In all den Jahren Fußball-(Berichterstattung) wurde bereits gehörig viel Holz aufgeschichtet. Allein beim SV 1908 Grün-Weiß Ahrensfelde fallen mir auf Anhieb drei, vier feine Anekdoten ein. Als unser Magazin noch relativ jung war, feierte die TSG Bernau am Ende der Saison 2012/13 in Ahrensfelde ihren Aufstieg von der Barnimliga in die Landesliga. Einige Jahre später sollte auch Ahrensfelde der Marsch nach oben gelingen. So gab es sogar ein einjähriges Stelldichein in der NOFV-Oberliga Nord, in welcher unter anderen die Amateure des F.C. Hansa Rostock zu Gast waren. „Hey Jungs, wir brauchen die Punkte wirklich dringender!“, meinte nach dem Spiel die Stadionsprecher-Legende Bernie zu den trinkfreudigen Hansa-Fans. In der 89. Minute gelang es damals Lucas Nico Gurklys den 3:2-Siegtreffer zu erzielen. Am Ende der Saison stieg man jedoch trotzdem ab.

In der laufenden Brandenburg-Liga-Spielzeit spielt Grün-Weiß Ahrensfelde eine gute Rolle und ist aktuell auf Rang vier zu finden. Nur der 1. FC Frankfurt (Oder), der MSV 1919 Neuruppin und der Brandenburger SC Süd 05 sind in der Tabelle höher zu finden. Der vierte Platz wurde am vergangenen Samstag mit einem ungefährdeten 4:1-Sieg gegen den SV Altlüdersdorf, der ebenfalls schon mal in der NOFV-Oberliga Nord anzutreffen war, gefestigt.
Eingefunden hatten sich in der idyllischen Jahnsportstätte rund 100 Zuschauer – unter ihnen eine trink- und partyfreudige Truppe aus dem Großraum Hannover, die dort in Ahrensfelde einen Junggesellenabschied feiern wollten. Jens, der zukünftige Bräutigam, der inzwischen in Berlin wohnt, wusste morgens um zehn Uhr noch nicht, was an der Tagesordnung steht. In Doppelfunktion als Freund und Fotograf ließ ich mich nicht lumpen, den guten Jens mit blau-weiß-roter Sturmhaube in Lichtenberg abzuholen.

Die Farben passten prima, kennt sich ein Großteil der Hannoveraner Truppe nämlich bereits aus alten Eishockey-Zeiten. Bereits in den frühen 90ern gingen sie gemeinsam zu den Heimspielen des EC Hannover im Eisstadion am Pferdeturm – wenig später gründeten sie sogar einen eigenen Fanclub. Die Vereinsfarben der heutigen Hannover Indians waren und sind blau-weiß-rot, und somit erfreute sich die Truppe am schmucken Kopfüberzieher.

Volles Programm in Ahrensfelde. Klassisch ging es mit der S7 zum Berliner Stadtrand, wo vor dem S-Bahnhof das obligatorische Mob-Foto vor dem alten Schriftzug angefertigt wurden. Ausgerüstet mit grün-weißen Balkenschals marschierten wir als klassische 11-Mann-Truppe plus zehnjährigem Trainer zur Sportstätte, wo um 12 Uhr auf dem Nebenplatz das Landesklasse-Nord-Duell der zweiten Mannschaft gegen den Birkenwerder BC 1908 angepfiffen wurde.

1908 gegen 1908. Rund 50 Fußballfreunde verfolgten die spannende Partie, die eine wahrlich packende Schlussphase hatte. In der 84. Minute brachte Mörcke die Gäste aus Birkenwerder mit 2:1 in Front, in der 89. Minute konnte Gesierich für Ahrensfelde II ausgleichen.

Nicht ganz so eng ging es beim Spiel der ersten Mannschaft zu. Vor den besagten 100 Zuschauern brachten Colaki und Kostusev den SV 1908 Grün-Weiß Ahrensfelde mit 2:0 in Führung. Nachdem Waclawczyk in der 72. Minute den 1:2-Anschlusstreffer für die Gäste erzielen konnte, legten Berger und Colaki mit einem Doppelschlag in der 81. und 83. Minute zum 4:1-Endstand nach.

Bereits während der Halbzeitpause gab es ein schmuckes Gruppenfoto mit einem vom Verein überreichten Trikot, und nach Abpfiff gab es ein weiteres Erinnerungsfoto mit den Spielern. Zu diesem Zeitpunkt war der Alkoholpegel bei der Hannoveraner Partytruppe bereits beachtlich, und trotz dessen stieg manch einer erst einmal von Bier auf Cuba Libre um. Hoch die Tassen! Glücklicherweise gab es genügend warme Speisen vom Burger bis zum Schnitzel mit Spargel, sodass wir elf Mann plus jungem „Trainer“ allesamt fit blieben.

Allerdings hieß es bei einem Partygast auf der Terrasse gegen 18 Uhr, als ein weiterer voller Bierbecher adrett zugeschoben wurde: „Ich will kein Volles!“. Dies war DER Satz des Tages, und ich versprach im großen Gelächter ringsum, diesen legendären Satz als Aufmacher mit reinzunehmen. Wohl denn! Versprochen ist versprochen. Vielen Dank für die Gastfreundschaft und liebe Grüße an alle! Ahoi und Ahu!
Fotos: Marco Bertram
