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Spartak Trnava vs. Legia Warszawa: Polnisches Flammenmeer und slowakisches Freudenmeer

 
5.0 (1)
MB 01 August 2018
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Der Serienmeister in der Tschechoslowakei im Zeitraum von 1968 bis1973? Aus dem Kopf hätte ich das nicht beantworten können. Den FC Spartak Trnava hätte ich nicht wirklich auf dem Schirm gehabt, doch siehe an, in den Jahren 1968, 1969, 1971, 1972 und 1973 wurde dieser Verein Tschechoslowakischer Meister. Hinzu kamen die Pokalsiege in der CSSR in den Jahren 1951, 1967, 1971, 1975 und 1986. In der Saison 1968/69 wurde im Europapokal der Landesmeister sogar das Halbfinale erreicht, erst gegen Ajax Amsterdam war Schluss (0:3 und 2:0). Es war die Saison, in der zahlreiche Verbände im Ostblock ihre Vertreter aus den Wettbewerben zurückzogen (Prager Frühling / Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in der CSSR). 1972/73 erreichte Spartak Trnava das Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister. Die Segel streichen musste Trnava bei den beiden Spielen gegen der englischen Überraschungsmeister Derby County (1:0 und 0:2).

Nach der Teilung der Tschechoslowakei in der Silvesternacht 1992/93 in die Tschechische Republik und die Slowakei (wir waren damals vor Ort auf dem Wenzelsplatz) konnte Spartak Trnava in der slowakischen Liga 1997 und 1998 jeweils Rang zwei holen. Für den Meistertitel langte es jedoch vorerst nicht. 2000/01 spielte der Verein für eine Saison in der zweiten slowakischen Liga, in der zurückliegenden Spielzeit konnte endlich der erste slowakischer Meistertitel gefeiert werden. Vor dem ŠK Slovan Bratislava und DAC Dunajská Streda konnte Spartak Trnava in der Meisterrunde mit fünf Punkten Vorsprung Rang eins behaupten. Der amtierende Meister MŠK Žilina wurde Vierter. 

Nun gilt es sich in der Qualifikation der Champions League zu behaupten. In der ersten Qualifikationsrunde war HŠK Zrinjski Mostar der Gegner, welcher mit 1:0 und 1:1 aus dem Weg geräumt werden konnte. Gegner in der zweiten Qualifikationsrunde war nun Legia Warszawa, das sich ohne Probleme gegen den irischen Vertreter Cork City mit 1:0 und 3:0 durchsetzen konnte. Polnischer Meister gegen Slowakischer Meister - das klingt auch in fantechnischer Hinsicht nach einer guten Nummer. Ein wenig überraschend war dann jedoch der 2:0-Auswärtssieg von Trnava in Warschau vor einer Woche. Grendel (16. Minute) und Ján Vlasko (90.+3. Minute) erzielten die Treffer. 

Legia war nun am gestrigen Abend arg unter Zugzwang. 15.527 Zuschauer fanden sich in der Spielstätte City Arena - Štadión Antona Malatinského ein. Zwar war der Gästeblock nicht rappelvoll, doch sollten die anwesenden Legia-Fans von sich reden machen. Zu Beginn der Partie zeigte die Heimseite hinter dem Tor eine große Zettel-Choreographie. Die Farben Rot, Schwarz und Weiß - dazu das mittig hängende lange Banner mit der Aufschrift „Ultras Spartak Trnava“. Nicht lumpen ließen sich die polnischen Fußballfreunde im Gästebereich. Eine große düstere Blockfahne (Ultras Legia Warszawa), eingerahmt wurde diese im Anschluss von zahlreichen Fackeln. Wäre dies in der 3. Liga passiert, hätte der DFB ordentlich was zu rechnen und zählen gehabt. 350 Euro pro Fackel laut aktuellem Strafenkatalog - da wäre gut was zusammen gekommen. Die UEFA wird indes dem polnischen Meister lieber eine Pauschalstrafe aufdrücken. 

Auf dem Rasen ging es unterhaltsam zu. Fast hätte ein Eigentor zur Gästeführung geführt, doch Spartak-Keeper Martin Chudy konnte den Ball in letzter Sekunde zur Seite abwehren. Allerdings hatte auch der Gastgeber einige vielversprechende Möglichkeiten, die jedoch allesamt vergeben wurden. Nach etwas über einer Stunde fiel schließlich der erste Treffer des Abends. Nach genauer Hereingabe von der rechten Seite konnte Inaki Astiz, der bereits von 2007 bis 2015 bei Legia gespielt hatte und 2017 von APOEL Nikosia wieder nach Warschau zurückkehrte, das Spielgerät aus kurzer Distanz im slowakischen Gehäuse unterbringen. 

Legia versuchte nun einiges und hatte mehrmals die Möglichkeit, das Ergebnis auf 2:0 erhöhen, doch ein weiterer Treffer wollte einfach nicht herausspringen. In einer Zwischenphase machte Spartak Trnava noch einmal Druck, doch auch hier wollte kein Tor mehr gelingen. Es blieb beim 0:1, das den Slowaken zum Weiterkommen genügte. Legia wechselt nun die Qualifikation der Europa League und trifft in dieser in der 3. Runde auf den Sieger der Partie F91 Dudelange vs. FK Drita Gjilan (Kosovo). Spartak Trnava darf sich indes in der folgenden Runde auf den Sieger des Duells Roter Stern Belgrad vs. FK Suduva Marijampole (Litauen) freuen. 

Fotos: Marco Hensel, P. Schoedler, Wochenendpöbler

> zur turus-Fotostrecke: Fußball in der Slowakei

> zur turus-Fotostrecke: Legia Warszawa

Spielergebnis:
0:1
Zuschauerzahl:
15.527
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