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Endlich 2. Bundesliga! Auftakt gegen den FC St. Pauli aus Magdeburger Sicht

 
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R 06 August 2018
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Am Sonntag, den 5. August 2018 gegen 12.30 Uhr betrat ich das HKS durch den Nordost-Eingang, ging hin zum Aufgang von Block 8, die Treppen hoch zur richtigen Reihe, habe den Stammplatz eingenommen und erst mal den Blick durch das weite Rund schweifen lassen. Das Stadion fing an sich zu füllen. Die Vorbereitungen für die Choreo auf der Nord waren im vollen Gange und auch im Gästeblock war schon einiges los. Kurze Zeit vorher hatte ich noch so einige Hände geschüttelt und in freudige Gesichter gesehen. In aufgeregten Gesprächen unter Freunden hatten wir die vergangene, so geniale Saison noch einmal Revue passieren lassen. Wann oder wo für jeden der entscheidende Augenblick des Aufstieges erreicht gewesen war, darüber waren wir uneins.

Erstaunlich dass das Spiel im Mai 2007 gegen den FC St. Pauli gestern bei vielen kaum noch eine Rolle spielt. Dieses Trauma wurde mit dem Aufstieg endgültig abgelegt! Eines einte uns aber alle. Nach 28 Jahren Generation Amateurfußball ist die jetzige Realität 2. Bundesliga für so viele unter uns immer noch irgendwie unbegreiflich, unfassbar oder unwirklich. Ein Freund schaute zum Beispiel überrascht ins Programmheft des FSV Optik Rathenow, der den Bundesligisten 1. FC Magdeburg zum Testspiel begrüßte. Ich war überrascht im Hotelfernseher unser Wappen zu erkennen im Trailer bei Sky zur 2. Bundesliga. Andere veröffentlichten Screenshots vom Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga in Hamburg. Hey, seht mal unser Wappen! So hat bestimmt jeder seine kleine Geschichte und verpassen wollte wohl niemand den Auftakt, egal wie. Ein Freund brach den Urlaub vorzeitig ab, ein anderer quälte sich mit einem Hexenschuss nach Magdeburg und ein dritter kam direkt vom Wacken Festival mit acht Stunden Schlaf in drei Tagen.

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, organisierte Block U vom Alten Markt zum Stadion einen Fanmarsch, an welchem sich einige Tausend beteiligten, und so waren sie neben einem tollen Anblick auch für ein kleines Verkehrschaos verantwortlich. Reichlich chaotisch war auch das Konzept der Polizei. Der Hauptbahnhof war für eine halbe Stunde gesperrt. Angeblich hatte es nichts mit Fußball zu tun. Twitternde Magdeburger und Paulianer wussten jedoch anderes zu berichten! Ein größerer Haufen Sankt Paulianer erreichte Magdeburg wohl früher als geplant und stieg kurzer Hand am Bahnhof Neustadt aus und sorgte somit für einige Schweißperlen bei den Uniformierten. Letztendlich blieb aber alles ruhig. Warum die Polizei vier Wasserwerfer positionierte, aber zum Beispiel Busse mit Pauli-Fans nicht zum Gästeparkplatz führte, bleibt wohl das Geheimnis der Verantwortlichen.

 

Mit solchen innerlichen Gefühlszuständen füllte sich das Stadion bis auf den letzten Platz. 24.156 waren es letztendlich offiziell, darunter rund 2.200 St. Pauli-Fans. Schon vor dem Anpfiff dröhnte ein „F-C-M“ im beständigen Wechsel zwischen der Nord und dem Rest des HKS durchs Rund, um somit den nicht gerade leisen Gästefans zu zeigen, was sie in den nächsten 90 Minuten erwarten dürfen. Das Timing stimmte diesmal nicht ganz. Schalparade und das Magdeburger Lied kamen etwas zu spät, so dass die Choreo etwas zu spät hochgezogen wurde. Egal! Imposant war sie trotzdem anzusehen. Eine Blockfahne über die gesamte Nord. „Großer 1.FC Magdeburg“ war zu lesen und zusammen mit dwm FCM-Wappen in Gold farbgebend eingerahmt. Dazu brachial das bekannteste des Liedguts: „ F-C-Magdeburg, Du bist niemals alleine. Wir sind die Größten der Welt! F-C-Magdeburg!“ Kurz und bündig. Schnörkellos und geradeaus! So muss es sein! 

 

Jetzt noch das Einklatschen und den Gästefans ein donnerndes „F-U-S-S-B-A-L-L-C-L-U-B  M-A-G-D-E-B-U-R-G“ entgegen geschleudert. Fortan ging es Schlag auf Schlag! Und zwar auf beiden Seiten! Nach einer kleinen Choreo aus braun-weißen Fahnen und einem „Hamburg ist Braun Weiß“-Spruchband legten sich auch die Gäste ordentlich ins Zeug und konnten sich durchaus mal Gehör verschaffen. Allerdings auch nur, wenn man auf der Nord mal kurz Luft holte und gerade als diese zum „Vorwärts Magdeburger Jungs“ Wechselgesang ansetzen wollten, nahm sich auf dem Feld Christian Beck ein Herz, eroberte den Ball und netzte zum 1:0 ein. Ein Tor für das Magdeburger Geschichtsbuch. Der erste Treffer in Bundesliga 2, und genauso frenetisch wurde er auch bejubelt. 

 

Fortan nahm die Lautstärke im Stadion weiter zu. Das Repertoire der Magdeburger Lieder wurde durchgespielt. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 durch Christopher Buchtmann sorgte nur kurz für Ernüchterung. Die Mannschaft zeigte Leidenschaft und Einsatzwillen. Sie kämpfte angetrieben von den Fans nach allen Regeln der Magdeburger Kunst. Dass das alleine nicht reicht, wurde uns leider auch viel zu schnell und brutal vor Augen geführt. Gerade als man fühlte, der Club bekommt den Gegner in den Griff und man könnte vielleicht doch den Siegtreffer erzielen, passierte es. Ein Torwartfehler, ein Foul und ein Freistoß: 1:2. Kurz geschockt hielt das Stadion inne, um aber ganz schnell noch einmal das Letzte rauszuholen. Dass es nicht reichte, schmerzte nur kurz. Es ist ein Lernprozess und noch ist lange nichts verloren. Und während die Pauli-Fans ihr Team verdient feierten, wurde der FCM mit einem minutenlangen „Ob Du gewinnst oder nicht - ohohoho -  niemand lässt Dich im Stich – ohohoho. Unser Glaube – kennt keine Liga – FCM wir lieben Dich“ in den Feierabend geschickt.

 

Das Auftaktspiel hat der 1. FC Magdeburg also verloren -  so wie in den letzten zwei Spielzeiten. 2016/17 verkloppte Fortuna Köln den FCM im eigenen Stadion mit 0:3. Vor einem Jahr setzte es beim 1:4 in Großaspach schmerzende Backpfeifen. Dieses Mal also 1:2 gegen St. Pauli. Am nächsten Sonntag geht es nach Aue. Alte Gegner im neuen Gewand. Also Mund abputzen und den Gästeblock im neuen Erzgebirgsstadion wackeln lassen!

Bericht: Jean Falkner,

Fotos: Jean Falkner, Los Misenas

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Magdeburg

> zur turus-Fotostrecke: FC St. Pauli

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Spielergebnis:
1:2

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