Trotz Professionalität – Cottbus muss keine Angst vor Wölfen haben

Autor: Michael     veröffentlicht am 20 April 2018    
 
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Stadion des VfL Wolfsburg II
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Die Erfolgsgeschichte des VfL Wolfsburg bekam am 11. Juni 1997 mit dem legendären Sieg (5:4) über den 1. FSV Mainz 05 am letzten Spieltag einen gewaltigen Schub. Die Story des VfL ist allgemein bekannt wie auch der große Sponsor der Wölfe. Die Konkurrenz ist im Raum Hannover-Braunschweig ziemlich groß, weshalb es schon beachtlich ist, was Wolfsburg in den letzten zwei Jahrzehnten so auf die Beine stellen konnte. Die U23 hat ihr eigenes Stadion bekommen, in dem an diesem Mittwoch um 14:00 gespielt wird.

Diese Anstoßzeiten erlebt man in Deutschland auch nicht jeden Tag. Kritiker bekommen dabei die Krise. Dennoch konnte ich es bisher noch toppen mit einem Spiel um 10:30 und einem 11:00, welche an einem gewöhnlichen Arbeitstag ausgetragen wurden. In der Woche um 14:00 Uhr zum Fußball? Da wird man leicht rot, wenn man zugibt, dass man das einfach mal macht. 

AOK Stadion 

13:00 in Wolfsburg: Eine größere Menschengruppe zieht die Straße entlang. Alle in Einheitsklamotten. Fans der SpVgg Drochtersen/Assel? Mit Sicherheit nicht! Es sind Arbeiter des Automobilkonzerns. Die U23-Werkself muss also heute ran, denn es geht gegen die SpVgg aus Drochtersen/Assel. Fanfreundliche Anstoßzeiten interessieren hier nicht. Es geht nur um den Zweck. So setzt sich auch das Publikum zusammen: Wir haben hier viele Rentner, Angehörige, die sich den Termin gestatten, Nachwuchsspieler des Vereins und Talentscouts. Das prominenteste Gesicht dürfte dabei das von Weltmeister Pierre Littbarski gewesen sein. Einer Bitte um ein Autogramm wird er sofort mit einem Lächeln nachgekommen. Menschlich und nicht abgehoben: So wünscht man sich die Fußballprofis. Vergessen dürfen wir nicht die ca. 10 Groundhopper, die es genießen, einen Doppler am Mittwoch serviert zu bekommen, denn die Auswahl in der Umgebung ist geradezu riesig. Gelangweilt starren sie auf ihre Smartphones, quatschen, dösen oder trinken Bier. Letztere Gruppe drücken wir mal in den Skat. Der Rest ist wirklich nur hier, um dieses Spiel zu sehen. 

VfL 

Fußball pur. Mit Eventpublikum hat das hier gar nichts mehr zu tun. Es ergibt sich daher ein skurriles Bild von einem gewöhnlichen Spiel in einer zu 100 % durchdachten Professionalität. Es fängt schon beim Vereinslied an, das vor Spielbeginn durch die Lautsprecher zu hören ist. Da die Geräuschekulisse bei 261 Zuschauern schlichtweg fehlt, gelangt das „Grün, weiß, VfL, unsre Farben leuchten hell“ sehr klar in jedes Gehör. Ein ziemlich stark mit Symbolen aufgeladener Text wurde auf eine sehr einfache Melodie gelegt, die sich durch ihre Banalität automatisch zum Ohrwurm entwickelt hat. Typisch Werbejingle? Ich weiß nicht. Es hat wesentlich mehr Stil. Für den Lokalpatriotismus wurden Elemente aus dem Niedersachsenlied eingebaut. Es klingt wie ein Liedchen, bei dem man sofort mit einsteigen möchte; es ist aber ebenso professionell erstellt worden wie der Rest der VfL-Welt. Im kleinen Stadion ist es wirklich mucksmäuschenstill, wenn die Musik verstummt. Sogar die Diskussionen zwischen Spielern und Schiedsrichter kommen laut und deutlich auf der einzigen, geöffneten Tribüne an, die den „Zuschauermassen“ zur Verfügung steht. 

AOK 

Selbst ein Sektor hätte genügt. Es geht nur um den Zweck. Pablo Thiams junges Wolfsrudel will in die dritte Liga. Dafür sieht es nicht schlecht aus, aber Leistung muss kommen – und Flensburg sollte langsam mal Federn lassen. Willen und Stärke haben die jungen Wölfe heut zwar gezeigt, aber den Stürmern fehlte bei diesem torlosen Remis das Glück. Die SpVgg verschanzte sich 90 Minuten. Die Wölfe rannten unentwegt an, aber Tore sollten nicht fallen. Toptorjäger (12) Kramer fehlte zum Nachteil seiner Mannschaft wegen Gelbsperre außerdem, was Wolfsburgs U23 als relativ schwachen, potentiellen Kandidaten für die Relegation mit dem FC Energie Cottbus erschienen ließ. Bald geht es wieder in die Relegation um die dritte Liga. So dürften die Lausitzer keine Probleme mit den Wolfsburgern haben. Ultra-Deutschland dürfte dann aufatmen. So weit sind wir noch nicht. Im Aufstiegsrennen sind ebenso noch die Amateure des Hamburger SV und Flensburg.

VfL 

War hier eigentlich wirklich alles professionell? Mitnichten, denn bei der Currywurst müssen die Wolfsburger noch üben. Das ist nicht nur meine Meinung. Zwei Opas aus Drochtersen verpassen in einem Gespräch am Pinkelbecken dem VfL die Note „ungenügend“ in dieser Kategorie - „Das Ergebnis ist gut, ne? Die Wurst nicht so, aber das Ergebnis ist fantastisch!“ „Jau!“ Die Toilette dagegen ist wieder professionell. 16:00, an einem Mittwoch in Wolfsburg!

Fotos: Michael

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0:0
Zuschauerzahl:
261

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