1. FC Magdeburg vs. Eintracht Frankfurt: Nachbetrachtung eines hochdramatischen Spiels

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MB 22 August 2016

SGE„Seid Ihr denn des Wahnsinns?“, brüllte der Stadionsprecher. Sekunden zuvor flog aus dem Gästeblock heraus ein Knallkörper in Richtung Gegengerade. „Wessi-Schweine!“, ertönte es lautstark von den Rängen. „Lasst das sein, das ist ja schrecklich!“, echauffierte sich der Kommentator bei Sky Sport. Im Gästebereich qualmte und brannte es. Eine Minute später brannten im Magdeburger Block U einige Sicherungen durch. Werbebanden wurden umgetreten, ein paar Vermummte strömten in den Innenraum. All der Hass und die Wut auf Frankfurt entluden sich nun. Sicherlich wurden diese Werbebanden ganz gezielt umgetreten, schließlich wurden sie vom DFB aufgestellt. Die elektronischen Varianten aus dem Ligaalltag wurden für diesen Tag in die Katakomben gebracht. Die FCM-Spieler versuchten die aufgebrachten Fans zu beruhigen. Nur nicht von den Gästefans provozieren lassen, nur nicht dieses Spiel zum Abbruch bringen! Polizeiliche Einsatzkräfte strömten heran und verhinderten einen möglichen Platzsturm bzw. einen Durchmarsch in Richtung Gästeblock. Dass das Spiel nun in der 48. Minute erst einmal unterbrochen wurde, liegt auf der Hand. Zumal es an der Nahtstelle zwischen Gegengerade und Gästebereich auch brenzlig zu werden schien.

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SGEEine Menge Holz wurde im Vorfeld dieser Partie aufgelegt. Noch nie trafen diese beiden Vereine im Rahmen eines Pflichtspiels aufeinander. Magdeburg gegen Frankfurt. Fantechnisch ist dies ein Duell auf allerhöchstem Niveau. Und auch die Garde, die es etwas robuster mag, hatte ihren Ruf zu verteidigen. Willkommen im Wilden Osten - aus Sicht der aktiven Magdeburger Fanszene wollte man Ultras Frankfurt & Co keinen Spielraum lassen. Dass es nun vor dem Block U zu zertretenen Werbebanden und weiteren unschönen Szenen kam, lässt jedoch auch manch einen alten Haudegen den Kopf schütteln. Kontraproduktiv. Extrem kontraproduktiv. Sicherlich ist in Menschenmassen geworfene / geschossene Pyrotechnik das Allerletzte, doch der DFB wird sich nun auch vor allem mit dem (versuchten) Platzsturm beschäftigen. 

FCMEine vernünftige Taktik fährt man allerdings beim Verein. Erst einmal Ruhe einkehren lassen, keine überhasteten Stellungnahmen online stellen. Keine Schuldzuweisungen. Unter dem Strich hieß es dann nach dem Spiel: „Das war heute einfach nur Gänsehaut - diese Stimmung!“ Dazu ein Foto von den Fans im Block U. Allesamt mit blauen Shirts, auf denen ein weißes Kreuz zu sehen war. Ein Kreuz hatten auch etliche Frankfurter Fans, und zwar auf dem Gesicht. Schwarzes Kreuz auf weißem Grund. Mit Kriegsbemalung à la bonne heure in den berüchtigten Osten ziehen. Braveheart lässt grüßen. Oder doch eher Alice Cooper? Sei es wie es sei, auf dem Rasen wurde Musik der allerfeinsten Güte gespielt. Ein Pokalfight wie es im Buche steht. 

FCMBereits nach sieben Minuten die Frankfurter Führung. Nach langem Pass nach vorn legte sich der schwedische Stürmer Branimir Hrgota den Ball zurecht und brachte diesen problemlos unter. Traubenbildung vor dem Gästeblock. In diesem jubelten frenetisch die hessischen „Bravehearts“. Die passende Antwort hatte allerdings der 1. FCM parat. So versuchte sich unter anderen Christopher Handke in sehenswerter Manier aus der Distanz. Magdeburg zeigte in den ersten 45 Minuten eine prima Partie, doch der Ausgleich wollte noch nicht gelingen. Kurz nach dem Wiederanpfiff kam es zu den eingangs geschilderten Szenen. Als „Wahnsinnige, die mit dem Leben anderer spielen“ bezeichnete der Sportschau-Kommentator die Frankfurter, welche die Pyro in die Menschenmassen warfen. Als vor dem Block U die Werbebanden umgetreten wurden, gab es bei der Sportschau-Zusammenfassung die Worte „Was sind das für Zustände bei einem Pokalspiel?“ zu hören. 

SGENachdem sich die Gemüter halbwegs beruhigt hatten, kehrten beide Teams nach der Unterbrechung auf den Platz zurück. Nach elf Minuten Pause konnte die Partie schließlich fortgesetzt werden. Und es blieb aufregend. Nachdem Pulido nach einem schmucken Doppelpass im Strafraum zu Fall kam, forderten die Magdeburger vehement Elfmeter, bekamen diesen aber nicht zugesprochen. Haareraufen auf Heimseite. Durchatmen bei den Gästen. Schiedsrichter Markus Schmidt sah den Körperkontakt kurz vor der Strafraumgrenze und gab es deshalb nur Freistoß, der jedoch zur Ecke abgelenkt werden konnte. Einen ähnlichen Freistoß gab es rund eine Viertelstunde vor Schluss. Nico Hamann nahm Maß und haute die Kugel in die Maschen. Ausnahmezustand auf den Rängen. Es brodelte. Der FCM war wieder im Spiel. Und nicht nur das! Christian Beck, ansonsten stets ein Torgarant, hatte den Matchball auf dem Fuß! Allein auf das Frankfurter Gehäuse zulaufend, hätte er in der letzten Minute der regulären Spielzeit die Bude zum 2:1 machen müssen! Der SGE-Keeper konnte jedoch den Schuss abwehren. Mit dem 1:1 ging es in die Verlängerung.

FCMWie einst beim Pokalspiel gegen Bayer 04 Leverkusen zeigte auch dieses Mal die Mannschaft des 1. FC Magdeburg eine grandiose Leistung. Die Pokalüberraschung lag in der Luft. Mit Schmackes ging es nach vorn, in der 100. Minute holte SGE-Spieler Hector die Sense raus. Gelb-Rot für ihn, in Unterzahl mussten die Frankfurter die restlichen 20 Minuten über die Runden bringen. Nachdem beide Seite noch einmal zu einer prima Möglichkeit kamen - sowohl Meier als auch Beck hätten jeweils die Entscheidung für ihr Team bringen können -, ging es schließlich ins Elfmeterschießen. Hamann legte in diesem problemlos für die Blau-Weißen vor. Ebenso souverän machte Alexander Meier seine Aufgabe. 1:1 nun auch im Elfmeterschießen. Beim folgenden Schuss von Puttkammer krachte es mächtig, und zwar am linken Aluminium. Rechts oben ins Dreieck netzte anschließend der Frankfurter Huszti ein. Als Gerrit Müllers Schuss gehalten werden konnte, schien der Drops bereits gelutscht. Doch noch war nicht aller Tage Abend, denn auch der Frankfurter Hasebe scheiterte am FCM-Keeper Zingerle. Gar nicht so schlecht geschossen, umso besser gehalten. 

SGENachdem Maurice Exslager seinen Elfmeter für den 1. FC Magdeburg verwandeln konnte, scheiterte auch Omar Mascarell am FCM-Torwart. Mehr Nervenkitzel ging nicht. Alles wieder offen.  In der Folge erledigten Beck für Magdeburg und Blum für Frankfurt souverän ihre Aufgaben. Nun trat Löhmannsröben an den Punkt. Seinen nicht allzu präzisen Schuss konnte der SGE-Keeper problemlos abwehren. Nachdem Varela ganz cool den Ball rechts oben unterbringen konnte, war es Gewissheit: Wie bereits gegen Bayer 04 Leverkusen mussten die Magdeburger auch gegen die Frankfurter Eintracht eine wahrlich unglückliche Niederlage im Pokal hinnehmen. Die Hessen konnten mit einem blauen Auge nach Hause fahren. Die Aufarbeitung der Vorfälle rings um das Sportliche wird indes gewiss noch ein paar Tage andauern. Auf 180 waren / sind auch zahlreiche eigene Fans. „Ich schäme mich mal wieder für diese Vollidioten!“, „Als Frankfurt-Fan steht´s mir bis oben… Schnauze voll von unserem Dreckspack!“, „Ihr seid eine Schande!“, war unter anderen in den sozialen Netzwerken zu lesen…

Fotos: Frank Langkabel, turus.net

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Spielergebnis:
4:5
Zuschauerzahl:
24.605
Gästefans
2000

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Und welcher Vorfall wird bundesweit von sämtlichen Medien breitgetreten? Der Rindernischel in Dresden...

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Die Volkspolizei, die es gut mit dir meint ...

-> http://meyview.com/die-volkspolizei-die-es-gut-mit-dir-meint/

[MeyView.com, 21. August 2016]

O
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Stand im Block 12 mit Freunden und Bekannten (u. a. mit einem 10-jährigen Jungen). Die 2. Rakete aus dem Gästeblock ist 5 Meter entfernt von uns explodiert. Ich würde mir wünschen, dass die Idioten, die das verzapft haben, nie wieder ein Fußballspiel besuchen dürften. Außerdem habe ich keinen Bock darauf, mich von diesem Pack als als Nazi-Schwein bezeichnen zu lassen. Alle von denen sollten nochmal Geschichte Klasse 10 nachholen (falls sie überhaupt je soweit gekommen sind). Da können sie lernen, wo die Nazis noch bis 1969 an der Macht waren...

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BFC Nazis im Heimbereich am Provozieren und dann über die Reaktion wundern

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@ Dagobert: Der gute Marco weilt derzeit gerade am anderen Ende von Europa und musste sich vor Ort vertreten lassen. Mit Hilfe der Fotos und Infos dann dieser (diesmal etwas geraffte) Bericht. Über detaillierte Aktionen auf der Gegengerade gibt es ansonsten sehr wohl Auskunft. Siehe Spielbericht gegen Dynamo Dresden, als zwei Fans ein FCM-BFC-Banner auf dem Rasen präsentierten. Dass die alte Garde des 1. FCM und des BFC gute Kontakte pflegen, ist soweit bekannt. Und der gute Marco schreibt bekanntlich nicht nur mit Leidenschaft über die Biffzen, sondern über weitaus mehr Vereine in der Region Nordost... ;-)

Beste Grüße
Marco

MB
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