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Union Berlin vs. MSV Duisburg: Erster Punktgewinn der Zebras - der Blick vom Gästeblock aus

 
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MB 15 September 2018
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Der Schädel hämmert, der Mund ist trocken, die Augenlider sind schwer. Wann kam ich nach Hause? Wie kam ich eigentlich nach Hause? Oh Mann, wenn ein Fußballabend mal wieder länger als 90 Minuten dauerte. Ein Blick aufs Handy. Aufblinkende Meldungen für bestätigte Freundschaftsanfragen. Aha, wann und warum zum Teufel hatte ich diese Anfragen gestellt? Manch eine Erinnerung an den gestrigen Abend verschwand im geistigen Nirvana. Manches bleibt rätselhaft, immerhin gibt es einige Erkenntnisse. In der Köpenicker Altstadt werden abends schon mal leere Polizeifahrzeuge abgestellt. Quasi zur Abschreckung. Es könnte ja jemand drin sitzen. Zumindest am gestrigen Abend war dies jedoch nicht der Fall. Weitere Erkenntnisse: Auch mit einer Kutte kann man ein prima Vorsänger sein. Und ja, der MSV Duisburg kann doch noch Tore schießen. Und darum soll es ja letztendlich auch gehen. Also dann, hier der Rückblick auf das gestrige Zweitligaspiel im Stadion An der Alten Försterei.

Während im April dieses Jahres das Aufeinandertreffen zwischen den Eisernen und den Zebras „JWO“ ("janz weit oben") gekiekt wurde (aus Sicht der Köpenicker hieß es damals „Mit aller Gewalt - Klassenerhalt!“), wählte ich dieses Mal den Gang in den Gästeblock. Da Sportsfreund Felix eh die Fotos anfertigte, konnte ich mich voll und ganz auf das Spiel und das Drumherum konzentrieren. Ich tat nach längerer Zeit mal wieder das, was ich einst in den 90ern am liebsten tat: In den verschiedensten Gästekurven vorbeischauen. Geschätzte 20-mal stand ich Anfang und Mitte der 90er in der langgezogenen Gästekurve des Müngersdorfer Stadions. Mit Leverkusen, Hansa Rostock, VfB Leipzig, Dynamo Dresden, Schalke 04, Borussia Dortmund, Hamburg, Mönchengladbach und auch mit dem Celtic FC im September 1992. Aber auch auf dem Bökelberg, im Parkstadion und im Westfalenstadion wurde das eine oder andere Mal geschaut, was im Gästeblock so ging. Das schärfte die Sinne und sorgte für den speziellen Adrenalin-Kick.

In den vergangenen Jahren kam es eher selten vor, dass ich als Außenstehender in irgendeinem Gästeblock stand. Die Alte Försterei bietet sich indes prima an, als Neutraler sich dort mit reinzustellen. Vorausgesetzt, es ist nicht eine straff organisierte Fanszene vor Ort, die Fremde gleich aus dem Block boxt. Und ja, man muss schon sagen, der Gästeblock in der Alten Försterei ist wirklich gut. Kein an einem blöden Mundloch spitz zusammenlaufender, in eine Ecke gequetschter Block, in dem man eine hundsmiserable Sicht hat und quasi wie im Katzentisch sitzt, äh, steht. In Berlin-Köpenick gibt es im Gästeblock viel Geräumigkeit und eine 1a Sicht aufs Spielfeld. Klar, am schönsten wäre es, wenn noch das Fangnetz weg wäre. Dieses ist aber nun mal Standard in den Stadien des Profifußballs. 

12 Euro der Eintritt. Glatte vier Euro für den halben Liter Pils im Pfandbecher. Apropos, selten habe ich einen Bierstand gesehen, der dermaßen wenig frequentiert wurde. Als das Spiel lief, war der Stand oben im Block komplett verwaist, in der Pause standen mal eben 20 Mann an. Somit gab es auch kein ständiges Rumgerenne im Block, und die Anwesenden konzentrierten sich voll und ganz aufs Spiel. Anpfiff an einem Freitagabend um 18:30 Uhr und als Gästefan mal eben eine Anreise aus dem Pott. Kein Wunder, dass gestern nicht DER Megamob anwesend war. Im Laufe der ersten Halbzeit hatte sich der Gästeblock dann aber doch recht manierlich gefüllt. „Berlin - Duisburg: 550 km an einem Freitag? Fi**t Euch! Für fangerechte Anstoßzeiten!“, hieß es auf Spruchbändern auf der Waldseite. 

Auf ins Spiel! Union wollte einen Sieg einfahren, um ganz oben dran zu bleiben. Duisburg wollte erst einmal den ersten Treffer der Saison erzielen. Und dann mal schauen. Vier Spiele, null Punkte, 0:7 Tore. Der Saisonstart des MSV Duisburg war so richtig schön vergeigt. Noch eine Pleite und das Ganze wäre historisch geworden - im negativen Sinne, versteht sich. Im Tor der Zebras stand am gestrigen Abend erstmals Daniel Mesenhöler, der von Juli 2016 bis Juni 2018 bei den Eisernen unter Vertrag stand. 

Und siehe an, auf dem Rasen entwickelte sich eine recht ausgeglichene Partie. Bereits nach zwei Minuten kam der MSV in Form eines Kopfballs von Oliveira Souza zur ersten Möglichkeit. Das blieb dann auch erst einmal bis zur 35. Minute die einzige MSV-Chance, doch Wille und Einsatz passten. Nach knapp einer halben Stunde dann aber fast das 1:0 für Union. Ein abgefälschter, sich von oben absenkender Schuss von Gogia traf den Querbalken, das Spielgerät sprang zurück ins Spielfeld, konnte dann jedoch geklärt werden.

Nachdem in der 35. Minute die Duisburger zu einer Möglichkeit kamen, traf unmittelbar vor der Pause Gogia ins Schwarze. Flott ging es über die rechte Seite nach vorn, kurz vor der Strafraumgrenze nahm Gogia Maß und haute den Ball rechts knapp am Pfosten rein. Das hatte gesessen! 1:0 für die Berliner. Nun also war es amtlich. Um zu punkten, mussten die Duisburger endlich einmal ein Tor schießen. Und siehe da, das taten sie auch! Noch mussten sich die Gästefans eine Weile gedulden, doch in der 77. Minute war es schließlich soweit. Die Berliner Abwehr bekam den Ball nicht ordentlich raus, aus der zweiten Reihe lochte Oliveira Souza mit Schmackes zum 1:1 ein.

Im Duisburger Block peitschte nun der Vorsänger die MSV-Fans richtig an. Und dieser Vorsänger war richtig alte Schule. Eine Kutte an, die Oberarme frei - ein echtes Original aus dem Pott. Das wusste wirklich zu gefallen. Ihren Augen kaum trauten die MSV-Fans, als der Ball nur sechs Minuten nach dem Ausgleich nochmals im Netz zappelte. In der eigenen Hälfte wurde der Ball abgefangen, geschwind ging es über die linke Seite, am Ende wurde Sukuta-Pasu angespielt, der die Kugel unten rechts unterbringen konnte. 2:1 für den MSV Duisburg - der Sieg war zum Greifen nahe.

Logisch, dass nun die Berliner nochmals alles in die Waagschale werfen mussten. Union machte nun richtig Druck - und wurde am Ende belohnt. In der Nachspielzeit brachte Gikiewicz einen langen Freistoß ganz weit nach vorn rein, Hübner stand bereit und brachte den Ball per Kopf platziert am zweiten Pfosten unter. Frenetischer Jubel nun auf Heimseite. Auf Gästeseite hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. Die meisten waren einfach froh, dass endlich mal zwei Tore bejubelt und ein erster Punkt eingefahren werden konnte. Draußen noch fix ein Bier an der Tanke und dann durfte sich in das Köpenicker Abend- und Nachtleben gestürzt werden. Nicht wenige MSV-Fans nutzten dieses Freitagabendspiel, um gleich ein ganzes Wochenende in Berlin dranzuhängen.

Fotos: Felix, Marco Bertram

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
2:2
Zuschauerzahl:
20.329
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E
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Die Köpenicker Altstadt ist wirklich klasse zum Verweilen nach dem Spiel.

G
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