Karlsruher SC vs. VfB Stuttgart: Verbranntes Maskottchen, erhitzte Gemüter und ein VfB-Derbysieg

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MB 31 Oktober 2016

Hochspannung im Südwesten des Landes. Baden gegen Schwaben. KSC gegen VfB. Über sieben Jahre lang sind sich die beiden Erzrivalen nicht im Ligaalltag begegnet. Zuletzt konnten die Stuttgarter am 01. März 2009 im Karlsruher Wildparkstadion mit 2:0 gewinnen, damals wurde der Mannschaftsbus des VfB vor dem Spiel von KSC-Anhängern aufgehalten. Und auch zuvor konnten die Stuttgarter neun von elf Partien für sich entscheiden. Die bislang einzigen KSC-Siege im Derby seit 1995 gab es im Mai 1998 und September 2007 zu sehen. Und dieses Mal? An den KSC-Fans sollte es nicht liegen. Vorbereitet war eine Choreo in mehreren Teilen. Die eigene Mannschaft sollte zum Sieg gegen den verhassten Rivalen gebrüllt werden. Ein Teil der aktiven Fanszene hatte sich am Fanprojekt des KSC getroffen, über den Adenauerring ging es als geschlossener Fanmarsch gen Stadion. Gegen 10:45 Uhr waren vom Stadion aus die ersten Vorboten des Marsches zu hören. Erst die Böller, dann der Gesang. In erster Reihe - allesamt in Schwarz und mit dem KSC-Emblem auf der Brust - wurde ein Banner mit der Aufschrift „Karlsruher Sport-Club“ gehalten. Je weiter sich der martialisch anmutende Marsch dem Wildparkstadion näherte, desto mehr Schaulustige zückten ihre Smartphones, um ein paar Schnappschüsse anzufertigen. Auch erste Fotografen mit Arbeitsweste waren vor Ort, um die schwarze Truppe und den aufsteigenden blauen und weißen Rauch abzulichten. Gern gesehen waren die Berufs- und Hobbyfotografen nicht wirklich. Ein vermummter Karlsruher, der das VfB-Maskottchen auf dem Asphalt hinter sich herzog, ging recht aggressiv auf die Leute zu und riet dazu, die Handys und Kameras wegzupacken. Und auch ein Karlsruher Szene-Fotograf bat die Anwesenden die Straße vor dem näher rückenden Mob zu verlassen, da sich das Ganze fix zuspitzen könnte. Ganz unrecht hatte er nicht, denn schon bald flogen einige Leuchtkugeln, welche (ob gewollt oder nicht gewollt, ist offen) teilweise die Schaulustigen als Ziel hatten. Zudem wurde zirka 200 Meter vor dem Stadion das besagte VfB-Maskottchen angezündet, schon bald standen Stoff und Plüsch des „Fritzle“ in Flammen. Gegen 11:30 Uhr wurde schließlich das Stadion erreicht. Aus der Ferne hörte man bereits die Gästefans ankommen, die größtenteils mit dem Zug angereist waren. Auch hier war die aktive Szene komplett in Schwarz gekleidet. Vor dem Einlass des Gästeblocks wurde ein mächtiger Böller gezündet, dann ging es auch für die VfB-Fans ins Stadion.

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Das Adrenalin war auf beiden Seiten auf Anschlag. Beide Fanlager waren bis in die Haarspitzen motiviert. Es wurde von Beginn an gepöbelt und auf den Zäunen gehangen. Auf der Heimseite befanden sich zirka 35 ebenfalls in Schwarz gekleidete KSC-Fans, die von dort aus bei der geplanten Choreo behilflich sein sollten. Bei einigen von ihnen brannte jedoch fast die Sicherung durch, denn der eine oder anderen nutzte die Möglichkeit, näherte sich der Gästekurve und pöbelte munter drauf los. Allerdings funktionierte in diesem Fall die Selbstkontrolle einwandfrei, denn die, welche die Nerven besser im Griff hatten, hielten die Heißsporne zurück. Es konnte losgehen. Teil 1 der Heim-Choreo: „Wir auf den Rängen und Ihr auf dem Rasen!“ Dazu die badischen Farben Gelb und Rot. Im zweiten Teil wurde eine riesige Blockfahne heruntergelassen. Drunter am Zaun war nun zu lesen: „Das Schlachtfeld heute als Sieger verlassen!“ Ein Teil der gemalten Schals der Blockfahne war den Freunden von Sturm Graz, Racing Straßburg und Hertha BSC gewidmet. Unten rechts wurde eine Ecke dem Erzrivalen freigehalten. Commando Cannstatt: „Mutlos und scheu.“ Ein toter Fisch am Angelhaken. Ein braver Hirsch, der scheinbar gefüttert / gestreichelt wird. Auf Gästeseite gab es - da nicht zugelassen - keine Choreo zu sehen, allerdings wurden zu Beginn der Partie ein paar rote Rauchtöpfe gezündet.

KSC

Auf Lager hatten die KSC-Fans im Laufe des Spiels eine wahre Flut an Spruchbändern: „Gegen Kollektivstrafen!“, „Freiheit für Ultras!“, „Leere Dose, volle Hose - Schwäbische Profilneurose!“ Dann folgte eine ganze Story, bei der ein Häschen mit blau-weißer Sturmhaube den Karlsruher Part spielte. Auf der Gastseite am Start: Äffle und Pferdle. Zu lesen gab es eine Konversation, die mit Hilfe von roten und blauen Spruchbändern dargestellt wurde: „Gugg do, da Angschdhas!“, „Ich würd mit Euch gern mol paar Hake schlage…“, „Mensch Äffle, des isch ned so unser Ding.“, „CC: Lieber gschwätzt, wie gar nix gmacht!“ Wie zu erwarten, boxte schließlich der KSC-Hase die anderen beiden Figuren um. Die diesbezüglich abschließende Botschaft der KSC-Fans: „Rüffel sieh es endlich ein: Tod dem VfB du fettes Schwein!“ Nachgelegt wurde noch mit zwei weiteren Spruchbändern: „Große Fresse auf Zügen und an der A8, doch wann habt Ihr Euch jemals grad´gemacht?“ 

KSC

Auf Stuttgarter Seite unterstützte man indes lautstark die eigene Mannschaft. Da der VfB bereits in der 10. Minute Dank des Treffers von Asano mit 1:0 in Führung ging, war die Laune im Gästeblock prächtig. Für den japanischen Stürmer Takuma Asano, der zuvor bei Sanfrecce Hiroshima gespielt hatte, war es der erste Treffer im VfB-Trikot. Nur zwei Minuten später kam Stuttgart zu einer weiteren fetten Möglichkeit, doch Gentner hatte es verpasst, Mané anzuspielen. In der Folgezeit nahm jedoch der KSC das Heft in die Hand und erspielte sich Ausgleichschancen. Weitere Tore wollten in der ersten Halbzeit nicht mehr fallen. Zu Beginn des zweiten Spielabschnitts wurden im unteren Bereich des Gästeblocks rund 30 Bengalen angezündet. Und auch auf dem Rasen gab es Feuer. Bereits in der 46. Minute konnte Terodde nach perfekter Flanke von Emiliano Insua mit dem Kopf das 2:0 für den VfB machen. Ausnahmezustand in der Gästekurve.

VfB

Doch nur fünf Minuten später hatten die Heimfans Grund zum Jubeln. Handelfmeter für den KSC. Stoppelkamp übernahm Verantwortung und verwandelte den Strafstoß souverän. Nur noch 1:2. In der Folge: Der KSC mühte sich redlich, der VfB stand sicher und sorgte nach vorn punktuell für Gefahr. In der 86. Minute dann die Entscheidung zu Gunsten der Gäste. Vor dem eigenen Strafraum verloren die Karlsruher den Ball. Terodde brachte daraufhin Insua ins Spiel, dieser flankte das Spielgerät in den Strafraum, und dort nahm sich Maxim der Sache an, legte sich den Ball zurecht und drosch diesen unter den Querbalken. 3:1 für Stuttgart. Im Gästeblock wurde daraufhin unübersehbar ein Banner hochgehalten. Die Aufschrift: „Derbysieger“. 

Text: In Zusammenarbeit von Marco Bertram & Arne Amberg

Fotos: Arne Amberg

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Spielergebnis:
1:3
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27.930

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