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F.C. Hansa Rostock wieder auf Kurs - (Foto)-Rückblick von 2012 bis 2018

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Gibt es nach Jahren der Magerkost - von 2012 bis 2017 gab es in der 3. Liga viel Abstiegskampf und am Ende nur zweistellige Tabellenplätze - nun weiterhin süßes leckeres Dessert? Garniert im kommenden Frühjahr mit einem genial mundenden Früchtchen - sprich dem lang ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga? Höchste Zeit eigentlich, wenn man bedenkt, wie lange nun der F.C. Hansa Rostock - einst das Aushängeschild des Ostens in der 1. Bundesliga - bereits in der Drittklassigkeit dahin sauert, dabei mitunter mit einem Bein in der Regionalliga Nordost. Wer hätte einst am 29. April 2012 gedacht, dass der FCH die kommenden sieben Spielzeiten in der 3. Liga kicken würde? Damals verlor Hansa Rostock beim 1. FC Union Berlin verdammt unglücklich mit 4:5 und stand schließlich als Absteiger fest. Nach zehn Minuten führte Hansa bereits mit 2:0, 18 Minuten stand es 3:2 für die Eisernen, am Ende standen die Jungs von der Küste mit leeren Händen da. Die Tränen flossen, der Verein stand sportlich und vor allem finanziell am Abgrund.

Als erster Schritt konnte die drohende Insolvenz abgewendet werden, als zweiter Schritt sollte die Wiederkehr in die 2. Bundesliga erfolgen. Dieser Schritt wurde / ist verdammt lang. Allerdings sieht es derzeit richtig gut aus. Nach der 1:4-Pleite gegen den SC Preußen Münster am 25. September schien die Saison - wieder einmal - bereits gelaufen, doch folgte eine Serie mit vier überzeugenden Siegen und drei Unentschieden. Dazu gab es ein grandioses Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg, das fast gewonnen werden konnte. Erst im Elfmeterschießen musste die Kogge die Segel streichen. Der Stand der Dinge: Rang vier. Der Rückstand auf Rang zwei: Gerade einmal ein Pünktchen! Mannschaft und Fans sind heiß auf die kommenden Spiele. Als nächstes geht es ran bei Sportfreunde Lotte. Auch wir haben auf gut Deutsch gesagt richtig Bock und haben die Zugtickets bereits gebucht. Bevor jedoch die kommenden Aufgaben zu bewältigen sind, wollen wir einen Blick auf die zurückliegenden sechs Jahre werfen. Zu lesen gibt es ein paar Textpassagen, zu sehen gibt es ausgewählte Bilder:

22. April 2012. Auswärtsspiel beim FC St. Pauli / Fandemo in Hamburg (2. Bundesliga)

Die Hamburger Polizei hatte untersagt, dass bei dieser Partie Gästetickets an die Rostocker abgegeben werden. Immerhin ermöglichte es das Hamburger Oberverwaltungsgericht, dass es am 22. April 2012 eine Rostocker Fan-Demo quer durch Altona geben durfte. Knackig, laut und präsent. Nicht nur ein lapidares Stelldichein am Hauptbahnhof, wie sich das die Polizei und das Verwaltungsgericht vorgestellt hatten. Mit einem guten Kumpel, auf den man sich auch in hektischen Situationen voll verlassen konnte, düste ich an jenem Tag von Berlin aus in aller Herrgottsfrühe nach Hamburg. Umsteigen in Schwerin, wo wir gemeinsam mit dem dort eingetroffenen Hauptmob im Regionalexpress weiterfuhren. Eine Atmosphäre wie auf einer Klassenfahrt. Handzettel wurden verteilt. „Regeln für die Demo“. Friedlich sollte es bleiben. Das war das A & O des Tages. Kein Alkohol. Fans anderer Vereine sollten akzeptiert werden. Das sorgte zwar für Diskussionsstoff, wurde jedoch so weit von der breiten Masse angenommen.

In Hamburg-Altona startete schließlich mit rund 30 Minuten Verzögerung die Rostocker Fan-Demonstration, die auf Grund des Kartenverbots organisiert wurde. Nur zu klar, dass die Polizei von Seiten der Demo-Teilnehmer ihr Fett wegbekam. „Klaut den Bullen ihre Stullen“ und ein weniger freundliches „Fi*** die Polizei“ waren zu lesen. Dazu einige Transparente und Spruchbänder mit einem Augenzwinkern, wie „Emotionen respektieren, Raucherbeine amputieren. Pro Fans“. Dazu ein paar Sprüche mit kyrillischen Buchstaben. Kernaussage der Demo war jedoch: „Blau Weiß Rot gegen polizeiliches Kartenverbot“. Bei den Redebeiträgen wurde scharf das Vorgehen der Hamburger Polizei kritisiert.

Lautstark setzte sich gegen 11:45 Uhr der Demonstrationszug in Bewegung. Begleitet wurden die über 2.000 Rostocker von hunderten Polizisten aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Schwere Geschütze wurden aufgefahren. Wasserwerfer, mitunter der neuesten Generation, wurden postiert. Vorbei an der Feuer- und Rettungswache Altona ging es Meter für Meter zur Straßenkreuzung Königstraße / Pepermölenbeck, an der weitere Redebeiträge zu hören sind. Der anschließende Gang hinunter zur Breiten Straße nahe der Elbe und des Fischmarkts gehörte zum Highlight der Route. Enge Straße, unter einer Brücke hindurch. Kraftvoll gab es noch einmal zu hören, was die Rostocker Fußballfreunde von der Polizei halten.

Aus einem Fenster ertönte die Einlaufmusik des FC St. Pauli. Eine an den Armen stark tätowierte Frau stand am Fenster und zeigte fröhlich zwei Stinkefinger. Kamerateams und Zivilpolizisten nahmen die Frau in Augenschein. „Stell dir mal vor, du wachst auf und diese Olle liegt neben dir“, meinte jemand aus der Gruppe und lachte. Beim Weg zurück zum Bahnhof Altona erlahmte die Stimmung. Die Luft schien raus. Aber immerhin: Problemlos konnte die gesamte geplante Route abgelaufen werden und dem medialen, nach sensationellen Meldungen gierigen Rudel gab man kein Futter. Hansa kann auch anders - es blieb an jenem Tag komplett friedlich.

2012/13: Neustart in der 3. Liga 

Zugespitzt hatte sich auch die finanzielle Situation, die Insolvenz drohte. Die Fans machten mobil und demonstrierten für ihren F.C. Hansa. Schließlich stimmte Anfang Mai 2012 die Rostocker Bürgerschaft einem Maßnahmenpaket zu, welches das Fortbestehen des Vereins sicherte. Zudem hatte mit diesem Kraftakt die Hansa-Familie wieder zueinander gefunden.

Wer jedoch dachte, die Südtribüne würde nun geöffnet werden, der wurde schwer enttäuscht. Am 27. Juni 2012 teilte Bernd Hofmann mit, dass zwar die leere Süd keine Lösung sei, doch zunächst die Stadionstruktur in der jetzigen Form erhalten bleibe. Es sollte noch bis Januar 2013 dauern, bis nach intensiven Gesprächen endlich eine Lösung gefunden wurde. Für das Heimspiel gegen den SC Preußen Münster am 26.01.2013 wurden erstmals wieder Eintrittskarten für die Blöcke 23, 24 und 25 verkauft.

Beim Verein las sich das Ganze so: „Mit frischem Wind und neuer Stärke: Stadionstruktur beschlossen.“ Die Suptras brachten es mit folgenden Worten auf den Punkt: „Nach über einem Jahr der Stille – Wieder auf der Süd – Mit Leidenschaft und Wille!“ Auf der Suptras-Webseite zu sehen war ein gut gemachtes Video. „Den Verein gerettet, die Segel gesetzt. Brauchen wir nun alle Mann an Deck!“ Sequenzen von der Fandemo und von einigen Choreographien. Von der geballten Stimmung, die von der Südtribüne aus möglich ist. Parallel dazu fertigte jemand im Laternenlicht ein Graffiti an. Ganz schlicht und einfach „Südtribüne“. Am Ende hob sich die Kamera und hinter der kleinen Mauer wurde das Ostseestadion mit seinen markanten Flutlichtmasten sichtbar. „Hansa braucht dich!“, lautete die Abschlussbotschaft.

2013/14: Verbranntes Banner in Duisburg - Genialer Auftritt in Leipzig

Überaus interessant wurde es am Abend des 27. September 2013. Auswärtsspiel beim MSV Duisburg. Eine im Vorfeld erhaltene SMS ließ Spielraum für Vermutungen. Beim Bier an der Wedau wurde die Sache etwas konkreter. Zwar keine genauen Infos, nur so viel: Ab der 70. Minute sollte ich in der Nähe des Gästeblocks bleiben sowie die Augen auf und die Kamera bereit halten. Die Rostocker haben ein kleines Geschenk dabei. Pyro? Als Antwort nur ein Lächeln. Erwartungsfroh ging es ins Stadion.

Das Spielgeschehen: Aus Sicht der Rostocker wahrlich nicht das Gelbe vom Ei. Der MSV zeigte sich in passabler Verfassung und gewann die Partie mit 2:0. Und hätte ich nicht im Vorfeld den diskreten Hinweis bekommen, hätte ich dieses Spiel bereits 20 Minuten vor Abpfiff abgehakt. So aber blieben die Augen am Gästeblock haften. Kurz nach dem 2:0 des MSV wurden die meisten Rostocker Banner und Zaunfahnen abgenommen. Zuerst nahm kaum jemand Notiz von den Aktivitäten im Gästekäfig, als jedoch am Boden vor der Plexiglasscheibe ein dunkelblauer Stoff zurechtgelegt wurde, kam erste Unruhe im Sitzplatzbereich auf. Ein paar Duisburger ahnten was kommen könnten und versuchten an den Block zu gelangen. Postierte Ordner hielten diese jedoch zurück. Wenig später wurde es laut im Rostocker Block. Mit einem „Die Nummer eins im Pott sind wir!“ wurde das Banner der Gruppierung „Inferno Duisburg“, das vor geraumer Zeit in Kiel verloren ging, an der Plexiglaswand präsentiert. Damit auch auf Anhieb das gesamte Duisburger Publikum auf die Aktion aufmerksam wurde, brannten dahinter die ersten Fackeln. 

Als ein übereifriger Ordner versuchte, vom Innenraum aus das Stück Stoff zu sich heranzuziehen, wurde das Banner kurzerhand angezündet. Als zwei weitere Ordner mit anpackten und das Fackel-Schwenken nichts nutzte, wurden diese mit Pyro beworfen. Kurze Zeit später war das Banner von „Inferno Duisburg“ nur noch ein Haufen Asche. Mächtig Aufruhr und Unmut herrschte nun in den anderen Stadionbereichen. Aus allen Ecken versuchten Duisburger Ultras und Hools an den Gästebereich zu gelangen. Aufgrund des Einsatzes von Polizei und Ordnern blieb es bei hitzigen Verbalgefechten und Bierbecherwürfen. Nach dem Spiel versuchte vor dem Stadion ein sich sammelnder Duisburger Mob an den Gästezugang heranzukommen, doch hatten die Einsatzkräfte alles im Griff. In Form, Härte und Konsequenz der Rostocker Aktion, erinnerte das Ganze sehr stark an polnische Verhältnisse. 

Knapp zwei Monate später folgte der nächste Kracher. Auswärtsspiel bei RasenBallsport Leipzig. Wie am Abend zuvor um 21 Uhr von den Suptras Rostock angekündigt füllte sich  am 23. November gegen 10:30 Uhr langsam aber sicher der Richard-Wagner-Platz am Einkaufszentrum Am Brühl. Rostocker Flashmob in der Messestadt. Wenig später startete der Marsch in Richtung Stadion. 

„Scheiß Bullen“. In Großbuchstaben in den Farben Rot und Schwarz auf weißem Banner. Was sonst nicht lange gehalten werden dürfte und von den polizeilichen Einsatzkräften sicherlich in kürzester Zeit abgepflückt wird, war an diesem Tag geduldet. Schließlich ging es (offiziell) um die selbst ernannten „Roten Bullen“ von RasenBallsport Leipzig. Da konnte selbst gegen das übliche „Alle Bullen sind Schweine“ nicht wirklich behördlich vorgegangen werden. Nachdem der breite Tröndlinring überquert und in eine schmalere Nebenstraße marschiert wurde, hätte man meinen können, es handle sich um eine Übung einer Wehrsportgruppe. Nach einem „Hier regiert der FCH!“ ging das Getöse los. Böller am laufenden Band. Die Rostocker machten es den Anhängern von Partizan Belgrad oder ZSKA Sofia gleich. Einzelne Leuchtkugeln stiegen hoch, erste Flaschen klatschen an die Fassaden oder landeten zu Füßen der Einsatzkräfte. Wer nun an der Spitze lief, musste auf der Hut sein. Noch blieb es ruhig, ernsthafte Probleme gab es erst am Stadioneinlass, wo es zu handfesten Auseinandersetzungen kam.

Rund 6.000 Hansa-Fans waren angereist, betraten jedoch größtenteils zu Beginn der Partie nicht den Gästebereich. Sieben Minuten lang sollte es leer und ruhig bleiben, im Anschluss sollte den „Roten Bullen“ gezeigt werden, was wahre Fankultur bedeutet. Und was noch zu tun war? RasenBallsport schlagen! Und zwar auf dem Rasen! Die „Roten Bullen“ quasi an den Eiern packen. Genau dies hatten die Spieler des F.C. Hansa Rostock an diesem Tag vor - im sprichwörtlichen Sinne, versteht sich. Bis in die Haarspitzen motiviert marschierten sie auf den Rasen. Nach den sieben Minuten war auch die nötige Unterstützung da. Die Rostocker Fans strömten in die Blöcke. Das „Scheiß Bullen“-Banner hing nun am Oberrang. Daneben war „In Leipzig wird´s immer nur Lok und Chemie geben“ zu lesen.

Wer einen wütenden mit Pyrotechnik fuchtelnden Mob erwartet bzw. befürchtet hatte, wurde an diesem Nachmittag überrascht. Keine Böller, keine Bengalos im Stadion. Aber auch keine Fahnen. Nur verbaler Support – aber der mit immenser Kraft! Geschätzte 4.500 von den 6.000 Gästefans beteiligten sich nahtlos an den Gesang- und Schlachtruf-Einlagen. Fußballstimmung ganz rudimentär – und doch unglaublich beeindruckend! Und es lief alles nach Plan. Die Hansa-Elf konnte gegen halten und gestaltete die Partie ausgeglichen. „Wir haben Heimspiel in Leipzig!“ ertönte es aus der Gästeecke. Nach dem 1:0 für Hansa ging bereits die Post ab, doch als sich in der 52. Minute Mendy auf der rechten Seite durchsetzen konnte und Plat bediente und dieser zum 2:0 für die Hansa einnetzen konnte, gab es kein Halten mehr. „Ahu!“ ertönte es brachial. RB Leipzig kam noch einmal heran, doch am Ende war der 2:1-Sieg in trockenen Tüchern.

2014/15: Kalte Dusche gegen Dresden, Absturz in Erfurt, großes Zittern am Ende

… Der F.C. Hansa rutschte auf den vorletzten Platz. Und es ging - ja, sagen wir es deutlich - äußerst beschissen weiter. Nach der 0:2-Heimniederlage gegen Münster folgte ein desaströses 1:4 bei Rot-Weiß Erfurt. Bei Regen konnte ich von der Tartanbahn aus sehen, wie bereits kurz nach der Halbzeitpause sämtliche Banner abgenommen wurden. Besserung in Sicht? Nein, noch nicht! Das 0:4 gegen Kiel ließ ganz stark vermuten, dass es am Ende der Saison in die Regionalliga gehen würde.

Trotz der sportlichen Misere: Sich aufgeben? Nein, zahlreiche Fans begleiteten die Mannschaft mit ins Trainingslager. Aufmunterungen, Aussprachen - mit dem neuen Trainer Karsten Baumann sollte es einen Ruck geben. Diesen gab es auch. Die Mannschaft zog sich aus dem Schlamassel heraus. Die ersten vier Spiele nach der Winterpause blieb Hansa Rostock ungeschlagen. Und dann ging es nach Halle. Ähnlich wie in Leipzig wurde es ein Erlebnis allerbester Güte. Nachdem Gogia den HFC mit 1:0 in Führung bringen konnte, glich Marcel Ziemer in der 78. Minute aus. Soweit, so gut. Ein 1:1 wäre schon mal prima gewesen. Allerdings kam es noch besser. In der 90.+2. Minute machte Oliver Hüsing per Kopf das 2:1 für Rostock. Der Gästeblock tobte vor Freude. Was für ein Anblick, was für eine Wonne! Noch lange nach Abpfiff feierten die Hansa-Fans den Erfolg. „Hansa!“, „Ahu!“ und auch ein „Scheiß St. Pauli“ donnerten durch das bereits geleerte Stadion.

Als in der Folge auch gegen den Chemnitzer FC mit 1:0 gewonnen werden konnte, betrug der Abstand zur Gefahrenzone bereits vier Punkte. Allerdings wurde es am Ende dann doch noch richtig eng! Alles oder nichts am letzten Spieltag, an dem ausgerechnet bei der dynamischen Sportgemeinschaft angetreten werden musste. Logisch, Geschenke waren von den Sachsen nicht zu erwarten. Hansa kämpfte bis zum Umfallen, doch Dresden konnte das Spiel mit 2:1 für sich entscheiden. Da jedoch Erfurt zeitgleich gegen Unterhaching gewonnen hatte, hielt der F.C. Hansa Rostock die Klasse. 

Friede, Freude, Eierkuchen? Nein, denn der F.C. Hansa steckte wieder einmal in argen finanziellen Schwierigkeiten. Kurzfristige und langfristige Lösungen mussten her. Kurzfristig 500.000 Euro konnten im März 2015 mit Hilfe des Benefizspiels zwischen Team „Marteria & Friends“ und Team „Paule & Friends“ eingefahren werden. 27.000 begeisterte Fans bekamen ein unterhaltsames 6:6 zu sehen. Den letzten Treffer des Tages erzielte Marteria höchstpersönlich.

2015/16: Die Saison der großen Ost-Duelle

Die Saison 2015/16 stand ganz klar im Zeichen der Ost-Duelle. Ganz besonders freute man sich auf das am Abend des 23. September 2015 stattfindende Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg, der nach 25 Jahren Amateurfußball endlich den Sprung in den Profifußball gepackt hatte. Und das Duell hielt was es versprach. Auf dem Rasen gab es ein spannendes 1:1 zu sehen, auf den Rängen brannten die Fans im wahrsten Sinne ein Feuerwerk ab. Hektisch wurde es, nachdem ein paar Magdeburger eine gezogene Rostocker Fanclubfahne und andere Utensilien präsentierten und anschließend anzündeten. Schon bald stand alles in Flammen und auf der Süd platzte nun manch einem Rostocker der Kragen. Nachdem vor dem Spiel eine Gruppe Magdeburger und BFCer vor der Nordtribüne mit Pyro posiert hatte, war nun aus Sicht der Rostocker das Maß voll. Die Banner wurden gehoben und in der Pufferzone kam Bewegung auf. Drei, vier Rostocker gelangten bis an die untere Ecke des Gästeblocks. Leuchtkugeln flogen, Böller detonierten, polizeiliche Einsatzkräfte rückten an - die Mannschaften wurden zwischenzeitlich in die Kabinen geschickt. 

Nervenkitzel gab es auch nach der Partie. Geraume Zeit nach Abpfiff sammelte sich auf der Kopernikusstraße ein komplett schwarz vermummter Mob, der zuerst in Richtung Parkstraße lief, dann jedoch kurzzeitig ins Wohngebiet abbog. Etwas später tauchte diese gespenstisch anmutende Truppe am Kreisverkehr an der Schillingallee vor der dortigen Polizeiabsperrung auf. Nachdem unter den Scheinwerfern der bereitstehenden Polizeifahrzeuge einige Gegenstände und Leuchtkugeln flogen, marschierte die Truppe strammen Schrittes in Richtung Fußgängerbrücke, die am S-Bahnhof Parkstraße über die Gleise führt. „Zusammen bleiben!“, rief jemand den anderen Vermummten zu. Auf der anderen Seite der Bahnlinie eilte die Gruppe am dortigen Polizeirevier vorbei. Dieses soll laut anderen Medienberichten später noch angegriffen worden sein. Das Ganze wurde selbst mir zu heiß. Hinein in das in Reichweite geparkte Auto und ab nach Hause …

Das Rückspiel in Magdeburg stand im Zeichen des Gästeticketkontingents. Anfangs sollte es für die Rostocker gar keine Tickets geben, dann 700 personalisierte Tickets, am Ende - nachdem der Druck richtig groß wurde und auch die Ultras Dynamo eine spontane in Magdeburg angekündigt hatten - erklärte sich der 1. FCM bereit, 2.000 Eintrittskarten abzugeben.

Eine Rostocker Demo gab es dennoch. Vom Bahnhof Herrenkrug aus direkt zum Stadion. „Für den Erhalt der 10%-Regel. Gegen Gästefanverbote.“, lautete die zentrale Botschaft, die in blau-weißer Schrift in Form eines Banners an der Spitze des Marsches gezeigt wurde. „Nehmt uns die Luft, schlagt uns ins Gesicht, doch unseren Fußball, den kriegt ihr nicht!“, hieß es ein Stück weiter hinten. Die Stimmung im Stadion war auf beiden Seiten eine echte Hausnummer. Zwar erschien einigen der Rostocker Support an diesem Nachmittag zu brav, doch was Mitmachquote und Lautstärke betraf, war Hansa (wie auch der Magdeburger Block U) wieder eine Klasse für sich.

Das Spiel in Magdeburg ging 1:4 verloren, und die Saison drohte wieder eine Zitterpartie zu werden. Wie bereits im Jahr zuvor drohte der Abstieg in die Regionalliga. Nachdem sich mit klaren 4:0-Sieg gegen Wehen Wiesbaden etwas Luft verschafft wurde, führte die Reise am 19. März 2016 nach Dresden. Und die Fahrt hatte sich gelohnt! In meinem persönlichen Ranking ist dieses Hansa-Spiel in den Top 3 zu finden.

Es war ein Spiel wie aus dem Drehbuch. Viel Petting, dann aber gleich zweimal ein barbarischer rot-weiß-blauer Orgasmus in den letzten zehn Minuten. Doch der Reihe nach. Der Rostocker Sonderzug rollte am Morgen am Bahnhof Berlin-Lichtenberg ein, um die dort zusteigenden Hansa-Fans aufzunehmen. Unaufgeregt nutzten einige Zugfahrer den Zwischenstopp, um auf dem Bahnsteig ein Zigarettchen zu rauchen oder in Reihe und Glied fröhlich auf die Gleise zu strullern. Stressfaktoren? Keine. Alles entspannt! Kurz nach halb zehn setzte der Sonderzug der Deutschen Bahn seine Fahrt nach Sachsen fort. Insgesamt 2.100 Hansa-Fans durften dieses Mal zum Auswärtsspiel nach Dresden reisen. Mit hinein in den Block durften sie auch sämtliche Banner und zahlreiche blau-weiß-rote Fahnen nehmen. Im Gegenzug verzichtete man auf den Einsatz auf Pyrotechnik. 

Während im K Block eine Zettel-Choreo präsentiert wurde, ließ man im Stehblock des Gästebereichs die blau-weiß-roten Fahnen wehen. Vor ausverkauften Rängen ging es auf dem Rasen sogleich zur Sache. Mit hohem Tempo stürmte Hansa in der dritten Minute über die rechte Seite. Mit Schmackes schloss Stephan Andrist ab, doch der Ball klatschte nur an den rechten Pfosten. Die polizeilichen Einsatzkräfte nahmen sicherheitshalber schon mal in der Pufferzone zwischen Gegengerade und Gästeblock platz. Ein paar Dresdener hatten zehn Minuten vor dem Spiel bereits probehalber am ausgelegten Netz gezerrt und ein Stück in Richtung Gästefans gerückt.

Apropos Polizei. Ein Beamter mit Kamera stellte sich auf der anderen Seite des Gästeblocks direkt an die Plexiglaswand. Die Antwort der Rostocker: Zuerst wurde ihm eine Fahne quer in den Weg gehängt, wenig später wurde ihm reichlich Fahnenstoff vor das Gesicht gewedelt. Bevor das Ganze ausarten zu drohte, nahm der Beamte schließlich etwas mehr Abstand. 

Auf dem Platz versuchten indes die Gastgeber die Initiative zu ergreifen. Wenig später war es schließlich soweit. 1:0 für Dynamo Dresden! Mit der Hacke brachte Justin Eilers den Ball gekonnt im Gehäuse unter! Kurioser geht es kaum. Anfangs nicht allzu hektisch ging es im zweiten Spielabschnitt zur Sache. Im Gästeblock wurden indes von einem komplett in Schwarz vermummten Rostocker etliche gezogene Utensilien ausgebreitet. Eine Sachsen-Fahne, einige Schals (darunter ein paar Freundschaftsschal der SGD & FSV Zwickau), ein T-Shirt, ein Sweatshirt mit der Aufschrift Elbflorenz sowie ein weinrotes Kapuzenshirt. Fein säuberlich wurden die Stücke ausgelegt und somit gut sichtbar dem Heimpublikum präsentiert.

Kurioses geschah in der 82. Minute. Ecke für den F.C. Hansa. Der Ball wurde hereingebracht und ehe man sich versah, war das Spielgerät plötzlich im Kasten. Marco Hartmann hatte aus dem Stand mit dem Kopf den Ball in den eigenen Kasten gehauen. Einer geschenkten Kuh schaut man nicht ins Maul, die Hansa-Fans waren außer Rand und Band. Es gab kein Halten mehr.

Noch war lange nicht Schluss. Dresden wollte den Sieg. Mit Schwung ging es in der 87. Minute. Stefaniak legte den Ball auf zum zuvor eingewechselten Robert Andrich, und dieser fackelte nicht lange. 2:1 für die Sportgemeinschaft! Haufenbildung vor dem K-Block. Das Stadion bebte und nun schepperte das gesungene „Hansa-Schweine!“ richtig derb laut. Was sollte in der verbleibenden kurzen Zeit für die SGD noch groß anbrennen? Eine Menge! Nach einem Freistoß von Hansa sprintete Ahlschwede heran, schnappte sich den Ball, legte sich ihn zurecht, suchte die Lücke in der Dynamo-Abwehr und zog kurz vor der Strafraumgrenze einfach mal ab. Sekunden später zappelte der Ball im Netz und das kollektive freudige Ausrasten im Gästeblock spottete nun jeder Beschreibung. Was für eine Erlösung aus Sicht der Rostocker! Wenig später war Schluss und lautstark hallte es „Ahu!“ und „Sieg!“ durch das Dresdener Stadion. Nicht gewonnen, nicht verloren. Und doch fühlt sich das Unentschieden wie ein Sieg an!

2016/17: „Spaß“ in Zwickau, Anschluss nach oben nur in der Hinrunde

Um nicht den Rahmen zu sprengen, lassen wir ab nun allein die Fotos sprechen. :-)

2017/18: Brisantes Duell gegen Hertha BSC, zaghaftes Schnuppern, Rang sechs am Ende

2018/19: „Gemeinsam nach oben“

Anmerkung: Die Text-Passagen wurden aus dem Buch "F.C. Hansa Rostock Fußballfibel“ entnommen. Diese ist bei amazon und direkt beim Culturcon Verlag erhältlich. 

Fotos: Marco Bertram, Tobi, P. Schoedler, UiSF, K. Hoeft, Arvid Langschwager, Matthias, Fußballfotografie, Uwe Busch, Anika, Bjn Ka, René Z., Felix, Tom, Aumi, Marco Hensel

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Inhalt über Klub(s):
Artikel wurde veröffentlicht am
15 November 2018

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J
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F
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Super!
Vielen Dank für diesen super Beitrag und die geilen Fotos! AFDFCH!!!
K
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