Allein gegen den Westen! Eine Hansa-Saison mit „WET“-Ticket

Bähm! Was war das für ein Meilenstein, als am 01. Februar 1995 das „Schönes-Wochenende-Ticket“ (WET bzw. SWT) der Deutschen Bahn eingeführt wurde und man für schlappe 15 Deutsche Mark das gesamte Wochenende lang mit bis zu fünf Personen im Nahverkehr durch Deutschland eiern konnte. Mit Sack und Pack gab es zu Stoßzeiten an wichtigen Umsteigebahnhöfen ein krasses Gerenne – die Umstiege auf der Hauptachse in Hannover, Braunschweig und Magdeburg waren legendär. Da damals in Magdeburg die Gleise versetzt waren, wurde es in den Sommerferien und kurz vor Weihnachten wahrlich wüst. Kloppen, Schieben – Hauptsache irgendwie in den nächsten Regio kommen!

Beim Fußball ergaben sich Dank der extrem preiswerten Reisemöglichkeit völlig neue Optionen und der jeweilige persönliche Horizont konnte erweitert werden. Zwar wurde das WET im Laufe der Jahre stetig teurer und die Gültigkeit wurde von zwei Tagen auf einen Tag herabgesetzt, doch in Kombination mit dem „Quer-durchs-Land-Ticket“ konnte es weiterhin recht günstig als Gruppe durch die Lande gehen. 

In Hansa-Fankreisen erlangten in den Nuller und Zehner Jahren die legendären WET-Touren auswärts nach Münster, Bielefeld und Dortmund wahren Kult-Status, und nicht wenige Hansa-Fans nannten einen WET-Beutel ihr Eigen. Abends los in Rostock oder Berlin, irgendwo nachts die drei, vier Stunden Leerlauf auf einem der vielen Bahnhöfe verbracht und morgens in aller Frühe weiter in Richtung Spielort XY. Für Exil-Hansa-Fans wurden auch die Heimspiele im Ostseestadion zu schmucken, teils aufregenden WET-Touren.

Hansa Rostock in Mannheim (2019)
Hansa Rostock in Mannheim (2019)

Zwar gibt es nun Dank des Deutschland-Tickets permanent die Möglichkeit, mit dem Nahverkehr zu etwaigen Fußballspielen zu düsen, doch nahm im Allgemeinen die Bereitschaft ab, mitunter insgesamt zweieinhalb Tage für ein einziges Auswärtsspiel in Großaspach oder Regensburg auf Achse zu sein, komplett gerädert daheim anzukommen und am nächsten Morgen in die Arbeits- oder Uni-Woche zu starten.

Lasst uns trotzdem einmal das Ganze in Gedanken durchspielen und schauen, wie lange man unterwegs sein würde, wenn man in der kommenden Drittliga-Saison 2026/27 von Rostock aus zu jedem Auswärtsspiel des F.C. Hansa mit dem Deutschland-Ticket (oder Quer-durchs-Land-Ticket) fahren würde.

Hansa Rostock zu Gast in Watford
Hansa Rostock zu Gast in Watford

Leinen los, sagt stets Hansa-Fan Alex aus Offenbach. Na dann man tau! Leinenbeutel gepackt, geschaut, ob es am Zielort Schließfächer gibt, paar Stullen geschmiert, Handy und externer Akku geladen, flüssige Verpflegung verstaut und die Fahrtverbindungen gecheckt. Es ist schon verrückt, in der kommenden Spielzeit ist der F.C. Hansa Rostock der einzige Nordost-Vertreter in der 3. Liga. Aue ging runter, Cottbus ging hoch – der FCH ist nun ganz allein auf weiter Flur. Wie eine Banane zieht sich auf der Landkarte das Startfeld von Würzburg und Regensburg hoch bis Münster, Verl und Meppen. 

Keine regionalen Duelle. Keine relativ kurze Sause nach Lübeck, Hamburg, Braunschweig, Berlin oder Magdeburg. Um die Ecke ist nicht! Wer mit dem Auto, dem Neuner oder im Bus auf Achse ist, hat insgesamt – je nach Route – satte 11.900 Kilometer Asphalt zurückzulegen. One way! Hin und zurück sind es demzufolge mal eben 23.800 Kilometer. Mehr als einmal halb um die Erdkugel! Fast exakt auf den Kilometer genau entspricht das einer Fahrt von Rostock aus nach Vladivostok und zurück! Eine stramme Angelegenheit. Apropos, ich bin eher ein Freund des Schienenweges und fuhr im September 2000 und Juni 2001 die Routen der Transsibirischen und Transmongolischen Eisenbahn ab. Einmal auf dem Schienenweg von Berlin über Warschau, Minsk, Moskau, Irkutsk und Ulaanbaatar nach Peking, und einmal von Vladivostok aus nach Irkutsk. Von daher habe ich eine gewisse Vorstellung, was in der kommenden Saison vor uns liegt!

Transsib

Auf geht’s! Gleich am ersten Spieltag geht es zur Sache! Auf nach Sinsheim / Hoffenheim! Kein angenehmer Start, um mit dem Nahverkehr durchzuziehen. In Rostock müsste man bereits am Samstagabend um 18:08 Uhr losdüsen, um über Hamburg, Bremen, Osnabrück und Münster nach Haltern am See zu gelangen. Lange Aufenthalte gibt es keine, mitten in der Nacht fährt man mit einem Bus von Haltern nach Essen, dann geht es mit dem Regionalverkehr weiter nach Köln, Mainz, Ludwigshafen, Heidelberg nach Sinsheim / Hoffenheim, wo man um 12:30 Uhr eintrifft. Mit flinken Hufen geht es dann zum Stadion – dort geht es als Punktlandung auf die Ränge. Zurück geht es dann um 16:41 Uhr. Über Heidelberg, Frankfurt am Main, Kassel, Göttingen, Uelzen, Lüneburg und Büchen geht es nach Rostock, wo man um 07:50 Uhr wieder daheim ist. Auf dem Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen hat man nachts eine zweieinhalbstündige Pause, insgesamt sitzt man hin und zurück über 33 Stunden im Zug. Verrückt – wohl wahr! 

Wiederum an einem Sonntagnachmittag wird am dritten Spieltag beim 1. FC Saarbrücken gespielt. Wieder wartet auf einen eine echte Herausforderung. Gleiche Abfahrt in Rostock um 18:08 Uhr, wieder geht es über Hamburg, Bremen, Osnabrück, Münster, Essen gen Süden. Dieses Mal wird ab Düsseldorf der Regio nach Koblenz genutzt, von dort aus geht es rüber nach Saarbrücken, wo man bequem um 10:41 Uhr aus dem Zug fällt. Zeit für einen Kaffee, für ein Bier – und dann ab zum Ludwigspark! An einem Freitagabend wäre die Rückfahrt über Kaiserslautern und Mannheim mit den zwei Pausen ein wenig gruselig, am Sonntag geht es um 18:51 in Saarbrücken nach Frankfurt am Main und weiter nach Kassel und Göttingen, wo eine dreistündige nächtliche Pause vonnöten ist. Über Uelzen und Hamburg geht es heim nach Rostock, wo man gegen 12 Uhr seine frischen Brötchen kaufen kann.

FC Viktoria Köln vs. F.C. Hansa Rostock
FC Viktoria Köln vs. F.C. Hansa Rostock

Vergleichsweise human werden sämtliche Auswärtsfahrten ins Münsterland, Ruhrgebiet und Rheinland. Nach dem Aufstieg von Fortuna Köln geht es in der kommenden Saison gleich zweimal in die Domstadt, und ein Stelldichein vor oder nach dem Spiel in einem der Brauhäuser der Altstadt ist gewiss nicht das Schlechteste! Erst einmal geht es am Freitag, den 11. September auf die „falsche“ Rheinseite zu Viktoria Köln, wo im einstigen Flughafenstadion um 19 Uhr Anpfiff ist. Wohl denn! Abfahrt morgens um 06:08 Uhr, nach der Fahrt über Hamburg, Hannover und Minden ist man um 15:50 Uhr am Kölner Hauptbahnhof. Zeit genug, um sich vor dem Spiel ein paar frische Kölsch zu genehmigen, nach der Partie geht es um 23:49 Uhr wieder los, und nach der Route über Hamm, Bielefeld (1:40 h Pause), Hannover (kurzes Käffchen), Uelzen und Hamburg ist man um 11:50 Uhr zurück an der Ostseeküste.

Hafenstraße Essen - 2013
Hafenstraße Essen – 2013

Fest terminiert wurde auch bereits das Auswärtsspiel bei Rot-Weiss Essen. Sonntag um 13:30 Uhr. Um in Essen etwas Zeit für paar Bier an einer Trinkhalle oder einen Spaziergang im Schloßpark Borbeck einplanen zu können, geht es am Samstagabend um 22:08 Uhr mit der nötigen Verpflegung los. Nach einer knapp zweistündigen Pause in Bremen geht es dann über Osnabrück nach Essen, wo bereits um 09:13 Uhr das Stelldichein erfolgt. Überraschenderweise gelingt es einem, noch am gleichen Tag zurückzukommen. Los geht’s in Essen um 17:40 Uhr, klassisch über Osnabrück, Bremen und Hamburg ermöglicht es die Verbindung, um 00:16 Uhr in der Hansestadt Rostock zu sein. Ahu!

Hansa Rostock zu Gast in Watford
Hansa Rostock zu Gast in Watford

In der Woche darauf führen die Wege zum Aufsteiger Würzburger Kickers. Schade, es hätte auch eine wilde Sause zum 1. FC Lok Leipzig werden können, doch ist Würzburg ebenso eine Reise wert. Wird am Freitagabend gespielt, gibt es für die Hintour drei Optionen, ich wähle die Verbindung mit vier Umstiegen. Start ist um 04:34 in Rostock, über Berlin Gesundbrunnen, Lutherstadt Wittenberg (1.37 h Pause), Halle und Erfurt geht es nach Würzburg, wo man bequem um 15:55 Uhr eintrifft. Zurück wird es etwas wild. Entweder man erreicht den Zug um 21:41 Uhr oder man muss warten bis 04:54 Uhr. Mal angenommen, man macht flinke Hufe, führt die nächtliche Route über Nürnberg, Hof (3:14 h Pause), Zwickau, Leipzig, Wittenberg und Berlin nach Rostock. Ankunftszeit 13:21 Uhr – Fahrtzeit 15:42 Stunden. Ich weiß, das wird sich kaum einer antun, doch soll es an dieser Stelle alle Optionen zu lesen geben. Wird am Samstag gespielt, geht es über Hamburg, Celle, Göttingen und Neudietenhof nach Würzburg. Abfahrt 22:08 Uhr – Ankunft 11:55 Uhr. Zurück könnte es um 18:01 Uhr gehen, über Neudietenhof, Göttingen, Uelzen und Hamburg erreicht man Rostock um 13:49 Uhr. Angenehm ist anders.

auswärts in Aachen (2013)
auswärts in Aachen (2013)

Am zehnten Spieltag führt die blau-weiß-rote Reise nach Aachen. Wird am Freitag gespielt, geht es um 06:08 Uhr los. Über die Bremer Strecke führt die Route weiter über Düsseldorf nach Aachen, wo um 16:37 Uhr Vollzug gemeldet werden kann. Zurück geht es um 22:51 Uhr in den Zug, Ankunft in Rostock wäre um 11:50 Uhr. Wird man Samstag gespielt, muss eine nächtliche Pause in Bremen eingeplant werden, die Ankunftszeit wäre jedoch bereits um 09:37 Uhr, wenn man am Abend zuvor um 22:08 Uhr in Rostock den Regio nach Hamburg wählt. Ein ähnliches Spiel ergibt sich auf der Rückfahrt, wenn in Aachen um 19:21 Uhr gestartet wird.

Die nächste logistische Herausforderung folgt bereits am 12. Spieltag, wenn es beim SSV Jahn Regensburg angetreten wird. Ist das Spiel am Freitagabend angesetzt, würde es bereits um 04:34 Uhr frohen Mutes in Rostock losgehen. Anzubieten sind drei Varianten: Zum einen über Berlin, Elsterwerda, Chemnitz, Hof und Marktredwitz. Zum anderen über Berlin, Lutherstadt Wittenberg, Leipzig und Hof. Die Ankunftszeit wäre um 16:10 Uhr bzw. 16:38 Uhr. Die dritte Verbindung startet um 05:08 Uhr und führt uns über Bad Kleinen, Wittenberge, Magdeburg, Leipzig und Hof und endet ebenso um 16:38 Uhr in Regensburg. Zurück geht es ab 23:32 Uhr ganz knorke über Nürnberg, Bamberg (2:20 h Pause), Schweinfurt, Erfurt, Halle, Bitterfeld, Wittenberg und Berlin nach Rostock, wo man nach schlappen 16 Stunden in Rostock eintrifft.

Spielt Hansa am Samstag- oder Sonntagnachmittag, geht es am Abend zuvor um 21:33 Uhr los. Eine knapp zweistündige Pause darf in Leipzig eingeplant werden, über Zwickau, Hof, Marktredwitz geht es weiter nach Regensburg, wo entspannt um 10:10 Uhr Kaffee- bzw. Bierzeit angesagt ist. Zurück könnte es ab 18:17 Uhr über Hof, Gera, Leipzig, Wittenberg, Berlin und Bad Kleinen gehen. Ankunftszeit am Rostocker Hauptbahnhof: 08:50 Uhr.

Auswärts bei Fortuna Köln (2017/18)
Auswärts bei Fortuna Köln (2017/18)

Bei den kommenden beiden Auswärtsspielen beim MSV Duisburg und Fortuna Köln kommt wie bei den Touren nach Essen und zu Viktoria Köln die Route über Hamburg, Bremen und Osnabrück zum Einsatz. Die Fahrtzeiten sind quasi die gleichen. Daher springen wir weiter zum 19. Spieltag, an das Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt 04 an der Tagesordnung steht. Rucksack gepackt und ab nach Süden. Hierbei geht es wieder über Berlin. Fährt man am Freitag um 04:34 Uhr los, sind Elsterwerda, Chemnitz, Hof und Nürnberg die weiteren Stationen. Wird am Samstag bzw. Sonntag gespielt, startet die Sause am Vorabend um 20:34 Uhr und führt im späteren Verlauf über Halle, Großheringen, Saalfeld und Nürnberg nach Ingolstadt, wo um 11:26 Uhr eine Punktlandung erfolgt. Ähnlich ist es am Freitag, wenn um 17:27 Uhr eingerollt wird. Man ahnt es bereits, beide möglichen Rückfahrten sind nicht das Gelbe vom Ei. Beide Verbindungen versprechen mit jeweils über 15 Stunden für eine Menge Spaß. Von Freitag zu Samstag hätte man bei den Aufenthalten in Nürnberg und Bamberg die Gelegenheit, fränkische Luft zu schnuppern, nach einem Nachmittagsspiel würde es eine nächtliche zweistündige Pause in Berlin und eine Stunde Pause in Bad Kleinen geben. Mega, ich weiß.

Nicht lumpen lassen! Leinen los und Durchhaltevermögen zeigen! Ende Januar 2027 geht es nach Mannheim. Am Freitag würde die Sause um 04:08 Uhr beginnen und nach den Umstiegen in Hamburg, Hannover, Göttingen, Kassel und Frankfurt am Main in der Quadratestadt um 16:21 Uhr enden. Wird am Samstag oder Sonntag gespielt, geht es – wir kennen das ja bereits – am Abend zuvor um 18:08 Uhr los. Über Hamburg, Bremen, Osnabrück, Münster, Essen, Köln-Deutz und Mainz wird um 10:03 Uhr Mannheim erreicht. Somit bleibt ein wenig Luft für ein kühles Blondes. Am Freitagabend geht es um 22:47 zurück, und es darf zwischen Mainz und Köln einmal in Remagen umgestiegen werden. Die restliche Fahrt über Bremen und Hamburg erklärt sich inzwischen von selbst. An Samstag oder Sonntag würde es indes über Frankfurt am Main, Kassel, Göttingen, Uelzen und Hamburg zurück gehen. Die Fahrtzeit beträgt – oh Wunder – 15 bzw. 14:15 Stunden. Sport frei!

Die Fahrt zum Auswärtsspiel nach Wehen Wiesbaden ist von ähnlicher Struktur, auf der Rückfahrt würde es indes bei beiden Varianten über Frankfurt am Main, Kassel, Göttingen und Uelzen gehen. Wir kommen zum Knaller des Jahres, den es 2026/27 gleich zweimal geben wird. Auswärts in Großaspach! Einst flog Annika im März 2018 mit dem Flugzeug zum „Europapokalspiel“ beim „FK Slavia Großaspach“ und sorgte mit ihrem Bericht, der auch im Buch „Kaperfahrten – Mit der Kogge durch stürmische See“ nachzulesen ist, für einige Schmunzler. Meine Güte, nun ist das Ganze bereits über acht Jahre her und dazwischen liegt zum einen die Corona-Zeit und zum anderen eine lange Weltreise auf dem Fahrrad von Annika und ihrem Partner. Liebe Grüße an dieser Stelle!

Auswärts in Großaspach (2017/18)
Auswärts in Großaspach (2017/18)

Apropos, Flugzeug. Eventuell werden manche Hansa-Fans wieder von Berlin oder Leipzig aus nach Straßburg fliegen und von dort aus mit Bus und Bahn rüber nach Großaspach kommen. Wir bleiben jedoch bei der klassischen Schienenroute und starten im Fall des Freitagabendspiels bereits kurz nach Mitternacht in Rostock. Nach einer knapp vierstündigen Pause in Schwerin – ich weiß, das macht eigentlich wenig Sinn – geht es dann weiter über Wittenberge, Magdeburg, Leipzig, Hof, Nürnberg nach Backnang, von wo aus es mit dem Bus zum Ort des Geschehens geht. Die Ankunftszeit wäre etwa 17 Uhr. Ebenso wüst wäre eine Fahrt mit dem Nahverkehr, wenn am Samstag oder am Sonntag gespielt wird. Bereits um 16:34 Uhr (!) müsste in Rostock gestartet werden, hässliche Pausen in Leipzig (1:28 h) und Zwickau (4:35 h) wären leider nicht zu vermeiden. Über Hof und Nürnberg geht es nach Backnang, von dort aus mit dem Bus weiter nach Großaspach. Nach sage und schreibe 18:30 Stunden würde man um 11:04 Uhr mega fit eintreffen und zum Stadion eiern. Dass es zurück nicht besser aussehen würde, liegt auf der Hand. Über Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg, Frankfurt am Main, Kassel, Göttingen (2:32 h Aufenthalt), Uelzen und Hamburg würde es zurück nach Rostock gehen. Diese Deutschland-Ticket-Tour wäre wirklich was für Ultra-Hardcore-Bahn-Fetischisten. Und das gleich zweimal! Am 25. Spieltag beim VfB Stuttgart II, am 32. Spieltag bei Sonnenhof Großaspach! Da lacht das Fußballherz! Was für eine Drittliga-Saison für den F.C. Hansa Rostock! 

Gleich umme Ecke wird am 28. Spieltag gespielt. Auswärts beim SV Meppen im Emslandstadion – im Vergleich zu Saarbrücken, Großaspach und Regensburg liegt Meppen quasi wirklich gleich um die Ecke. 415 Kilometer auf der Straße pro Strecke – das ist gar nix! Kein Wunder, dass man auch auf dem Schienenweg mit dem Deutschland-Ticket recht bequem voran kommt. Wird am Freitagabend gespielt, darf bequem um 08:08 Uhr gestartet werden. Nach Hamburg und Bremen kommt Leer und dann bereits Meppen. In Leer darf sich über eine einstündige Pause gefreut werden, Meppen wird dann um 15:50 Uhr erreicht. Wird an Samstag oder Sonntag gespielt, käme theoretisch wieder die hässliche vierstündige Pause in Schwerin ins Spiel. Um 11:50 Uhr wäre die Ankunftszeit in der Stadt, die in den 90ern oft mit Gummistiefeln in Verbindung gebracht wurde. Gehässig wollen wir jedoch nicht sein! Meppen wird eine feine Old-School-Tour! Nach einem Freitagabendspiel wäre eine viereinhalbstündige Pause in Leer und eine anderthalbstündige Pause in Bremen Pflicht. Im Fall eines Nachmittagsspiels könnte die Rückfahrt locker flockig um 18:09 Uhr in Meppen starten und bequem um 01:16 Uhr in Rostock enden. 

Am 30. Spieltag steigt eines der Saison-Highlights! Auswärts bei Fortuna Düsseldorf! Düsseldorf, Düsseldorf – war da nicht mal was?! Na klar, am 09. Mai 2010 gab es eine volle Schiffskapelle auf dem Rhein. Rund 580 Hansa-Fans sorgten damals an Deck des Schiffs der Reederei „Köln-Düsseldorfer“ für eine 1a-Sahne-Stimmung, am geplanten Anlegeplatz „Burgplatz“ postierten bereits geschätzte 50 Mannschaftswagen der Düsseldorfer Polizei. „Hurra, hurra, die Rostocker sind da!“ Schaut Euch einfach mal das Video auf YouTube an! Die jetzige Bahnverbindung ist ähnlich wie die nach Köln, möchte man im Fall eines Nachmittagsspiels bereits um 07:53 Uhr in der Altbier-Metropole eintreffen, so muss man am Abend zuvor in Rostock um 22:08 Uhr starten. Am Samstag würde man abends indes ein einem Rutsch über Osnabrück, Bremen und Hamburg durchkommen und Rostock um 01:16 Uhr erreichen. Erfolgt die Rückfahrt am späten Freitagabend müsste eine knapp vierstündige nächtliche Pause in Osnabrück eingeplant werden. 

TSV Havelse vs. Hansa Rostock
TSV Havelse vs. Hansa Rostock

Am 34. Spieltag geht es zum TSV Havelse, der Dank des Zwangsabstiegs des TSV 1860 München (nun ohne Löwe im Wappen) nun doch die Klasse hielt. Egal, ob in Havelse / Garbsen oder im Niedersachsenstadion von Hannover – die Fahrt ist die kürzeste der Saison. Egal, ob am Freitag, Samstag oder Sonntag. Easy going über Hamburg nach Hannover! Entweder um 10:08 Uhr los und um 15:15 Uhr eintreffen oder um 06:08 Uhr los und um 11:15 Uhr ankommen. Die Rückfahrt ist indes nur beim Nachmittagsspiel unkompliziert (Ankunft in Rostock um 23:50 Uhr), am Freitagabend müssten Aufenthalte in Uelzen und Hamburg in Kauf genommen werden. 

Auf nach Verl! Diese Stadt hat bekanntlich keinen Bahnanschluss, demzufolge wird die letzte Etappe von Gütersloh aus mit dem Bus zurückgelegt. Die restliche Route führt über Schwerin, Hamburg, Hannover und Minden nach Gütersloh. Am Freitag würde man siebeneinhalb Stunden benötigen, am Samstag wäre der nächtliche Aufenthalt in Schwerin vonnöten. Bei der Rückfahrt käme man – angenommen, es klappt alles wie am Schnürchen – sogar um 01:16 Uhr in Rostock an. 

Das letzte Auswärtsspiel des F.C. Hansa Rostock wird am 37. Spieltag beim SC Preußen Münster ausgetragen. Nach Stand der Dinge – Mitte Dezember 2026 gibt es ja einen Fahrplanwechsel – könnte es am Freitag locker um 08:08 Uhr in Rostock losgehen. Über Bremen und Osnabrück wird Münster um 15:23 Uhr erreicht. Am Samstag müsste wieder diese hässliche Pause in Schwerin eingelegt werden, um Münster um 11:23 Uhr erreichen zu können. Auf der Rückfahrt gibt es bei Abfahrt am Freitagabend in Bremen eine lustige zweieinhalbstündige Pause, an einem Samstag oder Sonntag würde man es noch quasi am gleichen Tag zurückschaffen und um 01:16 Uhr am Rostocker Bahnhof eintreffen. 

Hoffentlich an jenem Tag glücklich und zufrieden und mit drei Punkten im Gepäck. Am letzten Spieltag darf der F.C. Hansa Rostock daheim gegen den FC Ingolstadt 04 ran und im Ostseestadion gern den Aufstieg in die 2. Bundesliga in trockene Tücher bringen. Es nutzt ja nix, schließlich möchte man mal wieder gegen den 1. FC Magdeburg, den FC Energie Cottbus, die SG Dynamo Dresden oder Hertha BSC spielen. Oder auch gegen den FC St. Pauli. Hüstel. Sollte der Aufstieg nicht gelingen, wäre man allerdings in der Drittliga-Saison 2027/28 nicht mehr allein auf weiter nordostdeutscher Flur. Da in der kommenden Regionalliga-Saison der nordostdeutsche Meister direkt aufsteigen darf, könnte es dann wieder nach Erfurt, Halle, Jena, Aue oder Leipzig gehen. Vielleicht aber auch zum Staffel-Mitfavoriten VSG Altglienicke. Warten wir es ab und erfreuen uns erst einmal an den urst langen Auswärtstouren in der kommenden Spielzeit. Sport frei!

In eigener Sache: Egal, ob im Trainingslager, im Urlaub oder im Ferienlager – eine passende Lektüre für die Freizeit am Strand, an einem See, am Lagerfeuer oder abends auf der Luftmatratze darf gern dabei sein. Noch sind einige Exemplare vom 512-seitigen Hansa Rostock-Buch „Kaperfahrten II – 65 Grad Kurs Ost-Nordost“ auf Lager. Preis: 29,65 Euro plus Versand.

Infos: www.marco-bertram.de

Direkter Kontakt bezüglich Bestellung, Fragen oder möglicher Lesungen: marco.bertram@gmx.de

Fotos: Marco Bertram, Alexander S. Matthias, Annika, Aumi, Heiko Neubert

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4 Kommentare zu „Allein gegen den Westen! Eine Hansa-Saison mit „WET“-Ticket“

  1. Moin!
    Zu DDR Zeiten waren wir auch oft knapp drei Tage unterwegs. Über Nacht zu fahren, war üblich. Lange Aufenthalte an Bahnhöfen auch. Alles wurde aus dem Kursbuch zusammengetragen. Losfahren und hoffen, dass alles läuft. Nach Touren nach Erfurt, Aue und Zwickau war man aber auch durch danach.
    Ahoi! Franki

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