1. FC Magdeburg vs. Borussia Dortmund: Gelungener Teil 2 der Horrorshow - keine Überraschung auf dem Rasen

MB 25 Oktober 2017
 
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1. FC Magdeburg vs. Borussia Dortmund: Gelungener Teil 2 der Horrorshow - keine Überraschung auf dem Rasen

„Wieder diese Chaoten, diese sogenannten Fans!“, „Pyro-Idioten, die unseren Sport kaputt machen!“, „Danke - und wieder eine saftige Strafe! Wen man dafür wieder hätten holen können!“, „Selbstdarsteller, die verbannt werden müssen!“, „Alle raus, alle Stadionverbot! Ab zu Mutti und den Arsch versohlen lassen!“ Diese Art von Kommentaren ist hundertfach zu lesen, wenn in irgendeinem Stadion mal wieder etwas angezündet wurde und eine Strafe vom DFB droht. Interessant: Im Fall des 1. FC Magdeburg verstummen meist diese kritischen Stimmen. Sowohl in den sozialen Netzwerken, als auch von Seiten der Presse. Wer hatte schon großartig gemeckert, als vor drei Jahren beim DFB-Pokalspiel gegen Bayer 04 Leverkusen die große Choreo samt rot glühenden Augen und Blinkern im Block U präsentiert wurde. Und selbst als bei anderen Heimspielen mitunter unzählige Bengalen breit verteilt angerissen wurden und vor sich hin leuchteten, war der Shitstorm nicht allzu groß. Klar, kritische Stimmen wird es immer geben, doch in Magdeburg bleibt in der Regel der große Aufschrei aus. Der Grund: Es sieht einfach zu beeindruckend aus. Gestern gab es quasi die Fortsetzung der damaligen Choreo gegen Leverkusen. Wieder Herbst, wieder naht Halloween. „Ihr denkt, es ist vorbei, doch die Spiele haben erst begonnen“, war in Zombie-Schrift Weiß auf Schwarz zu lesen. Dazu tausende glitzernde Fähnchen, zahlreiche Blinker und zwei rote Fackeln als leuchtende Augen im zentralen Element.

FCM 2014

Wie bereits vor drei Jahren gegen Bayer 04 Leverkusen (damals hieß es „Pokalschreck 1. Fußballclub Magdeburg“, siehe Foto) - welcher Zuschauer möchte sich bei solch einer Choreo mit Ekel und Wut im Bauch abwenden?! Ganz im Gegenteil. Jubel ertönte auf den Rängen, als gestern Abend weit hinter dem Stadion Raketen in den dunklen Abendhimmel stiegen. Es ist verständlich, dass die Freude groß war, denn wer erfreut sich nicht zu Silvester oder anderen großen Anlässen am farbenfrohen Spektakel. Und da die Fans des 1. FC Magdeburg stets mit erkennbarem Sachverstand die Sachen zum Abbrennen bringen, bleibt der riesige mediale Aufschrei in der Regel aus. Kein hektisches Wedeln der Funken sprühenden Fackeln auf dem Zaun oder gar am Geländer eines Oberrangs. Nein, in aller Ruhe brennen die hochgehaltenen Fackeln ab, nichts wird in Richtung Innenraum geworfen. Das macht eben den großen Unterschied aus. Ein Blick auf die aktuellen Schlagzeilen: In Sachen Kritik an der Choreo samt Blinkern und Feuerwerk ist kaum etwas zu finden. Die meisten Überschriften beinhalten das Sportliche auf dem Rasen. Allein ein Onlineartikel der BILD fällt auf dem ersten Blick ins Auge. Hierbei geht es allerdings um die Gästefans, denn diese hatten auch einiges dabei. „BVB-Ultras sorgen für neuen Pyro-Eklat“. Dazu die Schlagworte „saftige Strafe“ und „Fan-Ausschluss“.

BVB

Zum Sportlichen: Der Begriff „Pokalschreck“ ist vor drei Jahren nicht ohne Grund auf dem riesigen schwarzen Horror-Banner verwendet worden. Zum einen wurde zuvor der FC Augsburg aus dem Wettbewerb geworfen, zum anderen werden sich noch viele an die grandiose Pokal-Saison 2000/01 erinnern. Damals wurde der 1. FC Köln mit 5:2 (!) nach Hause geschickt, es folgten ein 4:2 (1:1) im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern München und ein 5:3 nach Verlängerung gegen den Karlsruher SC. Erst im Viertelfinale war Schluss. Denkbar knapp mit 0:1 musste sich der 1. FCM gegen den FC Schalke 04 geschlagen geben. Richtig nah dran an der Überraschung waren die Magdeburger vor drei Jahren auch gegen die Werkself vom Rhein. Erst kurz vor Schluss musste noch der Ausgleich hingenommen werden, und sogar im Elfmeterschießen lag Magdeburg vorn. Am Ende versagten wohl ein wenig die Nerven. Leverkusen zog in die nächste Runde ein, Magdeburg erntete sehr viel Lob.

FCM

So lange wie möglich die Partie offen halten, das galt auch am gestrigen Abend gegen Borussia Dortmund. Die Vorzeichen waren auch nicht die schlechtesten. Wieder wurde in der ersten Runde der FC Augsburg geschlagen, und in der 3. Liga lief es zuletzt wunderbar. Bis auf das letzte Heimspiel gegen Unterhaching, das überraschend deutlich verloren wurde. Fast gleich hinten was rein bekam der 1. FC Magdeburg allerdings am gestrigen Abend gegen den BVB. Bereits nach drei Minuten klatschte der Ball an den Pfosten, den Nachschuss von Isak konnte der FCM-Keeper Brunst mit dem Fuß parieren. Aufatmen auf den Rängen. Nach der Schrecksekunde konnte der Gastgeber langsam aber sicher ins Spiel kommen, in der Folge gestaltete sich die Partie offen, hinten wurde wenig zugelassen.

FCM

Kurz vor der Pause dann aber doch das 1:0 der Borussen. Dahoud musste verletzt ausgewechselt werden, für ihn kam Castro, und dieser besorgte mit seinem ersten Ballkontakt die Dortmunder Führung. Flanke, Vorlage mit dem Kopf, zack, aus rund fünf Metern machte Castro die Bude. Mit der knappen Gästeführung ging es zum Pausentee in die Kabinen. Machbar, da waren sich die meisten FCM-Fans einig. Was damals gegen Leverkusen gelang, könnte auch gegen Dortmund klappen. Ausgleich. Mithalten. In die Verlängerung kommen. Dafür war jedoch der BVB zu abgezockt. Der ließ nichts anbrennen und wollte sogleich Fakten schaffen. Und zwar direkt nach der Pause. Nach einer Magdeburger Ecke wurde der Gegenangriff gestartet. Der Ball gelangte zu Isak, und dieser schob von schräg links ein. 2:0 für Dortmund. Die Hoffnung schwand bei den Heimzuschauern. Als eine Viertelstunde vor Schluss der Schiedsrichter auf den Punkt zeigte und Yarmolenko den Elfer zum 3:0 verwandeln konnte, war der Drops gelutscht. Logisch, dass nun beim 1. FCM die Kraft nachließ. Ohne großen Aufwand konnte der BVB das Ergebnis auf 5:0 erhöhen. Bartra machte per Kopf in der 79. Minute das 4:0 für Schwarz-Gelb, in der 90. Minute sorgte Kagawa für den letzten Treffer des Abends. Trotz deutlicher Niederlage wurde die Magdeburger Mannschaft zurecht von den eigenen Fans gebührend gefeiert. Zeit zum Trauern ist eh nicht, denn bereits am kommenden Sonntag steht eine weitere große Aufgabe an. Im Wildparkstadion hat es der 1. FCM mit dem Karlsruher SC zu tun - auch keine schlechte Nummer.

FCM

Fotos: Jean Falkner, Marco Bertram (Leverkusen 2014)

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Magdeburg

> zur turus-Fotostrecke: Borussia Dortmund

Spielergebnis:
0:5
Zuschauerzahl:
23.100
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