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Indien vs. Sri Lanka in Bangladesch: Tuk Tuk, Rikschas und poröse Sitzschalen

 
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MH 16 September 2018
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Auch auf Nationalmannschaftsebene gibt es weltweit eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten Turnieren. Eines der weniger namhaften davon, dürfte der SAFF-Cup sein, die South Asian Football Federation Championship. Dieser wird im Durchschnitt aller zwei Jahre ausgetragen, aber es gab bereits kürzere und längere Intervalle. Im Pool der teilnahmeberechtigten Verbände befinden sich die ganz großen Fußballnationen. Die in der FIFA-Weltrangliste bestplatzierte Nation in diesem Pokal ist Indien, aktuell auf Platz 96. Die weiteren spielberechtigten Nationen sind Bangladesch, Bhutan, Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka. Einige Jahre gehörte auch Afghanistan dazu, allerdings wechselten diese im Jahr 2015 in die Central Asian Football Federation. Auch im 2018er Cup war der 7-fache Pokalgewinner Indien der große Favorit, konnte diesem Anspruch allerdings nicht vollends gerecht werden. Im Finale am 15.09.18 gegen die Malediven, zog der Favorit überraschend mit 2:1 den Kürzeren. 298 Quadratkilometer und etwa 450.000 Einwohner vs. 3,3 Millionen Quadratkilometer und etwa 1,4 Milliarden Einwohner. Fast schon ein kleines Fußballmärchen.

Mein Besuch setzte allerdings recht früh im zweiwöchigen Turnier an, sodass ein Spiel der Gruppenphase besucht werden sollte. Eigentlich war alles etwas anders geplant, aber hier machte die gebuchte Airline durch eine Flugverschiebung von fast 24 Stunden, einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Somit konnten die Spiele Bangladesch vs Bhutan und Nepal vs Pakistan leider nicht besucht werden. Sportlich wurde sicherlich nichts verpasst, aber da dieses Turnier in der Hauptstadt Bangladeschs stattfand, waren insbesondere beim Spiel des Gastgebers deutlich mehr Zuschauer zu erwarten. Somit musste die Notlösung in Form der oben genannten Partie herhalten. 

 

Da dieses Duell erst am Abend des Ankunftstages angestoßen wurde, nutzte ich die Zeit um die Hauptstadt Dhaka etwas besser kennenzulernen. Es gibt sogar einige nette Dinge zu sehen und auch die zig tausend Rikschas gehören zweifelsfrei zu den Besonderheiten. Generell sollte man den Straßenverkehr als eigenständige Sehenswürdigkeit aufführen, denn was hier teilweise abgeht, unglaublich. Busse die in Europa vor wahrscheinlich 20 Jahren ausgemustert wurden, prägen hier das Straßenbild. Insbesondere die alten, englischen Doppelstockbusse. Wenn man sich den Zustand der Gefährte so anschaut, ist es verwunderlich, dass diese überhaupt noch fahrbereit sind. Lack ist bei einigen Bussen kaum noch zu erkennen. 

 

Zwischen den Bussen brausen überall Tuk Tuk ähnliche Motorräder herum und dazwischen wiederum die unzähligen Rikschas. Wenn man den Jungs so zuschaut, muss man schon Respekt zollen. Eine Familie inklusive aller Einkäufe mit der eigenen Körperkraft durch das Verkehrschaos von Dhaka zu transportieren, ist bei Temperaturen über 30 Grad  absoluter Leistungssport. Natürlich behindern die ganzen Rikschas den Verkehr, sodass man sich permanent in einem Hupkonzert aller erster Güte befindet. In einem Jahr Asien, war das wohl bisher der krasseste Straßenverkehr. Die Züge, bei denen die Menschen auch auf dem Dach sitzen, habe ich leider nicht persönlich gesehen, aber diese gibt es definitiv auch in Dhaka. 

 

Zurück zum Sport. Alle Spiele des Turniers fanden im Bangabandhu National Stadium statt. Hier muss man bei Anreise mit dem Taxi oder dem Tuk Tuk genau darauf achten was man sagt. Sagt man nur „National Stadium“, so wie ich es anfangs tat, wird man unweigerlich zum Cricket Nationalstadion gefahren. Fußball ist in Bangladesch und auch vielen der anderen Länder dieser Region, noch in der Entwicklung. Größter Nationalsport ist ohne jeden Zweifel Cricket. Das Ticket konnte am nun exakten Nationalstadion, problemlos für 20 Bangladeshi Taka gekauft werden. Umgerechnet sind dies 0,21€. Schnäppchen trifft es wohl am besten. 

 

36.000 Menschen bietet das Stadion Platz, wovon an diesem Tag allerdings nur mäßig Gebrauch gemacht wurde. Auch besser so, denn die Anzahl der nutzbaren Sitzplätze war sehr gering. Die meisten Sitze waren bereits dermaßen porös, dass nur noch Fragmente vorhanden waren. Laut einiger Aussagen der Locals, soll sich das aber in Kürze ändern und das Stadion neu bestuhlt werden. Das ist durchaus angebracht. Vielleicht hätte man dies bereits vor diesem größeren Turnier machen können, aber als Sympathisant altbackener Stadien, bin ich persönlich ganz zufrieden mit dem erlebten Zustand. In solchen Stadien kommt man der Geschichte von Sportstätten doch ein ganzes Stück näher. Wobei die Fußballgeschichte Bangladeschs nicht auf hitzigen Schlachten auf dem Grün und auf den Rängen beruht. 

 

Favorit in dieser Partie war Indien. Etwas für Erheiterung sorgte im Nachhinein der Facebookeintrag des Fußballverbandes von Sri Lanka. Da tönte man „Although Sri Lanka was the favorite, they did not play the normal game.“ Das sorgte nicht nur bei mir für ein Schmunzeln, aber Selbstbewusstsein haben sie. Das Spiel hatte Indien ziemlich gut in der Hand, ohne jedoch wirklich ein fußballerisches Feuerwerk zu entzünden. Es wurde eben mit dem nötigen Aufwand heruntergespielt. Die knapp 2.500 Besucher nahmen es größtenteils stillschweigend zur Kenntnis, lediglich um mich bildete sich eine üppige Traube interessierter Leute, welche mich in der 2. Halbzeit kaum zum Zuschauen kommen ließen. Aber das ist eben Asien. Interessierte und zumeist sehr freundliche Menschen, die gern mit den seltenen, ausländischen Besuchern reden wollen. Auch wenn man keine Sprache findet, die beide Parteien sprechen. Wobei dies in Dhaka kaum ein Problem war, da doch recht viele Leute englisch verstehen.

 

Es war mal wieder ein etwas anderes Fußballerlebnis, aber es hat sich gelohnt, den Weg in dieses fußballerisch größtenteils unbekannte Land zu gehen. Denn am Ende bleibt eine Erkenntnis: Fußball verbindet!  

 

Bericht: Marcel Hartmann

Fotos: Marcel Hartmann

> zur turus-Fotostrecke: Fußball in Bangladesch

> zur turus-Fotostrecke: Impressionen aus Bangladesch

Zuschauerzahl:
2.500
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