Widzew Łódź vs. KS Finishparkiet Drweca: Erstklassige Fans trotz sportlicher Viertklassigkeit

MB 08 Mai 2018
 
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Widzew Łódź vs. KS Finishparkiet Drweca: Erstklassige Fans trotz sportlicher Viertklassigkeit

Man schrieb den 31. Mai 2014, als beim polnischen Erstligaspiel Zagłębie Lubin vs. Widzew Łódź die Nerven blank lagen. Beim Stand von 3:3 wurde es kurz vor Ende aufgrund von Ausschreitungen abgebrochen, das Spiel wurde mit 3:0 für Widzew gewertet. Doch es nutzte so oder so nichts, beide Vereine waren eh abgestiegen. Für Widzew Łódź war es nur der Beginn des folgenden Absturzes. Auch in der folgenden Zweitligasaison kam Widzew sportlich nicht auf die Beine, als Vorletzter musste der nächste Abstieg hingenommen werden. Was für ein Desaster für den viermaligen polnischen Meister (1981, 1982, 1996, 1997)! Beim letzten Heimspiel gegen Chrobry Głogów verloren sich nur noch 224 Zuschauer im weiten Rund! Zu Beginn der Saison waren es noch zwischen 4.000 und 5.000. Unter die 1.000er Marke fiel die Zuschauerzahl bereits am 15. Spieltag gegen Zagłębie Lubin (0:3). Und wie das häufig so ist, zu den sportlichen Problemen kamen massive finanzielle Nöte hinzu. Kurzum: Widzew Łódź war pleite, bekam keine Lizenz für die dritte Liga (II Liga) und musste in der IV. Liga Grupa: łódzka (5. Spielklasse) einen Neustart wagen.

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Mund abwischen und das Feld von hinten aufrollen! Mit fünf Punkten Vorsprung auf KS Paradyż gelang als Meister der Sprung in die vierte polnischen Liga. In der Gruppe I der III Liga traf Widzew Łódź auf den Stadtrivalen ŁKS Łódź, der bislang zweimal polnischer Meister (1958 und 1998) wurde. Kurios: 1998 löste ŁKS den amtierenden Meister Widzew somit ab. ŁKS Łódź hatte es 2013 getroffen, im April jenes Jahres musste man sich zurückziehen und ebenfalls in der IV. Liga Grupa łódzka neu starten. Dies gelang gut. Unterstützt von bis zu 2.000 Fans gelang der sofortige Aufstieg in die III Liga. Der Durchmarsch gelang nicht, so dass der nachrückende Rivale Widzew für die Stadtduelle bereitstand.

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Diese gingen jedoch ohne Gästefans über die Bühne. Im Stadion von ŁKS stand / steht eh nur eine Tribüne zur Verfügung. Das Hinspiel bei ŁKS endete vor 5.100 Zuschauern 2:2, beim Rückspiel bekamen 17.443 Zuschauer ein torloses Remis zu sehen. Am Ende der Saison durfte ŁKS Łódź als Tabellenzweiter hinter Tabellenführer Finishparkiet Drwęca Nowe Miasto Lubawskie in die II Liga aufsteigen. Während ŁKS Łódź somit in der laufenden Saison drittklassig spielt und oben hinter GKS 1962 Jastrzębie und Warta Poznań in Richtung I Liga schielt, muss Widzew Łódź in der III Liga eine weitere Runde drehen.

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Es schaut allerdings äußerst gut aus. Im Frühjahr wurde der Umbau des Widzew-Stadions (Stadion Widzewa Łódź oder auch Stadion im. Ludwika Sobolewskiego) abgeschlossen, die Kapazität der modernen Spielstätte beträgt nun 18.018 Zuschauer. Und was soll man sagen? Die Ränge sind einfach immer voll! Und das in der vierten Liga! Gleich zum ersten Heimspiel der laufenden Saison strömten gegen Świt Nowy Dwór Mazowiecki sage und schreibe 15.300 Fußballfreunde ins Stadion. Wenig später waren es gegen Warta Sieradz sogar 16.150 Zuschauer. Am 13. Spieltag konnten gegen Pelikan Łowicz sogar 17.246 Zuschauer gezählt werden.

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Widzew führt derzeit die Tabelle an, zuletzt durfte daheim Finishparkiet Drwęca Nowe Miasto Lubawskie begrüßt werden. Dass es wieder über 16.000 Zuschauer waren, versteht sich fast von selbst. In einem Fanzine war einmal zu lesen, dass sich das wahre Potenzial einer Kurve erst im grauen Ligaalltag zeigen würde. Nun denn, es wurde Zeit, persönlich einmal vorbeizuschauen, und somit war unser Fotograf „Wochenendpöbler“ gegen KS Finishparkiet Drweca an Ort und Stelle. Was er zu sehen und hören bekam, war wahrlich beeindruckend. Das ganze Stadion stand durchgehend. Er konnte sich gar nicht sattsehen an den sich nach vorne beugenden Oberkörpern, die ihre Schlachtrufe in einer kranken Lautstärke ins weite Runde brüllten.

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Am imposantesten war sicherlich das Wechselspiel zwischen den einzelnen Tribünen im gesamten Spielverlauf. Da wurde zusammen gesungen, die Schals präsentiert und zusammen gehüpft. Vom Ultra-Block bis in den VIP-Sektor war sich niemand dafür zu schade. Bemerkenswert waren die beiden fleißigen betagten Ordner-Damen, die jeden, der es wagte sich eine Zigarette anzustecken, darauf hinwiesen dies doch bitte zu unterlassen. Dem wurde zwar meistens Folge geleistet, aber wenn sich einer unter dem Radar der beiden Damen wähnte, wurden trotzdem ein paar Züge inhaliert.

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Zudem wurde peinlich genau darauf geachtet, dass wirklich niemand auf der Treppe steht. Und sei es nur für wenige Sekunden! Dem Sitz- oder besser gesagt Stehnachbarn des Fotografens, der sich unter das Volk gemischt hatte, reichte es irgendwann und setzte zu einer mehrminütigen Tirade an. Das berühmte polnische Wort mit dem „K“ vorne und dem so schön gerollten „R“ in der Mitte erfuhr inflationäre Benutzung, und so verpasste der gute Mann fast das 3:0 von seinem geliebten RTS. Nachdem Dario Krišto in der 19. und Róbert Demjan in der 83. Minute vorgelegt hatten, machte Mateusz Michalski in der 90. Minute die Sache rund.

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Fazit: Ein in der vierten Liga spielender Verein mit Ekstraklasa-Fans! Der Aufstieg in die II Liga MUSS einfach gepackt werden!

Fotos: Wochenendpöbler

> zur turus-Fotostrecke: Impressionen vom polnischen Fußball

Spielergebnis:
3:0
Zuschauerzahl:
16.300
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