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Siege für Marathon und Hansa: Kirschbäume, Wand-Graffiti und vier verpasste Tore

 
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MB 10 September 2018
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„Genauso wie unsere Mädchen in der Umkleide… Kommen immer zu spät!“, flötete mir mein größerer Sohn ins Ohr. Ein Blick auf die Uhr. Die Mannschaft des NSC Marathon 02 ließ noch ein bisschen auf sich warten. Das juckte auch niemanden großartig, Zuschauer verloren sich auf dem Sportplatz am Hertzbergplatz an der Sonnenallee nur wenige. „Trink mal noch nen Glas Schorle, da wird es nischt geben!“, erklärte ich dem Sohn, bevor wir zehn vor eins aufbrachen. Fünf Minuten Fußweg. Der Hertzbergplatz dürfte von uns aus am dichtesten liegen. Das zahlte sich einst prima aus, als die Amateure des F.C. Hansa Rostock beim BSV Hürtürkel in der Oberliga aufschlugen, im Schlepptau rund 200 Fans, die zum Erschrecken des Gastgebers eine große Wasserschlacht veranstalteten. Und ja, Hansa sollte es am gestrigen Pokalnachmittag auch geben, doch erst später in Berlin-Kreuzberg auf dem Sportplatz an der Wrangelstraße.

Erst einmal beim Duell NSC Marathon 02 vs. 1. FC Lübars vorbei geschnuppert. Kreisliga B gegen Bezirksliga. Vom Papier her müsste das für Lübars eine klare Angelegenheit werden. Marathon?! Wart mal! Hatten die nicht einst in der Oberliga gekickt? Und richtig, in der Saison 1990/91 wurde in der Oberliga Berlin gespielt, im Anschluss folgten bis 1993 zwei Spielzeiten in der NOFV-Oberliga. 1991/92 nahm der NSC Marathon 02 sogar an der ersten Runde des DFB-Pokals teil. Gegner war am 27. Juli 1991 Hannover 96. Vor 900 Zuschauern ging die Partie mit 0:7 verloren. Immerhin konnte bis zur 39. Minute das 0:0 gehalten werden. 

Im neuen Jahrtausend rutschte der NSC Marathon 02 immer weiter ab, im Jahr 2015 scheiterte die geplante Fusion mit dem BSV Hürtürkel. Kreisliga B ist der Stand der Dinge. Frisch und frei ging es gestern in komplett weinroter Spielkleidung gegen den Bezirksligisten aus Spandau ran. Der erste Schussversuch von Marathon ging voll in eine Baumkrone. In der Folgezeit bestimmten erst einmal die Gäste das Spielgeschehen. Nach einer Ecke des 1. FC Lübars konnte ich mich gerade noch ducken, der Ball streifte meine Haare und segelte vor die Tür des Platzwartes. Nach meinem schmerzhaften Erlebnis im Herbst 2012 beim Duell Union Berlin vs. Braunschweig gebe ich bei solchen Spielsituationen allerdings verstärkt acht.

Bevor es weiter nach Kreuzberg gehen sollte, drehte ich noch eine Runde auf der Anlage. Wie erwartet blieb der kleine Imbiss geschlossen, in der Ecke lag ein verrußter Teelöffel, in dem vermutlich Heroin erhitzt wurde. Noch ein Blick auf die hübschen Kirschbäume, und dann los gen Treptow und Kreuzberg. Später erzielte Ahmet Kurt in der 79. Minute den Treffer des Tages für Marathon 02.

Ebenso eine Punktlandung gab es auf dem Sportplatz in der Wrangelstraße. Die beiden Mannschaften liefen gerade auf, als wir beide einen ersten Blick werfen konnten. Logisch, dass das große gelb-schwarze Graffiti „Hansa Hools“ an der Hauswand sofort ins Auge fiel. Darunter ein „Hansa 07 - Jungs zum Verlieben“. Sonne, Fußball, nette Atmosphäre, doch es fehlte was! Limo und Bier. Da auf der Anlage nichts verkauft wurde, und jeder seine eigenen Getränke mitbrachte, düsten wir fix noch einmal rüber zum nächsten Späti, um uns mit Erfrischendem zu versorgen. Dann noch rasch ein Eis und wieder zurück zum Ort des Geschehens.

Ein Blick auf die Uhr, auf dem Kunstrasen schien das Ganze ausgeglichen zu sein. Zirka 20 Minuten waren rum. Gut möglich, dass die Null noch stand. In der Bezirksliga Staffel 3 verlief der Saisonstart des FSV Hansa 07 alles andere als prima. Drei Niederlagen, null Punkte, 1:13 Tore. Zuletzt gab es beim Wartenberger SV eine 0:6-Klatsche. Der heutige Gast - der SC Schwarz-Weiß Spandau - spielt in der Bezirksliga Staffel 2 und konnte bislang immerhin einen Saisonsieg beim SV B.W. Berolina Mitte einfahren. 

„Geh doch mal zum alten Mann und frag, ob es wirklich noch 0:0 steht!“ Gesagt, getan, der Sohnemann ging fragen und kehrte mit einer erstaunlichen Antwort zurück. 3:1 für Hansa! Wie jetzt?! Der Alte will uns doch verarschen! Ich bat den Achtjährigen noch einmal zu anderen Zuschauern zu gehen. Ein argwöhnischer Seitenblick vom Mann am Geländer. Zurecht. Wie später nachzulesen war, gingen die Spandauer Dank Daniel Blum in der vierten Minuten in Führung. Mit einem Doppelschlag in der 6. und 7. Minute drehte Aaron Klotz mal eben das Spiel. Nicolas Marwin Trabandt legte in der 12. Minute zum 3:1 nach. Krasses Ding! 

„Feiern wir das? Ist doch Hansa!“, wurde ich gefragt. Na, von mir aus. Ich hatte beim Späti ja extra eine Bierflasche mit der Kogge drauf gekauft. Spaß muss sein. Die meisten werden dort bei Hansa 07 allerdings herzlich wenig mit Rostock zu tun haben. Der FC St. Pauli wird auch in der Kreuzberger Wrangelstraße hoch im Kurs stehen. In den 90er Jahren wurde der Freie Sport-Vereinigung Hansa 07 Berlin e. V. bekannt durch die von Harald "Halla" Tolksdorf initiierten Kampagne „Catenaccio gegen Rassisten“. Dieser Spruch ist auch in der Gegenwart noch auf einer Plane hinter dem Tor und auf den Trikots zu sehen. Nach etlichen Jahren in der Kreisliga A durfte 2015 der Aufstieg in die Bezirksliga gefeiert werden.

Spannend wurde es am gestrigen Nachmittag in der zweiten Halbzeit. Erst verschossen die Spandauer einen Elfmeter (der Ball ging rechts neben das Gehäuse), dann gelang wenig später in der 57. Minute Patrick Schmidt der Anschlusstreffer zum 2:3. Am Rande des Geschehens wurde inzwischen fleißig gegrillt und gebrutzelt, und zahlreiche Freunde und Spieler der zweiten Mannschaft hatten auf den aufgestellten Holzbänken Platz genommen. Sehr zur Freude der meisten Anwesenden machte Ercüment Kücük mit seinem Treffer zum 4:2 eine Viertelstunde vor Schluss den Sack zu. Hier sollte nix mehr anbrennen. Hansa 07 zog in die nächste Pokalrunde ein.

Und auf den anderen Plätzen? Keine Probleme hatte der amtierende Berliner Pokalsieger BFC Dynamo bei SF Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Stadion Wilmersdorf konnten die Weinroten klar und deutlich mit 10:0 gegen den Landesligisten gewinnen. Jeweils drei Treffer erzielten Marcel Rausch und Yves Benjamin Brinkmann. Die restlichen Treffer steuerten Marc-Frank Brasnic (2), Patrik Twardzik und Otis Breustedt bei. Ebenfalls keine Probleme hatten die anderen Berliner Regionalligisten. Der FC Viktoria 1889 gewann mit 5:0 beim SV Schmöckwitz-Eichwalde, der Berliner Athletik Klub 07 behielt bei der SG Stern Kaulsdorf mit 7:0 die Oberhand, und gar mit 14:0 konnte die VSG Altglienicke beim FC Arminia Tegel gewinnen.

Der BSV Eintracht Mahlsdorf holte einen 5:0-Sieg beim SV Askania Coepenick, Tennis Borussia Berlin gewann 5:1 beim FK Srbija Berlin, mit 7:0 zog der SV Tasmania Berlin beim SC Union 06 in die nächste Pokalrunde ein. Ein echter Knaller wurde die Partie SV Hürriyet Burgund vs. Türkspor Futbol Kulübü. Der Gastgeber lag bereits mit 0:3 zurück, gewann dann jedoch das Spiel mit 7:4! Ebenso bemerkenswert: Der FC Polonia Berlin, der derzeit in der Kreisliga B spielt, konnte den Landesligisten B.W. Hohen Neuendorf mit 4:3 bezwingen.

Fotos: Marco Bertram, Patrick Skrzipek (bfc-fotos.de)

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