Rückblick 2017: Geisterspiel-Theater, viel Camouflage, „Bullenjagd“, verschrottete „Leuchttürme“ und zahlreiche Fan-Aktionen

Autor: Marco Bertram     veröffentlicht am 02 Januar 2018    
 
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turus Fotostrecke
Stadion am Quenz in Brandenburg an der Havel
Foto: Sachseninformer

Ein Jahr ist lang, innerhalb eines Jahres passiert immer eine Menge. Allein die Tränen der Freude und der Trauer bei all den Abstiegen, Aufstiegen und Titelgewinnen. Klickt man sich im Archiv weit zurück, so dürfte der Leser stets das Gefühl haben, es sei außergewöhnlich viel passiert. Im Geiste besonders hängen mag das Fußballjahr 2012 geblieben sein. Der Kampf gegen das geplante DFL-Sicherheitspapier und die damit verbundenen 12:12-Protestaktionen waren ganz gewiss ein Meilenstein, und man ist überrascht, dass dies bereits fünf Jahre her sein soll. Und 2017? Es wurde wahrlich turbulent! Abseits des rein Sportlichen geschah eine Menge. Der „Empfang“ der RB Leipzig Fans in Dortmund, die Camouflage-Aufritte von Rostock in Zwickau und Dresden in Karlsruhe, die Proteste gegen die geplante Teilnahme der Chinesen am Spielbetrieb der Regionalliga Südwest, der Kampf für eine gerechtere Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga, die Proteste in Hannover gegen die GmbH-Übernahme, der Kampf der Schweriner für den Erhalt der Paulshöhe und die Proteste in Bochum gegen die Ausgliederung. Folgend ein Rückblick, der sich an den wichtigsten, am meisten gelesenen Berichten in unserem Magazin orientiert. Los geht´s!

Hansa

Das Jahr 2017 hatte kaum begonnen, da wurde es an der Ostseeküste lebhaft. Der F.C. Hansa Rostock wurde vom DFB mit einem Geisterspiel bestraft, gegen Jahn Regensburg sollten am 28. Januar die Ränge leer bleiben. Um den finanziellen Schaden zu mildern, gab es „Mit dem Herzen dabei“-Tickets zu kaufen. Geplant war, dass die Fans ihre Fotos von sich einsenden konnten. Die Ausdrucke sollten auf die jeweiligen Sitze festgeklebt werden. Doch Pustekuchen! Serviert direkt aus Frankfurt am Main! Die Knüppel, die manch einem Fußballclub mit Schmackes in die Beine geworfen werden, werden immer dicker. Dass die geplante Foto-Aktion (sogar vom Verein selbst initiiert) im Rostocker Ostseestadion verboten wurde, ließ selbst eher moderate Kritiker die Zornesadern anschwellen. Kurzerhand hieß es nun: „Ihr kommt vom Sitz auf die Leinwand!“ Ein schwacher Trost für die Fans, aber was sollte der Verein auch anderes tun?!

http://www.turus.net/sport/fussball/8871-fotoverbot-in-rostock-die-spitze-des-eisberges-oder-was-kommt-noch-vom-dfb.html

BVB

Anfang Februar. Erster Auftritt von RasenBallsport Leipzig bei Borussia Dortmund, begleitet von zirka 8.000 RBL-Sympathisanten. Tröpfchenweise liefen diese in kleineren Gruppen die Strobelallee entlang, vorbei am Stadion Rote Erde. Dort wartete eine erhebliche Anzahl aufgebrachter Dortmunder Fußballfreunde und empfing die Angereisten mit wütenden Sprechchören sowie geworfenen Bierbecher, Eiern und Farbbeuteln. Aus Leipziger Sicht wurde es ein Spießrutenlauf, ein Grauen, ein echter Alptraum. Es dauerte nicht lange, bis es zu ersten Rangeleien auf Seiten der Westfalenhalle kam. Mal war ein gezogener Schal, mal ein hitziges Wortgefecht der Grund dafür. Insbesondere RB-Fans im mittleren oder gar höheren Alter wollten sich die Schimpftiraden nicht gefallen lassen. So wollten es einzelne Männer gleich mit dem ganzen schwarzen Mob vor dem „Strobels“ aufnehmen. Später im Stadion gab es auf der Südtribüne zahlreiche Spruchbänder zu sehen. Diese bildeten quasi ein ganzes Meer an Botschaften. Mal mit Witz, mal hart unter die Gürtellinie. Zwar blieb es auf den Rängen weitgehend friedlich, doch eine deftige Strafe für den BVB 09 folgte nur kurze Zeit nach dem im Nachfeld heiß diskutierten Duell.

http://www.turus.net/sport/fussball/8882-borussia-dortmund-vs-rb-leipzig-spiessrutenlauf-vor-der-roten-erde-und-spruchbandmeer-auf-der-sued.html

WSV

„Bergisch. Brutal. Asozial.“ Die „Ultras Wuppertal“ holten im Februar ihren 15. Geburtstag nach. Eigentlich war die große Party für den 4. Dezember 2016 geplant, als im Stadion am Zoo die U23 von Fortuna Düsseldorf zu Gast war. Aufgrund der Spielabsage wurde die geplante Choreo nun über zwei Monate später nachgeholt. 3.003 Zuschauer waren vor Ort, als es die Geburtstagskinder mal richtig krachen ließen. Der Auftakt: Eine übergroße Blockfahne, die unter anderem das Logo der Ultras Wuppertal und ein Fan mit einer Fackel zierte, wurde durch den Spruch „Komm mit auf unsere Bahn - 15 Jahre Ultra Wahn“ ergänzt. Im unteren Bereich wurde eine Schwebebahn skizziert, in deren Fenstern zum einen die Klublogos von den Freunden (Young Boys Bern und Fenerbahce Istanbul) sowie die verstorbenen Wegbegleiter gezeigt wurden und zum anderen maskierte Ultras wenig später Tifo-Material entzündeten. Teil zwei wurde später mit dem besagten „Bergisch. Brutal. Asozial.“ farbenfroh eingeläutet.

http://www.turus.net/sport/fussball/8886-wuppertaler-sv-vs-duesseldorf-ultras-wuppertal-geburtstags-pyro-choreo-garniert-mit-torfestival.html

FCM

Wenig später gab es aus dem tiefen Westen noch etwas Farbenfrohes zu vermelden, allerdings waren es dieses Mal Fußballfreunde aus dem „Wilden Osten“, die eine starke Nummer zeigten. Ende Februar war der 1. FC Magdeburg zu Gast beim MSV Duisburg, am Freitagabend begleiteten rund 2.500 Fans den 1. FCM. Und diese legten an jenem Abend die Messlatte richtig hoch. Was für ein Auftritt! Selbst zahlreiche langjährige MSV-Fans mussten zugeben, dass sie so etwas im Gästebereich des Duisburger Stadions noch nicht gesehen und gehört hatten.

http://www.turus.net/sport/fussball/8898-msv-duisburg-vs-1-fc-magdeburg-spitzenspiel-mit-sattem-gaestesupport.html

Wulinkowski

Alte Erinnerungen weckte Anfang März das Zweitligaspiel 1. FC Union Berlin vs. Würzburger Kickers. Der Grund: Der Torwart im Kasten der Gäste. Verrückt, wenn man sich folgendes überlegt. Als heute 18-jährige Union-Fans, die von der Waldseite aus ihre Mannschaft lautstark unterstützen, zur Jahrtausendwende noch in der Wiege lagen oder gerade das Laufen erlernten, hütete mitunter der deutsch-polnische Torhüter Robert Wulnikowski bereits das Gehäuse der Eisernen. Rings herum unüberdachte, staubige, mit Gras bewachsene Ränge, hinter denen die Wipfel der Kiefern hervorlugten. Der Verein spielte in der Regionalliga Nordost, und am Ende der Saison 1999/2000 kämpfte er um den Aufstieg in der 2. Bundesliga, verpasste jedoch diesen in der Relegation zuerst im direkten Duell gegen den VfL Osnabrück und anschließend in der Amateurmeisterschaft (entscheidendes Spiel gegen LR Ahlen ging 1:2 aus). Robert Wulnikowski und seinen damaligen Mannschaftskollegen sollte jedoch noch der Sprung in die Zweitklassigkeit gelingen - und zwar in der Saison darauf.

http://www.turus.net/sport/fussball/8908-1-fc-union-berlin-vs-wuerzburger-kickers-ein-spiel-das-alte-erinnerungen-weckt.html

Hansa

Ja, gut. Und manchmal gibt es halt Abende, die ein wenig anders verlaufen als gedacht. Da für das Drittligaspiel FSV Zwickau vs. F.C. Hansa Rostock aus kuriosem Grund ein Presseticket verweigert wurde, sollte der Weg als Beobachter auf die Gegengerade führen. Allerdings gab es auch hierbei eine Hürde. Zwickauer Sportsfreunde wünschten die Anwesenheit nicht und verwehrten den Zutritt. Letztendlich wurde der Abend im Auto verbracht, das Spiel wurde akustisch und per Live-Ticker auf dem Handy verfolgt. Während draußen im Dunklen eine skurrile Gestalt um die geparkten Autos herumstrolchte, wurden im Auto aus dem Bauch heraus Notizen angefertigt, aus denen später ein heiß diskutierter Bericht wurde. Klar, mit etwas Abstand hätte man einiges anders formuliert, doch die Gedankengänge beim Warten im zwischen den Neubaublocks geparkten PKW waren nun mal genau jene:

http://www.turus.net/sport/fussball/8918-fsv-zwickau-vs-hansa-rostock-stadionverbot-gruselfaktor-und-saechsische-willkommenskultur.html

CB

Ebenso für reichlich Gesprächsstoff sorgte Ende April das RL-Duell SV Babelsberg 03 vs. FC Energie Cottbus. Zweimal musste das Spiel fast abgebrochen werden. Im Gästeblock hatten etliche Anwesende den inneren Schalter umgelegt. Und zwar ganz klar auf Krawall-Stellung. Es kam zu Provokationen und zu einem versuchten Platzsturm (nur einige gelangten auf den Rasen). Mobil gemacht wurde nun auch auf Heimseite - und zwar vom Rande der Haupttribüne aus. Die dort sitzenden sportlich Orientierten bildeten am jenen Abend eine beachtliche Gruppe. Auf Kommando stürmten einige von ihnen auf den Platz und eilten zum hinteren Bereich des Gästeblocks, drehten dann jedoch ab und versuchten im vorderen Bereich an den Block heranzukommen. Was sonst noch alles passierte, ist hier in Ausführlichkeit nachzulesen:

http://www.turus.net/sport/fussball/9042-babelsberg-03-vs-energie-cottbus-turbulente-szenen-sorgen-fuer-zweifachen-fast-abbruch.html

SGD

Vielleicht DER „Aufreger" des Jahres war jedoch der Auftritt der Fans der SG Dynamo Dresden in Karlsruhe! Hatten bereits die Rostocker in Zwickau mit einer Camouflage-Aktion für Furore gesorgt, so setzte die Anhängerschaft der SGD Mitte Mai noch einiges drauf! Ein geschlossener Marsch zum Stadion. Die „Kübelpappe“ samt Vorsänger und die Trommler vorneweg. Der erste Gedanke: Das US-Militär rückt an! Die Art der Tarnfarbe, die Art des Trommelns, die Mützen und natürlich nicht zuletzt der Aufdruck auf den Shirts. Es hätte vielleicht auch gepasst, im Look der Nationalen Volksarmee dem DFB den „Krieg zu erklären“, doch letztendlich wollte man nicht nur die Ost-Kiste greifen. Bekanntlich wurde in der DDR bei der NVA gern auf preußische Traditionen zurückgegriffen, da kam für die Anhängerschaft der SG Dynamo die Prise Safari-Style dann wohl doch weitaus besser. Das Echo auf die Aktion war gewaltig. Während zahlreiche andere Fanszenen den Hut zogen oder einfach nur abfeierten, gab es von Seiten der Medien, der Politik und des Verbandes harte Kritik. Kürzlich zeigte sich, dass die Behörden das Ganze nicht auf sich beruhen lassen wollten…

http://www.turus.net/sport/fussball/9065-dynamischer-camouflage-alarm-in-karlsruhe-wer-erklaert-hier-wem-den-krieg.html

Hansa

Das Ganze mal etwas lockerer nehmen / sehen?! Mitunter sind die Auswärtsspiele der Amateure des F.C. Hansa Rostock eine prima Gelegenheit, einfach mal nur abzufeiern. Beliebt sind unter anderen die Spiele im Stadion der Freundschaft in Frankfurt/Oder. So hieß es auch im vergangenen Mai an der Oder: Sextourismus und Partystimmung! Eins, zwei, drei, Oberkörper frei! Und nicht nur das! Zu Beginn der Oberligapartie saß ein Hansa-Fans sogar mit dem nackten Hintern auf der Zaunkrone!

http://www.turus.net/sport/fussball/9069-1-fc-frankfurt-vs-hansa-rostock-ii-sextourismus-und-partystimmung-an-der-oder.html

RWE

Double, Trubel, Knackigkeit, hieß es beim Landespokalfinale Rot-Weiss Essen vs. MSV Duisburg. Was für ein fettes Saisonfinale! Bei einem normalen Ligaspiel, knipst man sich ein paar Gigabyte an Fotodaten auf die Kamera, aber an jenem Nachmittag in Essen glühte der Speicherchip förmlich über. "Normal" ist ja kaum ein Spiel an der Hafenstraße in Essen, aber ein Niederrheinpokal-Finale gegen den Erzrivalen aus Duisburg dann doch etwas Besonderes. Hier der Bericht vom Spiel:

http://www.turus.net/sport/fussball/9075-rot-weiss-essen-msv-duisburg-double-trubel-knackigkeit.html

schwerin

Paulshöhe erhalten! Bereits seit geraumer Zeit kämpfen zahlreiche Schweriner Fußballfreunde, unter ihnen zahlreiche Fans der SG Dynamo Schwerin, gegen den geplanten Abriss der traditionsreichen Spielstätte. Dass die SG Dynamo Schwerin, als Landesligist nicht gerade die besten Karten in der Hand hält, dürfte klar sein. Nichts desto trotz wird der Kampf gegen die Windmühlen mit Inbrunst geführt. Ein erste Demo gab es im Juni 2017. Wir waren damals vor Ort in der Landeshauptstadt und drücken auch weiterhin die Daumen, dass irgendein Weg / Schlupfloch noch gefunden wird, wenngleich es ganz danach aussieht, dass das Gelände bebaut wird.

http://www.turus.net/sport/fussball/9106-paulshoehe-erhalten-demonstration-durch-schwerin-setzt-kraftvolles-zeichen.html

F/O

Ein weiteres wichtiges Thema im vergangenen Sommer (und danach) war die geplante Teilnahme der chinesischen U20-Auswahl am Spielbetrieb der Regionalliga Südwest. Wir hatten im Juni 2017 einen Alternativplan in der Schublade: Völkerverständigung, Fair play, vereintes Europa, echter Sportsgeist. Und keine reine finanzielle Kooperation, um über Umwege den Profifußball in Fernost noch besser ausschlachten zu können. Fußball richtig basic. Und auch die Sache mit den zwei Heimspielen wäre dann unnötig. Man könnte das polnische Team im altehrwürdigen Stadion der Freundschaft in Frankfurt / Oder auflaufen lassen. Wohnen könnten die Spieler - wenn sie denn nicht auf Bigos und polnisches Fernsehen verzichten wollen - im benachbarten Slubice. Und für die Auswärtsfans der anderen Vereine wäre eine Fahrt nach Frankfurt / Oder ein echter Gaudi!

http://www.turus.net/sport/fussball/9111-kooperation-mit-china-war-da-nicht-mal-was-mit-dem-fc-fidel-und-warum-keine-polen-fuer-die-rl-nordost.html

sudenburg

Was tut man sonst in der Sommerpause? Man lässt einiges Revue passieren und denkt nach. Bei einer Tasse Kaffee kam urplötzlich die Frage auf: Wie häufig tauchen eigentlich „Chemie“, „Lokomotive“ und „Roter Stern“ abseits der Messestadt Leipzig in deutschen Vereinsnamen auf? Schnell mal auf dem Mobiltelefon bei fussball.de geschaut. Was man so alles findet. 1a diese Seite, was die Recherche zu deutschen Fußballvereinen betrifft! Roter Stern Flensburg - schon mal davon gehört. Roter Stern Sudenburg - vor geraumer Zeit hatte ein Kollege drüber berichtet. Roter Stern Pfafferode? Noch nie gehört! Roter Stern Wehringhausen? Ebenfalls noch nie zur Kenntnis genommen. Insgesamt zehn Treffer gibt es bezüglich von „Roter Stern“. Mehr als gedacht. Gar nicht mal so viel mehr ist zu „Chemie“ zu finden. Immerhin gab es zu DDR-Zeiten etliche Betriebssportgemeinschaften aus dem Bereich der Chemischen Industrie. Mehr zum Thema „Lokomotive Güterglück, Union Wetten, Hertha Otze, Plätzchen Kickers: Vereine mit grandiosen Namen“:

http://www.turus.net/sport/fussball/9152-lokomotive-gueterglueck-union-wetten-hertha-otze-plaetzchen-kickers-vereine-mit-grandiosen-namen.html

stahl

Trauer und Wut kamen Ende Juli auf. Die Stadt Brandenburg verschrottete die Leuchttürme der Stahl-Historie. Die Flutlichtmasten des Stadions am Quenz wurden abgerissen. Am Abend des 26. Juli 2017 wurde auf der Seite des FC Stahl Brandenburg ein letztes Foto gepostet. „Einsam steht er da, der letzte der 4 Masten. Macht´s gut Jungs, es war schön mit Euch!“ Was für ein trauriger Anblick! Fast die gleiche Perspektive wie auf dem Titelbild, nur dass nur noch einer der vier Masten stand. Der Kampf des Vereins und seiner Fans ging verloren. Die Stadt setzte letztendlich durch, dass statt der Sanierung der Masten der Abriss in Angriff genommen wurde. Passend dazu war auf der Anzeigetafel im Stadion zu lesen: „Politik kennt keine Tradition *Unfassbar*“

http://www.turus.net/sport/fussball/9151-trauer-und-wut-stadt-brandenburg-verschrottet-die-leuchttuerme-der-stahl-historie.html

H96

Der Baum brannte indes in Hannover. Die geplante komplette Übernahme der GmbH schlug im Sommer hohe Wellen, und mitten rein platzten die Ereignisse beim Testspiel in Burnley. Burnley - na, das passte ja! Ich persönlich hatte dieses Spiel überhaupt nicht auf dem Schirm. Meister „Rainer Zufall“ wollte es, dass ich bei der täglichen Recherche zu später Stunde über die Videos aus Burnley stolperte. Burnley?! Ein Schmunzeln huschte über das Gesicht. Als eines der weiterführenden Videos wurde sogleich die im Jahr 2005 angefertigte Dokumentation „Putain de Hooligans!“ empfohlen. Youtube weiß halt, für was man sich interessiert bzw. was man irgendwann einmal angeklickt hatte. Die 45-minütige Dokumentation über die englischen „Firmen“ war kein Meisterwerk, doch einige Passagen über die Jungs aus Stoke-on-Trent und Burnley wurden legendär. Die knarzige Musik zu Beginn, die skurrilen Typen, die schrägen Interviews. Doch darum sollte es ja letztendlich nicht gehen. Nach den Vorfällen beim Spiel in Burnley schlugen die Wellen extrem hoch, die Diskussionen innerhalb der Anhängerschaft von Hannover 96 wurden zum Teil richtig hässlich. Das persönliche Gefühl zu jenem Zeitpunkt? Da war nichts mehr zu Löten. Nach der Aktion in Burnley brauchte man als Kind-Kritiker quasi gar nicht mehr in Erscheinung treten.

http://www.turus.net/sport/fussball/9173-burnley-bambule-und-gmbh-uebernahme-in-hannover-brennt-der-baum-die-diskussionen-ufern-aus.html

CB

Einiges zu bieten hatte die erste DFB-Pokalrunde. So lauteten unsere Schlagzeilen: „Der Geist von 1997: Energie Cottbus gelingt vor beeindruckender Kulisse fast die Pokal-Revanche“, „BFC Dynamo vs. FC Schalke 04: Ganz Feuer und Flamme - und doch wieder kein weinroter Pokaltreffer!“ sowie „Hansa Rostock vs. Hertha BSC: Der Rausch, die durchgehenden Gäule, der böse Kater danach“.

http://www.turus.net/sport/fussball/9184-der-geist-von-1997-energie-cottbus-gelingt-vor-beeindruckender-kulisse-fast-die-pokal-revanche.html

BFC

http://www.turus.net/sport/fussball/9187-bfc-dynamo-vs-fc-schalke-04-ganz-feuer-und-flamme-und-doch-wieder-kein-weinroter-pokaltreffer.html

Hansa

http://www.turus.net/sport/fussball/9189-hansa-rostock-vs-hertha-bsc-der-rausch-die-durchgehenden-gaeule-der-boese-kater-danach.html

nurdersfc

Mit dem SC Freiburg unterwegs in Europa. „Bierkönig – Ljubljana – Bierkönig“. Einen Bericht über eine etwas andere Auswärtsfahrt hatte im August 2017 die „Sektion Hochrhein“ verfasst:

http://www.turus.net/sport/fussball/9197-ec-sause-mit-dem-sc-freiburg-bierkoenig-ljubljana-bierkoenig-eine-etwas-andere-auswaertsfahrt.html

 Klo

Einem mal ganz anderen Thema widmete sich unser Autor Michael im September vergangenen Jahres. „Kackhäufchen, Schmirgelpapier und zertretene Türen: Manchmal ist man froh über jedes Stadionklo“. So heißt es unter anderen: Andere Länder, andere Sitten. Auf einem der slowakischen Umsteigebahnhöfe gab es hinter einer wuchtigen Tür eine Luke, aus der drei Blatt gereicht wurden. Das war das gute alte DDR-Schmirgelpapier. In solchen Situationen ist es aber eher zweitrangig. Da hat man andere Probleme. Also, Hose hoch, zurück zur Luke und dreimal eindringlich „duży“ (groß bzw. viel) wiederholt. Das ältere Frauengesicht erkannte die Lage und reichte eine ganze Rolle durch das Fenster.

http://www.turus.net/sport/fussball/9241-kackhaeufchen-schmirgelpapier-und-zertretene-tueren-manchmal-ist-man-froh-ueber-jedes-stadionklo.html

 SGE

Leuchten in den Augen - Leuchten im unterfränkischen Zauberwald. Nach der DFB-Pokalpartie 1. FC Schweinfurt 05 vs. Eintracht Frankfurt hieß es: Dropbox-Alarm. Der Sachseninformer hat wieder was geliefert. Ein Blick auf die Bildauswahl. Halt dich fest! Das Auge fokussiert eine Aufnahme. Minutenlang könnte man sich dieses Foto anschauen. Ist es nicht schön? Wundervoll. Ästhetisch. Geheimnisvoll. Darf man das eigentlich öffentlich äußern, ohne gleich in eine Schublade mit den „sogenannten Fans“ geworfen zu werden? Das Bild, von dem ich spreche, könnte als Gemälde (oder auch einfach als gerahmtes Foto) in einer Galerie hängen. Bei einer Vernissage - wir schreiben das Jahr 2054 - würden die Besucher mit dem Wein in der Hand mit staunenden Augen vor dem Bild stehen. Ein Stadion aus einer anderen Epoche. Hinter den Rängen die Baumreihe, im dunklen Abendhimmel versprüht eine Rakete gerade die Funken und farbigen Kugeln. Was für ein Moment! Es wirkt, als läge Schnee auf der Tartanbahn, doch es sind zahlreiche sich kringelnde Papierschlangen. Auf den flachen Rängen leuchten die roten Fackeln, am Zaun wurden transparente Logos des Vereins angebracht. Eintracht Frankfurt. Dazu ein fettes „Ultras“. Im Jahr 2054 wird man sich fragen, was es mit diesem Begriff auf sich hat. Ältere werden Erklärungen finden und mit dem „Es war einmal …“ die anderen Umstehenden über die Hintergründe informieren. „Aber es war nicht Krieg, oder?“, wird einer der Vernissage-Besucher fragen…

http://www.turus.net/sport/fussball/9288-1-fc-schweinfurt-05-vs-eintracht-frankfurt-das-leuchten-im-unterfraenkischen-zauberwald.html

 LOK

Chemie

Im November stand schließlich das vorverlegte brisante Leipziger Derby an der Tagesordnung. Zu berichten gab es - wie erwartet - eine Menge. Der Titel des Berichts: „Lok Leipzig vs. Chemie: Pyro, Wasserwerfer, Unterbrechungen, Bierdusche - es brannte der Baum, doch man behielt die Nerven!“ Wer Lust hat, noch einmal alles Revue passieren zu lassen oder einfach nur Bock auf die Bilder hat:

http://www.turus.net/sport/fussball/9326-lok-leipzig-vs-chemie-pyro-wasserwerfer-unterbrechungen-bierdusche-es-brannte-der-baum-doch-man-behielt-die-nerven.html

Anika 

Wie es sich anfühlt, 90 Minuten lang die Drittligapartie Hallescher FC vs. F.C. Hansa Rostock am Liveticker zu verfolgen, wurde Anfang Dezember ausprobiert. Alte Erinnerungen kamen wieder hoch. Unvergessen! Der Moment, als der Bildschirm kurz zuckte. Ein banger Blick auf den Fernseher. Das kurze Flackern der Videotexttafel zeigte klar und deutlich an, dass es eine Veränderung gab. Und da! Gleich zwei Ergebnisse sind umgeschlagen. Ein Hitzeschauer, eine geballte Faust oder halt ein kurzer Schockmoment. Was waren das vor 20 Jahren für Momente, als die 1. und 2. Bundesliga live auf Videotext verfolgt wurde. Klar, soweit die Zeit es zuließ, war ich nur auf Achse und zog mir ein Spiel nach dem anderen rein. Jedoch gab es auch Tage, an dem es nicht möglich war, zum Stadion zu tingeln. In der Zeit vor dem allgemein verfügbaren Internet war Videotext (neben einer Livekonferenz im Radio) die einzige Möglichkeit, auf dem Stand der Dinge zu bleiben - und das sehr zeitnah. Kleine Verzögerungen gab es immer beim Einpflegen der Ergebnisse auf Videotext. Manchmal - bei großen Bundesligaspielen - hörte man den Torjubel vom Nachbarhaus noch bevor das Ergebnis sich umgestellt hatte…

http://www.turus.net/sport/fussball/9338-hallescher-fc-vs-f-c-hansa-rostock-feuer-und-flamme-auf-den-raengen-und-am-live-ticker.html

 altes Lager

„In Brandenburg, in Brandenburg ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt… Was soll man auch machen, mit 17, 18 in Brandenburg?“ Na, wie wäre es mit Fußball? Klar, das Land Brandenburg hat einen schlechten Ruf. Wenige Einwohner, viel Fläche, wenig Freizeitmöglichkeiten für die Jugend. Aber warum immer auf andere schimpfen, warum nicht einfach selbst mal das Zepter in die Hand nehmen und Dinge verbessern. Bei der SG Blau-Weiß Altes Lager (zwischen Jüterbog und Treuenbrietzen gelegen – mehr Nichts gibt es eigentlich kaum) kamen zum Duell gegen die Reserve des KSV Sperenberg zwar auch nur rund 25 Zuschauer, erstaunlich viele davon waren aber noch weit vom Rentenalter entfernt. Sogar zwei Zaunfahnen wurden auf dem Rasenhang ausgelegt und vor dem Spielbeginn stand ein Mitglied der „Blue Crew 47“ im Mittelkreis und schwenkte eine Fahne mit Vereinslogo. Zum Bericht von unserem Autor Frank Grunert:

http://www.turus.net/sport/fussball/9333-altes-lager-vs-ksv-sperenberg-ii-kreisligakick-und-spurensuche-im-alten-militaerlager.html

 BVB

Etwas ruhiger wurde es Mitte / Ende Dezember. Nach einem Besuch auf der Dortmunder Südtribüne beim Heimspiel gegen den SV Werder Bremen ließen wir mit etlichen Rückblicken das Jahr 2017 ausklingen.  

http://www.turus.net/sport/fussball/9348-borussia-dortmund-vs-werder-bremen-ins-aus-kullernde-baelle-ein-blick-von-der-suedtribuene-aus.html

Polizei 

http://www.turus.net/sport/fussball/9351-tebe-vs-bfc-knueppel-aus-dem-sack-und-gratis-pfeffi-zum-nikolaus-2008.html 

http://www.turus.net/sport/fussball/9355-fc-schalke-04-vs-1-fc-koeln-als-die-nikolaeuse-vor-25-jahren-im-parkstadion-bambule-machten.html

Union 

http://www.turus.net/sport/fussball/9353-20-dezember-2000-ernemann-schiesst-union-ins-glueck-und-laesst-sogar-journalisten-sitzkissen-werfen.html

http://www.turus.net/sport/fussball/9354-ein-spiel-das-alles-veraenderte-f-c-hansa-rostock-vs-eintracht-frankfurt-im-oktober-1995.html

Hansa

http://www.turus.net/sport/fussball/9362-fast-intensiver-als-ein-orgasmus-als-kirsten-im-herbst-1997-in-der-nachspielzeit-den-bayern-zwei-einschenkte.html

Und das Wichtigste zum Schluss:

Euch allen ein erfolgreiches, spannendes und erlebnisreiches Fußballjahr 2018! Und vor allem: Bleibt gesund!

Fotos: Marco Bertram, Sachseninformer, H., Michael, Ruhestörer, Felix, Fußballfotografie, nur-der-scf, Anika, Frank Grunert, 

 

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Auch 2018 bitte wieder diese Fülle!

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