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Greifswalds deutsch-polnisches Turnier – Hart ist das Vereinsleben!

 
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M 30 Juli 2018
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Ich weiß gar nicht, wie und wann wir in Greifswald auf die Idee kamen, ein Fußballturnier in das deutsch-polnische Kulturfestival zu integrieren. Das Festival gibt es seit 20 Jahren und heißt PolenmARkT. Es müsste im Mai gewesen sein. Ich erkläre kurz den Hintergrund: Greifswald hat zwei polnische Partnerstädte (Szczecin, Goleniów) mit vielen Vereinen. Und in Greifswald gibt es nicht nur den Greifswalder FC. Der GFC ist ein künstliches Gebilde, das sich mit „Tradition“ ziert, in welchem aber so wenig Tradition enthalten wie Bock in der Bockwurst. In Szczecin war sofort der Verein Czarni 44 von der Idee begeistert. In Greifswald wurde auf den HFC gesetzt. Das „H“ steht für Hengste. 

 

Bolzplatzkicker schlossen sich 1992 unter dem Namen „Greifswalder Hengste“ zusammen. Das ist sicherlich ein Name, der von der Norm abweicht. Das sah man 2006 als Hinderungsgrund im seriösen Fußball und änderte nicht nur den Namen, sondern auch das Wappen. Die Hengste „verstecken“ sich nun hinter dem „H“ und das Pferdchen im Logo musst einem Greifen weichen. Würdig für den PolenmARkT? Alles war vorbereitet, da sagte der HFC plötzlich ab. Das Turnier stand ohne Austragungsort und ohne zwei Mannschaften da, da der Kultur-Verein selbst keine Mannschaft stellen konnte. Wer als Student nicht in einem Verein eingebunden ist oder sich mit dem Uni-Alltag herumquält, der macht irgendetwas anderes. Selbst die heimischen Studentenklubs beklagen das mangelnde Interesse an organisiertem Suff und Gehopse. Als dritte Mannschaft konnte der FC Polonia Berlin gewonnen werden. In einer heldenhaften Rettungsaktion sprang der SV 90 Görmin als Ausrichter ein. Blitzschnell wurden alle Spieler angefunkt. Das Projekt „PolenmARkT-Turnier“ schien perfekt zu sein. 

 

Wie oft habe ich die unattraktiven Turniere in Eberswalde kritisiert, zu dem stets die alten Bekannten eingeladen wurden, die alle eine Bank als Sponsor auf der Brust hatten? Ein kunterbuntes Teilnehmerfeld, das sofort ins Auge springt, ist eigentlich immer mein Ziel. FC Polonia Berlin, SV 90 Görmin und Czarni 44 Szczecin – was für Namen! Kurz vor der Austragung klagte dann Polonia über Spielermangel. Bitte nicht! Wie sagte ein Kumpel zu mir: „Siehste Micha, 10 Jahre Vorstand, dann kratzt dich das nicht mehr. A… aufreißen, Niederlagen einstecken und dann noch ‚nen A…tritt kassieren. Das ist die Welt in Fußball-Deutschland. Ehrenamt zählt nicht.“ Natürlich wurden die letzten Stunden noch genutzt, um einen Gegner zu finden, der möglichst auffällt. SV Pommern? Keine Chance. Auflösungserscheinungen trotz größerem Namen als der Pasewalker FV. Die HSG Uni Greifswald, die durch eine Fangruppe und eine spezielle Hymne von sich reden machte, musste leider ebenso absagen, da sie schon einen Partner hatten. Ok, dann wird ein Testspiel. Der Pokal war eh schon da, Stadion vorbereitet. 

 

SV 90 Görmin gegen Czarni 44 Szczecin, wer hätte gedacht, dass diese kuriosen Vereine mal zueinanderfinden. SV 90 Görmin wurde trotz letztem Platz in der Vorsaison zu einem weiteren Jahr Verbandsliga verdonnert. Ein Verzicht hätte den Start in einer ganz tiefen Liga bedeutet. Görmin zahlt kein Geld und wird das auch nie tun. Es geht nun ins dritte Verbandsliga-Jahr. Wer hier spielt, der spielt aus Leidenschaft für Verein, Gemeinschaft und die 1000-Einwohner-Gemeinde an der schönen Peene. Die großen Zeiten von Czarni liegen in den 60ern, in denen man auf dem Sprung in die zweite Liga stand. Ende der 80er kam das Aus, danach die Wiedergeburt und einige Jahre in der Freizeitliga. Nun geht es nach dem Aufstieg in die B-klasa um Punkte im polnischen Ligasystem. 

 

Ich frage den Verein nach den Zielen und erhalte diese Antwort: „So hoch wie nur möglich. Ist doch klar!“ Schritt für Schritt soll sich unter dem traditionsreichen Namen ein Verein mit mehreren Sportarten entwickeln. Die „44“ tragen sie als Erinnerung an den Warschauer Aufstand von 1944. Mühelos konnten sie an diesem heißen Samstag die Görminer bezwingen, die einen Torwart im Kasten hatten, der einen zweistelligen Sieg verhinderte. 5:0, der Pokal fuhr mit dem Bus nach dem Turnier nach Szczecin. Zuvor saßen noch beide Teams bei Wurst und Bier zusammen und vereinbarten schon eine Neuauflage im kommenden Jahr.

 

Fotos: Michael

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