Einmal im Jahr kommt der Weihnachtsmann, der Silvesterpunsch von Ekel Alfred läuft im Fernsehen oder der F.C. Hansa Rostock spielt im Pokal gegen den VfB Stuttgart. Alles wiederholt sich. Das Stöhnen nach der Pokalauslosung, die Eintrittskarte für 50 Euro und die gedämpften Erwartungen. Als früherer Bundesligist habe ich die kleinen Vereine aus Magdeburg, Leipzig oder Dresden belächelt, wenn sich deren Fans über einen großen Gegner aus der Bundesliga gefreut haben. Für uns waren Stuttgart, Hamburg oder München normaler Alltag. Nun sind wir seit vielen Jahren der kleine Verein, der sein „Dorffest“ vorbereitet.


Als guter Gastgeber haben wir auch 2.600 Gäste aus Stuttgart und Umgebung eingeladen. Für sie immerhin mal eine Abwechslung vom Bundesligaalltag, denn immer nur Bayern, Leverkusen oder Freiburg ist schließlich eintönig und langweilig. Sicherlich werden viele Gäste gleich ein Wochenende an der Ostsee gebucht haben. Dazu ist das Ostseestadion als „Clubschiff“ bekannt, wo überall „Party machen“ angesagt ist.


Das Westfernsehen hatte ebenfalls extra seine Kameras aufgestellt, sodass am Freitagabend statt „Derrick“ diesmal die Live-Übertragung von „Die Eintagsfliege im Nebelhorn des Ostseestadions“ lief. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn wurden die Tore der Partytribüne geöffnet, sodass sich die Ränge mit tausenden Sängern in Weiß schnell füllten.

Auf dem Rasen wurde Nico Neidhart nach sieben Jahren bei Hansa verabschiedet. Die Süd präsentierte ihre Tapete mit den Worten: „Als Kadett angeheuert – als Vollmatrose abgemustert! Vielen Dank für deinen Einsatz, Nico!“
Zum Einlauf der Mannschaften wurden dann die Fernsehzuschauer in ihren Lehnsesseln erschreckt, denn aus den Lautsprechern ertönten die Onkelz mit „Das ist mein Leben“. Dazu gab es die passende und gelungene Choreo auf der Nord.


Die Eintagsfliege wollte überleben und kämpfte gegen die Fruchtfliege vom Neck(t)ar. Der Stuttgarter Neuzugang Pejcinovic traf dreimal, Tomas einmal zum 4:0-Auswärtssieg. Hansa spielte gefällig mit und kam ebenfalls zu drei guten Torchancen. Aber selbst der Nebel kurz nach dem Seitenwechsel und das Ertönen des Nebelhorns halfen der Eintagsfliege nicht beim Überleben.


Alle loben Hansa für die großartige Stimmung im Ostseestadion. Der Gästetrainer sprach sogar von einem „der 2. Bundesliga würdigen Standort“. Aber ich würde auch das sportliche Weiterkommen der Partyatmosphäre irgendwann mal vorziehen. Auf ein Neues im nächsten Jahr – denn alles wiederholt sich … Ahoi Heiko

In eigener Sache: Egal, ob daheim auf dem Sofa, in der Pause im Büro oder unterwegs im Zug zum nächsten Auswärtsspiel – die passende Lektüre für Hansa-Fans und alle an Fußball und Fankultur Interessierten: Noch sind einige Exemplare vom 512-seitigen Hansa Rostock-Buch „Kaperfahrten II – 65 Grad Kurs Ost-Nordost“ auf Lager.
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Direkter Kontakt bezüglich Bestellung, Fragen oder möglicher Lesungen: marco.bertram@gmx.de

