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Wiedersehen machte Freude: Nach 18 Jahren wieder Lok Leipzig vs. Rot-Weiß Erfurt

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MB 14 September 2018
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Alte Rivalen aus DDR-Oberligazeiten begegneten sich nach langer Zeit mal wieder am Mittwochabend im Bruno-Plache-Stadion. Das Duell 1. FC Lokomotive Leipzig vs. FC Rot-Weiß Erfurt hatte es seit dem 4. Mai 1991 nicht mehr gegeben. Damals wurde die letzte noch in der DDR gestartete Oberliga-Saison ausgespielt, am 23. Spieltag konnte die Loksche vor 2.500 Zuschauern mit 2:0 gewinnen. Dirk Anders und Damian Halata erzielten die beiden Treffer. Schaut man sich die damalige Aufstellung an, so sind einen bei den Leipzigern die meisten Namen geläufig. Detlef Müller, Torsten Kracht, Frank Edmond, Matthias Liebers, Dirk Anders, Bernd Hobsch und Jürgen Rische. Auf Erfurter Seite fallen mir persönlich weniger bekannte Namen ins Auge, aber auch hier macht es „klick“: Thomas Linke, Jörg Schmidt und Thomas Vogel - keine Frage, die wird wohl jeder kennen. 

In der Spielzeit der 2. Bundesliga 1991/92 (Staffel Süd) traten die Messestädter bereits als VfB Leipzig an. Das Aufeinandertreffen am 9. November 1991 wollten nur 1.500 Zuschauer sehen, der VfB gewann klar und deutlich mit 3:0. In der Abstiegsrunde trafen beide Vereine nochmals aufeinander, am Ende jener Spielzeit musste der FC Rot-Weiß Erfurt gemeinsam mit dem Hallschen FC den bitteren Weg in die NOFV-Oberliga antreten. Von 1998 bis 2000 spielten der VfB Leipzig und die Blumenstädter nochmals gemeinsam in der 1994 eingeführten Regionalliga Nordost, danach trennten sich die Wege. Als neu gegründeter 1. FC Lokomotive wagten die Jungs aus Probstheida einen Neubeginn und arbeiteten sich langsam wieder hoch. Der FC Rot-Weiß Erfurt spielte indes seit 2008 nonstop in der 3. Liga, bis am Ende der vergangenen Saison der Absturz in die Viertklassigkeit erfolgte.

LOK und RWE. Das Wiedersehen. Da lohnt sich doch glatt der Griff in die Archivkiste, und schon halten die Hände drei Programmhefte aus den Jahren 1983 und 1984 in den Händen. Beim 1. FC Lok hielt der Löwe, der eher wie eine süße Miezekatze aussah, das runde Vereinsemblem in den Pfoten. Im Heft der Rot-Weißen strahlte einen bei den „Clubnachrichten“ das Maskottchen „Kicko Rot-Weiß“ an. Es hoffte damals am 28. September 1984 beim Heimspiel gegen den BFC auf die notwendige Unterstützung aller treuen Anhänger und auf den Doppelpunktgewinn im Georgi-Dimitroff-Stadion. Auf der vorletzten Seite gab es eine Anzeige zu sehen. Doppelspiel. TeleLotto - ein Begriff für Millionen. Jeden Mittwoch zusätzlich Autos und Reisen für je zwei Personen. 

Glücksspiel in Erfurt, eine Stellenanzeige im Heft der Leipziger. „Werde Eisenbahner! Die Deutsche Reichsbahn stellt ein: Männliche und weibliche Arbeitskräfte für die Einsatzbereiche Betriebs- und Verkehrsdienst, Maschinen- und Wagendienst, Sicherungs- und Fernmeldewesen, sowie Eisenbahnbau.“ Interessenten sollten sich im Zentrum für Arbeitskräftegewinnung im Leipziger Hauptbahnhof im Durchgang Ost-Wets-Halle melden. Auf der mittleren Doppelseite waren im Heft vom 17. Dezember 1983 drei Impressionen aus Spielen gegen den bis dato fünffachen Landesmeister zu sehen. Im Hintergrund die alte hölzerne Haupttribüne des Bruno-Plache-Stadions. Genial, schießt es einem durch den Kopf. Einfach großartig, dass dieses Schmuckstück auch 35 Jahre später noch steht.

Am vergangenen Mittwoch war es also soweit. Das Wiedersehen der einstigen DDR-Oberligisten. 4.600 Fußballfreunde fanden den Weg ins Stadion, der Gästeblock ergab mit seinen 1.029 RWE-Fans einen prima Anblick. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden dort am Zaun zahlreiche rote Fackeln angerissen, im Anschluss blinkerte es im gesamten Block. Auf Heimseite gab es zu Beginn der Partie zahlreiche blau-gelbe Fahnen zu sehen. „Diese Fahne weht Euch stolz voran!“, war unten am Zaun zu lesen. 

Auf dem Rasen gab es eine Punkteteilung. Dem 1. FC Lok Leipzig gelang nicht der Befreiungsschlag und muss auch weiterhin auf den ersten Heimsieg seit dem 28. Juli 2018 (3:0 gegen Meuselwitz am ersten Spieltag) warten. Und dabei fing es vielversprechend an. Matthias Steinborn hatte eine fette Möglichkeit, haute den Ball jedoch über das Gehäuse. Im Anschluss kam Erfurt besser ins Spiel - und das mit Erfolg. Morten Rüdiger wurde von Shala prima angespielt, problemlos konnte er in der 23. Minute zum 1:0 für den FC Rot-Weiß Erfurt einschieben. Nur zwei Minuten später jedoch fast der Ausgleich. Aus spitzem Winkel traf Steinborn nur das Aluminium. 

In der zweiten Halbzeit reagierte Lok-Trainer Heiko Scholz und tauschte nach exakt einer Stunde gleich drei Spieler aus. Alles auf eine Karte, alle nach vorn. Neun Minuten später wurde der zuvor eingewechselte Atici beim Vorstürmen ausgebremst. Den fälligen Freistoß verwandelte Maik Salewski in sehenswerter Manier. Aus zentraler Position einfach mal unter die Latte gezirkelt. Ausgleich für den 1. FC Lok Leipzig. Weitere Treffer sollten an diesem Abend nicht mehr fallen. Eine Punkteteilung, mit der beide Seiten nicht so recht zufrieden waren.

Und ach ja, seit dem 8. März 1980 warten die Erfurter nun auf einen Sieg beim 1. FC Lok. Damals konnte RWE vor 12.000 Zuschauern mit 2:0 gewinnen. Die Treffer erzielten in der zweiten Halbzeit Klaus Schröder und Armin Romstedt. Damals bereits beim 1. FC Lokomotive dabei: Matthias Liebers, der später zum Abschluss seiner Spielerkarriere von 2004 bis 2005 noch einmal das Lok-Trikot trug.

Fotos: Messemann Uwe, Marcel Junghanns

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Lokomotive Leipzig

> zur turus-Fotostrecke: FC Rot-Weiß Erfurt

Spielergebnis:
1:1
Zuschauerzahl:
4.600
Gästefans
1029

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