Sachen gibt’s! Wusstet Ihr, dass der einst legendäre Eishockeyclub BSC Preussen zum BFC Preussen gehörte? 1983 bildete die Eishockeyabteilung des BFC Preussen gemeinsam mit dem bereits im Jahre 1893 ins Leben gerufenen Berliner Schlittschuh-Club den BSC Preussen, aus dem 1995 die Preussen Devils und im Jahr darauf die Berlin Capitals wurden. Und wenn wir schon bei den Jahreszahlen sind: Der BFC Preussen wurde am 1. Mai 1894 gegründet. Drei Jahre später war der BFC Preussen einer der Gründungsmitglieder im Verband Deutscher Ballspielvereine (VDB), später umbenannt in Verband Berliner Ballspielvereine (VBB).

Ja, so ist das, wenn unterklassige Vereine plötzlich auf größerer Bühne – in diesem Fall in der Regionalliga Nordost – spielen und man sich erst einmal kurz mit der Geschichte beschäftigt. So gelang dem BFC Preussen am Ende der Saison 1980/81 fast der Sprung in die 2. Bundesliga. Nach dem Meistertitel in der Fußball-Oberliga (West-)Berlin vor den Reinickendorfer Füchsen, den Neuköllner Sportfreunden und Hertha 03 Zehlendorf – damals mussten Rapide Wedding, Wacker 04 Berlin und Blau-Weiß 90 Berlin den Abstieg verschmerzen -, nahm der BFC Preussen an den Aufstiegsspielen teil, musste sich aber knapp dem 1. SC Göttingen mit 0:1 und 1:1 geschlagen geben.

Nach dem Fall der Mauer wurde meist in der NOFV-Oberliga und der Verbandsliga Berlin / Berlin-Liga gespielt. Der größte Erfolg in der jüngeren Vergangenheit war der Berliner Pokalsieg 2016 gegen den SV Lichtenberg 47 (1:0). In der ersten Runde des DFB-Pokals verlor man dann gegen den 1. FC Köln glatt mit 0:7.
Am Ende der Spielzeit 2018/19 ging es runter in die Landesliga, doch glückte drei Jahre später die Rückkehr in die Berlin-Liga. Mit einem satten Vorsprung von 15 Punkten auf den Tabellenzweiten Reinickendorfer Füchse gelang im Frühjahr 2024 der Sprung in die NOFV-Oberliga Nord, am Ende der zurückliegenden Saison konnte nach einem denkwürdigen Last-Minute-Sieg gegen Eintracht Mahlsdorf am letzten Spieltag der erstmalige Sprung in die Regionalliga Nordost gefeiert werden.

Kurzzeitig wurde in der Fußballwelt darüber spekuliert, ob der BFC Preussen überhaupt seine Heimspiele im derzeit 3.000 Zuschauer fassenden Preussenstadion austragen dürfe, doch da sich die Spielstätte im Besitz des Vereins befindet, wurden die nötigen Baumaßnahmen im Sommer rasch über die Bühne gebracht. Ein geräumiger Gästeblock gefällig? Bähm! Am gestrigen Nachmittag durften über 600 Anhänger der BSG Chemie Leipzig diesen sogleich ausprobieren und die aufgestellten Zäune auf ihre Stabilität testen.

Ähnlich wie im Stadion Lichterfelde befindet sich nun der Gästebereich rechts von der Haupttribüne, wenn man auf das Spielfeld schaut. Allerdings scheint der Gästeblock in Lankwitz geräumiger zu sein als der in Lichterfelde. Und ja, dass Chemie Leipzig mit voller Kapelle nach Berlin kam, überraschte etwas, schließlich wurde die Partie bereits um 17:30 Uhr angepfiffen.

Insgesamt bevölkerten über 1.200 Zuschauer die Ränge des Preussenstadions, und in der Futbology-App hatten sich mal eben 379 andere Fußballfreunde eingetragen. Und wie es sich gehörte, waren im Heimbereich und im Gästebereich die meisten mächtig durstig. Da wohl auch der BFC Preussen nicht mit solch einem chemischen Mob unter der Woche gerechnet hatte, kam der Bierstand im Gästeblock nicht hinterher bzw. hatte zu wenig Flüssigware. Immer wieder mussten junge Damen Krüge und große Becher voller Bier herantragen. Auf die Tür, zu die Tür. Am Ende blieb das Türchen jedoch geschlossen, doch dazu mehr.

Alle hatten Durst auf Bier – und beide Mannschaften waren hungrig auf Punkte. Der BFC Preussen wollte daheim den ersten Sieg feiern und die Leutzscher wollten die ersten Saison-Punkte überhaupt einfahren. Vier Spiele, null Punkte – das sollte sich nach dem Auswärtsspiel bei den Preussen ändern.

Sollte. Der Aufsteiger aus Lankwitz legte gut los, hatte in der Anfangsphase einige Freistoßmöglichkeiten und ging in der 13. Minute verdient mit 1:0 in Führung. Chadi Ramadan legte sich den Ball selbst zurecht und zog dann einfach mal ab. Hübscher Treffer! Der BFC Preussen blieb am Drücker, von einem Chemie-Spieler wurde der Ball an die eigene Latte gelenkt.

Nach einer halben Stunde gab es Elfmeter für die Berliner. Das sichere 2:0? Denkste! Kapitän Patrick Breitkreuz haute den Ball über den Querbalken! Haareraufen auf Heimseite, lautstarker Jubel im Gästeblock. Die Preussen kamen zu weiteren Möglichkeiten, doch mit der knappen 1:0-Führung ging es zum Pausentee.

Im zweiten Spielabschnitt kamen die Chemiker besser ins Spiel, und nach knapp einer Stunde zirkelte Janik Mäder den Ball ins lange Eck. Auch dies war ein sehenswerter Treffer! Der Zaun des Gästeblocks wurde nun das erste Mal getestet. Es hielt alles!

Nichts halten konnte Chemie-Keeper Horenburg in der 76. Minute. Völlig aus der Kalten zog Niklas Brandt einfach mal ab, und der Ball schlug knapp unter der Latte ein. 2:1 für den BFC Preussen! Auf ging’s in eine hitzige Schlussviertelstunde.

Chemie warf nun – angetrieben von der lautstarken Anhängerschaft – alles nach vorn, doch sollte es nicht sein! In der 91. Minute musste Julian Weigel mit Gelb-Rot vom Platz, die chemische Anhängerschaft war sehr aufgebracht über das Schiedsrichtergespann, und lange nachgespielt wurde zum Leidwesen der Gäste auch nicht. Biernachschub von den netten Damen gab es in der Schlussphase nicht mehr, denn man wagte es nicht, dafür noch einmal das Tor zum Innenraum zu öffnen.

Es blieb dabei. Fünfte Niederlage im fünften Spiel. Das wird ganz klar eine schwere Saison für die BSG Chemie Leipzig! Der BFC Preussen hat indes die ersten sieben Punkte schon mal sicher. Am kommenden Samstag müssen die Preussen zum Chemnitzer FC, die Leutzscher empfangen am Dienstag, den 02. September, den FC Carl Zeiss Jena.

Fotos: Marco Bertram, Stadionhüpfer – INkognito