Wie die Zeit vergeht! Mittlerweile müsste es schon über 10 Jahre her sein, als ich mein bisher letztes Hallenturnier besuchte. Ich meine, dass es in Wolgast war. Ganze 20 Jahre zurück wurde noch alles mitgenommen, um die Winterpause zu überbrücken. Zwischendurch wurde ich wählerischer und pickte mir nur noch „Kracher“ wie den Remes-Cup in Poznań oder den Amber-Cup in Słupsk heraus, bis es dann völlig einschlief mit dem Interesse bzw. mangels Möglichkeiten.

Hallenturniere sind in Polen nicht ganz so populär, aber den Ball lassen sie in der Winterpause auch schon seit mehreren Jahrzehnten rollen. Eins dieser traditionellen Turniere ist das Gedenkturnier zu Ehren von Andrzej Mroczoszek – ein ehemaliger Stürmer, Trainer und sportlicher Leiter bei Lech Poznań. Der Veranstalter ist Promień Opalenica, denn in der westlich von Poznań gelegenen Kleinstadt Opalenica wurde er 1941 geboren. 2001 verstarb er und ist meines Wissens auch auf dem hiesigen Friedhof begraben, der sich unweit der Sporthalle befindet.
Opalenica ist eine Stadt hier in meiner neuen Region, die ich immer mal wieder ganz gerne besuche. Die wenigen touristischen Highlights wie das Rathaus hat man schnell abgehakt. Der Ort ist eher eine Sportstadt. Die Anreise ist per Auto und Zug äußerst einfach – auch jetzt bei Eis und Schnee. Vom Bahnhof sind die Plätze des bekannten Sporthotels, die Sporthalle und das Stadion sehr gut und schnell erreichbar. Viele deutsche Vereine wissen das auch und halten im Sporthotel daher regelmäßig Trainingslager ab.

Im Hochsommer kannst du hier bequem bei kalten Getränken und teuren Speisen im Schatten sitzen und dabei Testspiele von internationalen Profi-Vereinen gucken. Ein Hinweis für Sparfüchse: Bisher habe ich noch nie Eintritt zahlen müssen. Parkplätze stehen auch ausreichend zur Verfügung. Nicht nur das Sporthotel ist hier ein Aushängeschild, auch die Basketball-Abteilung ist hier im Jugendbereich erfolgreich. Im Fußball sieht es beim lokalen Verein Promień etwas schmaler aus. Nach einer Saison in der 3. Liga 2008/2009 folgte der Absturz bis in die unterste Klasse. Aktuell liegen sie in der zweitniedrigsten Liga auf einem guten 3. Rang, allerdings ist der Aufstiegsplatz schon 10 Punkte entfernt.

Die Sporthalle wurde Mitte der 90er Jahre gebaut und befindet sich umgeben von Flächen, die der sportlichen Ertüchtigung und Erholung dienen – sogar mit etwas Wasser. Gleich nebenan ist auch eine Schule. Supermärkte gibt‘s hier auch. Mal so nebenbei: Ab 2026 wurde nach einer vorherigen Testphase nun der Flaschenpfand eingeführt. Die rote Lampe, die signalisiert, dass etwas nicht so läuft, wie es laufen soll, funktioniert auch schon gut… Der Pfand beträgt ganze 50 Groszy.
Der Eintritt beim Hallenturnier war kostenfrei. Dennoch lag die Besucherzahl bei konstanten 25 Leuten, wovon 1/3 sich laufend abwechselte – Laufkundschaft. Man darf den traditionellen Familiensonntag nicht außer Acht lassen, aber dennoch waren es erschreckend wenig Interessierte. Am Teilnehmerfeld lag es nicht. Das war regional, aber hinsichtlich der Ligen bunt gemischt. In meiner Brandenburger Heimat werden ja zu den Turnieren nach Weihnachten auch immer dieselben Gesichter eingeladen, was aber dennoch die Hütten füllt.

Opalenica stellte zwei Mannschaften. Aus der selben Liga waren Wicher Strzyżewo und Ogrol Sielinko mit am Start. Dazu gesellte sich in Gruppe B noch Borusja Boruja Kościelna aus der untersten Liga. In Gruppe A komplettierten Huragan Michorzewo (zweiniedrigste Liga), Patria Buk (7. Liga/wie Landesklasse oder Bezirksliga) und Grom Zębowo (unterste Liga) das Feld. Der Veranstalter versprach Emotionen. Na dann wollen wir doch mal sehen…!
In Gruppe A war nach zwei Runden schon alles klar – Michorzewo und Buk im Halbfinale. Dabei besiegte Huragan noch überraschend Buk mit 3:2. Huragan hat am Ende der Hinrunde übrigens noch eine Geldstrafe auferlegt bekommen. In der Begründung steht, dass es ein aggressives Fanverhalten mit vulgären Äußerungen zu beklagen gab, was letztendlich zum Abbruch führte. Huragan-Fans waren heute nicht dabei. Buk – eventuell durch die Autobahnabfahrt bekannt – ist eine Ort bzw. eine Gemeinde mit guter Öffentlichkeitsarbeit. Nahezu an jedem Wochenende werden Interessierte über Sport- und Kulturveranstaltungen informiert. Das Heimatmuseum und das kleine Kino sind ebenso erwähnenswert neben zahlreichen historischen Gebäuden.

In der Gruppe B waren Wicher und Sielinko schnell im Halbfinale bzw. ausgeschieden. In Sielinko (gleich neben Opalenica), was eigentlich nur für das Museum der Fleischverarbeitung bekannt ist, kenne ich auch nur den Sportplatz und das Beinhaus (heute Kapelle). Borusja Boruja Kościelna kam trotz eines beachtenswerten 0:0 gegen Opalenica nicht weiter. Den Verein gibt es seit 1969. Vielleicht spielte die erfolgreiche Zeit der Gladbacher Fohlen da auch eine kleine Rolle bei der Namensgebung neben dem Wortspiel „Boruja-Borusja“. Im Halbfinale zeigten sich dann doch die versprochenen Emotionen. Buk flog knapp mit 0:1 gegen Opalenica B raus. Beim Tor wurde es zum ersten und letzten Mal richtig laut in der Halle. Im Finale unterlag dann der Gastgeber dem Ligakonkurrenten Wicher Strzyżewo mit demselben Ergebnis.
Man kann festhalten: Die Halle war ganz ok, es gab Sitz und Stehplätze bei fehlenden Sichtbehinderungen. Das gelingt deutschen Architekten oftmals nicht. Einen Imbiss gab es nicht, dafür einen Snack-Automaten. Bei 25 Zuschauern völlig ausreichend. Stimmung war leider keine vorhanden, was deutliche Abzüge einbringt. Im Hintergrund lief über den Hallenlautsprecher zudem permanent Radiomusik. Da finde ich die Musikeinspielung wie in Deutschland in den Schlussminuten besser.

Gespielt wurde nach Futsal-Regeln über 12 Minuten, was für mich nach langer Zeit ohne Futsal sehr erfrischend war. Fair blieb es auch bei gerade mal zwei Zeitstrafen. Leider flogen alle Underdogs schon frühzeitig raus. Borusja sammelte Pluspunkte, da sie es mit sehr großem Einsatz geschafft hatten, die höherklassigen Kontrahenten doch etwas zu ärgern. Platz 6 war etwas zu unverdient. Vielleicht klappt‘s mal in der Rückrunde mit einem Besuch der „Borussia“ aus Wielkopolska.
Bericht & Fotos: Michael