12. April 2003: Als der 50. Geburtstag von Dynamo Dresden am Rhein orgiastisch gefeiert wurde

 
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MB 20 Juli 2018
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BayArena Leverkusen. Ordentlich Maß nehmen in der 80. Minute! Der kurz vor der Pause für Torsten Bittermann ins Spiel gekommene René Beuchel setzte an zur Bogenlampe. Der Ball senkte sich, Leverkusens Keeper René Adler hatte keine Chance, das Spielgerät schlug rechts oben im Gehäuse ein. 1:0 für den 1. FC Dynamo Dresden! Es brodelte im vollen Gästeblock und im benachbarten H-Block, der ebenso von Dynamo-Fans gefüllt wurde. „Dynamo! Dynamo!“, hallte es immer wieder durch die BayArena, die damals im April 2003 noch die grünen Sitzschalen hatte. Vor Ort waren auch die Freunde von „Red Kaos“, die rote Zaunfahne wurde hinter dem Tor befestigt. Unübersehbar hing unten am eigentlichen Gästeblock das große berühmt berüchtigte Banner mit der Aufschrift „Hooligans Elbflorenz“. Darunter eine Dynamo-Fahne mit dem grünen Vereinsemblem, das von 1990 bis 2002 (von 2002 bis 2011 parallel zur weinroten Version) Bestand hatte. Bis das „Sportgemeinschaft“ wieder eingeführt wurde, sollte es noch vier Jahre dauern.

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Es gibt nicht wenige ältere Anhänger von Dynamo Dresden, die der Meinung sind, dass die Ära von Ende er 1990er bis zirka 2005 mit die genialste Zeit war. Fantechnisch betrachtet. In der Saison 1999/2000 verpasste Dynamo Dresden die Qualifikation für die neue Regionalliga Nord. Aus 4 mache 2. Gemeinsam mit dem 1. FC Magdeburg, dem VfB Leipzig, dem BFC Dynamo und dem FSV Zwickau war Dresden am Ende „Neese“. NOFV-Oberliga Süd statt lukrative Fahrten in den Westen. Attraktive Gegner wie Rot-Weiss Essen, Eintracht Braunschweig, VfB Lübeck, SC Fortuna Köln, Preußen Münster und KFC Uerdingen 05 hätten unter anderen gewartet. Während der Dresdner SC plötzlich die sportliche Nummer eins in Dresden war und von den Stadtvätern ganz ungeniert hofiert wurde, musste der 1. FC Dynamo Dresden in der Oberliga mit Anhalt Dessau, Stahl Riesa, Dresden-Nord, Eintracht Sondershausen, Wacker Nordhausen und dem SV 1919 Grimma vorlieb nehmen. 

Nun erst recht! Die schwarz-gelbe Anhängerschaft wurde zusammengeschweißt. Die Spreu wurde quasi vom Weizen getrennt. Es sollte sich nun zeigen, wer sich wirklich auch zu schlechten Zeiten für Dynamo gerade macht. Die Saison 2000/01 wurde mit Rang fünf abgeschlossen. Der Südstaffel-Meister 1. FC Magdeburg hatte es damals in der Aufstiegsrunde mit dem Nord-Meister BFC Dynamo zu tun und konnte sich am Ende mit 0:0 und 5:2 durchsetzen. Dynamo Dresden musste indes noch eine extra Runde in der Oberliga drehen. Nach einem irre spannenden Saisonfinale (Stichwort Eisenhüttenstadt) konnte sich Dresden am Ende den ersten Platz vor dem VFC Plauen und dem FC Carl Zeiss Jena sichern. Es folgten die legendären Aufstiegsspiele gegen Hertha BSC II (daheim 1:0 und auswärts 0:0). Unvergessen der Auftritt im Berliner Jahn-Sportpark, als rund 10.000 Dynamo-Fans auf den Rängen für Gänsehautstimmung sorgten. Ich war damals (mit einer kroatischen Freundin, die in der stauenden Masse am Einlass von Dresdnern über die Absperrungen gehoben wurde) vor Ort im JSP - ganz klar, dieses Spiel befindet sich in der persönlichen Top 10!

Dynamo Dresden war zurück in der Regionalliga und konnte nun endlich auch mal wieder in den Westen reisen. 2002/03 war die Saison, als die beiden Hass-Spiele gegen den Dresdner SC für reichlich Schlagzeilen sorgten. Besonders beim „Auswärtsspiel“ entlud sich im Harbig-Stadion und davor all der Frust der vergangenen zwei, drei Jahre. Zu spüren bekamen dies die DSC-Fans und vor allem die komplett überforderten polizeilichen Einsatzkräfte. Aber gut, reichlich zu lesen ist von diesen Partien in den Bänden von „Schwarzer Hals, gelbe Zähne“. Kommen wir zurück zum Auswärtsspiel bei den Amateuren von Bayer 04 Leverkusen. Angesetzt wurde dieses am 12. April 2003. Maßarbeit! Direkt am 50. Geburtstag der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden, die am 12. April 1953 auf einer Gründungsversammlung im Dresdner Filmtheater Schauburg ins Leben gerufen wurde. Wenige Tage zuvor wurde in der DDR die zentrale Sportvereinigung Dynamo gegründet. Aus der SG Deutsche Volkspolizei Dresden wurde die SG Dynamo Dresden.

Es gibt viele Geburtstage, doch ein halbes Jahrhundert sollte von Hause aus besonders groß gefeiert werden. Als hieß es: Mobil machen, alle auf nach Leverkusen! Platz gab es reichlich. Statt im Kleinen Ulrich-Haberland-Stadion wurde in der BayArena gespielt. G- und H-Block konnten gefüllt werden. Rund 2.500 Dynamo-Fans fanden an jenem Tag den Weg an den Rhein. Insgesamt waren es rund 3.000 Fußballfreunde, die vor 15 Jahren jene Partie sehen wollten. Trainiert wurde Dynamo Dresden damals von Christoph Franke. In der Stadtelf standen unter anderen Torwart Ignjac Kresic sowie Maik Wagefeld, Daniel Petrowsky, Denis Koslov und Ranisav Jovanović. Geleitet wurde die Partie von Bibiana Steinhaus, die seit 2001 in der Regionalliga Nord und später auch in den oberen Spielklassen als Schiedsrichterin aktiv war. Bekannte Namen gab es auch in den Reihen von Bayer 04 Leverkusen II. Neben Keeper René Adler waren unter anderen Lúcio, Jurica Vranješ und Thomas Brdaric mit dabei. Demzufolge wurde diese Partie für Dynamo Dresden kein Selbstläufer. Umso größer die Freude, als René Beuchel zehn Minuten vor Ultimo den Treffer des Tages erzielte.

Bereits zu Erstligazeiten trug Beuchel von 1992 bis 1995 das Dynamo-Trikot. Nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga Nordost wechselte er zur Frankfurter Eintracht, wo er bis Sommer 1997 spielte. Nach seinen Stationen in Zwickau und beim Dresdner SC kehrte er im Juli 2002 zu Dynamo Dresden zurück, wo er noch bis Ende 2007 unter Vertrag war. In der Spielzeit 2002/03 erzielte er zwei Treffer. Einen beim letzten Spiel gegen den SC Preußen Münster und einen beim besagten 1:0-Auswärtssieg in Leverkusen am 50. Geburtstags des Vereins.

Eine runde Sache, ein besonderes Tor, das keiner so schnell vergessen wird. Vier Jahre später wurde dieses Auswärtsspiel in Leverkusen von den Ultras Dynamo noch einmal herangezogen. Am 35. Spieltag der RL-Saison 2006/06 ging es noch einmal zu den Amateuren von Bayer 04 Leverkusen. Die Aufnahmen vom 12. April 2003 wurden in einem Ankündigungsvideo gezeigt. „4 Jahre ist es her! Dynamo rückt wieder ein! Alle nach Leverkusen! Alle im Trikot!“ Wieder angereist werden sollte mit dem Wochenendticket, das damals noch 35 Euro für 5 Personen kostete. Am Ende wurde diese Partie vor 2.400 Zuschauern mit 2:3 verloren.

Es war das letzte Aufeinandertreffen mit den Amateuren des Werksklubs. Dresden und Leverkusen. Beim nächsten Mal war es die erste Mannschaft von Bayer 04, die es mit der SG Dynamo Dresden zu tun haben sollte. Man schrieb den 30. Juli 2011, als Dynamo Dresden das DFB-Pokalspiel nach 0:3-Rückstand sensationell mit 4:3 gewinnen konnte. Und ja, es wird mal wieder Zeit, dass Dynamo Dresden Erstligaluft schnuppert und mal wieder in Leverkusen vorbeischaut. Der alten Zeiten wegen… 

Fotos: K. Hoeft, Veit Pätzug

> zur turus-Fotostrecke: SG Dynamo Dresden

Spielergebnis:
0:1
Zuschauerzahl:
3.000
Gästefans
2500

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