Selhurst Park, London. 07. Mai 2005. Crystal Palace empfing damals vor über zwei Jahrzehnten den Southampton FC im Abstiegsduell, und auf der Hintertortribüne gab es etwas zu sehen, was man aus England überhaupt noch nicht kannte. Mit blauen und roten Zetteln wurde der untere Bereich der Tribüne in farbige Bereiche eingeteilt – der englische Fußball erlebte eine der allersten Choreographien auf der Insel!

Und siehe an, wenige Monate später wurde im Dezember 2005 die Gruppierung „Holmesdale Fanatics“ ins Leben gerufen. Ihr schlossen sich Fans an, die seit Kindheit an zu Crystal Palace gingen und seit 1999 ihren Platz im Block B des Holmesdale Road Stand einnahmen. 2019 wechselten die „Holmesdale Fanatics“ schließlich in den Block E, und Stück für Stück führten sie in ihrem Verein die Ultra-Kultur mit all ihren Stilelementen ein.

Der Crystal Palace Football Club wurde im Jahr 1905 ins Leben gerufen (bereits über drei Jahrzehnte zuvor war bereits einmal eine Crystal-Palace-Mannschaft im englischen Fußball aufgelaufen), und die Liste der ganz großen sportlichen Erfolge ist überschaubar. Nach dem einen oder anderen Aufstieg und dem Full Members Cup im Jahre 1991 gelang 2025 mit dem Gewinn des FA Cups der ganz große Wurf. Im Finale in Wembley wurde kein Geringer als Manchester City mit 1:0 geschlagen. Den frenetisch gefeierten Treffer des Tages erzielte Eberechi Eze in der 16. Spielminute.

Eigentlich hätte Crystal Palace in der Europa League starten dürfen, doch da der größte Anteilseigner auch Besitzer von Olympique Lyon ist, stufte die UEFA die Engländer runter und ließ sie in der Conference League spielen. Wohl denn, dachten sich wohl die „Eagles“ und legten richtig los. Nach Rang zehn in der Ligaphase (drei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen) wurde in der K.-O.-Phase ernstgemacht. Rausgeworfen wurden HŠK Zrinjski Mostar, AEK Larnaka, AC Florenz und Schachtar Donezk, und im Finale wartete am gestrigen Abend in Leipzig Rayo Vallecano de Madrid als Gegner, der ebenso mit den „Los Bukaneros“ eine bekannte Ultra-Gruppierung besitzt.

Die Verein aus dem Madrider Stadtteil Vallecas wurde am 29. Mai 1924 als Agrupación Deportiva El Rayo gegründet, und das „Rayo“ bedeutet „Blitz“, welcher im Wappen und auf vielen Trikots als roter Streifen zu finden ist. Rayo Vallecano ist im spanischen Fußball eine typische Fahrstuhlmannschaft, die bis dato keine größeren Erfolge – die jeweiligen Aufstiege in die erste Liga mal ausgenommen – feiern konnte.

Immerhin nahm Rayo Vallecano bereits in der Saison 2000/01 am UEFA-Pokal teil und zog mal eben ins Viertelfinale ein. Während in der Runde zuvor Girondins Bordeaux souverän rausgekegelt wurde, musste man sich dann ausgerechnet dem spanischen Kontrahenten Deportivo Alavés (0:3 und 2:1) geschlagen geben.

In der laufenden Conference-League-Saison räumte man im Achtelfinale Samsunspor Kulübü aus dem Weg, in der Folge konnte man ebenso AEK Athen und Racing Club de Strasbourg Alsace schlagen, sodass das Europokalfinale in der Messestadt Leipzig winkte.

Beide Fanlager ließen sich nicht lumpen und reisten mit jeweils über 10.000 Anhängern an. Während sich am Finaltag ein Großteil der Anhänger von Rayo Vallecano auf dem Richard-Wagner-Platz versammelte und vor der dortigen Bühne für großartige Stimmung sorgte, kehrten zahlreiche Fans von Crystal Palace in bekannter Manier in den gastronomischen Einrichtungen der Innenstadt ein. Auf das organisierte Fanfest auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz verzichteten die meisten englischen Fußballfreunde. Hoch die Tassen rings um den Markt und fröhlichen Gesang angestimmt!



Nach den jeweiligen Fanmärschen zum Stadion konnte es auf den Rängen stimmungsvoll weitergehen. Die große Fußballwelt wird sicherlich schon andere Fan-Kaliber erlebt haben, doch konnte sich das Ganze auf beiden Seiten im Vergleich zu anderen englischen und spanischen Vereinen der Gegenwart sehen und hören lassen. Auf dem Rasen erzielte schließlich Jean-Philippe Mateta in der 51. Minute den Treffer des Tages und sorgte somit für den Europapokal-Gewinn von Crystal Palace.




Video Fan Support Crystal Palace vs Rayo Vallecano
Fotos: Marco Bertram, Marco Hensel, Matthias