Das absolute Spitzenspiel der bisherigen Regionalliga-Saison fand vorgestern im Ernst-Abbe-Sportfeld zu Jena statt. Wohlgemerkt mit reichlich Verspätung, da zum eigentlichen Termin das Stadiongelände zwecks des internationalen Kindertages gesperrt wurde. Der Zuschauerzahl und der sportlichen Relevanz tat dies allerdings keinen Abbruch. Die Loksche belegte vor Beginn der Partie den heiß ersehnten Platz an der Sonne, den eben auch Jena hätte erreichen können. Über 10.400 Zuschauer, darunter leider nur 800 Gäste, pilgerten ins Stadion und schauten nicht nur gespannt auf das sportliche Geschehen, sondern auch auf mögliche Aktionen auf den Rängen.

Der Clinch der Jenaer Fanszene mit Verein und Polizei erreichten beim letzten Heimspiel gegen den Chemnitzer FC eine neue Eskalationsstufe. Nach einer angemeldeten und durchgeführten Demo vor der Partie wurden die versperrten Fluchttore als Druckmittel gegen die Südkurve genutzt. Zwischenzeitlich stand gar ein Spielabbruch zur Diskussion. Wie so oft wurden gesetzte Zeitlimits weitestgehend ignoriert, was vor allem beim Chemnitzer FC für viel Unverständnis sorgte.

Für reichlich Unverständnis sorgt auch die Kapazitätsbegrenzung des Thüringer Gästebereiches. Statt der gewohnten 1.300 dürfen gegen Lok, Chemie, Halle und Erfurt nur 800 Personen den Gästeblock betreten. Die reinste Willkür und entgegen der üblichen 10-Prozent-Gästekapazität auch moralisch eher verwerflich. Auch die Fanszene Lok Leipzig, sowie Blue Side Lok, veröffentlichten dazu ein ausführliches Statement und erwähnten die Mithilfe der Jenaer Ultraszene, die mit Einzelkäufen angeblich nochmal 200 zusätzliche Tickets nach Probstheida geschickt haben sollen. Egal, ob überraschend kooperative Zusammenarbeit zwischen verfeindeten Lagern oder doch nur ein gut gesetzter Bluff, die Luft in den Kernbergen wird spürbar dünner.

Anwesende Eventhopper oder Abenteuerlustige, die sich eine weitere Stufe der Eskalation erhofft haben, wurden allerdings enttäuscht. Jena präsentierte neue optische Elemente am eigenen Zaun, schnitt die blaue Plane fachgerecht an den Fluchttoren ein, setzte ein Statement mit einem Intro, inklusive einiger kecker Sprüche und garnierte dies mit mehreren Strobolichtern. Wie man es von der Südkurve kennt, war dies ein sehr ansprechendes Bild. Auf der Gegenseite blieb es anfangs eher ruhig. In Gedenken an ein kürzlich verstorbenes Mitglied der befreundeten Saalefront Ultras des HFC wurde lange Zeit geschwiegen, mit Spruchbändern und einer symbolischen Fackel an Nico erinnert. Auch hier beteiligten sich die heimischen Fans und stoppten für einige Minuten den Support.

Fußball wurde auch gespielt, im ersten Durchgang allerdings überwiegend vom Gastgeber. Der 1. FC Lok Leipzig wirkte ziemlich nervös und teilweise etwas überfordert mit dem sehr giftigen Offensivpressing der Zeisser. Erst nach knapp dreißig Minuten wurde das Spiel deutlich rustikaler und die Offensivaktionen rarer. Schiri Rasmus Jessen verteilte in dieser Phase mehrere gelbe Karten, wovon man durchaus auch ein Mal hätte mehr geben können.

Im Mittelpunkt stand das Schiedsrichtergespann aber auch im zweiten Durchgang. Maxim Hessel ließ mit seinem abgefälschten Torschuss das komplette Stadion beben. Es wurde wirklich sehr laut. Zum Leidwesen der Leipziger wurde beim Abschluss der Ellenbogen von Mittelstürmer Eshele abgeschossen. Absicht oder nicht ist in diesem Fall völlig egal – ein Tor mit dem Arm darf niemals zählen. Der Schiri hat dies wohl übersehen.

In der Folgezeit entwickelte sich ein rassiges Topspiel, welches der Gast zu zehnt beenden musste. Wilton wurde nach einem klaren Foulspiel vom Platz gestellt. Eine sehr harte Entscheidung. Nach der Aktion im ersten Durchgang fehlte uns hier die klare Linie. Entweder bekommen Fritz und Wilton beide Rot oder eben Relb. Die Situationen unterschiedlich zu bewerten, ist sehr fraglich.

Zu zehnt wurde Leipzig nochmals gefährlich, kam aber nicht am super aufgelegten Liesegang im Tor vorbei. Jena gewann schlussendlich nicht ganz unverdient und darf sich als neuen Tabellenführer feiern lassen.
Fotos: Max Wieler
