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Eine Chance, ein Tor, Auswärtssieg! Hansa Rostock ist wieder oben dran!

 
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MB 17 Oktober 2018
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Ach Mensch, rein in den nächsten Zug - und auf nach Halle! Wenn nur nicht das zeitliche Alltagskorsett so eng sitzen würde. Am Besten einfach mal trampen oder gleich in russischer Manier auf den erstbesten Güterwaggon springen und mitfahren. Der tagsüber zigmal abgespulte Trailer „2023 до Пльзени (2023 km bis Pilsen) hatte mich angefixt. Abenteuer, Reisen, Spontanität, Alkohol und nochmals Abenteuer. So wie einst vor 20 Jahren, als bei einem selbst noch die „2“ vorne stand. Aber nun gut, Zeiten ändern sich. Und mit den eigenen Kindern gemeinsam Fußball gucken, hat auch sehr viel schönes. Das Spiel Hallescher FC vs. F.C. Hansa Rostock im NDR-Livestream schauen? Coole Sache! Limo, Bier und Knabberzeug ran. Während der Zweijährige im Bettchen seinen Abend-Griesbrei bekam, machte es sich der Achtjährige schon mal mit Schal und Mütze gemütlich. Fußball im TV ist zwar nicht (mehr) so mein Ding, doch hat es auch mal was für sich, eine Partie rein taktisch anschauen zu können. 

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Eine Fußballübertragung ohne Schnickschnack und Herumbrezelei. „Papa, warum ist der Bildschirm blau? Geht es jetzt nicht los?“ 18:56 Uhr begann die Übertragung, und das Erste, was wir zu sehen bekamen, war ein naher Schwenk auf die Gesichter der Ultras von der Saalefront. Im Anschluss noch ein Blick auf den Gästeblock, und dann konnte es losgehen. Ein angenehm sachlicher Kommentator begleitete das Ganze, und auf dem Rasen legte der HFC mal gleich los. Nun denn, das war auch zu erwarten, standen die Hallenser in der Tabelle vor den Rostockern. Plötzlich ruckelte das Bild und wurde für ein paar Sekunden blau. Ich nutzte die Gunst der Stunde und schleppte den Mini noch mal zum Wickeln ins Badezimmer. Kaum war die Buchse geöffnet, ertönte aus dem Schlafzimmer ein lauter Jubel. „Tor! Tor für Hansa!“ Wie jetzt? Nach drei Minuten schon? Ich legte fix die Windel um und ließ den Mini kurz stehen. Ein Blick auf das Laptop. Oha, ein feiner Treffer! Eingeleitet wurde das Ganze von Hansa-Keeper Gelios, über die linke Seite ging es in Form eines langen Passes von Rieble fix nach vorn, Königs verlängerte mit dem Kopf in den freien Raum, und in diesem konnte sich Cebio Soukou den Ball schnappen, die Gegenspieler geschickt ausspielen, sich die passende Schussposition suchen und dann routiniert vollenden.

Starkes Ding! Im Hintergrund des Ganzen hatten die angereisten Hansa-Fans gerade ihre Schals mit der Aufschrift „Ostsee-Power“ erhoben, und auch unten am Zaun war dieser Schriftzug in großen Lettern zu lesen. Das passte ja wie die Faust aufs Auge. Hansa hatte Bock, Hansa legte los wie die Feuerwehr. Zu jenem Augenblick konnte man keineswegs ahnen, dass es die einzige fette Rostocker Chance in diesem Spiel bleiben würde. Inzwischen wurde unser Mini ins Bettchen verfrachtet und ich öffnete vor Freude erstmal eine Kanne Bier. Dem großen Söhnchen reichte ich den Becher mit Limo. „Prost!“ 

Es dauerte zwei, drei Minuten, bis der Gastgeber den Rückschlag verdaut hatte, dann aber kam der HFC wieder zurück in die Partie. Während aus dem Heimblock ein „Gegen alle Stadionverbote!“ ertönte, versuchte sich in der zehnten Spielminute Mathias Fetsch mit einem Schuss, doch der Ball ging über das Rostocker Gehäuse. Eine Minute später versuchte sich Hansa über die rechte Seite, doch sollte nichts zählbares herausspringen. Halle erhöhte den Druck. Gefahr nach einer Ecke in der 15. Minute, zwei Minuten später ein Schuss direkt auf den Rostocker Torwart. Richtig brenzlig wurde es in der 20. Minute. Der Hallesche FC kam sehenswert über die linke Seite, der Ball wurde hereingebracht, denkbar knapp verpasste Mathias Fetsch das Spielgerät. Ioannis Gelios war auf dem Posten und konnte sich den Ball vorher schnappen.

Meinem Sohn wurde es zu brenzlig. Ein zweiter Rostocker Treffer sollte her. „Ey, geh noch mal raus, Papa!“ Ich blieb jedoch auf meinem Hocker sitzen und lauschte das vernehmbare „Dem Morgengrauen entgegen…“ Sekunden später ertönte neben mir ein Aufschrei: „Ey Papa, da war eine polnische Flagge! Dort bei den Fans!“ Und beim Stichwort Polen kombinierte er sogleich: „Wenn das so weiter geht, wird das wie bei der EM mit Polen. Die führten auch mit 1:0 und verloren dann!“ 

In der 26. Minute versuchte sich Rostock mal wieder in der Offensive, kam über die rechte Seite, doch mehr als ein Einwurf, der letztendlich gar nix einbrachte, wollte nicht herausspringen. „Halle hat nen Trick, das riech ich doch! Da kommt noch was. Wirste sehen!“, wurde mir beim Flips-Knabbern erklärt. Und ja, erstaunlich sind immer wieder die sekundenschnellen Gedankensprünge der kleinen Stifte. „Ist Mo eigentlich auch da?“ - „Wat? Wer?“ - „Na, der das Handy beim letzten Spiel vermisst hatte!“ - „Keine Ahnung, kann gut sein!“

Der HFC wurde nun immer stärker, und unser Sohn kam richtig auf Betriebstemperatur. Wenn auch das Spiel aus Rostocker Sicht zwar spannend, aber spielerisch öde war, so sorgte er neben mir für volle Unterhaltung. „Halle hat Hand genommen, du!“, ertönte es in der 37. Minute neben mir. Mit „Du“ war natürlich der Schiedsrichter gemeint. Inzwischen wurde nicht mehr mit mir, sondern mit dem Bildschirm gesprochen. „Ey Nummer neun! Kriegst du echt ne Spritze!? … Ja, gib noch an, dass du humpelst, Mann!“ 

Halle sei einfach galliger, erklärte der Kommentator des NDR. Und auch dies blieb nicht unkommentiert. „Gallisch? Asterix und Obelix sind gallisch!“ Im Hintergrund ertönte nun lautstark ein „Chemie! Halle!“ Nun war der Zeitpunkt gekommen, auch noch zu erklären, was es mit dem „Chemie“ bei Halle auf sich hat. Bislang gab es für den Sohnemann nur ein „Chemie“, und dieses kommt aus Leipzig-Leutzsch. Mein Sohn sah rot-grün, der HFC kam in der 45. Minute noch zu einer guten Torchance, und dann wurde der Bildschirm blau. Pausentee und Klogang.

So, es konnte weitergehen. „Prost!“ Auf dem Rasen blieb Halle ganz klar spielbestimmend. Ballbesitz? Zu jenem Zeitpunkt gefühlte 80 Prozent. Und wenn Hansa mal nach vorn spielen wollte, waren die Pässe viel zu ungenau. In der 52. Minute hallte nach einem Hallenser Freistoß bereits der Torjubel durch das Stadion, doch die Situation war bereits vorher abgepfiffen worden. "Guck mal, der Torwart hat ein Handtuch im Netz. Na ja, er schwitzt ja auch. Das machen die bei ‚Sąsiedzi‘ ja auch immer. Mütze abnehmen und die Glatze abwischen!“ Gemeint war die tschechische Puppen-Trickserie „Pat & Mat", die 1976 erstmalig ausgestrahlt und in Polen als „Sąsiedzi“ bekannt wurde. 

Zum Thema Haare fiel dem Sohn sogleich folgendes ein: „Polen ist das Land der kurzen Haare, und Deutschland ist das Land der langen Haare. Darum lasse ich mir dort immer alles kurz schneiden.“ - „Okay, aber wie ist das bei Hansa?“ - „Die haben auch kurze Haare! Die sind ja auch wie Kibole!“ Der Abend war gerettet, ich feierte gut ab und ging mal eben zum Kühlschrank, um ein mecklenburgisches Pils zu holen. 

Hansa führte weiterhin mit 1:0, nach vorn wurde jedoch nichts getan. Hoffen und Beten aus Rostocker Sicht. Dem HFC rann indes die Zeit dahin. In der 68. Minute wurde es neben mir erneut laut. „Mann, die 26 foult immer! Und jetzt guck! Jetzt noch Ausdrücke zum Schiri!“ In der 73. Minute bekam Halle einen Freistoß zugesprochen. Kurz zuvor hatten die Rostocker eine Mini-Chance. Wie erklärte der Kommentator? Der Schuss ging mit gefühlten drei km/h sieben Meter am Tor vorbei. Eine Minute später ließ der NDR-Kommentator noch einen kieken: „Die Heimfans kommen aus dem Quark…“ Und in der Tat wurde es jetzt auf Heimseite wieder lauter. Ein Blick auf die Uhr: Die 81. Minute. Hansa mal mit einem guten Pass nach vorn, doch das war es schon. Wenig Entlastung, weiterhin permanentes Zittern.

In der 85. Minute hatte Halle eine Ecke, Rostock konnte den Ball erobern, doch der eingeläutete Konter wurde ein reines Desaster. „Du, Papa, findest du dieses Spiel interessant? Passiert ja nix! Aber gut, Hauptsache Halle schießt kein Tor!“ In der Schlussphase konnte der F.C. Hansa etwas besser den Ball behaupten und hielt diesen vor dem gegnerischen Strafraum. Fünf Minuten Nachspielzeit. „Reinschießen oder halten!“, brüllte der Sohnemann. Das Spiel lebte von der Spannung. Einfach nur weg den Ball! Am Ende konnte Hansa den Kasten sauber halten, die gute Defensivarbeit war an diesem Abend die Basis für den Erfolg. Nun denn, morgen fragt niemand mehr nach der Art und Weise des eingefahrenen Sieges. Hansa Rostock überholte in der Tabelle den HFC, kletterte auf Rang sieben, und der Rückstand auf den dritten Platz beträgt gerade mal zwei Pünktchen. Der F.C. Hansa Rostock ist wieder im Rennen, und am kommenden Sontag geht es nach Zwickau! Klingt nach einer feinen Sause. Ne Flasche Becherovka geholt und à la „350 до Цвиккау“ im Güterwaggon nach Westsachsen gebraust…

Fotos: Aumi, Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

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Spielergebnis:
0:1
Zuschauerzahl:
10.781

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Top

Komisch, so ist es bei mir zu Hause auch abgelaufen....Top Beitrag. AHU!

G
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F
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G
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Kein gutes Spiel, aber das Ergebnis zählt. Und davon ganz abgesehen hatte ja Halle ja auch keine fetten Monsterchancen.

H
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G
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