Als Kind und Schüler war ich sehr stolz und glücklich, dass der F.C. Hansa Rostock als eine von wenigen DDR-Oberligamannschaften über Flutlicht verfügte. Daher spielten wir oft am Freitagabend gegen den BFC Dynamo, die BSG Stahl Brandenburg oder den 1. FC Lokomotive Leipzig.

Auf Grund der fehlenden Beleuchtung in den anderen Stadien der DDR-Oberliga, begannen die Spiele im Herbst und Winter bereits um 13:00 Uhr. Hansas erstes Spiel unter den vier 56 Meter hohen Masten fand am 23. Oktober 1970 gegen den 1. FC Magdeburg statt. Die Anlage leuchtete mit 750 Lux. Ähnlich wie in einem Zirkuszelt war nur die Manege in Form des Rasens ausgeleuchtet. Die Zuschauerränge und Fans blieben eher im Schatten.

Pünktlich zur ersten Bundesliga-Saison 1991/92 wurden die Scheinwerfer der vier Masten ausgetauscht, fortan gab es in Rostock eine 1380-Lux-Anlage zu bestaunen. Hansa hatte nun neben dem Flutlicht des Düsseldorfer Rheinstadions die hellste Stadionbeleuchtung der deutschen Fußballlandschaft. Nach dem Bau des neuen Ostseestadions blieben die vier alten Masten – anders als in Dresden und an anderen Standorten – bestehen, die Scheinwerfer wurden 1999 nochmals umgetauscht. 24 am Dach angebrachte Scheinwerfer unterstützen seitdem die vier Masten.

Zeitsprung: Stichwort Zirkuszelt und Manege. Am gestrigen Abend wurden die Zäune aufgebaut und die Löwen aus München wurden hereingelassen. Ihre rund 300 Fans der Großkatzen waren im Gehege gut zu vernehmen, aber der 24.000-köpfigen Heimkulisse unterlegen.

Statt unterlegen spielte der F.C. Hansa gegen den TSV 1860 München in der ersten Hälfte überraschenderweise überlegen. Sturmwellen peitschten im Gästestrafraum. Kapitän Daniel hatte die Segel zum Angriff setzen lassen. Pfanne und Holten hatten gleich gute Chancen, und Dietze in der 31. Minute sowie Krauß in der 34. Minute belohnten den starken Auftritt mit der 2:0-Führung.

Zur Pausenbockwurst sah man in zufriedene Gesichter, und alle hofften auf die Fortsetzung des Sturmlaufes. Dietze hatte in der 47. Minute noch eine gute Chance, aber dann waren mehr das Verwalten der Führung und das Kontern angesagt. In der 90. Minute gelang Dulic die Verkürzung zum 1:2 für die Sechziger, und der Gästetorwart köpfte fast noch das 2:2.

Die Kogge erreichte am gestrigen Abend allerdings glücklich den sicheren Hafen. Ahu! Damals im Oktober 1970 konnte Hansa Rostock das erste Heimspiel unter Flutlicht gegen den 1. FC Magdeburg mit 3:0 für sich entscheiden. Trainer Dr. Horst Saß und Co-Trainer Heinz Werner hatten ihre Mannschaft prima eingestellt. Vor 25.000 Zuschauern in alten Ostseestadion erzielten Dieter Lenz (25. Minute), Lothar Hahn (61. Minute) und Gerd Kostmann (76. Minute) damals die drei Treffer.

Mit einem 2:1-Heimsieg endete nun die 55-jährige Geschichte unserer Flutlichtmasten. Auf Grund der endenden Betriebserlaubnis entschieden sich die Mitglieder für einen originalgetreuen 1:1-Nachbau der historischen Masten. In wenigen Monaten gelang den Planern und Bauarbeitern die zügige Ausführung. Mein Dank und Respekt für diese schnelle Umsetzung. Es ist vielleicht der schnellste Bau in Deutschland seit Jahren gewesen.

Die Kosten von rund 3,5 Millionen Euro wurden durch Spendensammlungen der Fanszene Rostock und den Verkauf der Flutlicht-Tischlampen (steht bei uns auch zu Hause) gemildert. Nun haben wir sogar aktuell acht Flutlichtmasten im Ostseestadion zu bestaunen.

Danke an alle Fans, Planer, Spender und Ausführende, dass die Silhouette Rostocks erhalten bleibt und allen Seefahrern und Fans den Weg nach Rostock und ins Ostseestadion zeigt. Nach dem Spiel gingen die Lichter der Flutlichter für immer aus und die vier alten Masten wurden mit einem Feuerwerk verabschiedet.

Leider kam es in Folge dieser von den zuständigen Behörden genehmigten Choreografie samt Einsatz pyrotechnischer Erzeugnisse an den Masten zu Verletzungen von Zuschauern, unter ihnen ein neunjähriger Junge, der zur medizinischen Behandlung in eine Rostocker Klinik gebracht werden musste. Wir wünschen allen betroffenen Fans eine schnelle Genesung! Ahoi Heiko
Bericht: Heiko Neubert (in Zusammenarbeit mit Marco Bertram)
Fotos: Heiko Neubert, Jens, René H., Heiko Baumann (Regenbogen)

Auf die kommenden 55 Jahre!
Moin Heiko,
sehr gut verfasste Zeilen! Dem verletzten Jungen alles Gute!
VG Maurice