Saison der Underdogs: BFC Preussen gewinnt den Berliner Landespokal

R 30 Mai 2016
Saison der Underdogs: BFC Preussen gewinnt den Berliner Landespokal

BFC PreussenIn den letzten Jahren stand im Finale des Berliner Landespokals regelmäßig ein Regionalligist, der dann auch standesgemäß den Titel holen konnte. Dass es in diesem Jahr anders kommen sollte, stand schon vor Anpfiff fest – denn dieses Finale fand ohne Mannschaften der höchsten spielberechtigten Liga statt in der sich Berliner Vereine tummeln. In den bisherigen Runden gab es also zahlreiche Überraschungen und Favoritenstürze (oder „giant killings“, wie es auf der Insel so schön heißt). Also eigentlich genauso, wie man sich das aus neutraler Sicht wünscht – der Underdog hat eine Chance. Und so kribbelte es auch vor diesem Finale, denn der vermeintlich leicht favorisierte Oberligist SV Lichtenberg 47 konnte keineswegs siegessicher gegen die eine Liga tiefer spielenden Preussen sein. Beide Teams hegten in ihrer jeweiligen Liga zarte Aufstiegsambitionen, beide müssen sich kurz vor Schluss aktuell mit Platz 5 begnügen.

BerlinIn der Frankfurter DFB-Zentrale war man derweil nicht untätig und hat sich für diese Saison ein neues selbsternanntes „Premium-Produkt“ (dieses Wording zog sich dann auch durch die einzelnen lokalen Pressekonferenzen) ausgedacht, den „Finaltag der Amateure“ – alle Landespokalfinals sollten simultan an einem Tag an drei Uhrzeiten stattfinden und als Konferenz in den regionalen öffentlich rechtlichen Sendern übertragen werden, im Internet zudem per Livestream auch alle Partien einzeln. Diese Plänen wurden nicht nur bejubelt, denn anscheinend wurde nicht sonderlich viel vorab mit den einzelnen Verbänden kommuniziert, z.T. standen Relegationsspiele zur selben Zeit an, so dass einige Finals schon vorher stattfanden. Die Vereine erhalten zudem keine zusätzlichen Einnahmen, dafür aber zusätzlichen organisatorischen Aufwand. Aber eben auch ein klein wenig öffentliche Aufmerksamkeit – der eine oder andere Spieler oder Verein wird sich sicherlich über seine „15 minutes of fame“ freuen.

L473.874 Fans in Berlin war trotzdem nach Stadionatmosphäre zu Mute, sie verteilten sich gleichmäßig auf das schwarz-weiße Lager der Preussen und auf das der Lichtenberger, die vornehmlich in roten Pokal-Shirts angereist waren und zu Beginn eine kleine Choreo präsentierten bestehend aus „Lichtenberg 47“ Banner, Logo und rot/weißen Luftballons.

Lichtenberg hatte auf dem Weg ins Finale lediglich mit Ligakonkurrent Tennis Borussia eine etwas anspruchsvollere Aufgabe gemeistert, jedoch selber keinen Giganten erlegt. Die Preussen hingegen kegelten im Viertelfinale Oberligist Hertha Zehlendorf raus, die momentan in der Tabelle vor Lichtenberg stehen. Daran knüpften sie an, schon früh wurde heute deutlich, dass in dieser Saison erneut ein Underdog triumphieren könnte: Preussen war deutlich aggressiver in den Zweikämpfen und kämpften auch besser „um den zweiten Ball“, wie Lichtenbergs Trainer Uwe Lehmann später zugab. 

L47Durch dieses konsequente Auftreten wurden Lichtenbergs Bemühungen schon im Keim erstickt und erarbeitete sich der Underdog selber Möglichkeiten, zunächst über Ecken – eine davon köpfte Preussens Top Torjäger René Robben bereits in der 19. Minute zur Führung ein. Im restlichen Verlauf der ersten Halbzeit war Preussen dem zweiten Tor näher als Lichtenberg seinem ersten – Robben versiebte dabei unter anderem freistehend eine hervorragende Möglichkeit.

PreussenAn einem lauen Tag zog die Sonne noch lange ihre Kreise über dem Jahnsportpark und trug zu einer entspannten Atmosphäre auf den Rängen bei. Hier dominierte heute Familienfestcharakter mit Kind und Kegel, dennoch gab es immer mal wieder Sprechchöre von beiden Seiten. Preussens Fans waren mit der Führung im Rücken naturgemäß lauter („ohne Preussen wär hier gar nix los“) und das sollte sich auch durch den Rest des Spiels ziehen.

L47In der zweiten Halbzeit hatte Lichtenberg zwar mehr Ballbesitz und zeigte offensive Bemühungen, spielte aber komplett ineffektiv. Eine zwingende Schlussoffensive mit der üblichen Hektik kam zu spät, verpuffte, und so konnte Preussen die knappe Führung über die Runden bringen – der Trainer Andreas Mittelstädt konnte es später selbst kaum glauben, blätterte daher ein wenig im Büchlein der 100 Fußballphrasen und blieb bei „K“ hängen – heute war es vor allem Eines entscheidend: „Kopfsache.“ Na dann.

Nach Schlusspfiff folgten typische Bilder: auf der einen Seite zusammengerutschte, weinende, tröstungsbedürftige Männer, auf der anderen Seite Testosteron-Überschuss pur mit variationsreichen Jubelposen und einer Selfie-Runde mit dem Cup für jeden.

PreussenAm Ende geht diese Berliner Pokalsaison konsequent mit einem „giant killing“ zu Ende, wobei der Riese hier überschaubar ist – für Lichtenberg ist eine Finalteilnahme auch ein seltener Moment; gegen eine unterklassige Mannschaft wurde heute eine selten große Chance vertan. Der Traum vom DFB-Pokal Startplatz mit garantierten 140.000 Euro Einnahmen und einer Chance auf einen attraktiven Gegner ist zerplatzt wie die Luftballons der Anfangschoreo. Preussens Trainer ließ sich noch zu keiner Aussage hinreißen, wie sein Verein diese Einnahmen investieren würde, blätterte dann aber noch mal in seinem Büchlein und wurde auf den letzten Seiten bei „W“ fündig: Wunschgegner? „FC Bayern München“. Na dann.

Text & Fotos: Felix

> zur turus-Fotostrecke: Lichtenberg 47 vs. BFC Preussen

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:0
Zuschauerzahl:
3.874

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