Unzählige Spruchbänder und eine Jubelorgie: Dynamo Dresden haut RB Leipzig aus dem Pokal

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MB 21 August 2016
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SGDEine schützende Hand hielt vor dem K-Block das Vereinsemblem der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden - eingerahmt von den Worten „Gottes Werk“. Und es gab am gestrigen Nachmittag sogar ein Gegenstück: „Teufels Beitrag“ war weiß auf schwarz an der gegenüberliegenden Seite zu lesen, der Pfeil war auf den nicht ganz ausverkauften Gästeblock gerichtet. Und wahrlich, wenn es einen Fußballgott gibt, dann hatte dieser ganz gewiss bei diesem Pokalspiel die Hand mit im Spiel. Nachdem der Zweitligist gegen den Erstligisten aus Leipzig mit 0:2 zurücklag, hätte man durchaus denken können, der Drops sei gelutscht. Allerdings zeigte bereits der legendäre Pokalfight gegen Bayer 04 Leverkusen, als sogar ein 0:3 noch aufgeholt wurde, dass in Elbflorenz erst ein Spiel zu Ende ist, wenn der Schiedsrichter es abpfeift. Die SGD kämpfte sich gegen die selbsternannten „Roten Bullen“ zurück ins Spiel, Stefan Kutschke erzielte in der 47. Minute (Elfmeter) und 78. Minute zwei Treffer. Mit einem 2:2 ging es in die Verlängerung und schließlich ins Elfmeterschießen. In diesem konnte SGD-Keeper Marvin Schwäbe den Schuss von Dominik Kaiser abwehren. Das Stadion tobte vor Freude, Dynamo Dresden zog in die nächste Pokalrunde ein. Und nicht nur in Sachsen drehten die Fußballfans vor Freude durch, landesweit gab es Jubelgeschrei. Unter anderen auch beim parallel stattfindenden Pokalspiel Rot-Weiss Essen vs. Arminia Bielefeld. Als der Stadionsprecher das Ergebnis durchgab, wurde dieses lautstark gefeiert. Egal ob Dynamo-Sympathisant oder nicht - gestern feierten Millionen Fußballfreunde diesen historischen Sieg!

SGDAllerdings war nicht nur das Spielgeschehen Blickfang des gestrigen Nachmittages. Auch das, was sich auf den Rängen tat, ist eine ausführliche Beschreibung wert. „Alle in Gelb!“, hieß es im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Partie. Die Ultras Dynamo riefen dazu auf, Spruchbänder anzufertigen. Die Hände sollten mal weg vom Smartphone genommen werden. Stattdessen hieß es Hand anlegen. Und zwar mit Stift und Pinsel. Notfalls auch mit der Schwiegermutter. Dieses Mal sollte es nicht allein der aktiven Fanszene überlassen werden, in Form von Spruchbändern den Protest gegenüber RasenBallsport Leipzig zu äußern. Am gestrigen Nachmittag sollte jeder kreativ sein und einen Spruch auf Stoff oder Papier malen. Wer zu faul war im Vorfeld ein Spruchband anzufertigen oder vielleicht die Befürchtung hatte, es nicht durch die Einlasskontrollen nehmen zu dürfen, der konnte an den UD-Ständen hinter dem K-Block und der Hornbachtribüne noch rasch ein Spruchband anfertigen.

SGDDas Resultat war in der Tat beeindruckend. Fast der gesamte K-Block bildete einen Teppich aus Spruchbändern, und auch an anderen Stellen des Stadions wurde mit Hilfe der Spruchbänder gezeigt, was man von den „Roten Bullen“ aus Leipzig hält. Die Spannbreite war wahrlich groß. Mal kurz und knapp „Bullen töten!“, mal ausführlich in Form eines Reims „Geld regiert vielleicht die Welt, aber Leidenschaft das Fußballfeld!“ Da sämtliche Spruchbänder auf einem Blick gar nicht mit dem Auge fassbar waren, hier eine Auswahl. In sozialen Netzwerken gern geteilt wurde das Spruchband „Lieber saufen mit Lok als Bullen im Block“. Weiterhin in den Weiten des K-Blocks zu lesen: „Bier statt Red Bull“, „Bullen verdienen Prüüüüügel“, „Red Bull bekommt Prügel“, „Hack, hack, hack, heute gibt es Rinderhack!!!“, „Bullen sind zum Schlachten da“; „Bullen in die Schlachterei!“, „Die größte Schande im deutschen Lande die Leipziger Verräterbande!“, „RB = Lutscher“, „Schweine RBL“, „Alkohol und Nikotin statt Zucker und Taurin!“, „Der Widerstand wächst von Ost nach West, ganz Deutschland hasst die Bullenpest!“, „Wir haben die Bullenschweine einfach nur satt!“, „Mit Tradition und Herz gegen den Kommerz!“, „Euch soll der Blitz beim Sche**en treffen!“, „RB = Fußballtod“, „Dynamo unsere Liebe, Dresden unsere Stadt“, „Dynamo Dresden auf ewig Sachsens Nummer eins“, „Selbst euer Dosenpfand interessiert keinen Penner im Dynamoland!!!“, „RB? Or nee!“, „Love Football, hate RB!“, Wenn Erfolg über Prinzipien geht - FC* RB“, „Lieber in die Sche**e springen als für Red Bull Leipzig singen!“, „Ihr seid Sche**e wie der DSC!“, „Dynamo ist Liebe, RB ist bezahlt“, „Der größte DFB-Skandal - Österreich im Pokal“. Längst sind hiermit nicht alle Spruchbänder aufgezählt. Zum Abschluss noch zwei: „Red Bull verleiht Dünnschiss!“ und „Hättet Ihr Leidenschaft und wärt keine Kapitalisten, wär das ein Derby und ihr Lokist!“

RBLFür erhitzte Gemüter sorgte das gestrige Pokalspiel bereits im Vorfeld. Ein ins Netz gestelltes Video der „Red Aces Leipzig“ bot reichlich Gesprächsstoff, eine turbulente Diskussion gab es auch aufgrund einer News von einem Leipziger Magazin, das keine Akkreditierung für diese Partie erhielt. Kurzum: Bereits einige Tage vorher waren alle Beteiligten auf Betriebstemperatur. Für Erheiterung sorgte indes die Tatsache, dass nicht alle zur verfügbaren Gästetickets in Leipzig abgesetzt werden konnten. Statt der möglichen 2.500 fuhren letztendlich 1.900 RB-Fans in Weiß gen Dresden. Von der Polizei wurden diese sicher vom Hauptbahnhof zum Stadion und zurück gebracht. Diesbezüglich hat man in Dresden mit Sicherheit bereits gewisse Routine.

Zum Spielgeschehen: In der 12. Spielminute hatten die Hausherren gegen die komplett in Rot aufgelaufenen Gäste die erste fette Möglichkeit, Stefaniak setzte im zweiten Versuch einen Schuss knapp neben das Gehäuse. Auf der Gegenseite gab es wenig später den ersten Treffer des Tages zu sehen. Von der rechten Seite aus brachte Diego Demme den Ball herein, völlig unbedrängt konnte Marcel Sabitzer aus kurze Distanz das Spielgerät mit dem Kopf unterbringen. 1:0 für RB Leipzig. Zum ersten Mal konnte nun der Gästeblock in dem brodelnden Stadion akustisch wahrgenommen werden. Und es lief weiter gut für die Leipziger. Pfiff kurz vor dem Pausentee. Der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Handelfmeter für RasenBallsport. Kaiser hatte zuvor den Ball hereingeflankt, Sabitzer stand wieder bereit. Allerdings bekam Manuel Konrad beim Abwehrversuch die Kugel an die Hand. Dominik Kaiser übernahm Verantwortung und ließ sich trotz des gellenden Pfeifkonzertes nicht lumpen. Souverän haute er den Ball oben rein. 2:0 für RBL. Einiges schien nun für das Weiterkommen der Gäste zu sprechen. 

SGDMit der nötigen Portion Wut im Bauch kaum die Sportgemeinschaft vom Pausentee. Sogleich wurde der Ball nach vorn getrieben. Rasch sollte der Anschlusstreffer her - und der Plan ging auf. Im äußeren Bereich des Strafraumes ging Benno Schmitz recht ungestüm Stefaniak an. Zwar war sich dieser keiner Schuld bewusst, aber Fakt ist, so kann man nicht in den Mann gehen. Stefan Kutschke, der von 2010 bis 2013 bei RB Leipzig unter Vertrag stand, trat zum Punkt und verwandelte den fälligen Strafstoß in souveräner Manier. Nur noch 1:2 - da ging noch was! Und ja, Kutschke hatte nach seinem Treffer noch einmal klar gemacht: Mag sein, dass er mal in Leipzig gespielt hatte, doch geboren wurde er in Dresden! 

Die Gäste hatten die Partie nun nicht mehr sicher im Griff. Dresden drückte, allerdings gelang es den Leipzigern nach und nach wieder den Druck aus dem Kessel zu nehmen. Der Ausgleich fiel trotzdem. In der 78. Minute zog Kutschke aus zentraler Position kurz vor der Strafraumgrenze ab, rechts schlug der Ball im Leipziger Tor ein. Tosender Jubel auf den Rängen, das Stadion glich einem Tollhaus. Nachdem beide Seiten in der regulären Spielzeit noch einmal zu einer guten Möglichkeit kam, ging es in die Verlängerung. Leipzig mit mehr Zug, aber auch Dynamo hatte eine prima Möglichkeit, mit einem 3:2 das fällige Elfmeterschießen zu vermeiden. Ins Schwarze traf jedoch niemand mehr, nach 120 spannenden Minuten kam es nun zum großen Showdown. 

Kribbeln, Gänsehaut, Schweiß auf der Stirn, Hitzewallungen. Auf beiden Seiten trafen beim Elfmeterschießen die ersten drei Schützen. Dann trat RB-Kapitän Dominik Kaiser an den Punkt. Während er in der 45. Minute den Handelfmeter unterbringen konnte, scheiterte er dieses Mal an SGD-Keeper Marvin Schwäbe. Zu unpräzise wurde der Ball geschossen. Schwäbe ahnte die Seite und konnte den Schuss problemlos abwehren. Nachdem Gogia links oben und Aosman platziert links unten einlochten, war der Drops gelutscht! Die SG Dynamo steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Traubenbildung auf dem Rasen, tausende hochgerissene Arme auf den Rängen. Dynamo Dresden im siebten Fußballhimmel!

Fotos: Maik Demuth

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
7:6
Zuschauerzahl:
30.000
Gästefans
1900

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DFB-Pokal
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Scheint als ob du noch im Urlaub gewesen bist und nicht im Stadion :)
Etwas zu glatter Bericht ähnlich dem FCM-Eintracht Artikel.
Sonst guter Job!

R
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Ein großartiger Sieg, mal schauen was RBL in der Bundesliga so alles erwartet. Das wird kein Selbstläufer, die werden es auch sportlich schwer haben. Trotz des satten Geldes.

P
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