Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf

BW Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow: Welch eine Idylle in der Niederheide!

Mit dem FSV Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh, dem SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf und dem SV Schmöckwitz-Eichwalde gibt es drei Vertreter aus Brandenburg, die am Berliner Fußballbetrieb teilnehmen. Wobei der SV Schmöckwitz-Eichwalde ein echter Grenzfall ist. Während Eichwalde bereits in Brandenburg liegt, ist Schmöckwitz ein Ortsteil von Berlin. Zudem liegt der Sportplatz am Hirtenfließ ganz knapp auf Berliner Territorium, die Landesgrenze schneidet ganz sanft eine Ecke des Rasenplatzes ab.

Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf
Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf

Während sich auch der Sportplatz in Waldesruh in Sichtweite zur Berliner Stadtgrenze befindet, ist die gemütlich gelegene Sportanlage Niederheide in der 27.000-Einwohner-Stadt Hohen Neuendorf bereits zirka drei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Zur Verortung: Hohen Neuendorf befindet sich zwischen Frohnau – ja, das ist der nördliche Zipfel von (West)Berlin – und Birkenwerder. Wie auch auf dem Sportplatz Waldesruh blickt man auf dem hinteren Bereich der Sportanlage Niederheide auf märkische Kiefernwälder.

Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf
Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf

Am vergangenen Mittwoch lachte die Sonne, lockte das Umland – und im Umkreis von 50 Kilometern gab es nur zwei relevante Fußballspiele zu sehen. Zum einen war das Regionalliga-Duell SV Babelsberg 03 vs. Hallescher FC eine Möglichkeit, zum anderen gab es das Nachholspiel der Berlin-Liga SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow. Zwar hatte ich für mein Buch „Fußballheimat Brandenburg“ einen Beitrag über den SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf verfasst, doch da zum Zeitpunkt des Schreibens gerade der Lockdown das Fußballgeschehen bestimmte, konnte ich damals zeitnah kein Spiel vor Ort besuchen.

Dies konnte nun endlich mal nachgeholt werden. Ab mit der S-Bahn nach JWD und die etwas über zwei Kilometer vom Bahnhof zum Sportplatz marschiert. Selbstverständlich blieb ich dort nicht allein. Auf der futbology-App hatten sich 13 andere eingeloggt und auch DER Vereinsnadel-Sammler im Großraum Berlin-Brandenburg ließ es sich nicht nehmen, mit einem Kumpel in Hohen Neuendorf vorbeizuschauen. 

Für Unterhaltung war also mal wieder gesorgt, und ich musste mich noch einmal aufklären lassen, dass er vor allem Nadeln sammle und keine Pins. Okay, gebongt! Eine kleine feine Auswahl an Aufnähern hatte der gute Mann auch wieder mit dabei, und im Vereinsheim ließ er in der Halbzeitpause erstmal die Kasse klingeln. Alter Schwede, sogar zwei Bände der Vereinschronik wurden erworben – da konnte man als Autor glatt neidisch werden. *Zwinker-Smiley*

Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf
Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf

Apropos, diese Vereinschronik, die jedoch erst kürzlich aus dem Druck kam, hätte ich für meine Recherche für „Fußballheimat Brandenburg“ gut gebrauchen können. Ich wusste ja gar nicht, dass der Name des Vereins vor dem Mauerfall so häufig gewechselt wurde und man für ein halbes Jahr sogar das „Dynamo“ trug. Bereits die Vorgängervereine Vorwärts (nicht zu verwechseln mit dem „Vorwärts“ in der DDR) und Fichte fühlten sich zu Berlin hingezogen, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beide Vereine zur SG Hohen Neuendorf zusammengelegt.

Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow
Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow

Im weiteren Verlauf wurde unter anderen als TSG Vorwärts, BSG Turbine Wasserwerke und BSG WAB (Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung) Stolpe/Hohen Neuendorf gespielt. Den heutigen Namen erhielt der Verein schließlich im Jahr 1990. Was das Spielen in Ost-Berlin betraf, so gab es den einen oder anderen Verein, der in den Berliner Spielbetrieb wechselte. So zum Beispiel die Nachbarn aus Bergfelde, die 1964 diesen Entschluss fassten. Der Grund lag auf der Hand: Das Spielen in (Ost-)Berlin war finanziell einfacher. Während Bergfelde nach der Wende in die Kreisklasse Oranienburg wechselte, blieb Blau-Weiß Hohen Neuendorf im Berliner Fußballbetrieb. Zum Zeitpunkt des Erscheinens von „Fußballheimat Brandenburg“ spielte Hohen Neuendorf noch in der Staffel 3 der Bezirksliga, aktuell ist immerhin die Berlin-Liga (sechshöchste Spielklasse) der Stand der Dinge.

Über die Grenzen von Berlin-Brandenburg hinaus dürfte der SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf aufgrund seiner Frauenfußball-Abteilung bekannt sein. So spielten die Frauen von 2008 bis 2010, von 2012 bis 2014 und noch einmal von 2015 bis 2018 in der 2. Bundesliga. Von 2023 bis 2025 musste mit der Berlin-Liga vorlieb genommen, aktuell spielen die Frauen aus der „Bienenstadt“ wieder in der Regionalliga Nordost und belegen dort aktuell Rang zehn. Auf den untersten Plätzen 11 und 12 sind aktuell der F.C. Hansa Rostock und der 1. FFC Fortuna Dresden zu finden. 

Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow
Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow

Die erste Männerschaft von Blau-Weiß Hohen Neuendorf steht aktuell auf Rang 12, doch ist aufgrund der aktuellen Verhandlungen des BFV nichts amtlich. Punktabzüge für einige Vereine stehen im Raum. Der Gegner vom vergangenen Mittwoch – der TSV Rudow – ist aktuell auf Platz sieben zu finden und kann sich das alles entspannt anschauen. Unter der Woche war die Strecke von Rudow nach Hohen Neuendorf (mit dem Auto rund 45 Kilometer durch die Stadt) ein hübscher Riemen, und der TSV Rudow wollte in jedem Fall nicht umsonst hinfahren.

Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow
Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow

Beim Eintreffen auf der Sportanlage Niederheide stand die Sonne noch über den märkischen Kiefern und ich bestaunte das schmucke Vereinsgebäude und den tollen Blick auf die Plätze. Urgemütlich und sehr freundlich! Beste Grüße – hier könnte ich mal gern aus meinen Büchern lesen! Von den im Umland bislang gesehenen Sportanlagen gehört die in Hohen Neuendorf nun zu meinen Favoriten. Ähnlich adrett finde ich die des BSC Preußen Blankenfelde-Mahlow auf der anderen Seite des Berliner Speckgürtels.

Bratwurst bei Blau-Weiß Hohen Neuendorf
Bratwurst bei Blau-Weiß Hohen Neuendorf

Während ich mal eben zwei leckere Bratwürste mampfte berichtete der berühmte Vereinsnadel-Sammler vom Abend der Meister-Legenden im Vereinsheim des BFC Dynamo. Die von den 79ern organisierte Veranstaltung muss außerordentlich gut gewesen sein, und als Überraschungsgast wurde ganz aus der Kalten SGD- und Bayer 04-Legende Ulf Kirsten präsentiert.

Was das Spiel von Hohen Neuendorf gegen TSV Rudow 1888 betrifft, so wurde auf dem Kunstrasenplatz gute Unterhaltung geboten. Mit vollem Einsatz ging es in die Partie, und man spürte, dass die Jungs aus dem Stadtbezirk Neukölln unbedingt drei Punkte mitnehmen wollten. In der 25. Minute brachte Matteo Günther vor über 200 Zuschauern die Rudower mit 1:0 in Führung, nur fünf Minuten später konnte Edgar Lange zum 1:1 ausgleichen.

Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow
Blau-Weiß Hohen Neuendorf vs. TSV Rudow

Kurz vor Pause musste ein Spieler der Gastgeber mit Gelb-Rot vom Platz, nach etwas über einer Stunde erzielte Luca Ehrich den TSV Rudow erneut in Führung – in der Folge ging es verbissen zur Sache, am Ende konnten die Gäste die knappe 2:1-Führung über die Runden bringen.

In eigener Sache – Infos zum bereits erwähnten Buch „Fußballheimat Brandenburg“: In Brandenburg liegen Euphorie und Melancholie dicht beisammen. Europacup-Schlachten bei Vorwärts Frankfurt und Stahl Brandenburg, ein fast märchenhafter Aufstieg von Energie Cottbus und Lichtmomente bei Babelsberg 03. Im krassen Gegensatz dazu der sportliche Niedergang. Aber es gibt auch die zahlreichen kleinen Amateurvereine, die interessante Geschichten zu erzählen haben. Von Buckow bis Rathenow, von Eberswalde bis Schlieben. Marco Bertram besuchte in all den Jahren zahlreiche Standorte, fühlt sich pudelwohl in märkischen Gefilden und trägt nun – mit der nötigen Portion Herzblut – Hintergründiges, Amüsantes und Informatives zum Fußball in Brandenburg zusammen. Ein Buch das Lust macht, gleich am nächsten Wochenende ein Fußballspiel in der brandenburgischen Provinz zu besuchen. 

In der Reihe des arete Verlags ebenso verfasst wurde der Band „Fußballheimat Mecklenburg-Vorpommern“. Bestellmöglichkeit auf direktem Wege: marco.bertram@gmx.de

Infos auf der persönlichen Webseite: www.marco-bertram.de

Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf
Sportanlage Niederheide in Hohen Neuendorf

Fotos: Marco Bertram

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