Kiefernwald und Sonnenschein: Die Loksche fährt in Luckenwalde den ersten Dreier ein

 
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MB 08 August 2016
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LuckenwaldeMan glaubt es kaum, aber zu DDR-Zeiten hatte der jetzige Regionalligist FSV 63 Luckenwalde einen äußerst kompakten, unspektakulären Namen: TSV Luckenwalde. Kein Motor, kein Energie, kein Vorwärts, kein Chemie, kein Rotation, keine Turbine und auch kein Traktor. Zumindest seit der Fusion im Jahre 1963 nicht. Die beiden damaligen Fusionspartner hatten sehr wohl einen DDR-typischen Vereinsnamen. Aus den einstigen Stadtrivalen BSG Motor Luckenwalde und BSG Fortschritt Luckenwalde entstand der besagte TSV Luckenwalde, der bis zum Fall der Mauer meist in der Bezirksliga spielte. Für einen Sprung in die DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse) hatte es nie gereicht. Nennenswerte Aufstiege durften erst im neuen Jahrtausend gefeiert werden. Als FSV 63 Luckenwalde erfolgte im Jahr 2000 der Sprung von der Landesklasse in die Verbandsliga Brandenburg. Am Ende der Saison 2008/09 gelang dann der Aufstieg in die NOFV-Oberliga. Als Südbrandenburger Verein war Luckenwalde stets ein Kandidat für einen Staffelwechsel. Mal hatten es die Luckenwalder in der Nordstaffel unter anderen mit dem BFC Dynamo zu tun, mal durften in der Südstaffel die Klingen mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig gekreuzt werden.

LuckenwaldeSo zum Beispiel im März 2012, als an einem Freitagabend insgesamt 1.047 Zuschauer die Oberligapartie sehen wollten. Rund die Hälfte drückte der Loksche, die auf Aufstiegskurs war, fest die Daumen. Und ja, auf den Rängen des Werner-Seelenbinder-Stadions herrschte auf beiden Seiten passable Stimmung. Luckenwalde hatte damals vor über vier Jahren mächtig mobil gemacht. So war in der Dämmerung eine Truppe anmarschiert, welche die Logos des 1. FC Union Berlin und des FSV 63 Luckenwalde auf den Shirts hatte. Und so dauerte es auch nicht lange, bis mit dem wohl bekannten Spruch „Welche Hu**, welcher Bock erschuf den 1. FC Lok?!“ mächtig provoziert wurde. Es war Dampf drin, doch so recht provozieren ließ sich der Messestädter Anhang nicht. Nur nicht aus der Reserve locken lassen. Zu wichtig war das ersehnte Ziel - der erstmalige Aufstieg in die Regionalliga Nordost.

LokInzwischen hat sich einiges getan. Nachdem der Sprung in die Viertklassigkeit gepackt wurde, musste nach zwei Jahren nochmals in der Oberliga angetreten werden. In der zurückliegenden Saison ließ der 1. FC Lokomotive allerdings nichts anbrennen und kehrte souverän in die Regionalliga zurück. Der FSV 63 Luckenwalde spielte ab 2012 wieder in der Nordstaffel der NOFV-Oberliga, in welcher 2015 als Tabellendritter der Aufstieg in die Regionalliga gefeiert wurde. Mächtig Lehrgeld musste in der vergangenen Saison gezahlt werden. Denkbar knapp konnte die Klasse gehalten werden - dem Aufstieg des FSV Zwickau sei Dank. Nun also gab es am Sonntagnachmittag bei herrlichem Sommerwetter ein Wiedersehen der beiden Vereine, die Blau und Gelb als Vereinsfarben haben.

Lok815 Zuschauer hatten sich eingefunden (der MDR sprach von 915), um in Sichtweite der Märkischen Kiefern dem Geschehen auf dem sonnigen Rasen beizuwohnen. Über die Hälfte von ihnen fand sich im langgezogenen Gästeblock ein. Dass die 1.000er Marke nicht geknackt werden konnte, lag wohl vor allem an der 0:4-Klatsche am ersten Spieltag beim FC Oberlausitz Neugersdorf. Allerdings hat sich generell einiges im Heimbereich geändert. Den Stimmungskern im Stehplatzbereich neben der Klein-aber-fein-Haupttribüne gibt es nicht mehr. Zwar steht noch immer jemand dort mit Trommel und Tröte, doch einen Support gab es beim Heimspiel gegen die Loksche nicht zu hören und nicht zu sehen. 

LokDass auch der Support im Gästebereich nicht die allerste Sahne war, lag an der besagten Struktur des Gästeblocks und der fehlenden Brisanz des Spiels. Wenn Gästefans auf drei Stufen auf einer gefühlten Länge von 100 Metern verteilt stehen, ist halt knackige Stimmung nicht wirklich zu erwarten. Zumal bei der sommerlichen Wärme manch einer mehr als einmal beim Bierstand vorbeischnupperte. Wichtig war am gestrigen Sonntag das Geschehen auf dem Rasen. Der Gastgeber wollte die böse Klatsche vom ersten Spieltag ausmerzen, die Jungs aus Probstheida wollten sogleich an die gute Leistung gegen den FC Energie Cottbus (1:1) anknüpfen und der Konkurrenz mal gleich zeigen, wo der Hammer hängt. Schließlich möchte man sich in der Regionalliga etablieren und dann in drei Jahren mal langsam aber sicher schauen, was sonst noch so machbar wäre.

LokZu Beginn spielte Luckenwalde mutig auf und kam auch zu einer vielversprechenden Chance, bei der Lok-Torhüter Julien Latendresse-Levesque mit einer hübschen Parade zu glänzen wusste. Nach einer Viertelstunde kam allerdings Lok Leipzig besser ins Spiel, und der erste Treffer ließ nicht lange auf sich warten. Von der rechten Außenbahn brachte Maik Georgi den Ball gefühlvoll vor das Gehäuse, vor diesem stand Djamal Ziane bereit und köpfte zum 1:0 für den 1. FC Lokomotive ein. Nachdem die knappe Führung in die Kabine zur Pausenerfrischung genommen werden konnte, machten die Leipziger im zweiten Spielabschnitt weiter Dampf. In der 72. Minute kam Daniel Becker, der einst drei Jahre in Luckenwalde gespielt hatte, ins Spiel. Und zack, nur sechs Minuten später holte er den Hammer raus und machte aus beachtlicher Distanz mit Wucht und Gefühl das 2:0 klar. Erlösender Jubel bei den Spielern und den zahlreichen mitgereisten Fans. Das Ding war in trockenen Tüchern. Der erste Dreier der Saison war in Reichweite. 

Und richtig, da brannte nix mehr an, auch wenn noch eine Gelb-Rote Karte verschmerzt werden musste. Da ging sogar noch was! In der letzten Spielminute schlenzte Djamal Ziane das Spielgerät mal eben unter die Latte. 3:0 für den Aufsteiger. Abpfiff. Der eingefahrene Sieg durfte ausgiebig gefeiert werden. In Luckenwalde muss man indes nun schauen, wie man wieder das Ruder herumreißen kann. Während der 1. FC Lok am Mittwochabend im Bruno-Plache-Stadion den FSV Wacker Nordhausen empfangen wird, muss Luckenwalde zur U23 von RasenBallsport Leipzig reisen.

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Lokomotive Leipzig

Spielergebnis:
0:3
Zuschauerzahl:
815
Gästefans
500

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Regionalliga
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