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Verschiedene Fußball-Welten: Wenn TSV Rudow und Hertha BSC zeitgleich spielen

 
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MB 22 Oktober 2018
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Im extrem vollgestopften Bus kam es fast zu Ausschreitungen, als sich eine Haltestelle hinter Britz-Süd noch eine Frau mit Kinderwagen ohne Rücksicht auf Verluste reinschieben wollte. Die Nerven waren bei den Fahrgästen extrem angespannt - und dies war aufgrund der BVG mal wieder kein Wunder. Schienenersatzverkehr auf der U-Bahnlinie 7 zwischen Britz-Süd und Rudow am gestrigen Sonntagnachmittag. Als nach einigen Minuten an der Ersatzhaltestelle endlich der Bus anrollte, begann das große Schieben. Ein Bus quasi für eine ganze U-Bahn-Meute. Was für ein toller Deal. Auf nach Rudow, hieß es bei mir. Das Berlin-Liga-Duell TSV Rudow 1888 vs. BSV Eintracht Mahlsdorf rief, und da ich zeitlich eh bereits eng dran war, fiel meine Laune auch bereits. Aber was soll´s?! Locker bleiben und halt ein wenig verspätet auf dem Sportplatz an der Stubenrauchstraße reinschneien. 

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Einen schönen juten Tach jesagt und im gemütlichen Vereinsheim erst einmal ein frisch gezapftes 0,4er bestellen! Draußen führte der TSV Rudow 1888 Dank des Treffers durch Zihni Taner Hirik in der 28. Minute mit 1:0, und drinnen verfolgten rund 25 Fußballfreunde auf den Fernsehern das soeben angepfiffene Erstligaduell Hertha BSC vs. SC Freiburg. Wat denn hier los? Aber husch husch, raus mit Euch! Aber gut, so ist das nun mal, wenn sich Bundesliga und Amateurfußball in die Quere kommen. Da Hertha BSC derzeit ganz oben mitspielt, ist es ja auch nicht zu verdenken, dass die Spiele großes Interesse wecken. Im Olympiastadion selbst waren 53.716 Zuschauer vor Ort. Gegen die Breisgauer eine recht ordentliche Hausnummer. 

Und siehe da, sehr zur Freude der über 50.000 Hertha-Fans im Olympiastadion und der im Vereinsheim anwesenden Rudower erzielte Ondrej Duda in der siebten Minute mal gleich das 1:0 für die Berliner. Schmuck gemacht, muss man sagen! Mit dem Glas in der Hand wurde es nun aber höchste Zeit, draußen zu schauen, was auf dem Rudower Kunstrasen so passiert. Schließlich war der BSV Eintracht Mahlsdorf zu Gast. In Mahlsdorf-Süd ging ich einst in den 80ern an die 10. POS „Helene Weigel“, auf dem Sportplatz am Rosenhag, wo Eintracht Mahlsdorf seine Heimspiele austrägt, nahm ich einst als Jugendlicher an den legendären BZA-Läufen teil. Zudem trug mein kleiner Bruder in den 90ern in der F- und E-Jugend einst das lilafarbene Trikot.

Wenn wir schon dabei sind: Einst wohnte meine Uroma im Süden von Berlin-Neukölln, und ihr einstiger Lebensgefährte wohnte noch bis ins Neue Jahrtausend hinein in einem der hohen Wohnhausklötzer am Zwickauer Damm. Gleich gegenüber vom Sportplatz des TSV Rudow 1888. So, jetzt reicht es aber mit den Familiengeschichten. Hinein ins Getümmel! Nur zwei Minuten nachdem die Hertha das 1:0 erzielen konnte, machte Kamil Czuba das 2:0 für die Rudower. Der Schiedsrichter ließ zuvor Vorteil laufen, und schon war die Kugel im Netz. Große Freude beim Rudower Publikum. 

Lautstark ertönte von innen das „Ha Ho He!“ aus den Lautsprechern. Die Stimmung schien im Olympiastadion recht ansprechend zu sein. Auf der Anlage in Rudow blieb es eher beim Plausch beim Bierchen. Allerdings wurden aus den Pläuschchen in der zweiten Halbzeit recht hitzige Gespräche. Im Olympiastadion am anderen Ende der Stadt musste Hertha BSC den Ausgleich hinnehmen, in Rudow hieß es nach einer Stunde nur noch 1:2 aus Sicht des Gastgebers. Eigentor durch Bengt-Tibor Dräsel. „BSV! BSV!“, ertönte es aus zwei Ecken. Ein paar Mahlsdorfer meldeten sich kurzzeitig zu Wort. Und diese hatten nur eine Minute später richtig was zu feiern. Ehe man sich versah, machte Denis Mrkaljevic den Mahlsdorfer Ausgleich klar. 

Die älteren Rudower Herren mit den Pilsgläsern in der Hand wurden nun richtig muffig. In der 69. Minute kam es im Mahlsdorfer Strafraum zu einer kritischen Szene, doch der Schiedsrichter ließ weiter spielen. „Lässt der wieder das durchgehen, so langsam kotzt mich das an!“, echauffierte sich ein Zuschauer. Eintracht Mahlsdorf wollte indes mehr und stürmte nach vorn. „Ihr könnt nicht alle nach vorne rennen!“, ermahnte ein Mahlsdorfer Mittelfeldspieler den Rest der Mannschaft. „Kommt gleich das 2:3?“, fragte der eine Rudower Zuschauer den anderen. „Ja, sieht so aus!“ Optimismus schaut anders aus.

Nach einer Rudower Chance zeigte sich auch der feine Humor der älteren Rudower Herren. „Im Tor? Habe die Brille nicht dabei!“, fragte einer. „Ja, im Tor daneben! Aber das dürfte dort eigentlich auch gar nicht stehen!“, erklärte ein anderer. Auf der Gegenseite hatte Denis Mrkaljevic in der 82. Minute die Mahlsdorfer Führung auf dem Fuß, doch sein strammer Schuss konnte von Rudow-Keeper Christopher Ottho, der sogleich von zahlreichen Zuschauern gelobt wurde, abgewehrt werden. 

Den Ausgleich der Gäste hatten einige Rudower Zuschauer noch immer nicht verdaut. Okay, in Halbzeit zwei sei Mahlsdorf durchaus stark, doch in Halbzeit eins, hätte Rudow einfach mit 4:0 oder 5:0 führen müssen. Manch einer hatte die Partie indes bereits abgehakt, „Den ham die doch gekooft! Wat kostet so einer?“, frotzelte einer. Ein anderer empfahl das Auswandern nach Tirol. Ja, mit 100, erklärte der Angesprochene und nippte am Pilschen. 

Und dann! Die 90. Minute in Rudow! Der Gastgeber spielte flott über den rechten Flügel, der Ball wurde gut hereingebracht, und Kamil Czuba mit der Nummer sieben brauchte freistehend nur noch einschieben. 3:2 für den TSV Rudow 1888. Was für ein herzhafter Jubel! Kurze Zeit später fast noch das 4:2, doch so oder so waren die drei Punkte nun in trockenen Tüchern. „Kannste gern immer wieder kommen!“, meinte jemand zu mir. Wird gemacht!

Aber erst einmal drinnen ein frisches Bierchen und geschaut, was Hertha so treibt. Ei der Daus! In der 83. Minute machte Waldschmidt fast das 2:1 für die Breisgauer, doch der Berliner Torwart Jarstein konnte gut parieren. Raunen im Vereinsheim. Am Tresen wurden Schnäpschen eingeschenkt. In der 88. Minute gab es fast einen Elfer für die Hertha, doch wurde dieser nach dem Betrachten des Monitors wieder zurückgenommen. Erneutes Raunen bei den Anwesenden. Die Laune ließ sich niemand mehr verderben, zu sehr wurde sich über den Rudower Sieg gegen das Spitzenteam aus Mahlsdorf gefreut.

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Berlin-Liga

Spielergebnis:
3:2
Zuschauerzahl:
200

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