Zeitreise: Leverkusens EC-Schlachten gegen PAO, Eindhoven, Benfica, Nantes und Parma

 
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MB 28 Oktober 2016

Rote Fackeln loderten auf der Gegengerade. Es knisterte in der Luft - und das nicht nur aufgrund der von den portugiesischen Fußballfans angezündeten Pyrotechnik. Bayer 04 gegen Benfica. Man schrieb den 15. März 1994. Ein Tag, der wahrlich in die Leverkusener Europapokal-Geschichte eingehen wird! Nach dem 1:1 im Hinspiel (ich komme später aus gutem Grund noch einmal drauf zurück) nun das Rückspiel im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger. Ja, auch dieser Wettbewerb ist längst Geschichte. Weshalb eigentlich? Die UEFA wollte lieber voll auf das Flaggschiff Champions League setzen. Die damals brennenden Bengalen beim Einlaufen der Mannschaften zeigten es quasi an: Es würde ein sehr, sehr hitziger Abend werden! Und es schien aus Sicht der Rheinländer auch ein erfolgreicher zu werden. Totales Powerplay auf beiden Seiten. Nach 58 Minuten stand es 2:0 für die Werkself. Nach Hereingabe von rechts machte Ulf Kirsten das 1:0 per Kopf. Und dann! Bernd Schuster, nicht wirklich der Schnellste im Bayer-Stall, wurde prima angespielt und machte frei stehend das 2:0. Bernd eilte zur Eckfahne und jubelte den Fans im C-Block zu. Läuft also. Fäuste geballt. Weiter geht´s! Doch dann. Ehe man sich versah, hatte Benfica ausgeglichen. Nur zwei Minuten nach Schusters Treffer stand es 2:2. Abel Xavier (aus der zweiten Reihe in den Winkel) und Joao Pinto (Kopfball nach Ecke) sorgten im Ulrich-Haberland-Stadion bei den Heimfans für erschrockene Gesichter. Als dann noch Kulkow aus vollem Lauf in der 78. Minute das 3:2 für Benfica erzielte, sah man bereits die Fell davon schwimmen. Stepi zog an der Zigarre und gab Anweisungen. Ruhig bleiben! Noch ist Polen, äh, Leverkusen nicht verloren! Gesagt, getan. Nur vier Minuten später war wieder einmal „Oh la la, wir haben einen Kirsten, Kirsten wunderbar“ zur Stelle. Hereingabe von Paulo Sergio und der „Schwatte“ lenkte mit dem Kopf den Ball in die Maschen! 3:3! Weiter! Zwei Minütchen später. Ecke von Schuster, Kopfballverlängerung von Andreas Fischer, Pavel Hapal köpfte aus kurzer Distanz das 4:3 für Bayer 04! Was für ein Jubel. Nun war das Haberland-Stadion damals nicht als Hexenkessel bekannt, doch wie bereits beim legendären UEFA-Pokalfinale 1988 stand auch im Frühjahr 1994 das Stadion Kopf. Vom Opa bis zum Sechsjährigen. Leverkusen war außer Rand und Band. Dragoslav Stepanovic saugte nun noch aufgeregter an seiner Zigarre und zeigte die verbleibenden  Minuten an. Doch es nutzte nichts. In der 85. Minute wurde Kulkow exzellent angespielt und stürmte durch die Mitte auf das von Dirk Heinen behütete Tor zu. Aus vollem Lauf schlenzte er das Spielgerät in die Maschen. 4:4 für Benfica. Das Aus für Bayer 04! Die Luft war raus. Noch einmal kam die Werkself nicht zurück in die Partie. Mit hängenden Gesichtern trabten die Bayer-Fans nach Hause. An der Dhünn begegnete ich auf dem Weg zum damaligen Wohnheim einem Arbeitskollegen. Wir hassten uns eigentlich wie die Pest. Doch an diesem Abend schauten wir uns an, klopften uns auf die Schultern und fanden ein paar tröstende Worte. Gemeinsames Leid. „Diesen Tag werden wir wohl niemals vergessen…“, murmelte er. Dann trennten sich unsere Wege.

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Bayer 04 Leverkusen und der Europapokal. Wenngleich der Verein aus der Chemie-Metropole deutschlandweit nicht allzu beliebt ist, so darf doch zurecht behauptet werden: Auf europäischer Bühne wussten die Kicker aus Leverkusen über die Stadtgrenzen hinaus sehr häufig zu begeistern. Vor allem in den 90er Jahren und in den ersten Jahren des Neuen Jahrtausends. Kürzlich gab es beim CL-Heimspiel gegen Tottenham Hotspur auf der Nordtribüne der BayArena eine Choreographie zu sehen: „1986 - 2016. 30 Jahre Bayer Leverkusen international.“ Begonnen hatte die durchaus beachtliche Leverkusener EC-Historie im Herbst 1986 gegen den schwedischen Vertreter Kalmar FF. Während sich in der zweiten Runde jedoch der FC Bayer 05 Uerdingen gegen Widzew Łódź durchsetzen konnte, musste Leverkusen gegen den FK Dukla Prag auf Grund der Auswärtstorregel (0:0 und 1:1) bereits die Segel streichen. Apropos: In der dritten Runde unterlag Uerdingen dem FC Barcelona zweimal mit 0:2. Ein Jahr später hatte es auch Bayer 04 mit den Katalanen zu tun. Im Viertelfinale - in den Runden zuvor wurden Austria Wien, der FC Toulouse und Feyenoord Rotterdam aus dem Weg geräumt - bezwangen die Leverkusener Barca nach einem 0:0 im Hinspiel im Rückspiel mit 1:0. Nachdem sich im Halbfinale auch gegen den SV Werder Bremen mit den gleichen Ergebnissen durchgesetzt werden konnte, standen am 04. und 18. Mai 1988 die beiden Finalpartien gegen Espanyol Barcelona an. 

Lev

Das Hinspiel ging vor 42.000 Zuschauern im Estadi Sarrià mit 0:3 verloren. Sebastián Losada (2x) und Miquel Soler trafen innerhalb von zehn Minuten dreimal ins Leverkusener Gehäuse. Was war machbar im Rückspiel auf der Baustelle Ulrich-Haberland-Stadion? Eine Menge! Trainer Erich Ribbeck hatte seine Mannschaft prima aufgestellt. Nachdem es zum Pausentee noch 0:0 hieß, schlugen im zweiten Spielabschnitt Tita, Falko Götz und Cha Bum-kun zu. 3:0 in der 81. Minute! Das Hinspiel-Ergebnis war egalisiert. Keine weiteren Treffer in der Verlängerung. Das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. Pichi Alonso legte für die Katalanen vor. Als erster Bayer-Schütze konnte Ralf Falkenmayer den Ball nicht unterbringen. Job machte in der Folge das 2:0 für Espanyol. Aber dann! Santiago Urquiaga, Manuel Zúniga und Sebastián Loseda konnten den damals noch sehr jungen Keeper Rüder Vollborn nicht überwinden. Wolfgang Rolff, Herbert Waas und Klaus Täuber verwandelten indes ihre Elfmeter und schossen somit den TSV Bayer 04 Leverkusen in den siebten Fußballhimmel. Was für ein Jubel auf den Rängen! Ein Sieg für die Ewigkeit.

Haberland

Vier, fünf, sechs Jahre später bekamen Karsten und ich zu Zeiten unserer damaligen Ausbildung im Rheinland das legendäre Finale noch häufig zu sehen. Und zwar in den Fanbussen, die nach Nürnberg, Bremen, Nantes und Parma fuhren. Wieder und wieder flimmerten die von einer alten VHS-Videokassette abgespielten Aufnahmen auf dem vorn hängenden Bordfernseher. Hoch die Bierbüchsen, als Tita das 1:0 schoss. Gejohle, als Cha das 3:0 erzielte. Feuchte Luft, feuchte Augen. Ich musste eine Weile überlegen. Wann hatte ich eigentlich mein erstes Europapokal-Spiel der Werkself gesehen?! Nachdem sich Bayer 04 nach meiner ersten dortigen Saison 1991/92 nicht für den UEFA-Pokal qualifizieren konnte (auch 1991/92 war Leverkusen nicht im Europapokal vertreten), folgte mein persönliches erstes Spiel erst im Spätsommer 1993. Nach dem Gewinn des DFB-Pokals gegen die Bubis von Hertha BSC winkte die Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger. 

Haberland

Gegner in der ersten Runde: Der FC Boby Brno. Erinnerungen an das Hinspiel im Haberland-Stadion? Fehlanzeige. Jenes Spiel ist völlig im gedanklichen Nirvana verschollen. Hätte ich nicht die Eintrittskarte, wäre ich mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt vor Ort bei jener Partie war. Gerade einmal 6.100 Zuschauer hatten sich am 14. September 1993 auf den Rängen eingefunden. Zu Gast waren zirka 60 Gästefans aus Brünn, angereist waren diese stilecht mit einem rot-weißen Ikarus-Bus. Ein ins Netz gestelltes Video gibt diesbezüglich Auskunft drüber. Und ja, im Block G war mehr Stoff als Fleisch zu sehen. Soll heißen: Gefühlt mehr Zaunfahnen und Banner als Fans. Nach einer halben Stunde nahm auf dem Rasen „Lupo“ mal eben Tempo auf und spielte Pavel Hapal mustergültig an. Gefühlvoll am Boby-Keeper vorbei geschossen, 1:0 für Bayer 04. In der zweiten Halbzeit nahm Andi Thom aus rund 18 Metern Maß und machte den 2:0-Endstand klar. An das Rückspiel kann ich mich sogar dunkel erinnern. Im muffigen Gemeinschaftsraum des Ausbildungswohnheims hatten Karsten und ich die TV-Übertragung gesehen. Auf den Rängen war gut was los, rund 10.000 tschechische Fußballfreunde glaubten daran, dass das Ganze noch gedreht werden könnte. Wurde es aber nicht. Kirsten, Fischer und Wörns schufen Fakten. 

Bayer

In der zweiten Runde war Panathinakos der Gegner, und das Hinspiel wurde in Athen ausgetragen. Wieder saßen Kumpel Karsten und ich im Gemeinschaftsraum. Für eine spontane Sause nach Griechenland fehlte damals schlichtweg die Kohle. Von jenem Spiel blieb vor allem eins hängen: Der Jubel der PAO-Fans beim Ausgleich zum 1:1. Nachdem Paulo Sergio die Werkself in der 42. Minute in Führung gebracht hatte, schoss nur zwei Minuten später Warzycha das 1:1 für die Griechen. Mein lieber Herr Gesangsverein! Solch einen Jubel hatte ich vor dem Fernseher noch nie erleben dürfen. Das spottete jeder Beschreibung! 60.000 Griechen außer Rand und Band! Total am Durchdrehen! Und zwar so sehr, dass die Übertragungstechnik zu versagen drohte. Die Boxen des Röhrenfernsehers kollabierten fast. Es knackte und knisterte. Fix mussten die Techniker im Übertragungszentrum den Ton nach unten regulieren. Und wir waren uns sicher, hätte es nicht unmittelbar nach dem Ausgleich die Halbzeitpause gegeben, hätte PAO, frenetisch nach vorn gepeitscht von den hitzigen Fans, die Werkself überrannt. So aber konnte Leverkusen in der Kabine kurz durchatmen. Und siehe da, im zweiten Spielabschnitt verloren die Athener den Faden. Am Ende völlig verdient konnte Bayer 04 die Sache mit 4:1 nach Hause schaukeln.

PAO

Das Rückspiel wurde noch einmal spannender als man dachte. Bereits nach fünf Minuten brachte Saravkos die Griechen per Strafstoß mit 1:0 in Front. Als in der 66. Minute Georgiadis zum 2:0 für Panathinaikos nachlegen konnte, schöpften die zahlreichen Gästefans zurecht Hoffnung. Fackeln wurden gezündet, griechische Gesänge hallten durch das Stadion. Diese verstummten jedoch in der 83. Minute. Ulf Kirsten erlöste den Gastgeber mit dem Treffer zum 1:2. Insgeheim hatte ich mir das 3:0 für PAO gewünscht. Nur um zu sehen, was dann wohl abgegangen wäre. Und dabei hätte es bleiben dürfen. Logisch, dass ich mich über das Weiterkommen gefreut hatte, doch unter dem Strich hoffte ich stets auf ein gutes Szenario, bei dem es richtig gut zur Sache geht und das Ganze auf des Messers Schneide steht. 

Benfica

Nächster Gegner: Benfica Lissabon. Dieses Mal wollten Karsten und ich dabei sein. Meine Ausbildung war absolviert, und Dank des sechsmonatigen Zeitvertrages war der nötige Zaster in der Schatulle. Mit dem Interrail-Ticket düsten wir von Köln aus über Paris und Bordeaux nach Portugal. Legten hier und dort noch eine kurze Pause ein, nächtigten in Parkanlagen und auf Bahnhöfen und waren mächtig gespannt auf die riesige Schüssel von Benfica. Bei mildem Frühlingswetter spazierten wir am 01. März 1994 durch die Altstadt von Lissabon und fanden uns abends überpünktlich im alten Estádio da Luz ein. Im Gästeblock staunten wir nicht schlecht, was zwischen den Sitzbänken zu finden war. Schrauben, Steine, Scherben. Stille Zeugen vorangegangener Schlachten. An diesem Abend sollte es jedoch friedlich bleiben. Zum einen fehlte die Rivalität, zum anderen richtete sich auf Heimseite der Fokus voll und ganz auf den 90. Geburtstag des Vereins. Vor Anpfiff wurde ein Adler mit roten Bändchen durch die Lüfte kreisen gelassen. Es brodelte auf den Rängen. Über 80.000 Benfica-Fans hatten den Weg ins Stadion gefunden. Selbst gegen Bayern München war es bei späteren Partien bei weitem nicht so voll. Ein echter Glücksgriff also für uns. Etwas verloren stand ich mit den anderen Bayer-Fans im away-Winkel. Was ich mir wünschte? An diesem Geburtstag sollte ruhig Benfica knapp gewinnen, im Rückspiel könne ja Bayer 04 die Portugiesen dann gern mit 5:0 abfrühstücken. Hier aber, an diesem Abend wollte ich die 80.000 Zuschauer toben und jubeln sehen! Ja, wir bekamen einen Torjubel zu sehen. Nachdem Markus Happe in der 66. Minute Leverkusen mit 1:0 in Führung brachte (es war sein einziges EC-Tor in seiner Laufbahn) sorgte Isaías in der 90. Minute für den Ausgleich. Den Orkan auf den hohen unüberdachten Rängen kann mich sicherlich ausmalen…

Benfica

Nach dem bitteren eingangs erwähnten 4:4 im Rückspiel gab es die nächsten Auftritte auf europäischem Parkett in der folgenden Saison. Voilà, erste Runde im UEFA-Pokal - und sogleich gab es einen hammerharten Gegner! Im Hinspiel empfing Bayer 04 daheim den PSV Eindhoven. Ich hatte mir am 13. September 1994 in Berlin vor dem Fernseher diese Partie angeschaut. Wenige Wochen zuvor hatte ich im Rheinland wieder die Zelte abgebaut und kehrte zurück in meine Heimatstadt. Ich traute meinen Augen nicht, was sich da tat. Das Endergebnis: 5:4! Allein drei Treffer erzielte der damals noch blutjunge Ronaldo für den PSV. Also nicht der Muskelmann von der Blumeninsel Madeira, sondern der Brasilianer, der 2002 im WM-Endspiel mit sonderbarer Frisur dem Olli Kahn was eingenetzt hatte. Zum Rückspiel fuhr ich rüber nach NRW. Hinein in den Sonderzug nach Eindhoven! Mit dabei etliche Hools von anderen Vereinen. Düsseldorfer, Schalker, usw. Ein deutsch-holländisches Duell war zu jener Zeit wahrlich eine krasse Angelegenheit. Und so entluden sich die Emotionen bereits kurz nach der Ankunft. Beim „Hurra, hurra, die Deutschen die sind da!“ wurden den Polizeipferden Böller zwischen die Beine geworfen. Hass pur. Auf beiden Seiten. Ein Pferd samt Reiter stürzte. Im Stadion wurde es nicht besser. Beide Seiten drehten am Rad. Das Spiel befand sich auf des Messers Schneide. Leuchtkugeln wechselten die Seiten, die PSV-Fans waren drauf und dran den schmalen langgezogenen Gästeblock zu stürmen. Nachdem Leverkusen ein torloses Remis über die Zeit bringen konnte, entlud sich der niederländische Frust an einem Vorortbahnhof. Leuchtkugeln wurden auf den deutschen Sonderzug abgefeuert, die Notbremse wurde gezogen. Ja, man konnte ein wenig die Buchsen voll haben. 

Kattowice

Die zweite Runde gegen Kispest Honvéd ging an mir völlig vorüber. Gegen GKS Katowice schaute ich jedoch wieder in Leverkusen vorbei. Nachdem in Polen das Hinspiel souverän mit 4:1 gewonnen wurde, gab es auch im Rückspiel keine Probleme. Vor 24.000 Zuschauern wurde GKS mit 4:0 nach Hause geschickt. Bernd Schuster, Andreas Thom, Heiko Scholz und Pavel Hapal waren die Torschützen. Demzufolge viermal ertönte es aus den Lautsprecherboxen „Here we go, here we go, here we go…“ Ein großer Europapokalabend am Nikolaustag 1994 vor einer angemessenen Kulisse. Das machte wahrlich Lust auf mehr. Und es ging munter weiter! Lehnhoff, Schuster, Sergio, Kirsten & Co zauberten am 28. Februar 1995 auch gegen den FC Nantes Atlantique. Mit einem satten 5:1 wurde eine hervorragende Basis für das Rückspiel geschaffen. Mit einem Fanbus begleiteten Karsten und ich die Werkself Mitte März 1995 nach Frankreich. Ja, auf dem Bordfernseher lief wieder die Schlacht von 1988. Und ja, auch sonst lief es aus allen Kanälen. Vor dem sehenswerten Stadion in Nantes eskalierte es fast, weil uns die französische Polizei einfach nicht aus den Bussen lassen wollte. Der Anpfiff näherte sich stetig, und im Stadion sorgten die 35.000 Heimfans bereits für tolle Stimmung. Ich guckte aus dem Fenster, draußen grinste mich ein französischer Polizist mit Knüppel an. Mein Mittelfinger war bereit für eine Schandtat, doch ja, genau darauf hatten diese Kerle dort draußen nur gewartet. Ruhe bewahrt, wir gaben keinen Anlass für einen Knüppeleinsatz und fanden uns demzufolge dann doch kurz nach Anpfiff im brodelnden grün-gelben Kessel wieder. Nantes fightete und gab sich nicht auf. Leverkusen ließ jedoch keine Gegentreffer zu und brachte das 0:0 über die Runden. Nach dem Spiel kam Sergio zu uns an den Zaun und kletterte hoch. Hinter mir die „Schwarzen Wölfe“, vor mir der strahlende Brasilianer. Ein grandioser Europapokal-Abend! 

Nantes

Weiter im Geschäft. Am 04. April 1995 war im Haberland-Stadion der AC Parma zu Gast. Damals flossen in Parma noch Milch und Honig. Was für einen Kader hatte Parma zu bieten! Mit in der Startaufstellung standen unter anderen Baggio, Zola und Asprilla. Der Erst- und Drittgenannte schossen nach der Führung von Paulo Sergio auch die beiden Treffer der Italiener. 1:2 der Endstand. Das schaute wahrlich nicht wirklich gut aus. Doch egal, wieder hinein in einen Fanbus und ab nach Italien! Die Reise in die Region Emilia-Roagna wurde beim Fanbetreuer gebucht. Drei Tage würde die Sause dauern, zwei Übernachtungen waren in einem Hotel in der lombardischen Kleinstadt Casalmaggiore geplant. Aus zwei Nächten wurde jedoch nur eine. Aufgrund von Nichtigkeiten sollte am Spieltag das Hotel geräumt werden. Der Bus, in dem Karsten und ich saßen, sollte das Land verlassen. Eine feucht fröhliche Nacht nach der Partie in Parma sollte es für uns nicht geben. Immerhin durften wir noch das Spiel sehen. Jenes ging vor rund 14.000 Zuschauern - der Gästeblock ergab einen recht passablen Anblick - klar und deutlich mit 0:3 verloren. Gegen dieses Starensemble hatte Leverkusen einfach keine Chance. Nach Abpfiff also hinein in den Bus und ab nach Deutschland! Vorn und hinten die italienische Polizei, die uns bis zur Grenze brachte. An etwaige Zwischenstopps an Tankstellen war nicht zu denken. An einfache Pipi-Pausen auch nicht. Des Landes verwiesen - und basta! 

Parma

Im Nachfeld wurden die Betroffenen vom damaligen Manager Reiner Calmund zum Essen in den VIP-Bereich des Stadions eingeladen. Das Ganze sollte noch mal aufgearbeitet werden. Letztendlich stellte sich heraus, dass an der „Leverkusener Randale“ in der ersten Nacht nichts dran war. Der Hotelbesitzer wollte einfach nur seine Ruhe haben. Bezahlt war die Rechnung ja bereits im Vorfeld. Für mich persönlich endete das Abenteuer Europapokal mit der Werkself. Später schaute ich noch einmal beim CL-Spiel gegen Sporting Lissabon vorbei, doch während Kumpel Karsten in der sagenhaften CL-Saison 2001/02 noch die Knaller gegen Liverpool und Manchester mitnahm, buk ich im Nordosten kleinere Brötchen. Der damalige 2002er Aufstieg von Dynamo Dresden bei Hertha BSC II zum Beispiel, als rund 10.000 Sachsen den Jahn-Sportpark fluteten. Aber das ist eine andere Geschichte. Und diese wird in Kürze erzählt! Versprochen!

Fotos: Marco Bertram, Karsten Höft

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