Trotz neuer beruflicher Verpflichtungen ist es mir persönlich ein besonderes Privileg an den Wochenenden freie Zeit für neue sportliche Projekte wahrnehmen zu können. Aufgrund dessen, dass der eigene Verein bereits am Freitagabend hätte spielen sollen, wurde das vergangene Wochenende bereits langfristig als Groundhopping-Reise fest verplant. Der Weg führte uns nach Dublin. Die irische Hauptstadt, die überwiegend durch eine große Pub-Dichte, dauerhaftes Regenwetter und hohe Preise bekannt sein dürfte, hat auch fußballerisch einiges zu bieten und so wurde kurzerhand der erste Spieltag der neuen Saison in Angriff genommen.

Ähnlich wie in einigen nordischen Ländern wird es auch hier auf der Insel die Spielzeit über ein komplettes Kalenderjahr ausgetragen. Bereits seit 2003 wird dieses System genutzt und dies hat sich über die Jahre hinweg bewährt. Die klimatischen Bedingungen im Winter würden einen fairen Wettkampf leider nicht zulassen.

Da die meisten Spiele bereits am Freitagabend ausgetragen wurden, blieb uns für den gestrigen Sonntag auch nur noch eine Partie übrig und die hatte es in sich. Der „Arbeiterverein“, der seine Heimspiele normalerweise im zentrumsnahen Dalymount Park austrägt, überlegte sich nun bereits zum zweiten Mal in Folge die Werbetrommel anzuwerfen und den ersten Spieltag im größten Fußballstadion des Landes auszutragen.

In der futuristisch wirkenden Aviva-Arena passen fast 50.000 Zuschauer mehr rein und normalerweise werden dort nur die Länderspiele der irischen Nationalmannschaft ausgetragen. Im eigenen Verein stößt dies offenbar auch relativ wenig Widerstand, zumindest haben wir keine größeren Proteste mitbekommen. Im Gegensatz zu den Gästen des St Patrick’s Athletic Football Club, die auch in zahlreicher Anzahl in das Stadion strömten und im etwas mickrig wirkenden Gästeblock mit einem Spruchband die „verkauften Seelen“ der Bohemians kritisierten.

Als einer der ältesten Fußballclubs des Landes (1890 gegründet und komplett im Besitz der eigenen Mitglieder) hat der Bohemian FC ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Lande und wird mit dieser Stadionfrage wohl doch etwas kritischer bei der Konkurrenz ins Auge genommen. Finanziell und marketingtechnisch dürfte sich die ganze Angelegenheit dennoch lohnen – Anfang 2025 strömten rund 36.000 Zuschauer zum prestigeträchtigen Derby zwischen Bohemian und den Shamrock Rovers. Am gestrigen Tage gelang der große Coup leider nicht und vergleichsweise wenige Schaulustige fanden den Weg in das Stadion – rund 21.400.

Die Atmosphäre im weiten Rund und auch im Stadionumfeld war dennoch angemessen. Obwohl in Irland eigentlich erst ab 12.30 Uhr Alkohol ausgeschenkt werden darf, hatten wir Glück und fanden einen Pub im Umfeld des Stadions, welcher bereits ab 12 Uhr die Zapfhähne zum Glühen brachte.
Wir waren nahezu die ersten Gäste und fanden daher auch noch eine gute Möglichkeit zum Verweilen und zum Aufsaugen der Stimmung. Die Sonne brutzelte in den Wintergarten, die Karten-Lesegeräte kamen bei den ziemlich teuren Bierpreisen auch an ihre Kapazitätsgrenzen und nebenbei versuchten wir noch die Sportart Cricket zu verstehen. Spoiler – wir haben es nicht geschafft.
Im Stadion selber fanden wir ein halbwegs solides gastronomisches Angebot vor. Die Bierstände waren vorhanden, aber rar. Unser persönliches Highlight? Die „German Beer Pretzel“. Wir haben sie aber nicht ausprobiert. Da man typischerweise das Bier nicht mit auf die Plätze nehmen darf, kamen wir, wie viele andere, erst kurz vor knapp im Block an und durften direkt ein nettes Intro der Heimkurve erblicken.

„When there is no big club in the neighbourhood. Who you gonna call?“ stand auf dem großen Zaunbanner geschrieben, hierzu folgten mehrere Bengalos und Rauchtöpfe, die sehr zentriert verwendet wurden und eine pyrotechnische Kerze produzierten. Hinzu kamen zwei bis drei Böller, die in Richtung des Tores geworfen wurden.
Stimmungstechnisch begann die Partie auch relativ stimmungsvoll, leider blieb das nicht allzu lange der Fall. Das Spiel war grausig, der Support auf Seiten nahezu gar nicht vorhanden. Der kleine Stimmungskern der „Pats“ versuchten etwas in Bewegung zu setzen, schaffte es aber nicht die Euphorie auf die anliegenden Bereiche überschwappen zu lassen und in der brechend vollen Kurve des Gastgebers passierte nahezu gar nichts. Bis auf einen Schwenker wurde dort auch auf optische Akzente verzichtet. Bevor wir irgendwelche Gerüchte oder Vermutungen aufstellen, lassen wir diesen Fakt aber einfach erstmal so stehen.

Und wie sollte es anders kommen? Das Spiel endete torlos. Für uns ging es direkt mit dem Abpfiff wieder in Richtung Airport – der Rückweg nach Deutschland stand an. Trotz des eher mäßigeren Spieles können wir auf durchaus coole 30 Stunden Aufenthalt in Dublin zurückblicken. Mit reichlich Kultur und Bier.
Fotos: Max Wieler
