Es gab schon bessere Zeiten in der rot-weißen Händelstadt. Trotz der aktuellen Siegesserie von acht Spielen in Folge rumort es an allen Ecken und Enden im Verein. Zu tief sitzt der Stachel des Aufstiegsverzichtes. Einer der Hauptverantwortlichen dafür? Bereits weg. Rücktritt. Jürgen Fox, viele Jahre in verschiedensten Positionen des Vereines tätig gewesen, wird eine große Verbundenheit zur Saalesparkasse und der Halloren-Fabrik nachgesagt.

Bei Ersterer ist er immer noch als Chef tätig und wollte die Sparkasse als Sponsor im Verein erhalten lassen, nur hatte der Verein da wohl andere Pläne. Kurz vor seines Ablebens im Verein ging wohl auch die Entlassung des ehemaligen kaufmännischen Leiters, Robert Marian, auf seine Kappe. Viele kleine Angelegenheiten, die innerhalb des Vereines und vor allem auch innerhalb der Fanszene auf viel Ablehnung stieß.

Nun ist Fox weg, die sportlichen Entscheidungen allerdings nicht mehr revidierbar. Die restliche Saison wird also zur reinen Routinemaßnahme, mit Testspiel-Charakter. Der aktuelle Rückstand auf den Tabellenführer (Stand, Samstag, 11.00 Uhr) beträgt fünf Punkte. Ob man die Entscheidung bereits bereut? Wegen einer kleinen fünfstelligen Summe?

Auf den Rängen stellt man sich diese Frage offenbar nicht, ist immer noch, diplomatisch gesagt, „enttäuscht“. Der Unmut wird in den sozialen Medien nahezu unter jedem Beitrag ausgelassen. Die Pyroshow der Fankurve beim gestrigen Spiel gegen Zwickau wurde mehr oder weniger bereits angedroht und dürfte aufgrund der Fülle an Bengalos fast die eingesparte Summe der fehlenden Drittliga-Lizenz kosten.

Optisch untermalt mit roten und weißen Regenponchos – ein tolles Gesamtbild. Eine ähnliche verzwickte Situation musste der gestrige Gegner ebenfalls vor vielen vielen Jahren durchstehen. Der FSV Zwickau, gerade frisch in die dritte Liga aufgestiegen, verzichtete bewusst und frühzeitig auf eine Zweitliga-Lizenz. Die Kosten hierfür sind natürlich um einiges höher und die Ausgangssituation damals auch deutlich schlechter als in Halle heutzutage. Kurz nach dieser Entscheidung startete das Team von Torsten Ziegner eine furiose Aufholjagd und spielte sich kurzerhand in die Top 5.

So richtig realistisch erschien der Aufstieg zwar nie, aber man konnte schon leichte Schweißstirnen bei den damals verantwortlichen Leuten vernehmen. Mittlerweile sind aber fast zehn Jahre ins Land gegangen und der FSV hat wahrlich andere Sorgen als den Aufstieg. Der Verein hat trotz enormer bundesweiter finanzieller Unterstützung immer noch Verbindlichkeiten im hohen sechsstelligen Bereich und verzichtete aus nachvollziehbaren Gründen auf die Drittliga-Lizenz. Hier würde es rein sportlich allerdings auch (noch) nicht ausreichen.

Der gestrige Auftritt, vor allem im ersten Durchgang, war grundsolide, man erkannte das Konzept des Coaches, aber in letzter Instanz fehlte die Genauigkeit. Spätestens nach dem 3:0 der heimischen Hallenser flachte dann auch die Stimmung im vollen Gästeblock immer mehr ab. Bis dahin waren Mitmachquote und Lautstärke absolut im Rahmen des Möglichen.

Das Credo „Friday, I’m in love“ entpuppte sich im Nachhinein vielleicht als zielführend. Zumindest auf sportlicher Ebene. Die Liebe zum Verein wird aber auch dieses Spiel keinen Abbruch tun.
Wir sind gespannt wie sich die Situation in beiden Städten entwickelt. Eine Bereicherung für Liga 3 und auch 4 sind beide allemal.
Fotos: Max Wieler