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Tennis Borussia Berlin vs. F.C. Hansa Rostock II: Gesang und gute Laune in der Gästekurve

 
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MB 08 Oktober 2018
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Auf ins schönste Stadion der Nordstaffel der NOFV-Oberliga! Nicht wenige Hansa-Fans freuten sich im Vorfeld der gestrigen Partie Tennis Borussia Berlin vs. F.C. Hansa Rostock II auf die Sause nach Berlin-Charlottenburg. Dieses Mal fand dieses Duell glücklicherweise nicht parallel zum Spiel der ersten Mannschaft statt, so dass die Unterstützung der Hansa Amateure möglich war. Apropos erste Mannschaft. In der Vergangenheit gab es sogar zwei Auftritte von Hansa Rostock bei TeBe. Am 35. Spieltag der Zweitligasaison 1993/94 trafen die Veilchen und die Männer mit der Kogge auf der Brust im Mommsenstadion aufeinander. Jene Partie wollten allerdings nur 771 Zuschauer sehen. Nach dem Aufstieg von TeBe in die 2. Bundesliga im Sommer 1993 (anstatt des 1. FC Union Berlin / Stichwort gefälschte Bankbürgschaft) herrschte große Euphorie in Berlin-Charlottenburg. Am Ende ging es als Vorletzter wieder runter in die neu geschaffene Regionalliga Nordost. Und Hansa Rostock? Der erhoffte Aufstieg ins Fußballoberhaus wurde recht deutlich verpasst. Mit einem torlosen Remis trennten sich damals TeBe und der FCH.

Wenig später kam es jedoch wieder zum Aufeinandertreffen - und zwar in der ersten Runde des DFB-Pokals. Vor 1.308 Zuschauern konnten die Berliner am 14. August 1994 den F.C. Hansa mit 2:1 schlagen. Die Treffer der Veilchen erzielten Mikhail Rusayev und Jacek Mencel, den zwischenzeitlichen Ausgleich der Rostocker hatte Matthias Breitkreutz klargemacht. Eine bittere Pille für den Zweitligisten von der Ostseeküste, doch konnte am Ende jener Spielzeit unter Trainer Frank Pagelsdorf der Aufstieg in die 1. Bundesliga gefeiert werden. Da Hansa sich zu jener Zeit oben etablieren konnte, kam es zu keinen weiteren Begegnungen mit Tennis Borussia Berlin, das von 1998 bis 2000 noch einmal in der 2. Bundesliga spielte. 

Zahlreiche Aufeinandertreffen gab es allerdings zwischen TeBe und den Amateuren des F.C. Hansa Rostock. 1997/98 und 2009/10 in der Regionalliga, in weiteren 12 Spielzeiten in der NOFV-Oberliga Nord. Die letzten beiden Male gab es für Hansa II im Mommsenstadion nicht szu holen. Sowohl am 15. April 2017 als auch am 05. Mai 2018 verloren die Hansa Amateure mit 0:4. Zuletzt wollten immerhin 480 Zuschauer dieses Duell sehen. Es wären noch mehr geworden, hätte nicht zeitgleich die erste Mannschaft daheim gegen den Halleschen FC gespielt. 

Dieses Mal jedoch waren beide Spiele versetzt. Ein echter Glücksfall, denn allzu oft trägt Tennis Borussia Berlin am Freitagabend seine Heimspiele aus. Da jedoch bereits unter der Woche gespielt wurde, gab es am vergangenen Freitag keine Partien in der NOFV-Oberliga. Wie viele Hansa-Fans nun erwartet werden durften? Eine gute Frage. Immer wieder die viel zitierte Wundertüte. Am Ende waren es geschätzte 70 Zuschauer, die Hansa II die Daumen drückten. Rund 50 hatten sich im geräumigen Gästeblock eingefunden, weitere 20 saßen und standen auf Seiten der Haupttribüne. 

Anders als zuvor beim SC Staaken gab es dieses Mal wieder Support. Mitgebrachte Musik wurde abgespielt, es wurde mitgesungen, und immer wieder war das „Hansa Amateure!“ zu hören. Gästeblock des Mommenstadions - auch bei dieser Partie wurde das seit den frühen 90ern bekannte „Lila-weiße Westberliner Scheiße!“ angestimmt. Meine Güte, was für hitzige Partien hatte ich bereits in diesem Stadion erlebt! Gegen Union Berlin, gegen den BFC Dynamo. Unvergessen, als einst rund 5.000 angereiste Union-Fans diesen Schlachtruf anstimmten. Es brodelte, es köchelte. Was für ein Hass auf TeBe damals! Unvergessen auch, als im Dezember 2008 die Polizei massiv Pfefferspray im dieses Mal von über 1.300 BFC-Fans gefüllten Gästeblock verteilte. 

Weniger hitzig ging es am gestrigen Nachmittag zu. Frisch gezapftes Bier im Casino, 0,3er Flaschenbier am Holzbüdchen des Gästeblocks, und auf dem Rasen gab es eine durchaus sehenswerte Partie zu sehen. Aufgrund der aktuellen Probleme zwischen den aktiven TeBe-Fans und der Vereinsführung erreichte die Unterstützung auf Heimseite kein Normalniveau. Obwohl es als Tabellendritter derzeit um den Aufstieg in die Regionalliga Nordost geht, kamen zum gestrigen Spitzenspiel insgesamt nur 332 Zuschauer. 

Der Tabellenführer SV Lichtenberg 47 hatte am Samstag mit einem 9:0-Sieg beim Malchower SV vorgelegt, und auch der Tabellenzweite Greifswalder FC konnte das Nordduell gegen Anker Wismar mit 1:0 gewinnen. Somit war Tennis Borussia Berlin unter Zugzwang. Ein Sieg musste her, um oben dranzubleiben. Gesagt, getan, bereits in der siebten Minute erzielte Faruk Numan Sentürk das 1:0 für die Berliner. Der Hansa-Keeper Alexander Sebald bekam einiges zu tun und konnte sich im Laufe der Partie das eine oder andere Mal auszeichnen. In der 25. Minute konnte er jedoch nicht das 2:0 von TeBe verhindern. Dieses Mal war es Rifat Gelici, der ins Schwarze traf.

Aus Sicht der Rostocker schien das Spiel bereits gelaufen. Dies tat der guten Laune im Gästeblock jedoch keinen Abbruch. Man war hier, um einfach Spaß zu haben, ein wenig zu singen und mit den anderen zu quatschen. Etwas überraschend erzielte kurz vor der Pause Anton Leander Donkor den 1:2-Anschlusstreffer. Jubel beim kleinen Gästeanhang, für eine spannende zweite Halbzeit war nun gesorgt.

In dieser wurden zwei kleine Fackeln am Zaun abgebrannt und anschließend auf die Steine abgelegt. Nach der üblichen Durchsage des Stadionsprechers, dass so etwas nicht erwünscht sei, folgte wenig später eine weitere Durchsage. Einer der Gästefans vermisste sein Handy (zuvor war er im Casino ein Bierchen zischen), nun wurde das Publikum gebeten, die Augen offen zu halten. Respekt! Überaus entspannt zeigten sich an diesem Tag auch die Ordner - so macht Fußball gucken einfach Spaß! 

Auf dem Rasen mühte sich die Mannschaft von Hansa II, doch da ab der 67. Minute in Unterzahl gespielt werden musste, wurde es an diesem Nachmittag richtig schwer. In der 79. Minute machte Thiago Rockenbach da Silva das 3:1 für TeBe, die Berliner hatten nun den Sieg, der völlig in Ordnung geht, in trockene Tücher bringen können. Die Leistung der Hansa-Spieler war trotzdem gut, und demzufolge stimmten nach Abpfiff die Gästefans nochmals ein lautes „Hansa Amateure!“ an. Spieler und Betreuer kamen zum Zaun, klatschten ab und bedankten sich bei den angereisten Fans. Eine schöne Geste. Und ja, der eine oder andere hatte wahrlich eine längere Anreise. Nicht nur Hansa-Fans aus dem Raum Berlin-Brandenburg fanden den Weg zu diesem Spiel, es gab auch Fans, die aus Leipzig und vom Fischland aus angereist waren. 

Zum Abschluss gab es noch ein weiteres ins weite Rund gerufenes „Lila-weiße Westberliner Scheiße!“, dann machten sich die Gästefans auf den Weg zu den Autos und zur S-Bahn. Was TeBe betrifft, darf man gespannt sein, ob auch weiterhin der Anschluss an Lichtenberg 47 gehalten werden kann. In neun Partien fingen sich die 47er erst drei Gegentreffer. Ein wenig überrascht sein darf man auch über den Greifswalder FC. Ein ernsthaftes Schnuppern in Richtung Regionalliga? Beim abschließenden Plausch im Casino war zu vernehmen, dass es Lichtenberg und Greifswald wirklich ernst meinen. Genauso wie es Tennis Borussia Berlin auch tut. Schauen wir mal und freuen uns auf einen hoffentlich spannenden Saisonverlauf! Erwähnt werden soll an dieser Stelle noch, dass dem 1. FC Lok Stendal der erste Saisonsieg geglückt ist. Vor 337 Zuschauern im Stadion am Hölzchen konnte Stendal den Brandenburger SC Süd 05 mit 4:2 bezwingen. Somit wurde es auch unten wieder ein wenig enger. 

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

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Spielergebnis:
3:1
Zuschauerzahl:
332
Gästefans
70

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Naja, die Ordner waren dann aber doch blöde und verpfiffen die Beiden Kokler. Ansonsten aber guter Tag.

A
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F
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Schöner Bericht, Marco

Ausgewogen und mit den nötigen Rückblicken auf ältere Duelle.
Schade, dass du nicht in Magdeburg gewesen bist!

E
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