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FC Twente vs. Willem II Tilburg: Kein Sieg zur verspäteten 50. Geburtstagsfeier

TwenteFrüher als Kind war es doch eigentlich ganz schön. Keine großartigen Verpflichtungen – sieht man mal von aufgezwungenen Aufgaben wie Zimmer aufräumen, Hausaufgaben oder Geschirrspüler ausräumen ab – und stattdessen den ganzen Tag lang machen was man will. Aber es gab auch Ausnahmen: sollten Geburtstage eigentlich die Highlights eines jeden Kindes sein, so schafften es manchmal die eigenen Eltern genau diesen besonderen Moment zu versauen. Die Gästeliste steht und trotzdem kommen die lieben Erziehungsberechtigten noch auf die Idee, dass man ja noch das Streberkind aus der Klasse, den nervigen weil allwissenden Cousin oder das unbeliebteste Kind der ganzen Stadt einladen müsste – soziale Verantwortung im kleinen Rahmen also. Zähneknirschend wurde dies dann auch getan, dem Wissen trotzend, dass es nur schief gehen kann. Das Arschlochkind war also da und es kam, was kommen musste: dumme Sprüche, Klugscheißer-Mentalität oder Angeberei beim Auspacken der Geschenke („Ein Gameboy? Ich hab letztens eine Wii bekommen!“) – die Party war versaut und der schönste Tag im Jahr zum schwarzen Loch der Freude verkommen. Klar, damals konnte man notfalls Rache schwören und die Konsequenz für dieses Verhalten musste das Arschlochkind einige Tage später in einer dunklen Ecke des Schulhofes ausbaden. Doch das geht ja auch nicht immer.

TwenteVor allem nicht, wenn man selber eben kein Kind, sondern ein professioneller Fußballverein ist, der in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag nachfeiert. Denn schon am 01. Juli 2015 jährte sich die Fusion des SC Enschede mit den Enschede Boys zum fünfzigsten Mal, doch aus später erläuterten Gründen wurde dies erst an diesem Spieltag, ein gutes halbes Jahr später, gefeiert. Unverhofft kommt oft. 

TwenteVielleicht wollte man damit auch umgehen, dass die Feierlichkeiten zum Ehrentag bei einem Spiel gegen die Großen zu einem sportlichen Debakel verkommt und hoffte mit Willem II einen passenden Gegner gefunden zu haben, der sich kampflos seinem Schicksal ergibt, ein guter Gast ist und die drei Punkte in roter Geschenkschleife verpackt in Enschede lässt. Aber genau jenes Willem II Tilburg, zwar erste Profimeister der Niederlande 1955 und trotzdem eine ziemlich graue Maus, spielte das vom KNVB auserwählte Arschlochkind und vermasselte den Rot-Weißen die Party – nur ahnte davon vorher niemand was. 

TwenteUnd so war die Stimmung zu Beginn des Spiels bei den etwa 24.000 Anhängern des FCT geradezu euphorisch und das ganze Stadion wurde in die optische Aktion zum Geburtstag des Clubs einbezogen: Schwenkfahnen in den Farben der beiden Fusionsclubs auf der Gegengeraden, rote Pappen mit allen Vereinswappen hinter einem Tor und der Tribüne und auf der Heimtribüne, dem Vak-P, eine an Seilen hochgezogene „50 Jaar FC Twente“-Fahne sowie dahinter mehrere Blockfahnen, die im GTA-Stil die größten Erfolge des Vereins zeigten. Und das sind nicht unbedingt wenige: Meister 2010, viermaliger Vizemeister, dreimaliger Pokalsieger und zweimaliger Supercup-Sieger sind die Titel, die beim FC Twente (offiziell ist übrigens nur der Name ohne „Enschede“) im Regal stehen und bestaunt werden dürfen. Dazu kommen regelmäßige Teilnahmen am Europapokal und bekannte Spieler und Trainer wie Blaise Nkufo, Marko Arnautovic, Nacer Chadli, Sander Boschker (mit über 500 Ligaspielen für Twente eine Institution),  Nico-Jan Hoogma, Helmut Rahn, Fred Rutten, Niels Oude Kamphuis, Jan Vennegor of Hesselink, Steve McLaren oder Hans Meyer. Eine große Vergangenheit für den Club und auch in den letzten Jahren machten die Tukker durch sportlich starke Leistungen auf sich aufmerksam. Doch leider nicht nur dadurch.

TwenteDenn der bisher größte Vereinserfolg, die Meisterschaft 2010, lastet wie ein Fluch auf dem Verein, ein Fluch den man sich selbst eingebrockt hat. Stadionausbau auf eigene Kosten, erhöhte Gehälter der Spieler und eine nicht gerade billige Jugendabteilung sorgten dafür, dass der Club immer weiter in finanzielle Schwierigkeiten kam, das Unglück beim Stadionausbau, als das Dach der Hintertortribüne einstürzte und zwei Bauarbeitern das Leben kostete war ein weiterer Mosaikstein. Und so trat der niederländische Verband in der letzten Saison auf die Notbremse, zog den Rot-Weißen insgesamt sechs Punkte ab und drohte mit Lizenzentzug für den Traditionsclub. Ein Finanzplan wurde aufgestellt, der nicht nur die Entlassung von 18 Mitarbeitern, den Rückzug der zweiten Mannschaft aus der 2.Liga und  den Verkauf mehrerer Schlüsselspieler, sondern auch die Absage der groß angekündigten Geburtstagsfeier vorsah.

TilburgUnd so musste eben heute gefeiert werden, was zumindest anfangs auch ganz gut gelang, bis dann eben Lucas Andersen seine große Show startete und die Gastgeber quasi im Alleingang abschoss. Die Stimmung wurde frostiger, man ergab sich in seinem Schicksal und nur die exakt 119 Gäste brachten ein wenig Stimmung ins Rund. Aber vermutlich besser so, als gar nicht mehr am Leben – man muss  die Feste eben feiern wie sie fallen und so ist man in Enschede vermutlich froh überhaupt noch in der höchsten Liga der Niederlande zu spielen und nimmt eine Niederlage – auch wenn sie gegen einen direkten Gegner im Abstiegskampf ist – eben zwangsweise hin. Allerdings sollte man in Enschede aufpassen, dass man sich nicht komplett kaputt spart und am Ende nicht doch den bitteren Weg in die 2.Liga antreten muss – nur diesmal sportlich und nicht finanziell. Es gab auch schon bessere Zeiten in der Overijssel. 

Text & Fotos: Frank Grunert (Der kleine Zeitvertreib)

> zur turus-Fotostrecke: FC Twente Enschede

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