Was wurde nicht alles vor diesem Pokalspiel angekündigt. Sogar Ansetzungsplakate, auf denen etwas von „Klassiker“ geschrieben stand, waren im Umlauf. Das erste Spiel beider Mannschaften seit der Wende wurde ausgerufen. Bereits in der vorherigen Pokalrunde rechnete man mit dem Spiel der Spiele, da dort bei der Ansetzung auf kurze Entfernungen Wert gelegt wird. Doch es sollte nicht sein. Auch Verschwörungstheoretiker wären bereits im Einsatz, so munkelt man. Beide machten jedenfalls brav ihre Hausaufgaben. Salow schaltete Ueckermünde im Elfmeterschießen aus. Friedland siegte in Neuenkirchen, einem Vorort Neubrandenburgs. In der zweiten Runde musste ES nun kommen. Hansa Rostock hätte man auch gerne im Datzetal begrüßt, aber der Gegner hieß nun wirklich TSV 1814 Friedland.
Die organisatorischen Überlegungen musste in Angriff genommen werden. Die gesamte Gemeinde Datzetal wird von gut 800 Zuschauern bewohnt und auf dem Sportplatz im Schlosspark mit seinen uralten Ahornbäumen waren heut 550 Zuschauer! Aus Friedland waren davon ca. 50. Salow glich einem Parkplatz. Überall Autos. Die Feuerwehr hatte aber alles super im Griff. Zunächst hatte auch Friedland den Landesligisten im Griff, der gut dagegen hielt und schon in der ersten Hälfte mindestens auf Augenhöhe mit dem Verbandsligisten war. In der 34. Minute nutzte Friedland einen dicken Patzer in der Salower Abwehr zum 0:1. Felix Bollow stand plötzlich allein vor dem Tor und schob ungehindert ein. Zwei Minuten später das 0:2 durch einen berechtigten Foulelfmeter. Da regnete es schon ganz ordentlich und ein paar Zuschauer verließen bereits den Sportplatz. Ein Fehler. Ein sehenswertes Eigentor eines Friedländers per Bogenlampe mit dem Pausenpfiff ließ noch einmal Hoffnung bei der Viktoria aufkeimen. Der nächste Paukenschlag dann mit dem Wiederbeginn. Friedlands Reichelt verletzt sich schwer und muss vom Platz getragen werden. Kurz darauf musste der Notarzt kommen. Gute Besserung!
Nahezu in der kompletten zweiten Halbzeit drückt Salow auf das Tor des TSV. Ausgleich in der 53. und nach dem 3:2 in der 80. wurde das Spiel komplett gedreht. Der älteste deutsche Sportverein sah nun noch älter aus. Friedland nervös und einige Spieler ziemlich ungehalten. Die Angst vor der Blamage ging um und entfachte noch zwei bis drei Angriffe. 3:3 in der 85. Minute und das hieß Verlängerung. Friedlands Anhang aus dem Häuschen und kurz auf den Platz. Der Spielverlauf war natürlich für die Stimmung optimal. Salow durch das parallele Hansa-Spiel geschwächt, aber durch die Alten dennoch lautstark mit Anfeuerungsrufen vertreten, und auch Friedland erwachte: „Hier regiert der TSV“ und „Hurra, hurra, die Friedländer sind da!“. Bei der Viktoria gab es heute sogar einen Fanartikelstand mit Aufklebern, Ultra-Collagen und Trikots! Der Schiedsrichter, der bis dahin bis auf eine Fehlentscheidung (ein Elfmeter für Salow wäre nach einem Halten fällig gewesen) alles richtig machte, pfeift an und sofort klingelt es wieder im Kasten der Gäste. 4:3 durch Störr!
Vier Minuten später wieder der Ausgleich. Salows Torwart stürzt auf den Linienrichter zu, da zwei Friedländer wohl im Abseits standen. Auch die Rote zehn Minuten vor dem Ende ließ die Gemüter hochkochen. Auch die verschiedenen Vertreter der Medien waren sich nicht einig. Es ging um eine Notbremse. Der Salower ging zwar rabiat rein, spielte jedoch den Ball, was eine Richtungsänderung bestätigte. Kurz danach hätte sich Viktoria über einen weiteren Elfer nicht beklagen dürfen, als es ordentlich im Sechzehner gegen Friedländer Knochen schlug. Das konnte man bis Neubrandenburg hören! 120 Minuten vorbei und im Elfmeterschießen hatte Friedland die besseren Nerven. Ganz knapp verpasst Salow die Sensation und muss jetzt hoffentlich nicht wieder über 45 Jahre auf das nächste Aufeinandertreffen und eine Chance zur Revanche warten, denn laut Aussagen Einheimischer trafen beide Ersten in den 70er Jahren zuletzt aufeinander.
Fotos: Michael

Cooler Bericht aus der Heimat und scheint ja n‘ verdammt enge Kiste gewesen zu sein.
Schön das ihr euch auch in der „Provinz“ blicken lasst .. bitte weiter so!
PS: Im NO gibt’s noch mehrere geile Derbies 😉
Sehr cool geschrieben! Vielen Dank fürs Vorbeikommen!