SD Croatia vs. BFC Dynamo II: Berlin ist nicht Leipzig, Polizei mit Großaufgebot am Start

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MB 16 Oktober 2016

Du kaufst ein ICE-Ticket, du buchst ein Hotelzimmer in der Messestadt Leipzig. Du reservierst ein Plätzchen im organisierten Fanbus. Du freust dich auf die Sause zum Regionalligaspiel in Markranstädt. Wenn gleich eine Tour zur U23 von RasenBallsport Leipzig nicht wirklich die Crème de la Crème ist, so sind logischerweise die Allesfahrer am Start, wenn es darum geht die Mannschaft des BFC Dynamo zu unterstützen. Und dann macht es Peng! Die Bombe platzt. Das Spiel bei den „Roten Jungbullen“ wird kurzerhand verschoben. Der Grund: Es stünden an diesem Tag in Leipzig nicht genügend polizeiliche Einsatzkräfte zur Verfügung. Von großer Brisanz und Rivalität war die Rede. Doch halt, welche Rivalität? Den meisten BFC-Fans interessiert die U23 von RB Leipzig nicht die Bohne, zumal gewöhnlich bei deren Heimspielen im Stadion am Bad nicht wirklich viele Anhänger vor Ort auf den Rängen sind. Hört, hört, gegen den FC Schönberg 95 waren zuletzt 184 beim Spiel. Und von BFC-Seite aus? Dieses Mal wären es nicht wirklich viele Anhänger gewesen, die sich bei Herbstwetter auf den Weg nach Markranstädt gemacht hätten. Die Zahlen stagnierten zuletzt. Nur echte Kracher können wirklich viele BFC-Fans dazu ermuntern, mit auf Tour zu gehen. Womit wäre also zu rechnen gewesen? 300 oder 400? Dass die treuen Fans, welche vor hatten, gen Sachsen zu düsen, richtig sauer waren über die Verlegung, versteht sich von selbst. Zumal der Knaller ja noch folgte: Das Spiel wurde prompt auf das November-Wochenende gelegt, an dem im Rahmen des Landespokals das Derby zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem 1. FC Lokomotive Leipzig steigen soll. Wer da den Sinn verstehen soll? Keine Ahnung! Gut möglich, dass nun das Leipziger Stadtduell verschoben wird, weil ja zeitgleich der BFC-Anhang anreisen wird. Ohne Worte!

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Während zahlreiche BFC-Fans mit Frauchen einen gemütlichen Sonntagnachmittag einlegten oder mal auf anderen Fußballebenen hoppen gingen, machten sich rund 100 BFCer auf den Weg nach Berlin-Tempelhof, um dort im Friedrich-Ebert-Stadion die U23 der Weinroten beim Auswärtsspiel in der Berlin-Liga gegen S.D. Croatia Berlin zu unterstützen. Während vor dem Haupteingang noch ein paar ältere BFCer einen Drink zu sich nahmen, rückten von der anderen Seite weitere Fans an. Erstaunlicherweise wurde die Partie nicht wie angekündigt auf dem Rasenplatz des Stadions, sondern auf dem Kunstrasenplatz ausgetragen. Kurz vor Spielbeginn knubbelte es sich am Einlass und ein paar Fans drückten sich in bekannter Manier kostenfrei durch. Ein kroatischer Ordner wollte sich sogleich voller Tatendrang einen der „Durchdrücker“ greifen, doch ließ er schließlich wieder ab. Die Situation sollte nicht aus dem Ruder laufen. Das Eingangstor wurde kurzzeitig geschlossen, anschließend konnten die Zuschauer die sieben Euro auf den Tisch legen und den Sportplatz betreten. Für erworbene Marken konnte man sich zudem ein frisch Gezapftes oder Wurst und Cevap im Fladenbrot genehmigen. Und ja: Gekostet und für gut befunden.

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Mit etwas Verspätung, das Schiedsrichtergespann kam einfach nicht durch das Tor, konnte schließlich die Sechstligapartie beginnen. Doch halt, bevor der Anpfiff ertönte, gab es eine Schweigeminute. „Ruhe in Frieden Hannes“ war in großen schwarzen und blauen Buchstaben auf einem langen weißen Transparent zu lesen, das die weinrote Anhängerschaft am seitlichen Geländer befestigt hatte. Die Ausgangslage auf dem grünen Kunstrasen: Während Gastgeber S.D. Croatia derzeit ganz oben in der Berlin-Liga mitspielt, kämpft unten der BFC Dynamo II um den Klassenerhalt. Croatia ist derzeit noch ungeschlagen, die U23 der Hohenschönhausener konnte bislang nur zwei Saisonsiege einfahren. 

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„Dynamo! Dynamo!“ hallte es vom ansehnlichen weinroten Mob. „Zagreb!“, rief einer der kroatischen Grillmeister als Antwort. Vom kurzzeitigen Gerangel am Einlass mal abgesehen, herrschte auf dem Sportplatz eine recht faire Atmosphäre. Auf dem Platz ging es ordentlich zur Sache, doch am Rande wusste man sich zu benehmen. Immer wieder wurde die eigene Mannschaft unterstützt. Ein „Auf die Fresse!“ gab es erst gegen Ende der Partie zu hören, als es dann doch auf dem Platz arg hitzig wurde. Croatia bestimmte das Spiel, doch der BFC hielt ordentlich gegen. In der ersten Halbzeit ging der Gastgeber in Führung, am Ende der Partie vergab er, als der BFC noch einmal alles nach vorn warf, zwei, drei richtig fette Möglichkeiten. Bei der letzten des Spiels war es schwerer, das Spielgerät am Gehäuse vorbei als hinein zu schieben. Am Ende blieb es beim knappen 1:0 für S.D. Croatia. Die Gästespieler wurden indes nach dem Spiel von den angereisten Fans für den gezeigten Einsatz gelobt. 

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Und neben dem Platz? Bereits gegen 14:15 Uhr trafen einige Mannschaftswagen der Berliner Polizei ein. Nach und nach traf weitere Verstärkung ein. In kleinen Gruppen wurde das Sportgelände inspiziert. Bei einer Zigarette erklärte ein Ordner des S.D. Croatia abseits des Geschehens wohl den Sachverhalt. Es roch nach einem unangenehmen Einsatz nach dem Abpfiff. Draußen wurde sich behelmt postiert. Alle Achtung, wie viele Einsatzkräfte für dieses Sechstligaspiel herangefahren wurden. Ob auf diesem Wege die entgangenen Einnahmen für den S.D. Croatia eingefahren werden konnten, blieb ungeklärt. Schätzungsweise waren es fünf, sechs Personen die sich vor Anpfiff durchdrücken konnten. Da der Bierstand so oder so gut frequentiert wurde, dürfte unter dem Strich ein guter Nachmittag zu Buche stehen. Dank der Spielverschiebung in der Regionalliga Nordost. Draußen vor dem Stadiongelände kam es noch zu einer kurzen Einkesselung einer kleiner Gruppe, zu Wortgefechten an anderer Stelle. Ein Teil der Fans wurde von der Polizei bis zur U-Bahn begleitet. Manch alter Haudegen schüttelte indes nur den Kopf und winkte ab. Lasst gut sein, dieser ganze Heckmeck sorgte bei manch einem eh nur für ein müdes Lächeln…

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo

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Das Spiel in Markranstädt abzusagen, ist eine Farce hoch acht. Reine Schikane.

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