Bei unserer Ankunft am Recep Tayyip Erdogan Stadion, eigentlicher Heimspielstätte des Erstligisten Kasimpaşa SK, war es erst 17 Uhr und somit zwei Stunden vor Anpfiff des vermeintlichen Geisterspiels der Adler. Der türkische Fußballverband verdonnerte Beşiktaş Istanbul zu vier Geisterspielen, nachdem es beim Derby gegen Galatasaray zu einem Platzsturm mit folgenden Ausschreitungen kam. Von einem wirklichen Geisterspiel konnte allerdings nicht die Rede sein, da immerhin Frauen und Kinder zu diesem Spiel gegen die Mannschaft aus Karabük zugelassen waren. Vom türkischen Fußballverband gab es auch für uns per E-Mail eine Absage, da die für Presse und sonstige Mitarbeiter ausgewiesene Tribüne bereits überfüllt mit nationalen Vertretern war.
Es begann eine halbstündige Diskussion mit der Presseabteilung, die uns durchaus verstanden, allerdings kein Auge zudrücken konnten (wegen der „sehr hohen Auflagen des Verbandes“). Da man uns abkaufte, extra für dieses Spiel in die Türkei geflogen zu sein, war die Diskussion auch nicht bereits nach einer Minute beendet, sondern zog sich über einige Telefonate hin. Das war es dann wohl.
Somit die Straße runter an den Frauen und Kindern vorbei, die uns etwas verwundert anschauten. Plötzlich erschien es uns möglich, einfach über einen Hintereingang an den Ordnern vorbeizulaufen und sicherheitshalber hängte man sich die vom Vortag in der Tasche befindliche Bursaspor-Akkreditierung verdeckt um den Hals. Alles lief nach Plan, man war nun bereits lediglich ein Absperrgitter vom Spielfeld entfernt, auch wenn man sich am Ende ausschließlich unter den beiden Mannschaften – die zuvor mit dem Bus ankamen – und hunderten Polizisten befand. Einfach nicht auffallen lautete die Devise.
Da es nun immer noch eine gute Stunde war bis der Ball rollen würde, fiel es uns durchaus schwer, ohne Polizeiuniform und Trainingsanzug unauffällig zu bleiben. Aus den Katakomben kam urplötzlich ein bekanntes Gesicht auf uns zu, es war der besagte Mann vom Verband, der uns bereits freitags in der Türk Telekom Arena keinen Zutritt gewähren wollte. Natürlich wollte er uns auch diesmal keinen Zutritt gewähren, lobte uns auch nicht für die Kreativität, sondern warf uns einfach raus.
Enttäuscht war man im Nachhinein keinesfalls, hatte man doch alles versucht und bereits zuvor drei absolut geniale Fußballspiele miterlebt. Vermutlich hätte man noch über den Spielertunnel ins Stadion müssen, da sich das einzige Tor nie zu öffnen schien, aber das wollte jeder schon einmal gemacht haben. Das Spiel endete übrigens 0:0, die anwesenden Frauen sorgten hierbei auch für unerwartet lauten und durchgehenden Support auf den Rängen.
Text: Marcel Bär
Fotos: Claude Rapp
