Altglienicke holt ersten Regionalliga-Punkt gegen Auerbach im Jahnsportpark

R 30 Juli 2017
 
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Altglienicke holt ersten Regionalliga-Punkt gegen Auerbach im Jahnsportpark

Der Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark in Berlin, Prenzlauer Berg hat schon viele Änderungen erlebt: Mitte/Ende der 1980er wurden z.B. die aktuelle Haupttribüne, die Überdachung der Gegengeraden und die aktuellen Flutlichtmasten errichtet. Ende der 1990er wurden die bunten Sitzschalen installiert, die jetzt, knapp zwanzig Jahre später, augenscheinlich verblassen. Der eine oder andere Auswärtsmob hat auch dafür gesorgt, dass Schalen ausgetauscht werden mussten und farblich jetzt nicht mehr alles so ganz stimmt.

Aber es bröckelt auch an anderen Stellen, die Substanz ist so marode, dass eine Machbarkeitsstudie den Abriss und Neubau empfiehlt, Kostenpunkt 150 Millionen Euro, entschieden ist aber noch nichts. Das Areal soll Raum bieten für einen „Inklusions-Sportpark“ u.a. für Behinderten-Sport, Leichtathletik aber auch die Rugby und American Football-Spiele. Und natürlich auch Fußball, obgleich das Stadion zuletzt weniger als große Bühne diente: hier wird jährlich das Berliner Pokalfinale ausgetragen, Hertha BSC spielte ab und an mal ein Europa League Qualifikationsspiel und es gab 2015 das Champions League Finale der Frauen.

JSP

Die Dritte Liga war die höchstklassige, die das Stadion in den letzten Jahren im Regelbetrieb gesehen hat und Torsten Mattuschka wird sich noch gut daran erinnern: hier stieg er 2008/09 mit dem 1. FC Union Berlin „auswärts“ in die 2. Bundesliga auf während die Alte Försterei umgebaut wurde.

Für Union war „Tusche“ viele Jahre eine wichtige Stütze, prägte den Weg von der Oberliga in die 2. Bundesliga mit. Er ging dann nach Cottbus in die Dritte Liga nachdem er sich unter dem damals neuen Trainer Norbert Düwel seiner Rolle nicht mehr sicher sein konnte aber weiter „Bock auf Fußball“ hatte. Nach dem Absturz des FC Energie heuerte er bei Altglienicke an und gehörte mit Björn Brunnemann zu den erfahrenen Ex-Profis, die die Südost-Berliner in der letzten Saison von der Oberliga Nordost Nord in die Regionalliga Nordost führten.

Tusche

In der Oberliga spielte die VSG einen großen Teil ihrer Heimspiele auf Kunstrasen, für die Regionalliga ist der heimische Platz nicht tauglich. Das sind aber in Berlin auch nicht viele Stadien, so dass der Jahn-Sportpark mal wieder als Ausweichstadion Ligabetrieb erlebt.

Mit einer Kapazität von 19.000 Zuschauern ist er für die Regionalliga allgemein und die VSG im Besonderen grandios überdimensioniert. 234 Zuschauer besuchten die Spiele 2016/17 im Schnitt in Altglienicke, heute war man mit 307 Besuchern (davon gut 50 aus dem Vogtland) nah dran an dieser Marke. Es war nur die Haupttribüne geöffnet und unter den Fangruppen aufgeteilt.

Auerbach

Ein Dutzend Auerbacher stellte sich gleich eng beisammen und stimmte nach Anpfiff den einen oder anderen Gesang an („Hurra, hurra – die Auerbacher die sind da...“). Nach kurzer Zeit vestummten sie jedoch und konnte man im weiten Rund vor allem die Karaoke-Beats aus dem angrenzenden Mauerpark hören sowie die Rufe der Spieler auf dem Feld. „Tusche! Tusche!“ hallte es des Öfteren – der Kapitän steuerte im linken Mittelfeld das Spiel, konnte aber zunächst weder sich selbst noch seine Mitspieler gut in Szene setzen.

Beide Mannschaften neutralisierten sich wurschteltenderweise im Mittelfeld, kamen dabei zwar ab und an beim gegnerischen Tor an, jedoch ohne die nötige Konsequenz. Altglienickes Stürmer Kevin Stephan brachte den Ball zwei Mal im gegnerischen Tor unter, wurde aber jeweils vom Schiedsrichter zurückgepfiffen.

JSP

Stephan ist einer von zahlreichen Neuzugängen und bringt Erfahrung mit aus 130 Regionalliga-Spielen für Hertha BSC II und den Berliner AK mit. Durch die erhöhte Trainingsbelastung und Professionalisierung in der höheren Spielklasse gab es eine größere Fluktuation im Altglienicker Kader. Aber auch Auerbach wechselte vor der Saison munter durch und verpflichtete z.T. auch höherklassige Spieler.

Beide Teams überzeugten in der Saisonvorbereitung und trotzten sächsischen Zweitligisten je ein 1:1 ab: der VfB gegen Erzgebirge Aue und die VSG gegen Dynamo Dresden – mit Markenzeichen-Freistoß-Treffer von Torsten Mattuschka gegen seinem ehemaligen Trainer Uwe Neuhaus.

JSP

Nur konnten beide diese Leistung heute bei über 30 Grad und wolkenlosem Himmel nicht so ganz abrufen. Michael Hiemisch, Trainer des VfB meinte im Anschluss, er habe ein niveauarmes Spiel gesehen und „wir haben unseren Beitrag dazu geleistet“. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte Altglienicke so etwas mehr vom Spiel, konnte geschickt verlorene Bälle zurückerobern und nach vorne bringen. Kurz vor der Halbzeit belohnten sie sich dafür: ein Auerbacher Verteidiger köpfte eine stramme Flanke direkt vor die Füße von Caner Özcin, der das Leder dankend aus halbrechter Position in die Maschen zimmerte.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit traten die Gäste sicherer auf und glichen durch Marc Philipp Zimmermann schon in der 53. Minute aus. Dieses Tor holte auch das wackere Auerbacher Duzend aus dem Tiefschlaf, das für eine kurze Zeit wieder gut bei Stimme war („Auf gehts Auerbacher Jungs...“).

auerbach

Die Hitze drückte dann aber wohl weiterhin allen Beteiligten aufs Gemüt – es wurde schläfriger, es spielte sich viel unsortiert im Mittelfeld ab und es gab auf beiden Seiten Abseits-Debatten. Erst in der Schlussphase wurden die Hausherren wieder zwingender aber sehr zur Verzweiflung ihres Kapitäns ohne zählbaren Erfolg.

Miroslv Jagatic, Trainer der VSG befand nach dem Spiel, seine Mannschaft sei „angekommen in der Regionalliga“ und macht sich um den Klassenerhalt keine großen Sorgen auch wenn es natürlich wie immer noch Dinge zu verbessern gibt. Gelegenheit dazu hat die Mannschaft bereits am Mittwoch in Meuselwitz, ehe es am Sonntag erneut in den Jahnsport-Park geht. Gegner ist dann Germania Halberstadt.

VSG

Erleben können wird man dann wieder entspannten Fußball, im gespenstisch weiten Rund mit seinen gigantischen Flutlichtmasten. Für Fußballromantiker sehr empfehlenswert und wer sich etwas mehr Spannung von den Rängen erhofft, geht dann einfach hin, wenn größere Auswärtsmobs u.a. aus Leipzig, Cottbus oder Babelsberg zu erwarten sind.

Bilder und Text wurden für produziert für turus.net von https://football-wildlife-media.com/

> zur turus-Fotostrecke: VSG Altglienicke

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:1
Zuschauerzahl:
307
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