1. FC Magdeburg vs. Holstein Kiel: Wieder einmal lässt Beck die blau-weißen Ränge beben

 
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MB 02 Oktober 2016
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Mit einem enttäuschenden 0:3 gegen Fortuna Köln ging es Ende Juli in die laufende Saison. Zwar konnten die Magdeburger diese Niederlage mit einem 3:0 gegen Paderborn (Beck traf dreimal) ausgleichen, doch die folgenden Partien ließen vermuten, dass das oft zitierte Sprichwort „Die zweite Saison ist die schwerste“ Wirklichkeit werden könnte. 0:0 in Zwickau, 2:3 in Osnabrück, 1:2 gegen Duisburg, 0:1 bei Mainz 05 II. Alles keine derben Klatschen, doch die nötigen Punkte blieben aus, um sich gleich zu Beginn von der Abstiegszone fernzuhalten. Rang 18 nach dem sechsten Spieltag war die traurige Realität. Es schien, als würde der 1. FCM unten drin zu hängen. Der 3:2-Sieg beim ebenso schwächelnden SC Preußen Münster ließ jedoch den Knoten ein stückweit platzen. Es konnte nachgelegt werden. Und zwar in Form eines 2:0-Erfolges daheim gegen Werder Bremen II und auswärts mit einem klaren 3:0 beim SV Wehen Wiesbaden. Der 1. FC Magdeburg war plötzlich wieder gut im Rennen, zumal in der extrem ausgeglichenen 3. Liga (nur der MSV Duisburg scheint sich oben komplett absetzen zu wollen) schier alles möglich ist. Und auch die blau-weiße Einheitsfront (gegen Werder II kamen „nur“ 12.238 Zuschauer) erstarkte wieder. Gegen Holstein Kiel konnte am gestrigen Nachmittag wieder die 15.000er Marke geknackt werden.

Bei leichtem Nieselregen wurde der Anpfiff der Partie gegen die Nordlichter um zehn Minuten verschoben. Der Grund: Die Gästefans trafen erst auf dem letzten Drücker ein. Eine angenehme Überraschung für die zuletzt harsch kritisierten aktiven Fans von Holstein Kiel, denn so konnte bei Spielbeginn am und auf dem Zaun des Gästeblocks gezeigt werden, was man von der Entscheidung der Vereinsverantwortlichen des Kieler SV Holstein hält. „Gegen Kollektivstrafen“ war Schwarz auf Weiß auf einem befestigten Banner zu lesen. Aus einzelnen Elementen wurde darüber zudem ein „Wir bleiben!“ gebildet. Sechs aktive Fans der Gruppierung „Sektion Spielsucht“ saßen auf der Zaunkrone und hielten ihr Gruppen-Banner. Die Ordner ließen sie erfreulicherweise gewähren. Kein Stress, nach einigen Minuten kamen die Fans von selbst herunter und reihten sich zu den anderen angereisten Fans mit ein.

Kiel

Worum es eigentlich geht? Vor drei Tagen traf die Vereinsführung von Holstein Kiel eine überaus harte Entscheidung. Nach der Pyro-Aktion beim Heimspiel gegen den VfL Osnabrück belegte der Verein diese gesamte Gruppierung (rund 50 bis 70 Mitglieder) mit einem Stadionverbot. Allzu oft hatte ein deutscher Verein noch nicht zu solchen Mitteln gegriffen. Erstmals tat dies der 1. FC Köln nach den Vorfällen in Mönchengladbach. Die Kritik wurde auch damals mehr als deutlich. Sippenhaft? In welchen anderen Lebensbereichen in Deutschland gibt es diese? Zumal die Polizei noch keinen einzigen Zündler identifizieren konnte. Nach Angaben der „Sektion Spielsucht“ waren beim Heimspiel gegen Osnabrück auch Freunde aus Midtjylland und Kassel zu Gast. Die im Zuge der Aktion gezündeten Böller wurden auch von der Gruppierung deutlich kritisiert, da diese „rein gar nichts mit Pyrotechnik zu tun haben“. Hauptanlass für die drakonische Strafe war jedoch wohl eine verirrte Rakete / Leuchtkugel, die auf der Haupttribüne landete und dort bei einem Zuschauer ein Knalltrauma verursachte. Dass jedoch gleich bis zu 70 Personen in Sippenhaft genommen werden - das dürfte noch für reichlich Trubel und Diskussionen sorgen, auch wenn der Verein jederzeit von seinem Hausrecht Gebrauch nehmen kann.

fcm

Und auch beim 1. FC Magdeburg gab es zum Beginn der laufenden Saison nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Die eingeführten Blocktrennungen im Heimbereich sorgten für viel Wirbel. Wie glücklich sich der Verein eigentlich schätzen kann, solch eine große geschlossene Anhängerschaft zu besitzen, machten beim gestrigen Heimspiel gegen Kiel einige Fans auf der Gegengerade deutlich. „Nun erst recht. Zusammen eine große Familie. Danke Block U.“ war Weiß auf Blau auf hochgehaltenen Spruchbändern beim Einlaufen der Mannschaften zu lesen. Weitere Aktionen gab es bei dieser Partie nicht. Auch nicht im Block U. Gegen Holstein Kiel zählte allein der sportliche Erfolg. Mit dem nötigen Schwung sollte die Mannschaft auf dem Rasen lautstark unterstützt werden, auch wenn spürbar ist, dass es bei einem Spiel gegen Kiel doch ein Stückweit schwieriger ist die Begeisterung auf allen Rängen zu entfachen als beispielsweise gegen Halle, Erfurt oder Rostock.

FCM

Und auf dem Platz? Holstein Kiel, mit leicht positiver Bilanz in die laufende Spielzeit gestartet, zeigte eine gute Partie. Vor allem bei Ecken sorgte die Mannschaft aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt für reichlich Gefahr. So bereits in der 11. Minute, als nach einer Ecke der Ball an den Querbalken klatschte. Zwar wurde diese Situation wegen eines Stürmerfouls eh abgepfiffen, doch zeigte sich schon in dieser Spielphase, dass es gegen die Nordlichter wirklich schwer werden würde. Zehn Minuten später gelangte das Spielgerät von Mathias Fetsch zu Dominick Drexler. Von schräg links wurde sich probiert, der Ball konnte von FCM-Keeper Jan Glinker geklärt werden. Kiel blieb gefährlich. Und wie! Zwischen der 30. und 32. Minute bissen sich die Gäste vorn fest. Eine Ecke folgte der nächsten. Mal wurde der Ball über die Latte gelenkt, mal per Fuß ins Aus geklärt. Erst nach der vierten Ecke konnten die Magdeburger mit Mühe die Kugel aus der Gefahrenzone befördern. 

Kiel

Aber dann! In der 36. Minute versuchte sich auf der Gegenseite Farrona Pulido, legte sich den Ball zurecht und brachte diesen mit Gefühl auf das Gehäuse. Der Schuss wirkte anfangs gar nicht so gefährlich. Denkste! Der Ball prallte an den rechten Pfosten. Das hätte das 1:0 für den Gastgeber sein können! Wenig später versuchte sich Christian Beck zweimal hintereinander. Zuerst mit dem Fuß, dann mit dem Kopf. Der Ball ging letztendlich am Tor vorbei. Nach unfreiwilliger Vorlage des Schiedsrichters kam Magdeburg noch zu einer Möglichkeit, doch der Schuss wurde gehalten. Mit dem 0:0 ging es in die Kabinen zum Pausentee.

Kiel

Es dauerte im zweiten Spielabschnitt nicht lange, bis das Tempo wieder aufgenommen wurde. Sehenswerter Kampf um den Ball, doch hochkarätige Möglichkeiten gab es zunächst nicht allzu viele zu sehen. Ein Schippchen drauf legte nun das Publikum. Es war wieder Wedeln und Wippen angesagt. „Fußballclub Magdeburg - 1. FCM!“ Sämtliche Tribünen wurden nun wieder mit einbezogen. In der 63. Minute gab es einen Kieler Freistoß von der rechten Seite, doch Magdeburg war achtsam. In der 71. Minute war es ein Freistoß der Magdeburger, der für Gefahr sorgte. Der Ball wurde zur Ecke geklärt. Am Ende rechneten die meisten Zuschauer dann bereits mit einem torlosen Remis. Kurz nachdem jedoch aus dem Block U ein lautstarkes „Vorwärts Magdeburger Jungs!“ ertönte, klingelte es im Gästegehäuse. Der Ball wurde hereingeflankt, Handke leitete den Ball weiter, Christian Beck stand bereit und machte den frenetisch umjubelten Treffer zum 1:0. Tausende hochgerissene Arme. Mit diesem Sieg hatte man nicht mehr unbedingt gerechnet. Umso größer die Freude. Doch noch war nicht Schluss. Kiel warf noch einmal alles nach vorn. In der 90. Minute rettete schließlich Jan Glinker mit einer Parade die drei Punkte. Der vierte Sieg in Folge war in trockenen Tüchern. 

FCM

Da Sportfreunde Lotte und der VfL Osnabrück verloren hatten, rückte oben noch alles enger zusammen. Hinter Tabellenführer MSV Duisburg haben mit Aalen, Lotte, Regensburg, Osnabrück und Fortuna Köln gleich fünf Teams 17 Punkte. Direkt dahinter folgen Hansa Rostock, Wehen Wiesbaden und Magdeburg mit 16 Punkten. Mit einem Sieg in Magdeburg hätte Holstein Kiel nun auf Rang zwei gestanden, so aber ist Rang 11 der Stand der Dinge. Die kommenden Aufgaben für Kiel und Magdeburg: Nord-Duell gegen die U23 des SV Werder Bremen, Ost-Duell beim FC Rot-Weiß Erfurt. Man darf gespannt sein!

Fotos: Marco Bertram 

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Magdeburg

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
15.124
Gästefans
250

Ligen

Inhalt über Liga
3. Liga
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