Vier Rote, fünf gehen runter – Chaos bei Rambin vs. VfL Bergen

Autor: Michael     veröffentlicht am 06 Mai 2018    
 
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Spieler des SV Rambin 61
Foto: Michael

In der Not frisst der Teufel fliegen; man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Und das Fest sollte am Freitag fest in Rambin gefeiert werden. Rambin gehört jetzt nicht so sehr zu den Highlights in dieser Ecke Vorpommerns, aber genüsslich stürze ich mich sonst auch auf die Zeilen über Spiele der Niederungen in den Zwickauer Heften der „Beziehungskiste“. Dazu kommt noch, dass der VfL Bergen auf seiner FB-Seite schreibt, dass man zu dem Spiel nicht mehr sagen könne. Es folgt noch ein weiterer kryptischer Satz, den ich an dieser Stelle nun erläutern will. Im Allgemeinen kann man bei Rügen nicht so viel verkehrt machen, das merkt man spätestens, wenn man vor der Rügenbrücke steht. Irgendwann sagte mal ein hier studierender Magdeburger zu mir, dass er die Insel komplettieren möchte. „Träum weiter! Wir haben hier Polen vor der Haustür!“, waren da meine Gedanken. Da Rügen aber auf kleiner Fläche jedoch relativ viel zu bieten hat, mehr als die unendlichen Weiten von Zachodniopomorskie, stehe ich mittlerweile auch schon fast vor der Komplettierung.

Nationalpark

Freitag fiel die Wahl auf Rambin. Das ist gleich hinter der Brücke auf der rechten Seite. Dahinter kommt nur noch Wasser, welches mit seiner Uferzone zum Landschaftsschutzgebiet „Vorpommersche Boddenküste“ gehört. Einen guten Blick gibt es hier allerdings nicht. Besser hat es da der Sportplatz von Rambin. Ein Hügel, ein paar Bänke und ein Wall lassen Hopper-Herzen schneller schlagen. Nicht nur das: Auf der anderen Seite steht noch die alte Polytechnische Oberschule. Der Eingang hat was. Es gibt noch mehr! Hinter der Eckfahne führt eine kleine Treppe zum alten Kloster St. Jürgen - ein Kloster als Siechenhaus für Aussätzige aus dem 14. Jahrhundert. Bis heute hält sich die Krankheit, und ein Blick auf die Statistik des Robert-Koch-Instituts verrät, dass es selbst in Deutschland noch Fälle gibt, bzw. wieder. Die direkte Umgebung kann also als nicht uninteressant abgestempelt werden. 

turus

Was tat sich auf dem Spielfeld? SV Rambin gegen VfL Bergen klingt für Freunde des kultivierten Bundesligafußballs wenig interessant. Während man bei der Hertha von Ordnern abgetastet wird, betritt man jedoch hier komplett ohne Barriere das Gelände: kein Zaun, keine Hecke. Aus einem Auto heraus werden Getränke verkauft. Davor gibt es eine Biertischgarnitur mit entsprechender Besatzung. Das wirkte hier ziemlich international, wenn man Tschechien im Hinterkopf hat, wo ein Teil der Zuschauer stets irgendwie in der Kneipe festzukleben scheint. Die Leute sind nett, und man kommt schnell ins Gespräch. Aber die Sicht auf das Geschehen ist von hier aus nicht die beste, weshalb es mich weiter zum Platz zieht. Es gibt noch einen Wall, auf welchen willkürlich Bänke gesetzt wurden. Darüber gibt es noch einen Hügel. Außerdem befindet sich auf dem Gelände noch etwas wie eine Bucht, in die sämtliche Grünabfälle zu fliegen scheinen! Hier lässt es sich aushalten! 

Rambin

Essen gibt es leider nicht. Dann ausnahmsweise einmal eine Cola! Das Spiel ist in der ersten Hälfte nicht so spektakulär, was sich mit der zweiten Hälfte (Halbzeitstand 1:0) blitzartig ändern sollte. Das Spielerpotenzial ist gut gemischt: alte Haudegen, Ältestenrat und Heißsporne. Letztere brachten den hyperkorrekten Schiedsrichter aus Schwerin (!) zur Verzweiflung. Zwei gelbe Karten in der ersten Hälfte, insgesamt 12 gelbe Karten und vier Platzverweise in der zweiten! Zwei Spieler sahen glatt Rot! Was war passiert? Die Härte nahm zu. Die Bergener vermuteten, dass einige Rambiner weißes Pulver genommen hätten. Das Fass zum Überlaufen brachte ein äußerst rüdes Foul an dem 88er auf Bergener Seite. Ohne Sinn und Verstand wurde dieser umgeholzt. Das Schreien war deutlich bis zum Kloster hörbar. 

Rambin

Nach ein paar Funktionstest ging es dann irgendwann wieder. Das Spiel war für ihn aber beendet. Auf dem Platz nahm der Giftanteil stetig zu. Eine Rote für Bergen fünf Minuten vor dem Ende. Ein zweiter Bergener ging solidarisch mit vom Feld, vielleicht auch prophylaktisch. In dieser Art in den ganzen Jahren noch nie erlebt! In der letzten Minute gab es dann ein weiteres Foul der ganz üblen Sorte, dazu Beleidigungen und Unsportlichkeiten. In einer Minute wurden jetzt drei Platzverweise für Rambin ausgesprochen. Auf der Ergebnistafel stand mittlerweile ein 2:2. Endstand. Mal sehen, was nach dem Spiel passiert. Der Schiedsrichter holt beide Teams zu sich. Das ist hier so üblich. Vielleicht eine Tradition aus der DDR. Die Spieler prügeln aber nicht auf sich ein, sondern suchen sogar total sachlich das Gespräch mit dem Herrn aus Schwerin. „Habe ich nun zweimal die Gelbe gesehen oder Rot?“ Der Schiedsrichter bestätigte ihm, dass man nicht den Ball nimmt und gegen den Gegenspieler drischt. Ob Bergen in der Rückrunde der Play-offs noch einmal gegen Rambin antreten wird, konnte an dem Abend nicht mehr geklärt werden. In Erwägung wird nun ein Beschaffen eines Schiedsrichters aus Berlin gezogen, was einer Aktiven noch von sich gab. Zur Normalität gehören solche Spiele hier übrigens nicht.

Fotos: Michael

> zur turus-Fotostrecke: Amateurfußball in der Region Nordost

 

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Spitzen Artikel

Da hast du ja genau das richtige Spiel erwischt.

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