankfurt sich nicht aus der Reserve locken ließen. Und nun eben Schalke 04, ein weiterer großer Club, mit weltweit bekannter Fankultur und enorm großer Strahlkraft.

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Besondern gefreut haben dürften sich alle „Ossi-Schalker“ und auch der Trainer des 1. FC Lok, Jochen Seitz, der einst beim FC Schalke 04 Spieler war. Der 48-jährige hatte beim damaligen S04-Trainer nicht den besten Stand und kam daher nur auf 25 Einsätze und erzielte gegen Borussia Mönchengladbach seine einzigen beiden Tore. Die Namen seiner damaligen Mitspieler lassen die Schalker Herzen höher schlagen. Wir reden hier von Ebbe Sand, Tomasz Waldoch, Niels Oude Kamphuis oder Gerald Asamoah. Nach einer einzigen Spielzeit zog es Seitz dann wieder in die Pfalz und dennoch betont er immer wieder, dass der Verein einen Platz in seinem Herzen behalten werde.

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Als Gastgeber rührte der 1. FC Lok im Vorfeld fleißig die Werbetrommel, entwarf gar ein eigenes Trikot für diese Partie. Zur Missgunst einiger Anhänger waren diese Trikots allerdings auf 1.200 Stück limitiert und enorm schnell ausverkauft. Unmut brachte auch die Tatsache, dass der Großteils dieser Trikots noch nicht bei den Käufern angekommen sei. Am Spieltag selber wurden immerhin noch zahlreiche Aktionsprodukte wie Shirts, Spieltag-Schals und Spieltag-Wimpel an den Mann und die Frau gebracht. Es dauerte auch nicht sonderlich lange bis der Verein den Ausverkauf des Stadions meldete. Die Zahl des Tages – 11.900. Aufgrund mehrerer Auflagen wurden Teile der Leipziger Holztribüne vom Verband gesperrt. Salopp gesagt, weiß keine Sau warum. Schalke erhielt ein Gästekontingent von 2.000 und somit mehr als oftmals angepriesenen 10 Prozent, und auch im Heimbereich werden mit Sicherheit ein paar vereinzelte Schalker ihr Glück versucht haben. 

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Ein kleiner Bruchteil des Gästeanhanges hatte offenbar Fernweh und verabschiedete sich bereits frühzeitig aus Gelsenkirchen, um einen kleinen kulturellen Abstecher in der Messestadt zu unternehmen. Bereits am Vorabend zog der Mob durch die Leipziger Innenstadt und konnte sich ein Bild davon machen, wohin der „Soli“ in den letzten Jahrzehnten geflossen ist. Mit sinnvollen Hasstiraden wie „Wir hassen Ostdeutschland“ zeigte sich die Schalker Ultraszene von ihrer besten Seite. 

Komischerweise war davon medial nahezu nichts zu lesen. Der gegenseitige völlig primitive Ost-West-Hass ist offenbar immer nur schlimm und verachtenswert, wenn er von Seiten der „Ostdeutschen“ ausgeht. Sei es drum. Fraglich nur wie die zahlreichen Schalke-Fans aus den neuen Bundesländern diese Gesänge findet? Bei knapp 190.000 Mitgliedern wird ein nicht unerheblicher Teil in diesen Bereichen der Bundesrepublik wohnen, und wenn es die nicht gäbe, würde es vermutlich auch Schalke in dieser Form nicht mehr geben.

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Weitere Scharmützel soll es im Vorfeld der Partie allerdings nicht mehr gegeben haben und so konnten sich beide Parteien auf das anstehende Pokalspiel fokussieren. Rein optisch machte die knackevolle Gästekurve des FC Schalke einen sehr coolen Eindruck, für viele tatsächlich aber etwas verwunderlich, dass man auf größere optische Aktionen verzichtete. Solche Kurven werden von vielen Fanszenen mit Kusshand genommen und für ihre Zwecke missbraucht. Ein kleines Intro mit Doppelhaltern, garniert von zahlreichen Schals, das wars. 

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Auf der Gegenseite zeigte sich selbstverständlich ein anderes Bild. Für Lok war es allerdings auch das Highlight des Jahres. Wobei es davon im Jahre 2025 schon einige gab. In den Farben blau und weiß erinnerte man an den Pokalsieg im Jahre 1937. Am 03. Januar trafen der FC Schalke und der VfB Leipzig im Berliner Olympiastadion aufeinander, lieferten sich einen packenden Fight und hinterließen erstaunte Blicke der rund 70.000 Zuschauer. Schalke damals als wohl beste Mannschaft Deutschlands, mit Legenden wie Ernst Kuzorra und Fritz Szepan unterlag dem Underdog aus Leipzig mit 1:2. Von den geschätzten 4.000 Leipziger Gästefans damals wird es vermutlich kaum noch Zeitzeugen geben, allerdings würde jeder von ihnen diesen Sieg als Sensation titulieren.

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Nun also die Chance zur Revanche für die Gäste aus dem Pott. Pünktlich um 15.30 Uhr eröffnete Schiedsrichter Burda die Partie. Als sich die Gastgeber erstmals nach wenigen Minuten einen Eckball erarbeiteten, explodierte beinahe das Stadion. Solch eine Geräuschkulisse habe ich im Innenraum des Bruno-Plache-Stadions noch nie erleben dürfen. Wie so oft im Pokalwettbewerb schaffte es der Favorit nicht sich in den ersten Minuten bereits einen Puffer zu erspielen und kam zeitweise gar ins Schwimmen. Mit zunehmender Spieldauer wurde Lok immer stärker und hätte zur Halbzeit durchaus auf führen können. 

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1

Justin Heekeren, der immer wieder viel Kritik der Schalker Anhänger einstecken muss, blieb allerdings cool und blieb das ganze Spiel über sehr stabil. Zu Beginn der zweiten Halbzeit zelebrierte „Blue Side Lok“ ihren zwanzigsten Geburtstag mit einer kleinen Choreographie und ein wenig Rauch, währenddessen ihre eigene Mannschaft eine riesige Konterchance versiebte. Die sehr agilen Flügelstürmer hatten enorm viel Platz und fanden Stoßstürmer Maderer in dieser Situation nicht. Kommt der Ball in seinen Lauf dann muss die Führung fallen. 

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1

Schalke wurde in der Folgezeit wieder etwas besser, hatte gegen die gut stehende Defensive des Viertligisten aber nahezu keinerlei Ideen. Viele Flanken aus dem Halbfeld, viele Zufallsprodukte. Feste Stützen wie Karaman oder Sylla blieben komplett blass. Gefährliche Aktionen wurden zumeist von Christopher Antwi-Adjei eingeleitet, der systematisch das komplette Spiel über ausgepfiffen wurde – einen ausführlichen Kommentar hierzu ersparen wir uns allerdings, da sich online bereits genug das Maul darüber zerrissen wurde. Eins ist klar, Rassismus ist und bleibt ein No-Go, egal von welchen komischen Gestalten es ausgeübt wird. 

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Wir persönlich standen exakt zwischen Spieler und Fanblock und haben ebenso wie der Linienrichter und alle anderen Leute im näheren Umkreis nichts rassistisches gehört. Sollte es allerdings wirklich passiert sein, hoffen wir mal, dass diejenige Person auch ausfindig gemacht werden kann. Im Endeffekt wird medial wieder nur darüber berichtet und kein Wort wird über die tolle Entwicklung der Lok-Fanszene oder das bockstarke Spiel der Mannschaft verloren. Ein Bärendienst.

Die Loksche rettete sich sportlich in die Verlängerung und hatte kräftemäßig leider nicht mehr so viel entgegenzusetzen. Schalke erkämpfte (!) sich Torchancen im Minutentakt. Lok-Keeper Naumann bereitete sich gedanklich wohl schon auf das Elfmeterschießen vor und parierte mehrmals Weltklasse. Spielerisch zeigte der Gast dennoch absolute Magerkost und erzielte nach der gefühlt fünfzigsten Halbfeldflanke dann doch noch das goldene Tor des Tages. 

„Der Mann mit der Lederallergie“, Bryan Lasme, erzielte das Tor des Tages und ließ sich gebührend feiern. Feiern ließ sich in der Folgezeit auch Justin Heekeren im Schalker Tor, der zwei Mal über Phantomschmerzen klagte und das Stadion nochmal zum Beben brachte. Natürlich ist dies auf dem Rasen in den ersten zwei Bundesligen wohl Gang und Gebe, aber peinlich ist es dennoch. Hoffen wir mal, dass Justin noch den Weg in den Mannschaftsbus ohne Gehhilfen absolvieren konnte.

1. FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 0:1
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Zusammengefasst kann man sagen, dass der Sieg für Schalke nach 120 Minuten durchaus gerechtfertigt war, in der regulären Spielzeit hätte die Partie aber auch durchaus anders enden können. Auf der Gegengeraden gab es einen medizinischen Notfall, so dass auch beide Fanszenen kurzzeitig den Support einstellten – gute Besserung an dieser Stelle! Außerdem waren alle ziemlich enttäuscht über den doch sehr dünnen Support der Gästeanhänger. Der Wind stand wohlbemerkt etwas ungünstig, aber auch die Mitmachquote ließ denkbar zu wünschen übrig. Vielleicht ist man aber auch einfach etwas zu verwöhnt.

Fotos: Max Wieler

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