FSV Zwickau vs. Hansa Rostock: „Stadionverbot“, Gruselfaktor und sächsische Willkommenskultur

Ein Blick auf das Handydisplay. Nachrichten im Minutentakt. Und? Wie ist in Zwickau? Im Hintergrund ertönten die Trommel und die lautstarken Gesänge aus dem Gästeblock. Zwischen die Wohnblocks hindurch trug der Schall die Schlachtgesänge durch die Finsternis. Ein Polizeiwagen fuhr Streife. Wenig später leuchtete hinter mir eine Taschenlampe auf. Irgendein Typ kroch hinter den Autos rum und funzelte durch die Fenster. Ich zog die schwarze Kapuze noch tiefer ins Gesicht, die geöffnete Bierflasche klemmte zwischen den Knien. Quer auf der Rücksitzbank sitzend verfolgte ich hörend das Spiel, welches schätzungsweise 400 Meter Luftlinie weiter im Stadion Zwickau ausgetragen wurde. Als der Lichtkegel der kleinen Taschenlampe die Heckscheibe unseres Fahrzeugs traf, dachte ich schon, okay, jetzt ist es soweit. Wenn der Kerl das Auto anfassen oder gar beschädigen würde, bliebe nur der Kampf auf dem dunklen Bürgersteig. Was für ein finsterer Abend im Westsachsenland! Gefühlt wurde man jedoch ins tiefste Polen oder gar nach Russland gebeamt. Späher. Finstere Gestalten. Drohgebärden. Vor dem Stadion, im Stadion. Ortsfremde befanden sich jederzeit im Fokus und bekamen Besuch abgestattet. Eine Ansage, eine erbetene Spende, ein gezogener Schal, ein nettes Versprechen für die Zeit nach dem Spiel. Die gebotene Palette war groß, für jeden war etwas dabei. Wenn ich das Ganze einen Tag später Revue passieren lasse, ist völlig klar: Mensch, wer als Hopper mal richtig Spaß und den berühmten Stift in der Buchse haben möchte, der besuche den FSV Zwickau an einem Abend zu einem brisanten Spiel! Der Erlebnisfaktor ist groß, und mitunter gibt es dann Anekdoten, die man später seinen Kindern erzählen kann.

Willkommen in Zwickau, wo die Uhren ein wenig anders ticken. Wo die eigenen Regeln noch konsequenter durchgezogen werden als bei anderen Fanszenen. Die berühmte Spende für den Nachwuchs ist auch in Magdeburg legendär, die Frage nach der Herkunft wird einem vielerorts gestellt, wenn man einfach mal so von der Gegengerade aus ein brisantes Spiel sehen möchte. Zwickau schießt diesbezüglich jedoch den Vogel ab, da von der aktiven Fanszene keine Berichte, keine Fotos, einfach gar nix erwünscht wird. Von Red Kaos & Co. sollen nach Möglichkeit keine / kaum Bilder im Netz herumgeistern. Die Präsenz in den Medien und vor allem in den sozialen Netzwerken soll auf ein mögliches Minimum reduziert werden. Wozu dann überhaupt noch Spruchbänder und Choreographien im Stadion gezeigt werden, wenn diese im Nachfeld möglichst nicht im Netz auftauchen sollen? Gute Frage! Fakt ist, vor den Toren des Stadions war in diesem Fall auch für mich Schluss. Eine Akkreditierung gab es sowieso nicht, aber auch als Besucher war das Betreten der Ränge nicht möglich. „Für dich ist heute hier kein Zutritt!“ Ein Reinmogeln ist in Zwickau schwerlich möglich. Die „Aufpasser“ vor dem Einlass zur Gegengerade haben spielend einfach alles im Blick. Als Gruppe werden Fremde angesprochen und nach der Herkunft gefragt. Gleiches geschah im späteren Verlauf auch auf den Rängen, vor allem in den Blöcken C3 bis C5. Wer nicht passt, muss draußen bleiben. Das Prinzip „unser Stadion – unsere Regeln“ werden konsequent durchgesetzt. Sich irgendwo beschweren gehen? Irrsinn. Sich widersetzen und einfach reinschieben, weil man direkt vor dem Stadion schon nicht zusammengelegt werden würde? Davon ist ganz klar abzuraten. Vor allem bei Abendspielen gibt es schließlich ein Danach. Keine hübsche Vorstellung! 

Zwigge

Ich diskutierte nicht großartig. Ein Fan, der vom Alter her mein Nachwuchs sein könnte, verbot mir also, das Stadion an diesem Abend zu betreten. Eine 2-Meter-Kante daneben verlieh dem Ganzen mächtig Nachdruck. Im Prinzip hatte ich es vorher im Urin. Zwickau gegen Hansa?! Für mich wohl nicht. Wenn man jedoch 43 ist, seit 27 Jahren den Fußball mit all seinen Facetten erlebte und auch sonst manch eine Grenzerfahrung – inklusive mehrfacher akuter Lebensgefahr in verschiedenen Ecke dieser Erde – mitnahm, dann kommt schnell der Entschluss: Niemand verbietet mir irgendwo den Zugang. Niemand verbietet mir das Wort. Auf Fotos kann indes schon mal verzichtet werden. „Hier kommst du nicht rein!“ Schon mal gehört?! Ja, Ende der 80er Jahre in Ost-Berlin, als ich die Bibliothek in der US-Botschaft in der Neustädtischen Kirchstraße besuchen wollte. Hier nicht rein? Die Stasi in Zivil versuchte Druck auszuüben. Mit meinen damals 15 bzw. 16 Jahre sagte ich mir (nicht zu denen): Leckt mich am Allerwertesten! Hier ist legitimer Zutritt – ich gehe hier rein! Basta! Oder gar das Wort verbieten? In den Wirren der Wendezeit, als strammrote Lehrer an meiner POS mich verbal massiv unter Druck setzten, weil ich kritische Wandzeitungen auf den Gängen aufhängte, gab ich mir selbst ein Versprechen. Egal, was kommen wird: Das Wort würde mir in meinem Leben niemand mehr verbieten. Kein Lehrer, keine Behörde, kein Verband und in diesem Fall auch keine Fanszene / bzw. ein Verein.

Zwigge

Als ich gestern im Auto saß und über das soeben Geschehene nachdachte, haderte ich kurzzeitig. Hätte ich reingehen sollen? Die Typen beiseite schieben sollen? Mein Recht durchdrücken sollen? Schließlich hatte ich mir ein Eintrittskarte gekauft. Aber was hätte es gebracht? Ich genoss das Bier im dunklen Auto und lauschte das Spiel in der Ferne. Es war eine interessante Erfahrung. Ich dachte an all die Stadionverbotler. An all die Leute, die ihre Vereine auch auswärts begleiten und dann – während all ihre Kumpels in den Gästeblock strömen – irgendwo draußen ausharren müssen. Ständig der Gefahr ausgesetzt, von Einheimischen erspäht und aufgemischt zu werden. Im Fall des F.C. Hansa Rostock kommt auch diesbezüglich immer eine stabile Truppe zusammen, denkt man jedoch an kleinere Szenen, kann sich das eine oder andere Szenario leicht ausgemalt werden. 

Während gestern Abend der Typ draußen herumfunzelte, rückte ich bereits die Bierflasche zurecht. Er zog jedoch weiter und ich entspannte mich wieder. Ich schloss die Augen und versuchte, das Spielgeschehen mit Hilfe der herüber getragenen Geräusche zu erahnen. Fast die ganze Zeit zu hören waren jedoch nur die Gästefans, was auch daran lag, dass von meinem Parkplatz aus die Heimfans der Nordtribüne in die andere Richtung brüllten / sangen. Einen bombastischen Auftritt legten die Hansa-Fans jedoch in jedem Fall hin. Mit einem mehrfachen „Ahu!“ wurde die brisante Partie eingeläutet. Es folgten auf beiden Seiten Pyro-Aktionen, die ich bereits wenig später auf dem Smartphone bewundern durfte. Nicht wenige Leute stellten zeitnah diverse Fotos in die sozialen Netzwerke. Ich malte mir dabei aus, wie Fotografierende von den Zwickauern und auch anwesenden Dresdenern erspäht und später draußen abgefangen wurden. 

Zwigge

Willkommen im Wilden Osten! Ein Fußballspiel ist in manchen Fällen wahrlich kein Konzertbesuch. Spektakulär ist im Fall Zwickau die Lage des Stadions. Trotz all des Hickhacks blieb die Zeit eine Runde zu drehen. Nicht weit entfernt eine Hauptstraße mit Straßenbahn, die das Neubaugebiet in Zwickau Eckersbach anbindet. Vom Stadionvorplatz aus ist es möglich einen Blick auf die tiefer liegende Innenstadt zu werfen. Ein kleines Lichtermeer bei einem Abendspiel. Großartig! Man weiß als ortsfremder Besucher gar nicht so recht, wo man theoretisch sein könnte. Mich erinnerten die unten befindlichen Lichtpunkte an Rio de Janeiro. Die Plattenbauten, die anders angeordnet sind als beispielsweise in Berlin Hellersdorf oder Marzahn, ließen indes Erinnerungen an diverse Reisen nach Polen und Russland im Geiste hochkommen. Ein am Stadtrand befindliches Neubaugebiet von Poznan. Könnte auch ein stückweit passen. 

Die Aktionen auf dem Vorplatz am Einlass und mitunter auch auf den Rängen? Wie tiefstes Polen vor zehn Jahren. Es ist schwer, das Ganze in Worte zu fassen. Sein Stadion „sauber“ halten, einen wachsamen Blick auf etwaige im Heimbereich befindliche Gästefans haben – irgendwie nachvollziehbar. Erschrockene Groundhopper vom Landesteil jenseits des einstigen „deutsch-deutschen Raumteilers“ abzuziehen und mitunter Gewalt anzudrohen – das ist dann doch arg grenzwertig. Einem auf der Gegengerade sitzenden „Hansa-Papa“ den Schal abnehmen? Irrsinn! Was möchte man in Zwickau sein? Wo möchte man hin? Ist es nicht auch lobenswert, sich auf der Gegengerade einfindenden neutralen Besuchern zu präsentieren? Einfach nur zu zeigen, was auf der Nordtribüne alles möglich ist? Regeln aufstellen, paar diskrete Hinweise – okay. Aber Aussortieren und Drohgebärden oder gar Schläge nach dem Spiel vor den Stadiontoren – nicht wirklich der richtige Weg. 

Es blieben unter dem Strich rund zweieinhalb Stunden, sich Gedanken über dieses und jenes zu machen. Auch die Frage, weshalb man sich mit bald Mitte 40 noch den „Scheiß antut“. Ist es nicht bequemer, sich einfach auf eine Pressetribüne zu setzen und brav einen Bericht zu tippen? Ein bissel was futtern, danach gemütlich wieder mit dem Auto abzudüsen. Angepasst, unauffällig, nur nicht anecken. Meine Fresse, zu Hause sind zwei Kinder! Nur mal ausgesponnen, der Typ mit der Taschenlampe wäre wirklich so ein Assi-Schläger, der wartende Ortsfremde aus den Fahrzeugen zerrt. Prima Szenario im Plattenbaugebiet von Zwickau Eckersbach. Andererseits: Ich war noch nie angepasst. Unser Magazin kann auch unbequem sein. Allerdings wird immer geradeaus geschrieben. Nichts erstunken, nichts erlogen, nichts verdreht. Da kann man sich auch mal an einem Montagabend nach vier Stunden Fahrt in die dunkle Karre setzen, die Kapuze tief ins Gesicht ziehen, an der Bierflasche nippeln (ich war ja nur Beifahrer) und das Geschehen mal rein akustisch verfolgen. Ist das krank! Ich lachte auf und beantwortete eine erneute Anfrage. „Nein, ich bin nicht im Stadion!“ Hansa führt bereits mit 2:0? Habe ich durchaus vernommen! Oder besser gesagt: Es war auch in 400 oder 500 Metern Luftlinie wirklich nicht zu überhören! 

Hansa

Der Rest wurde mir von Bekannten aus dem Stadion zugetragen. „Sah krass aus im Rostocker Block! Aber hätte es auch etwas weniger Pyro getan?“, „Warum müssen paar Deppen immer wieder was auf den Rasen werfen?“ Ich wand ein, dass in solch einem proppenvollen Block manches auch aus reinen Sicherheitsgründen außerhalb des Zuschauerbereichs entsorgt werden muss. Gegen 21:10 Uhr und 21:20 Uhr ertönte in der Ferne lautstarker Jubel. Andrist sorgte in der 36. Minute für das 1:0 der Gäste, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit brachte Benyamina den F.C. Hansa Rostock mit 2:0 in Front. Das war aufgrund der zuletzt überaus starken Erfolgsserie des FSV Zwickau doch ein wenig überraschend.

Hansa

Nachdem es zu Beginn des zweiten Spielabschnitts im Gästeblock noch einmal mächtig blinkerte, legten die Westsachsen auf dem Rasen ein ordentliches Schippchen drauf. Der Jubel beim Anschlusstreffer klang aus der Ferne nicht viel anders als der der Rostocker Fans, hinzu kamen jedoch die Einspieler und die Stimme des Stadionsprechers. Von daher war klar, welche Mannschaft nach knapp einer Stunde einen Treffer erzielt hatte. Fünf Minuten vor Schluss dann der Ausgleich des FSV Zwickau. Kurzzeitig waren nun nur noch die Heimfans zu vernehmen. Das „Nur der FSV!“ hallte durch die Dunkelheit. Wenig später nahmen auch die Hansa-Fans wieder Fahrt auf. Es sollte letztendlich beim 2:2 bleiben. Aus Sicht der Rostocker jammerschade, aus Sicht der Zwickauer ein gefühlter Sieg. 

Zwigge

Nach Abpfiff wurde es noch einmal spannend. Gezielter Besuch an unserem Fahrzeug? Nein, es blieb ruhig. Ab die Post! An einer Ampel gab es dann doch noch einmal eine zum Abend passende Verabschiedung. Ein Brecher mit Glatze zeigte neben uns den Mittelfinger. Uaaah, ja, der Osten! Solche berüchtigten Orte wie Leipzig-Leutzsch und Zwickau Eckersbach kann man eigentlich nur lieben. Von Weichgespültheit ist man Welten entfernt. Es sind Orte, an denen dem einen oder anderen schon mal der Angstschweiß von der Stirn perlen kann. An der nächsten Tanke dann ein weiteres Bierchen und dann ab auf die dunkle Autobahn. So einprägsam und irgendwie auch goldwert der Abend im Endeffekt war, so schnell wird mich Zwickau nicht mehr wiedersehen. Ziel erreicht von Red Kaos & Co.? Ein Medium weniger, das über die dortige Fanszene berichtet? Ach, sei es drum, als 73er Jahrgang muss man alles etwas lockerer angehen. Die Zeiten, dass man gleich zurück gebellt hat, sind vorbei. Es gibt noch andere Herausforderungen im (Fußball-)Leben … 😉

Fotos: Marco Bertram, Dominik

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

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94 Gedanken zu „FSV Zwickau vs. Hansa Rostock: „Stadionverbot“, Gruselfaktor und sächsische Willkommenskultur“

  1. Zugegeben ich bin mit einer gehörigen Portion Vorurteile gegenüber der dortigen Fankultur nach Zwickau gereist (Anmerkung: bin ich auch schon zu anderen Vereinen und ließ mich eines besseren Belehren) Als normaler Fan verfolge ich Spiele meines Clubs aber eben auch Spiele anderer.

    Zwickau hätte an diesem Tag einiges geraderücken können, stattdessen hatten sich weitestgehend alle Vorurteile bestätigt. Trifft man in Zwicke nun mittlerweile das Gesocks wegen welchem man in Dresden keinen Fuß mehr ins Stadion setzt. Wird man als neutral gekleideter Stadionbesucher mehr als nur beäugt und permanent dämlich angequatscht, wo man den herkomme/was man hier wolle etc.
    Ja es soll Menschen geben, die kommen wegen Fußball, wegen Stimmung und nicht um sich mit unterbelichteten Menschen körperlich zu messen. Ich war in keiner Kurve, ich war auf der Gegengerade. Die Anzahl der Handschuhträger war einfach zum Kopfschütteln. Die normalen Rostocker Anhänger auf der Geraden hatten definitiv noch Spaß beim Verlassen des Stadions. Ich für meinen Teil bin mit Abpfiff raus, war sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung. Auch das Spiel an sich zu besuchen: stimmungsvoll war es, spannend aber eben auch ganz schön assi

    Zwickau hat sich erledigt. Unsympathischer Verein, scheiß „Fanfreundschaft“, ekelhafte Außendarstellung
    Noch kurz zum Stadion: + tolles Flutlicht, schöner Rasen, solider sanitärer Bereich (kein Warten)
    -eigentlich schlicht formuliert: hässlich (die offenen Stadionecken im besonderen, aber auch die nach hinten offenen Tribünen), es zieht bei etwas Wind bestimmt ordentlich, der Stadtteil(ohne Worte) Parkplatzsituation

  2. Auch ich würde gerne nochmal meinen Senf dazugeben:
    Grunsätzlich kann es natürlich immer vorkommen, dass es mal paar „Drucksituationen“ zwischen ansässiger Szene und Hoppern gibt. Ist vielerorts so. Bezugnehmend von den Abschlusskommentar von Marco Bertram kann ich allerdings verstehen, dass turus die Entscheidung trifft den FSV außen vorzulassen. Wenn sich so ein Theater abspielt, nachdem man Lesungen im Fanprojekt hielt und teilweise selbst bis in die Mainstream- Medien als Schreiber gehört/gelesen wird und dabei gute und selten vernommene Worte über Fans, Verein und Aktionen liest, dann muss man die Aktion schon hinterfragen und seine Konsequenzen ziehen.
    Es wundert mich, dass gerade Zwickau und vor allem Dynamo hier zum großen Schlag ausholen, wo doch über turus eine alternative Ansicht über den Fußball gebracht wird. Da geht dann nicht um „Pyrorandale“ und „Spiel der Schande“, sondern um fantechnische Elemente. Und die Art und Weise wie die Geschichte umschrieben wird, ist Autorenfreiheit.
    Mich würde übrigens schon noch interessieren was diesen harten Nummern waren. Das gehört zur Story mit dazu.

  3. Wie wäre es damit das Spiel dann einfach auf dem Smartphone zu verfolgen? Der MDR hat es live übertragen? Schlimm das man trotz gekaufter Karte nicht ins Stadion gelassen wird aber dann Stundenlang sich Gedanken zu machen…
    Was hätte eigentlich der Verkäufer am Schalter gesagt wenn man wieder hin gehen würde? Hallo ich werde nicht ins Stadion gelassen von Zwickau Fans. Ich will meine Karte zurück geben!

  4. Persönlicher Kommentar:

    Um einiges noch einmal auf den Punkt zu bringen. Aufgrund des im Bericht verpackten Beiwerks betone ich hier noch einmal, worum es eigentlich ging!

    Aufhänger sind nicht die abgezogenen Groundhopper oder etwaige andere Nebengeräusche. Richtig, solche Randerscheinungen gibt es beim Fußball wohl fast überall. Dass sich der Fokus genau auf diese Dinge richtete, hatte einen einzigen Grund: Der Verein und seine aktive Fanszene verhinderte mit aller Macht, dass turus.net / ich (Marco Bertram) über dieses Duell berichte.

    Überpünktlich wurden wie immer die Akkreditierungsunterlagen hingeschickt. Erfahrungsgemäß gibt es in der Region Nordost inzwischen keine Probleme mehr. Das Magazin und seine Autoren haben sich seit Jahren etabliert. Karsten und ich üben diese Tätigkeit auch hauptberuflich aus. Nicht zu vergessen auch parallel in den anderen thematischen Bereichen von Radsport bis Zeitgeschehen und Reise.
    Vom FSV Zwickau kam per Mail eine Absage. Es gab wohl eine Empfehlung von Seiten des DFB für dieses hochbrisante Sicherheitsspiel. Auch nach einem Telefonat blieb es bei der Absage. Sehr ärgerlich, aber mit einer Absage muss immer gerechnet werden.
    Plan B: Trotzdem hinfahren, auf großartige Bilder verzichten, einen ausführlichen Bericht über das Spiel verfassen. Es dürfte bekannt sein, dass der F.C. Hansa Rostock bei uns thematisch besonders stark vertreten ist. Nicht ohne Grund verfasste ich auch die „F.C. Hansa Rostock Fußballfibel“. Das heißt jedoch nicht, dass bei solch einem Spiel nur Hansa im Fokus ist. Wie gewohnt wird über das Geschehen auf den Rängen und auf dem Rasen berichtet.

    Erstmalig in der Geschichte von turus.net wurde uns / in diesem Fall mir ganz gezielt trotz Einkauf einer Karte der Zutritt verwehrt. Nicht durch Zufall, weil man dachte, ich sei Hopper. Gezielt, mit Namen. Mit der Begründung turus.net sei nicht erwünscht. Nicht der Fakt, dass ich Hansa recht nahe stehe, war hierbei ausschlaggebend. Dass es jedoch ein Hansa-Spiel betraf, macht es für mich noch gravierender. Beruflich. In Hinblick auf mein Archiv, in Hinblick auf kommende Bücher.

    Dieser Fakt, dass der Zutritt verwehr wurde, ist unfassbar. Auch nach zwei Tagen kann man nur den Kopf schütteln. Im Vorfeld hatte ich mich sogar bei Zwickau angekündigt, wie es bei Red Kaos erwünscht ist, wenn man sich als Fremder auf den Rängen herumtreibt. Nun kann man sagen, schön blöd, erkannt und abgefangen hätte man mich sowieso. Das ist wohl Tatsache.

    Dass ich den Abend im Auto verbringen durfte. Zwar eine harte Nummer, aber natürlich nahm ich es auch mit Humor. Ja, ich hätte auch in die Innenstadt fahren können, mich in eine Bar setzen. Wäre ich dort einem nicht wohlgesonnen Späher über den Weg gelaufen, hätte es auch blöd enden können. Auch dann hätten wiederum viele betont: Selber Schuld bei solch einem Spiel. Und das gegen Hansa Rostock. Es blieb also keine andere Wahl. Ich machte den kompletten Rückzieher, wartete im Auto auf meinen Kumpel, und dann wurde die Stadt verlassen.

    In der Zeit im Auto und im Nachfeld erhielt ich einige persönliche Erfahrungsberichte aus dem Stadion. Diese flossen zum Teil mit ein. Ein paar richtig harte Nummern ließ ich sogar draußen, um die Wogen nicht noch höher schlagen zu lassen.

    In Anbetracht dessen, dass ich in der Vergangenheit sogar zweimal für den FSV Zwickau (in Babelsberg und beim Berliner AK 07) die Lanze brach und mich für diesen Verein einsetzte, machte es aus meiner Sicht noch unfassbarer. Für mich wird es keine Berichte über den FSV Zwickau mehr geben. Nach all dem Theater der letzten Jahre ist nun Schluss. Verein und Fanszene wollen keine Bilder und Berichte? Bitte schön. Falls Verein oder Fanszene in naher Zukunft mal ungerecht von Verband und Behörden behandelt werden – thematisch können dies andere bearbeiten. Für mich ist das Thema FSV Zwickau ganz klar durch. Damit will ich auch das Thema schließen und mich ab nun den aktuell anstehenden Themen / Spielen widmen. Und ja, unter dem Strich bin ich sogar froh, dass mich nicht irgendein Tp noch am Auto zusammengelegt hat. In der heutigen Zeit muss man sogar mit solchen Dingen rechnen – und das nicht nur beim Fußball!

    Mit besten Grüßen
    Marco Bertram

    – turus.net –

  5. Soll ich dich erinnern, wenn deine Lieblinge (Maggihausen und natürlich der BFC) mal wieder freidrehen oder schalteste da grundsätzlich auf den Ignore-Modus und siehst nur das, was du sehen willst? Deine Voreingenommenheit ist so offensichtlich, kein Wunder, dass dich kaum einer ernstnimmt. Und bitte bleib den Dresdner Spielen fern… . Magdeburg ruft, da kannste dich wieder aufgeilen und uns allen von der Bombenstimmung berichten!

  6. Was sich manche echauffieren. Fährst stundenlang zu einem Spiel, stellen sich solche Deppen in den Weg und schicken dir eine Ansage. Daß man da angeranzt ist, ist wohl verständlich. Daß draußen immer paar Assis abhängen können, versteht sich. Also gehe ich ins Auto. Wenn dann noch jemand rumschleicht, weißt du auch nicht. Meiner Meinung gab es nur zwei Möglichkeiten: Gleich eine Ansage zurückschicken und eine Maulschelle den Großfressen geben, oder eben den friedlichen Rückzug wählen. Daß dann bei 3 Stunden Sitzerei im Dunkeln paar verrückte Ideen kommen, ist i-wie auch logisch. Meine Güte, es soll bestimmt nicht alles auf die Goldwaage gelegt werden. Kommt mal ein bisschen runter, Leute!

    Karlo

  7. Da hast du aber riesen Glück gehabt.
    Gerade der tiefe Osten, wo Zwickau liegt, also fast schon Polen, ist immer ein heißes Pflaster.
    Normalerweise werden in Zwickau regelmäßig Leute aus dem Auto gezogen und aufgemischt, die Autos anschließen abgefackelt. Das ist Usus bei einem Heimspiel und es erwischt mindestens 5-10 Ausgeschlossene und deren Fahrzeuge.
    Komisch, dass du das noch nicht recherchiert hast, wo du doch so kompetent schreibst.
    Um diese Zeit gibt es in Eckersbach auch an anderen Tagen, also wenn nicht gerade ein Fußballspiel ist, sowieso die Ausgangsperre, weil ein Aufenthalt zu dieser Uhrzeit außerhalb der eigenen vier Wände so ziemlich tödlich.
    Alles in Allem kannst du also von Glück sagen, dass du diesen sehr gefährlichen Abend in Zwickau überlebt hast.
    An deiner Stelle würde ich das Glück nicht nochmal herausfordern.
    Setzt deine Maske auf, trink dein Bier und lausche den Klängen aus dem TV.

  8. Somit kann ich mir und meinen Sohn ein unsportliches Erlebnis ersparen.
    Schade, als alter Ossi und Unterstützer von Underdogs, kann ich so was nicht tolerieren. Tiefstes Sachsen halt…..

  9. Du warst doch vor wenigen Wochen beim Fanprojekt in Zwickau zu einer Lesung, meist entsteht doch dabei ein Kontakt zur Szene den man in so einem Falle nutzen kann.

  10. Sorry, aber Tapeten sind fürs Stadion und nicht für Facebook oder den internetpenis. Dieses ganze Gepose nervt nur noch. 400 Videos auf youtube wie toll man in irgend einer Halle was vorbereitet hat. Es geht nur noch darum sich selbst zu feiern was für eine krasse Truppe man doch ist. Da sind mir die Jungs aus Z um einiges lieber die glänzen entsprechend ihren Möglichkeiten im Block und nicht im Internet.

  11. Selten sowas beklopptes gelesen.Schon mal Gastfan in Rostock gewesen? Da kommst du auch als Gastfan nicht ins Stadion wenn de nicht am Bahnhof parkst um dann geschlossen mit Polizei zum Stadion bekleidet zu werden.Also mal ganz entspannt bleiben kleiner…

  12. An meinen Namensvetter Marco:

    Besserwessi? 🙂 Dann hast du den Text nicht gelesen, denn ansonsten wüsstest du, dass von meiner Jugend in Ost-Berlin die Rede war.
    Und apropos, ja, ich war sogar beim Spiel Dortmund vs. RB Leipzig, der Bericht dazu ging hier im Magazin online.
    Zu Polen und Russland: Ja, die Struktur / Anordnung der Wohnblocks erinnert teilweise an die Siedlungen in Osteuropa. Ich wüsste jetzt auch nicht, was daran so schlimm ist. Ich habe eine polnische Frau, verbringe ein Viertel des Jahres in Polen und bereiste auch mehrfach Russland. Von Vladivostok bis Irkutsk. Von Omsk bis Moskau. Diesbezüglich weiß ich, was ich schreibe. Und wenn der Blick auf die Lichter der Stadt mich an Rio erinnerte, heißt das ja auch nicht, dass das bei jedem so sein muss. Es sind dann halt spezielle Momente, an die man im Augenblick XY denken muss…
    Und was das Abziehen von Leuten / Hoppern (Einfordern von Geld) betrifft – ja, das war eine Zeitlang beim polnischen Fußball durchaus Alltag.

    Beste Grüße
    Marco

  13. Soviel Mist auf einen Haufen habe ich überhaupt noch nicht gelesen. Du bist doch sicher so ein Besserwessi! Zum Spiel Dortmund gegen RB gewesen? Soviel zur tollen Fankultur der Westvereine. In Zwickau kann sich jeder Gästefan beruhigt in unseren Block setzen ohne Angst zu haben. Zwickau Eckersbach mit Polen zu vergleichen ist ja die Höhe. Ich war letztes Jahr zur Kunststoffmesse in Düsseldorf und was ich da gesehen habe, waren dann wahrscheinlich Stadtteile aus Sibirien. Also schön die Finger stillhalten. So ein Hetzer!!!

  14. Ich war gestern mit meinem 10-jährigen Sohn im Stadion, und ich werde wohl nicht wieder hingehen. Ich kann ihm nicht erklären, warum Menschen sich bei einem Fussballspiel benehmen müssen wie die Freunde aus Rostock, davon singen müssen, wer nun wen in welches Körperteil fickt oder sich zu tiefgreifenden philosophischen Ergüssen wie „Sachsenschweine“ hinreissen lässt (bei dem Part hat mir der Hansa-Fan leid getan, der seine Liebe auf einer Sachsen-Fahne verewigt hat). Jetzt werde ich bestimmt belehrt, dass ich ja kein echter Fan bin und nicht verstehe, was dazu gehört und was nicht. Das hab ich dann wohl verdient… wir wollten Fussball sehen und haben so viel mehr bekommen. Leider findet sich wohl hier keiner der mal darüber nachdenkt, wie so ein aggressiver Mob auf einen 10-jährigen wirkt. Sorry, dann fällt es mir aber auch nicht leicht, über einen biertrinkenden 43-jährigen zu trauern, der nicht rein durfte…

  15. Zunächst mal: Kopf hoch Marco, sicher ein gutes Spiel bei ordentlicher Atmosphäre verpasst, aber wie du gesagt hast, es kommen auch andere Tage und Spiele mit interessanter Ausgangssituation.
    Welch ein Szenario: Ungemütliche Zeiten in Rostock, da es vielleicht doch nur um den Klassenerhalt gehen könnte. Das wäre dann am 37. Spieltag gegen Erfurt oder am 38. gegen die Chemnitzer.
    Oder Magdeburgs Aufstieg in Halle am 35. Spieltag. Ohne Block U? Mal sehen….es wird mit Sicherheit nicht langweilig.
    Und auch im Punkt des rot-chaotischen Verhaltens ist es auf lange Sicht sicher ein kontraproduktives Verhalten. Auch wenn man scheinbar sportlich die Klasse halten kann, so könnte es mit den Zuschauereinnahmen doch irgendwann recht dünn werden, wenn FCM, CFC und FCH perspektivisch früher oder später nach oben gehen. Aber zum Glück kommt 2mal im Jahr die liebe SGD und rettet mit Benefizspielen den Betrieb.
    Grüße

  16. Das zeigt halt auch letztendlich die Bedeutung und Lage der Stadt Zwickau. In größeren Städten oder Universitätsstädten wär das wohl kaum möglich, wo ständig neue Einwohner hinziehen und bei Fußballinteresse sich den neuen Verein geben wollen. Aber die Anzahl der Neueinwohner dürften in Zwickau begrenzt sein.

    Kann man ja gespannt sein, ob das auch so sein wird, wenn man wieder in Liga 5 verschwindet und man wieder vor 1/4 vollen Rängen spielt. Wobei, da kommen dann sicher auch genug Dynamos um das Stadion aufzufüllen.

  17. Hab genau den gleichen Kram erlebt. Ich verstehe diese Menschen nicht und so wird Zwickau auch immer ein Kacknest bleiben und bald auch keine Rolle mehr in Sachsen spielen. Die Sachsenring Zeiten sind vorbei also denkt an die Zukunft!

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