Hansa Rostock im „Europapokal“: Engagierter Auftritt beim FK Slavia Großaspach Hot

Autor: Anika     veröffentlicht am 22 März 2018    
 
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Dienstagabend in Großaspach: Volle Unterstützung für den FCH
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Fast pünktlich um 14:50 Uhr hebt der Airbus der Czech Airways vom Hamburger Flughafen ab. Der enge Terminplan und die großen Entfernungen im internationalen Wettbewerb machen es notwendig, heute mal auf das Flugzeug umzusteigen. Zur Champions League kann man halt auch mal fliegen.

Czech Airlines

Weil für Hansa in der Liga nun nichts mehr geht, sind diese Europapokal-Spiele unter der Woche umso wichtiger geworden. Heute geht es zum Rückspiel gegen den FK Slavia Großaspach - das Hinspiel im Juli endete 0:0. Es gilt also, mindestens ein Tor zu schießen und nicht zu verlieren und schon ist der Einzug in die nächste Runde geschafft. Die meisten Hansafans erwarten das Spiel mit großer Vorfreude und viel Optimismus - der mutige und engagierte Auftritt in Aalen am vergangenen Samstag hat schließlich nochmal richtig Mut gemacht.

Vom Flughafen geht es mit der Metro nach Backnovice, wo schon der Shuttlebus zum Stadion in Groß nad aspach wartet. Die Champions League bietet ja viele tolle Möglichkeiten, Gegenden in Europa kennenzulernen, die man sonst so schnell nicht besuchen würde. Dass allerdings so viele Polizisten bereit stehen, um uns vor den Slaviafans zu beschützen, denen ja ein gewisser Ruf voraus eilt, halte ich dann doch für etwas übertrieben. Auch mit halb so viel Polizei hätte ich mich durchaus sicher gefühlt, weil der berüchtigte Mob des Südkollektivs bereits im Stadion verweilt, um seinen Platz im regelmäßig überfüllten Block zu behaupten.

Hansa

Aufgrund eines dichten Schneegestöbers ist dieses Spiel ja vom 20. Januar auf den heutigen 20. März verschoben worden und angesichts des einsetzenden Schneefalls schon vor Spielbeginn steht es auch heute wieder der auf der Kippe. Glücklicherweise soll der Schiedsrichter später trotz der fast irregulären Bedingungen - stellenweise bleibt der Schnee sogar liegen (!) - das Spiel anpfeifen.

Weil es ein wenig frisch ist, soll vorher aber am Versorgungsstand noch etwas Warmes her. Leider stellt sich heraus, dass das wärmste, das gereicht werden kann, das lokale Bier ist. Auf Nachfrage erhalten wir zwar die Begründung “Frühlingsanfang”, aber ein Blick in den Himmel lässt die Vermutung aufkommen, dass wir hier mit der Sprachbarriere zu kämpfen haben. Bei der Vorgeschichte zu diesem Spiel und den vorherrschenden Witterungsbedingungen kann der gute Mann hinter dem Tresen wohl kaum ernsthaft auf den Frühlingsanfang verweisen wollen. Die UEFA sollte hier unbedingt darauf achten, dass nur englischsprachiges Personal eingesetzt wird, um Missverständnissen vorzubeugen, die die Stimmung schnell ins Negative umschlagen lassen können.

Ein Blick auf die Aufstellung bringt dann die letzte Gewissheit, dass Hansa heute ohne Kompromisse auf Sieg spielt. Alibaz, Quiring, Nadeau… Heute laufen vor allem jene Spieler auf, die in der Liga für wichtige Auftritte wie diesen hier geschont werden. Auf geht's, Hansa, kämpfen und siegen! Alles oder Nichts!

Kurz vor Anpfiff dröhnen zu einer schmissigen Melodie die Zeilen “Ich bin ein Dorfkind, darauf bin ich stolz…” aus den Lautsprechern und ich komme ein wenig ins Grübeln. Irgendwie hatte ich die Champions League-Hymne anders in Erinnerung, aber in dieser schnelllebigen Zeit ist es kein Wunder, dass die eine oder andere Neuerung an einem vorbei geht.

Dann geht es aber wirklich los und Hansa gibt von Beginn an alles. Die tolle Kulisse treibt alle Spieler auf dem Platz zusätzlich an. Die Arena Mechatrónica ist restlos ausverkauft, unter den 65.000 Zuschauern befinden sich mindestens 10.000 Rostocker, die aufgrund der akustischen Dominanz der heimischen Zuschauer große Probleme haben, sich Gehör zu verschaffen. Auf den scheinbar überfüllten Rängen wehen die Fahnen im Wind, brennen die Bengalos über den Köpfen, peitschen die Fans ihre Mannschaft nach vorn. Flutlichtspiele sorgen immer wieder für eine ganz besondere Atmosphäre.

Bier

Hansa dominiert die Partie ganz klar und nach Belieben. Die Gastgeber können den geschickten Kombinationen der Ostseestädter oft nur staunend hinterher schauen. Mit wenigen Kontakten wird der Ball immer wieder innerhalb kürzester Zeit sicher durch die gegnerischen Reihen gespielt. Dass es zur Halbzeit noch 0:0 steht, ist überaus schmeichelhaft für Slavia, denn Hansa hat eine ganze Handvoll hochkarätiger Torchancen nicht nutzen können. Der Druck dieses wichtigen Spiels lastet vor dem Tor auf den Rostockern.

Die zweite Halbzeit geht da weiter, wo die erste endete - nämlich vor dem Aspacher Tor. Hansa drückt immer weiter, sodass dem sonst so besonnen aufspielenden Jeff-Denis Fehr schließlich nichts anderes übrig bleibt als eine Notbremse der härtesten Art zu ziehen, für die er völlig zurecht mit einer roten Karte vom Platz gestellt wird. Ein Kompliment an dieser Stelle an Soufian Benyamina, dem man ja wahrlich nicht vorwerfen kann, sich bei der kleinsten Berührung fallen zu lassen, dass er hier ohne mehrminütige ärztliche Behandlung wieder auf die Beine kommt.

Die mit Abstand unschönste Szene des Spiels leistet sich ein Slaviaspieler als dieser von seiner Auswechslung frustriert dem Gästeblock aus dem Nichts heraus und ohne provoziert worden zu sein den Stinkefinger zeigt. Aufgrund solcher Szenen ist es kein Wunder, dass viele Menschen der Meinung sind, nicht mehr mit ihrer Familie ins Stadion gehen zu können. Einigen Rostockern fallen vor Empörung sogar die leeren Saftbecher aus der Hand in Richtung Spielfeld. Solche Szenen wollen wir nicht noch einmal im Stadion sehen müssen.

Der Schiedsrichter pfeift nach einigen Minuten Nachspielzeit die Partie ab und ich stelle mich schon mental auf Verlängerung und Elfmeterschießen ein, denn das Hinspiel endete ja ebenfalls 0:0. Dann erinnere ich mich wieder an die neu eingeführte Ein-Mann-mehr-Regel, nach der die Mannschaft weiter kommt, die in Überzahl ist, falls es nach Hin- und Rückspiel Unentschieden steht.

Hansa

Auch wenn Hansa dieses Spiel nach Lust und Laune dominiert und Großaspach nicht den Hauch einer Chance hatte, sollten wir uns bewusst sein, dass wir nur denkbar knapp weiter gekommen sind. Bis zum Finale ist es noch ein steiniger Weg. Die Road to Chemnitz ist noch lang und hält einige Herausforderungen für Hansa bereit. Europapokal!

Bericht: Anika (Zug nach Irgendwo)

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0:0
Zuschauerzahl:
2.200

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amüsante Reflektion

Sehr amüsante Nachbetrachtung!
Vielen Dank für Euren stetigen Fleiss !
Grosses Lob !

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Man darf auch mal lockerer unterhalten werden. Nicht alles bierernst. Gefällt mir!

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Das ist eben der Unterschied zu vielen anderen Vereinen. Eine Auswärtsfahrt mit Hansa hat immer einen hohen Erlebnisfaktor. Egal, wie sportlich unwichtig das Spiel sein mag, es ist immer was los. Auch an einem kühlen Dienstagabend auswärts im fernen Großaspach. Mit solch einer großen Gruppe unterwegs zu sein, versüßt das Ganze enorm. Jetzt, bei der Enttäuschung über die plötzlich eingebrochene Negativserie um so mehr. Darum sage ich einfach mal Danke an die Autorin. Ich habe geschmunzelt.

Viele Grüße Christian

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Unlustig

Platsch-Quatsch!

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