Hansa Rostock vs. Halle: Choreo, Abschied und ein Heimsieg im Ostseestadion

Autor: Anika     veröffentlicht am 07 Mai 2018    
 
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Foto: Arvid Langschwager

„Fußball heißt das Zaubääwort, ihr seid alle mit an Bord. Und schon das nächste Tor im Visier, F.C. Hansa, das sind wir…“ Ungeahnte Textsicherheit offenbart sich als die Mannschaft der Saison 1995/96 ihren Klassiker „F.C. Hansa, wir sind gut drauf“ auf der Platte performt. Vor allem die wirklich guten Dinge bleiben halt besonders lange im Gedächtnis.

Dieser mehr als zwanzig Jahre alte Rostocker Evergreen dient zu Beginn des Spiels als musikalische Untermalung für eine der besten Choreos, die man im Ostseestadion bis dato gesehen hat. Das Thema sind die Klassiker der Neunziger: Wimpel, Trikots, Musik. Auf der gesamten Breite der Süd sind einen Meter lange Wimpel aus Pappe verteilt - auf der einen Seite sind sie blau-weiß gestreift mit der Kogge in der Mitte, auf der anderen komplett blau, weiß oder rot.

Hansa

Als das Lied beginnt, kommt zuerst die farbige Seite zum Einsatz, die Süd ist blau-weiß-rot-weiß-blau gestreift, dazu hängt ein Spruchband mit der zur Musik passenden Aufschrift “F.C. Hansa - wir sind gut drauf” an der Mauer vor der Tribüne. Währenddessen laufen die Mannschaften auf, wählen die Seiten und nehmen Aufstellung. Dann ein Pfiff, die Pappen werden umgedreht und die Süd verwandelt sich in ein Meer aus tausenden von Wimpeln. Schließlich wird über die am Dach befestigten Leinen ein riesiges Trikot aus der Saison 1995/96 hochgezogen, dazu kommt noch eine Hand, die den Wimpel hält, der tausendfach hinter ihr zu sehen ist. Am Ende steht auf dem Spruchband “F.C. Hansa - wir geben nie auf”. 

hansa

Das Trikot ist fast originalgetreu nachempfunden. Hauptsponsor war in der genannten Saison bekanntermaßen die Möbelhauskette “Hansa”, deren Maskottchen mittels einer blau-weiß-roten Sturmhaube anonymisiert und mit einem Baseballschläger ausgestattet wurde. Außerdem erinnern wir uns wahrscheinlich alle daran, dass der Ausstatter in den Neunzigern die vor allem unter Fußballfans beliebte Marke “acab” war, die ja mittlerweile auch Streetwear, Banner und Tattoos designt. 

FCH

Was von hinten schon gut aussieht, wirkt auf den Bildern, die hinterher eintreffen, überragend. Das Trikot, die Wimpel, die Musik - es passt alles perfekt zusammen. Ein fettes Lob an die Organisatoren und Helfer dieser Choreo. Das Gesamtbild ist einfach großartig. Kaum auszumalen, wie viele Stunden Arbeit dahinter stecken. 

Hansa

Zuvor wurden, wie am letzten Heimspieltag der Saison üblich, all jene Spieler verabschiedet, von denen bereits bekannt ist, dass sie den Verein zur neuen Saison verlassen werden. Neben Janis Blaswich, Mike Owusu, Selcuk Alibaz, Fabian Holthaus, Kai Eisele und Tim Väyrynen, fällt der Abschied von zwei Spielern besonders schwer.

Der eine ist Marcel Ziemer, der trotz des Kreuzbandrisses, den er sich zu Beginn der Saison zugezogen hat, in Rostock unverändert beliebt ist. Aufgrund seiner Einsatzbereitschaft, seines Kampfgeistes, seiner 26 Tore in vier Jahren, der Gelassenheit, die er ausstrahlt, und seines Bauches ist er bei Hansa zur Identifikationsfigur geworden. 

Der andere ist Tommy Grupe, der seit der F-Jugend für Hansa spielte und mit einer kurzen Unterbrechung 19 Jahre lang mit der Kogge auf der Brust auflief. Er ist wahrscheinlich neben Lukas Scherff der einzige Spieler des aktuellen Kaders, für den Hansa mehr ist als nur ein Arbeitgeber. Dass er als Rostocker Junge es eine Ehre nennt, für den Verein aufzulaufen, lässt das Fanherz natürlich auf Wolke 7 fliegen. Alles, alles Gute für deine Zukunft, Tommy. Du wirst in Rostock nicht so schnell vergessen werden.

hansa

Außerdem wird Torwarttrainer Stefan Karow aus dem Profikader verabschiedet, obwohl er den Verein nicht verlassen wird. Weil er sich aber ab der nächsten Saison als Leiter des Nachwuchsleistungszentrum in Zukunft eben hauptsächlich um den Nachwuchs kümmern wird, dankt man ihm für seine Dienste in den letzten vier Jahren.

Als das Choreo-Trikot wieder heruntergelassen wird, ist das Spiel bereits in vollem Gange. Der Doppelpass, den Breier mit dem Gegner spielt, ist von der Süd aus bestenfalls zu erahnen, von Lukas Scherffs Kopfball kommt nur das Ergebnis in Form eines Torjubels an. Nach sieben Minuten steht es bereits 1:0 für den F.C. Hansa gegen den Halleschen FC im letzten Heimspiel der Saison 2017/18. So kann es gern weitergehen - Fußball, Hansa, Sonnenschein, Freunde und am besten noch ein Sieg im letzten Heimspiel.

Obwohl es für beide Mannschaften heute sportlich um nichts mehr geht, ist das Stadion sehr gut gefüllt. 17.100 Zuschauer sind anwesend, darunter sicherlich 300 Hallenser, die sich blau-gelbe Unterstützung aus Leipzig und eine Menge rot-weißer Fahnen mitgebracht haben.

Rostock

Hansa lässt heute nichts anbrennen und scheint sich anständig aus der Saison verabschieden zu wollen. Nach einer halben Stunde steht es bereits 2:0, nachdem Bryan Henning einen Pfostenschuss von Pascal Breier über die Linie bringt. Von Halle ist in der ersten Halbzeit nicht allzu viel zu sehen, was den meisten Anwesenden allerdings ganz gelegen kommt. Für spannende Spiele ist schließlich in der nächsten Saison noch genug Zeit.

In der zweiten Hälfte geht es erstmal so ähnlich weiter. Hansa kommt zu einigen Torchancen, kann diese allerdings nicht verwerten. Halle spielt mit, wird aber nicht ernsthaft gefährlich. Zeit also für ein bisschen Spaß und gute Laune auf den Rängen. Die Pappwimpel kommen immer wieder zum Einsatz und ersetzen die Schals als optisches Hilfsmittel fast komplett. Anders als die meisten Choreomaterialien werden sie nicht zerrissen und als Schnipselchoreo wiederverwendet. Stattdessen gibt man sie zum Teil weiter auf die West. Einige sind beim Torjubel in Mitleidenschaft geraten oder fliegen als überdimensionale Pappflieger durch die Gegend. 

Lok und Halle

Als Halle nach einer Stunde den Anschlusstreffer erzielt, ist das zwar blöd, aber nicht weiter tragisch. Als sie eine Viertelstunde später ausgleichen, ist es dann schon ziemlich ärgerlich. Ein Unentschieden oder sogar eine Niederlage nach einer 2:0-Führung ist nicht der gewünschte Abschluss dieser Saison im Ostseestadion. Der guten Stimmung tut das zwar keinen Abbruch, aber für das Gefühl wäre so ein Sieg schon ganz nett.

Der Mannschaft scheint es zum Glück ähnlich zu sehen und so steht es fünf Minuten nach dem Ausgleich 3:2 und weitere fünf Minuten später 4:2. Bryan Henning erzielt den ersten Doppelpack seiner Karriere und Tim Väyrynen macht den Sack zu. Seht ihr Halle, so wird das gemacht!

Wäre doch nur Anfang März ein Spiel so ähnlich gelaufen wie heute, dann hätten wir an diesem Wochenende vielleicht noch viel mehr Grund zum Jubeln gehabt. Aber wir sollten uns nicht beschweren. Einen fünften Tabellenplatz nach dem 37. Spieltag hätte ein Großteil der Hansafans letzten Juli wohl ungesehen unterschrieben. Die Mannschaft hat über weite Teile der Saison guten Fußball gespielt, man hat das Gefühl, auf dem Platz eine Einheit zu sehen und eine gewisse Aufbruchstimmung im Umfeld des Vereins ist ebenfalls zu spüren. Die Dauerkarte für die neue Saison ist da natürlich schon längst gekauft.

Hansa

In den letzten Minuten ist die Stimmung im Stadion ausgelassen, die Welle geht ein paar Mal rum und es wird nochmal gut laut. Das ganze Stadion steht, klatscht, singt. Einmal geht die Stimmung sogar von den anderen Tribünen auf die Süd über. Auf dem Platz passiert nun auch nicht mehr allzu viel, außer dass der Schiedsrichter das Spiel abpfeift.

Die Mannschaft lässt sich auf ihrer Stadionrunde im Anschluss viel Zeit. Man feiert die gute Saison, verabschiedet die scheidenden Spieler - allen voran natürlich Tommy Grupe und Marcel Ziemer - und einige Wimpel finden ihren Weg auf den Platz, sodass auch die Profis ihr Exemplar für die Windschutzscheibe mitnehmen können. Stefan Karow und Pavel Dotchev bekommen jeweils ihr Lied gesungen und dann ist Schluss für heute. 

In der nächsten Woche endet die Road to Chemnitz mit dem Finale im Europapokal und dann ist auch schon fast Sommerpause. 

Bericht: Anika (ein Zug nach Irgendwo)

Fotos: Anika, Arvid Langschwager, Tom

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
4:2
Zuschauerzahl:
17.100

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